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Langzeittest | Fritschi Tecton

Die Tecton im Dauereinsatz

24.11.2018

Nachdem wir vor etwa einem Jahr einen Kurztest veröffentlicht haben, konnte ich die Fritschi Tecton mittlerweile bei praktisch allen Bedingungen auf Herz und Nieren testen. Im vergangenen Winter war sie neben den Alpen auch in Alaska dabei, jetzt im „Sommer“ habe ich sie mit nach Neuseeland genommen.

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Lorenzo Rieg
Fritschi Tecton
terrainFiordland, Neuseeland

Nachdem wir vor etwa einem Jahr einen Kurztest veröffentlicht haben, konnte ich die Fritschi Tecton mittlerweile bei praktisch allen Bedingungen auf Herz und Nieren testen. Im vergangenen Winter war sie neben den Alpen auch in Alaska dabei, jetzt im „Sommer“ habe ich sie mit nach Neuseeland genommen.

Tester und Testbedingungen

Ich habe die Bindung mittlerweile an über 30 Tagen im Einsatz gehabt. Neben dem Scott Cascade in 189cm habe ich sie Großteils auf einem Downskis LowDown 102 in 186cm getestet. Als Schuhe habe ich meist die "alten" Scarpa Maestrale RS verwendet. An Bedingungen war mittlerweile wohl ebenfalls praktisch alles dabei. Natürlich bin ich mit der Bindung meistens auf Tour unterwegs, ein paar Tage im Skigebiet haben sich allerdings mittlerweile auch eingeschlichen. Zu den grundsätzlichen Eigenschaften der Bindung möchte ich hier nicht allzu viel wiederholen, sondern verweise nochmals auf den Kurztest aus dem Oktober 2017.

Zusammenfassend verspricht die Konstruktion tolle Kraftübertragung bei komfortabler Bedienung und hoher Sicherheit. Letzteres nicht nur durch die einstellbare Auslösung und hohe Elastizität am Vorderbacken sondern auch durch die mögliche Auslösung im Aufstieg, was aktuell bei Pin-Bindungen einzigartig ist. Während sich die Bindung den Vorderbacken mit der Vipec teilt, ist der Hinterbacken ein ganz anderer. Er greift sowohl am Skischuhrand als auch an den Inserts. Das ermöglicht der Tecton nicht nur eine exzellente Kraftübertragung sondern im Zusammenspiel mit dem Vorderbacken auch ein exzellentes Auslöseverhalten.

Noch einmal betonen möchte ich auch hier die Wichtigkeit einer korrekten Einstellung der Tecton. Beide Bindungsbacken müssen unbedingt richtig und genau auf die Schuhe eingestellt werden, was etwas speziell ist. Also, bitte Bindung im Fachhandel montieren und auf die Schuhe einstellen lassen!

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Lea Hartl
Lorenzo Rieg
terrainPitztal

Haltbarkeit und Bedienung

Auch nach mittlerweile längerem Einsatz zeigt die Bindung keine Verschleißerscheinungen. Sowohl Vorder- als auch Hinterbacken sitzen noch wie am ersten Tag, auch Steighilfen oder Stopper weisen erfreulicherweise keine Abnutzungsprobleme auf. Von Seiten der Haltbarkeit gibt es also ein Lob für die Tecton - ich hätte hier keinerlei Bedenken.

Auch über die Bedienung kann ich mich nicht beschweren, ganz im Gegenteil. Während das Umschalten vom Ski- in den Gehmodus zu Beginn etwas ungewohnt ist, geht es doch leicht von der Hand und jegliche Umstellung wird mit einem vernehmlichen Klick quittiert. In wirklich seltenen Fällen hat sich etwas Schnee bzw. Eis in den Hinterbacken gesammelt, was das Umstellen in den Abfahrtsmodus ein wenig behindert. Ein wirkliches Problem hatte ich damit (ganz im Gegensatz zu anderen Bindungen) bisher allerdings nicht. Wirklich gut gelöst ist auch der Einstieg in die Bindung. Mit dem aktuellen Vorderbacken ist das ähnlich leicht wie bei einer Alpinbindung. Auch Pin-Neulinge schaffen es mit etwas Zielen auf Anhieb in die Bindung – Best in Class!


