Am Sattel kommen dann die Felle drauf. Der P18 Vorderbacken wird an seinem neuen, kleinen Sicherungsschalter am Standfuß entriegelt und dann abgezogen. Die Sicherung ist lediglich nötig, um den Verlust bei Stürzen oder beim Tragen zu verhindern. Der Backen wird in der Abfahrt durch die Skischuhe in seiner Position gehalten. Ein Rausfallen des Backens während der Fahrt ist baubedingt unmöglich. Die Vorderbacken sind nun sorgfältig im Rucksack zu verstauen. Es wäre wohl ein ziemliches Fiasko, diese am Gipfel zu vermissen, wobei das keinem der Tester in langjähriger CAST-Nutzung je passiert ist.
Der CAST Pinbacken wird unter die Schulterhülsen gesteckt, bis dessen Fixierungssicherung, der kleine Schalter, einklickt. Die Stopper werden mit der simplen, aber sehr gut funktionierenden, Stopperplatte fixiert und zum reibungsfreien Aufstieg in Abfahrtsstellung blockiert. Hierfür muss man die Platte am Kombiblock hinter den Steighilfen nach unten drücken und die Stopper evtl. zusätzlich nach oben zusammen halten, der Stopper klickt von unten in die Platte ein. Anfänglich habe ich dieses saubere Einrasten nicht immer abgewartet und der Stopper sprang während des Aufstieges wieder raus. Das passiert nun nicht mehr. Mittlerweile schaffe ich es auch, die Stopper zu arretieren während ich in der Bindung stehe.
Der Einstieg mit den Zehenspitzen des Schuhs geht mit etwas Übung mittlerweile problemlos und die Pins schnappen nach leichtem Druck nach unten sauber zu. Im geschlossenen Zustand der Pinbacken verriegeln diese gleichzeitig die Position an den Schulterhülsen über zwei Bleche an den vorderen Schrauben, was einen Formschluss herstellt und somit auch ein Lösen des Pin-Vorderbackens verhindert. Also: Vorderbacken verriegeln durch Hochklappen des Hebels und los gehts!
Im flachen Anstieg ist das System unauffällig. Im Gegensatz z.B. zu einer Salomon-Guardian oder Dynafit Beast hat es eine flache, steighilfefreie Einstellung und ich kann mit großer Schrittweite rasch dahingleiten.
Im Aufstieg merke ich den Vorteil des Pin-Systems. Das Klappern, das ich noch von den Rahmenbindungen kenne, fehlt mir nicht. Nun kommt die erste Spitzkehre. Das System hat hier zwei Eigenheiten. Zum Ersten ist der Montagepunkt im Aufstiegsmodus durch den „kürzeren“ Cast-Pinbacken nach vorne verlegt. Ich trete somit nicht in den Hinterbacken und beim Abheben des Skis im Aufstieg stehe ich auch in einem Freerideski mit eher hecklästiger Montage näher am Skischwerpunkt. Zum Zweiten hilft mir der schwere Hinterbacken der Look, da der Ski für eine Spitzkehre einfach nach unten klappt. Des Weiteren ist die Bewegung des Schuhs nach vorne nicht beschränkt. Spitzkehren funktionieren also sehr zufriedenstellend.
Der Aufstieg auf meiner Tour wird steiler, ohne Steighilfe wird es zunehmend anstrengend. Beim ersten Mal musste ich noch nach unten greifen, um die Bügel der Steighilfe auszuklappen. Mittlerweile finde ich mit dem Stock die Bügel und kann diese auf und zu klappen. Die Steighilfe ist dann sehr stabil. Ich kann im Steilen sehr sicher den Ski mit gezieltem Druck auf den Fellen positionieren. Es gibt zwei Bügel mit deutlich unterstützenden Stufen zur Steighilfe. Gemessen habe ich den Winkel bei meinen 337mm langem Schuh nicht. Bei kürzeren Schuhen wird sich diese noch deutlicher auswirken.
Die letzten Meter bis zum Gipfel der Variante: Die Mitstreiter haben mich in den steilen Anstiegen erst spät eingeholt und so sind wir alle gemeinsam oben. Das System funktioniert und hat alle Strapazen mitgemacht. Ich brauche eine etwas längere Pause als die anderen bevor ich wieder zurück baue in den Abfahrtsmodus. Zunächst klappe ich die Steighilfen wieder ein, dann die Stopper indem ich sie kurz hinter dem Fersenteil zusammenhalte. So gehts deutlich leichter und die Platte des Kombiblocks gibt den Stopper frei. Die Platte rastet beim Zurückschieben auf den Kombiblock ein.
Die Tourenbacken lassen sich nach dem Entriegeln der Sicherung leicht abnehmen. Kurz entferne ich den Schnee von den Schulterhülsen, was recht leicht geht, und stecke die Vorderbacken der P18 bis zum Einrasten der Sicherung auf die Ski.
Felle ab und zusammen mit den CAST-Pinbacken zurück in den Rucksack. Schuh zurück in den Abfahrtsmodus und mit einem satten Klack steige ich in die P18 ein.
Zum Einstieg muss man erneut über einen leicht gefrorenen Grat und ich überhole die Tourengeher, die im schwierigen Schnee auf ihren Ultralightsystemen etwas unsicher und langsam dahin rutschen. Der noch unbefleckte, gepuderte Nordhang wartet auf mich. Der nachfolgende Aufstieg macht mir keine Sorgen. Vielleicht schaff ich ja noch eine Runde…
Qualität des Systems
Die Teile wirken generell sehr hochwertig und robust.
Zur Produktionsqualität dieser ersten Kleinserie wurden uns von den Entwicklern schon folgende Neuerungen für den Pinbacken der nächsten Saison angekündigt:
- Die Stiftverbindungen, welche die Seitenteile an seine Grundplatte halten, sollen zukünftig genietet werden. (Wir haben keinen Stift verloren, es gab aber einen Fall, wo er sich verschoben hatte und ein anderer Stift schien etwas kurz.)
- Der Einspritzprozess der Kunststoffteile wird noch serienreif werden. (Es gab einen Einzelfall eines gebrochenen Hebels, dieser ließ sich aber noch bedienen)
Es gab im Test keine Totalausfälle, alle Touren und Unternehmungen konnten wie geplant durchgeführt werden.
Nachdem der ein oder andere leichte Schwierigkeiten bei der Montage hatte, diese Verstimmungen sich aber in der Praxis legten, waren die Stimmen einheitlich positiv. Beide Tester haben sich für das System entschieden, weil sie mit den Aufstiegslösungen ihres Freerideequipments nicht zufrieden waren und das CAST System eine attraktive Alternative bietet. Die Sicherheit einer P18 wissen wir schon lange zu schätzen.
Die oben beschriebenen Tipps helfen bei der Montage und dem Handling dieses Bindungssystems und vermeiden frühzeitige Frustration.