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WetterBlog 9 2020/21 | Temperaturen wie im Winter

Nordstau und Sesselliftgespräche

13.01.2021

Nachdem uns der Zufall des labyrinthartigen Social-Distancing Liftanstehsystems zusammen gebracht und wir soweit wie möglich von einander entfernt zu zweit im Vierersessel Platz genommen hatten, nuschelte mein Liftkollege durch seine FFP2 Maske: „A Temparatur wia im Winter!“

500hPa Geopotential und Bodendruck, 13.1.21. Nordstau an den Alpen mit relativ kalter Luft aus Nordosten. add_circle
meteociel.fr
500hPa Geopotential und Bodendruck, 13.1.21. Nordstau an den Alpen mit relativ kalter Luft aus Nordosten.

Nachdem uns der Zufall des labyrinthartigen Social-Distancing Liftanstehsystems zusammen gebracht und wir soweit wie möglich von einander entfernt zu zweit im Vierersessel Platz genommen hatten, nuschelte mein Liftkollege durch seine FFP2 Maske: „A Temparatur wia im Winter!“

Ich nuschelte zurück: „mhm, homma long ned g'habt!“ und freute mich wie schon oft über die großartige Eignung des Wetters als unverfängliches Gesprächsthema mit Fremden. Die momentanen, frostigen Temperaturen sind, klimatologisch betrachtet, tatsächlich wie im Winter, bzw. für die Jahreszeit recht normal. Dass es uns so deutlich auffällt, zeigt vor allem, dass es in den letzten Jahren meist ziemlich warm war. In Innsbruck zum Beispiel gab es diese Woche zum ersten Mal seit etwa zwei Jahren wieder ein paar sogenannte Eistage, an denen die Maximumtemperatur unter Null Grad blieb.

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Viel Sonne und sehr kalt: In den Tage vor dem aktuellen Schneefall hat sich verbreitet Oberflächenreif gebildet. Achtung! add_circle
LH
Viel Sonne und sehr kalt: In den Tage vor dem aktuellen Schneefall hat sich verbreitet Oberflächenreif gebildet. Achtung!

Es ist und bleibt weiterhin winterlich kalt. Wie schon vom Orakel verkündigt, gibt es neben kühlen Temperaturen endlich auch Schnee für den Norden. Wo wieviel zu erwarten ist, weiß der PowderAlarm.

Wir betrachten die synoptische Lage zum Alarm: Das hauptverantwortliche Tief Dimitrios sitzt im Bereich Südskandinavien/Ostsee. Am gestrigen Dienstag erreichte zunächst eine Warmfront den Alpenraum und beendete das strahlende Winterwetter mit einem dichten Schirm hoher Wolken. Knapp dahinter folgte gegen Abend die Kaltfront und im Norden verbreitet einsetzende Schneefälle. Auch heute lässt es Dimitrios vor allem in den Staulagen weiter schneien, immer bei recht tiefen Temperaturen, da Dimitrios relativ weit östlich liegt und so die kälteren Luftmassen aus dem Nordmeer anzapfen kann. Bei klassischem Nordweststau kommt die Luft eher aus Richtung des deutlich wärmeren Atlantiks (im DWD Thema des Tages gab es kürzlich eine gute Erklärung zu unterschiedlichen Luftmassen). In der Nacht auf Donnerstag wird der Schneefall wieder stärker mit der nächsten Warmfront, die diesmal vom nächsten Tief stammt, das bereits über den britischen Inseln auf seinen Einsatz wartet. Der Donnerstag verläuft großteils trüb, aber die Schneefälle dürften nach und nach abklingen. Am Freitag wird es vor allem im Osten freundlicher und recht sonnig bei immer noch relativ kalten Temperaturen. Unbedingt die Lawinensituation beachten, wenn ihr unterwegs seid! Südlich des Alpenhauptkamms bleibt es während dieser Niederschlagsphase durchwegs mehr oder weniger trocken und mit Nordföhn häufig auch recht sonnig.

Frontenkarte, 13.1.21. Derzeit liegt eine langgezogene Kaltfront am Alpenbogen an. Bereits in der Nach ist die Warmfront von Tief Dimitrios durch gezogen. Das nächste Tief steht schon vor der Tür und wird heute Abend und morgen noch mitmischen. add_circle
ZAMG
Frontenkarte, 13.1.21. Derzeit liegt eine langgezogene Kaltfront am Alpenbogen an. Bereits in der Nach ist die Warmfront von Tief Dimitrios durch gezogen. Das nächste Tief steht schon vor der Tür und wird heute Abend und morgen noch mitmischen.
Weitere Aussichten, sonstiges

Wie es am Wochenende weiter geht, ist noch relativ unsicher. Aus heutiger Sicht ist der Samstag verbreitet sonnig, bevor es am Sonntag wieder zu zieht mit weiteren Schneechancen für den Wochenbeginn. Es bleibt tendenziell kühl und unbeständig bei einer Nord- bis Nordwestanströmung - ein Hoch über der Iberischen Halbinsel wölbt sich nach Norden auf und steuert atlantische Tiefs an seiner Ostseite zu uns.

Apropos Iberische Halbinsel: Hier stimmt die Basis nach den extremen Schneefällen vor ein paar Tagen jetzt auch. Was für die Gebirgsregionen sicher schön ist, sieht auch in Madrid und Umland nett aus, sorgt dort natürlich aber auch für viele Probleme, wie massives Verkehrschaos und Stromausfälle. Für den Siedlungsraum in den Alpen ist ein halber Meter Schnee nicht unbedingt Alltag, kommt aber schon mal vor. Man hat Winterreifen, Schneeketten, etc. und weiß: Der Räumdienst kommt früher oder später. In Madrid hat es seit mehr als 50 Jahren nicht mehr ähnlich viel geschneit. Viele Bürger der Stadt dürften ein solches Ereignis noch nicht erlebt haben. Abgesehen von den praktischen Schwierigkeiten liefert dieses Wetterereignis sicher noch auf Jahre Stoff für Smalltalk! (Bilder zum Beispiel hier.

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