Aufstieg

Die Bindung ist naturgemäß nicht das leichteste Modell auf dem Markt, allerdings ist sie auch alles andere als schwer. Da es sich um eine Pin-Bindung handelt, geht der Aufstieg sowieso leicht von der Hand und zusätzlich hat man den Vorteil, dass die Tecton eben nicht komplett verriegelt ist, sondern bei einem Sturz oder im Fall einer Lawine durchaus auslösen kann. In meiner Zeit mit der Bindung hatte ich keinerlei Probleme mit unbeabsichtigtem Auslösen im Aufstieg, das System scheint hier also gut zu funktionieren, wobei ich den Ernstfall glücklicherweise nicht testen musste. Der Vorderbacken ist im Aufstieg auch schön steif und erlaubt präzises Gehen bei harten Bedingungen. Wie immer sind auch die guten Fritschi Harscheisen zu loben, wenngleich ich Harscheisen aus persönlicher Präferenz selten einsetze.

Auch das Umstellen der Steighilfen geht leicht mit der Skistockspitze. Es ist eindeutig, dass man sich seitens des Herstellers viele Gedanken zum Bedienkomfort der Tecton gemacht hat. Auch das Umstellen von Aufstieg zu Abfahrt und umgekehrt ist in der Praxis schnell erledigt.

Einen Nachteil im Aufstieg möchte ich allerdings nicht verschweigen, dabei handelt es sich um die Bewegungsfreiheit mit verschiedenen Schuhen. Prinzipiell funktioniert die Tecton mit allen Skitourenschuhen, die über Inserts und einen minimalen Skischuhrand an der Ferse verfügen. Je nach Form der Skischuhspitze sowie der Position der Inserts kann es aber durch die Form des Verriegelungshebels, der ja bei einem Sturz den Vorderbacken aufdrückt, zu einer Einschränkung der Schrittlänge kommen. Dies war mit meinen Scarpa Maestrale RS eigentlich kein Problem, mit anderen Schuhen, die ich ebenfalls mit der Bindung ausprobiert habe, konnte ich allerdings im flachen Gelände meine Schritte nicht voll ausgehen und auch Spitzkehren in sehr steilem Gelände, gerade beim Spuren, waren eingeschränkt, da der Ski nicht bis in den gewohnten Winkel abklappen kann. Dies liegt neben dem Schuhmodell und der damit verbundenen Position der Inserts und Form der Schuhspitze natürlich auch an der Schuhgröße und der Schrittlänge. Aus diesem Grund empfehle ich nochmals, die Bindung zusammen mit den Schuhen zu testen bzw. sich im Fachhandel beraten zu lassen.

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Fritschi
Tecton

Abfahrt

Bei der Abfahrt zeigt die Tecton keine Schwächen. Die Bindung dämpft durch die Elastizität in Vorder- und Hinterbacken ein wenig und fährt sich dadurch nicht so hart wie klassische Pin-Bindungen sondern eher wie eine Alpinbindung, was ich als angenehm empfinde. Generell bietet die Bindung eine tolle Kraftübertragung, insgesamt würde ich die Abfahrtsperformance durchaus mit der einer Alpinbindung vergleichen.

Auch beim Auslöseverhalten bleiben keine Wünsche offen. Die Tecton verfügt über eine hohe Elastizität, der Ski bleibt dadurch am Fuß wenn er soll, aber die Bindung löst aus wenn sie soll (aufgrund von zunehmendem Alter meinerseits kommen Stürze allerdings auch nichtmehr gerade täglich vor). Die Tecton vermittelt jedenfalls viel Sicherheit und ich vertraue ihr mittlerweile voll und ganz. Weder hohe Geschwindigkeiten im harten Schnee, noch kleinere Drops bringen sie aus der Ruhe. Natürlich ist der Einsatzbereich schon aufgrund des Z-Wertes eher im Touren- als im hardcore Freeridebereich zu sehen, dafür hat die Bindung in diesem Bereich durchaus auch Reserven für schwere Fahrer, die eine zügige Fahrweise bevorzugen.

Fazit

Tolle Bindung, die kaum Wünsche offen lässt. Tolle Performance bei der Abfahrt, einfach und schnell zu bedienen, hohe Sicherheit und auch leicht genug für lange Aufstiege. Leider leichte Einschränkungen bei der Nutzung mit manchen Schuhmodellen.

Vor- und Nachteile

+Super Kraftübertragung

+Hohe Sicherheit dank einstellbarer Auslösung am Vorderbacken

+Auslösung im Aufstieg möglich

+Leichter Einstieg & komfortable Bedienung

-Bei manchen Schuhen Schrittlänge eingeschränkt

Details

UVP €534,95

Niederhaltesystem mit Alpin-Fersenbacken: Direkter Kontakt Schuh-Bindung-Ski - Der Fersenbacken drückt die Schuhsohle fest auf die mit dem Ski direkt verbundene Fersenplatte und sorgt für stetigen direkten Kraftschluss.

Power-Rail: Der Schuh bleibt fix - Als absolutes Novum greift das Power Rail hinten in den Schuh ein, fixiert ihn in der Mitte und verhindert Kraftverluste.

Feste, nicht drehbare Ferseneinheit: Die Ferseneinheit bleibt seitlich stabil - Der Kraftfluss in Kurvenfahrten wird nicht wie bei anderen Pin-Bindungen durch eine Drehbewegung unterbrochen.

Langer dynamischer weg von 13mm: Auslösung, nur wenn nötig – dank dynamischem Weg - Der längste dynamische Weg von 13 mm verhindert ungewollte Auslösungen und dämpft seitliche Schläge, damit der Ski stets den besten Grip behält.

Seitwärtsauslösung mit DIN-Einstellung vorne: Wie bei Alpinbindungen - Pin-Bindung mit Seitwärtsauslösung und DIN-Wert-Einstellung vorne, dort wo die seitlichen Kräfte bei einem Sturz wirken.

Frontalauslösung hinten mit 9mm dynamischem Weg: Frontalauslösung mit Dynamik - Die Frontalauslösung erfolgt über den Fersenbacken mit 9 mm dynamischem Weg. Die hohe Rückstellkraft der Feder verhindert ungewollte Auslösungen und kompensiert die hohen Zugkräfte auf das Bein beim Vorwärtssturz.

Release Lever: Nach der Auslösung der Ferse kippt der Schuh nach vorne. Über den Druck der Schuhnase auf den Release Lever wird der Schuh auch in der Fronteinheit sofort frei gegeben.

Notauslösung im Aufstieg: Guter Halt im Aufstieg und Sicherheit im Notfall - Der Schuh wird in der Mitte fixiert und festgehalten. Bei grosser Krafteinwirkung löst die Bindung jedoch aus. Klemmsysteme müssen im Aufstieg zur Gewährleistung der Stabilität blockiert werden.

Fester Anschlag für den Einstieg: Einfacher Einstieg - Die Schuhspitze wird über einen festen Anschlag und eine Orientierungshilfe optimal positioniert. Auf leichten Druck schliesst sich das System, indem die Pin-Hebel präzise in den Inserts einrasten. Der Bewegungsablauf ist mit Alpinbindungen vergleichbar

Einfache, leichte Bedienung: Sicherheit in jedem Gelände, bei allen Verhältnissen – Die Umstellung von Aufstieg auf Abfahrt und umgekehrt erfolgt ganz einfach, ohne aus der Bindung auszusteigen. Auch die drei Gehstufen sind im Handumdrehen mit dem Stock umgestellt.

Hier geht es zur Website von Fritschi mit weiteren Informationen, hier könnt ihr die Tecton bei unserem Partnershop Bergzeit.de kaufen.

Die Bindung wurde PowderGuide zum Testen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Wie wir testen erfahrt ihr in unserem Test-Statement.

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Kommentare
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selle 29.11.2018 | 17:32 Uhr

Vielen Dank!

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lorenzo_pg 29.11.2018 | 08:35 Uhr

Guten Morgen,
Ehrlich gesagt hat die Vipec für mich praktisch keine Vorteile gegenüber der Tecton. Klar sagen muss man dass die Vipec Evo sehr gut funktioniert und man ein paar Gramm im Vergleich zur Tecton spart.
Dafür ist gefühlt der Hinterbacken von der Kraftübertragung etwas schwammiger (wirkt sich ehrlich gesagt aber kaum aus) und zudem zuverlässiger von der Auslösung (allerdings beruht das auf Theorie, ich stürze glücklicherweise nicht so oft dass ich dies aus der Praxis bestätigen kann), Konzeptbedingt weisst die Tecton aber natürlich eine höhere Flexibilität auf.
Zusammenfassend, kaum merkliche Unterschiede in der Performance allerdings ist die Tecton imho die "stärkere" Bindung und wiegt wirklich nur 50g mehr...

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selle 28.11.2018 | 14:27 Uhr

Danke für das Review! Was wäre denn die ein-bis-zwei-Sätze-Zusammenfassung zum Thema Vipec vs. Tecton?