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WetterBlog 5 2019/20 | Föhn, föhn, föhn

Stöhnen über den Föhn

18.12.2019

Die aktuelle Südföhnlage lässt vor allem in Westösterreich und Teilen der Schweiz schon fast Sommerfeeling aufkommen: in Feldkirch (Vorarlberg) wurden am Dienstag um 3 Uhr nachts 20°C gemessen und auch an einigen anderen Stationen waren die Temperaturen am Dienstagmorgen knapp an der 20° Marke.

Blick von der Hohen Salve nach Norden am Dienstag. add_circle
LH
Blick von der Hohen Salve nach Norden am Dienstag.

Die aktuelle Südföhnlage lässt vor allem in Westösterreich und Teilen der Schweiz schon fast Sommerfeeling aufkommen: in Feldkirch (Vorarlberg) wurden am Dienstag um 3 Uhr nachts 20°C gemessen und auch an einigen anderen Stationen waren die Temperaturen am Dienstagmorgen knapp an der 20° Marke.

Dazu passend gab es Sturm, am Patscherkofel am Dienstag beispielsweise mit Böen um die 150km/h. Südlich des Hauptkamms schneit es, allerdings nur ziemlich weit oben, wie vom Orakel erläutert. Am heutigen Mittwoch ist der Föhn nicht mehr ganz so kräftig, es weht aber insbesondere in den Föhnschneisen noch immer ordentlich und warm ist auch nach wie vor.

Aktuelle Lage

Verantwortlich ist ein Trog westlich von uns, der sich bis über die Iberische Halbinsel bis nach Nordafrika erstreckt. Wir liegen an der Vorderseite des Troges in einer südlichen Anströmung, die sehr milde Luft von dort nach Mitteleuropa lenkt. Daran ändert sich erstmal nicht allzu viel. Heute reicht der Trog nicht mehr ganz so weit in den Süden wie noch am Dienstag und ein kleines „Trogstück“ tropft ins Mittelmeer ab, daher ist die Anströmung weniger stark.

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Temperaturverlauf in Feldkirch add_circle
ZAMG
Temperaturverlauf in Feldkirch

Aussichten

Bis zum Freitag rückt ein kräftiges, vor der Westküste der Britischen Inseln waberndes Tief näher und wir liegen dann erneut in einer ausgeprägten Vorderseitenlage. Der Föhn dürfte am Donnerstag bzw. spätestens in der Nacht auf Freitag wieder deutlich stärker werden. Im Süden setzen dann auch wieder vermehrt Stauniederschläge ein, wobei es dort die nächsten Tage allgemein mehr oder weniger durchgehend regnet oder schneit. Wir vermuten, dass sich das Orakel dazu auch bald nochmal meldet und nehmen vorweg: Die Schneefallgrenze liegt etwas weiter unten als zuletzt, aber so richtig kalt wird es auch diesmal nicht.

Vermutlich greift der Niederschlag im Laufe des Freitags zumindest in den Westalpen auch auf den Norden über. Wie sich das Wochenende und die Weihnachtswoche gestalten, ist noch mit ein paar Unsicherheiten behaftet, die zwar auf Ebene der globalen Zirkulation relativ klein sind, sich lokal und regional aber unter Umständen durchaus entscheidend auf den Wettercharakter auswirken können. Grundsätzlich sieht es weiter nach einem aktiven Atlantik und kräftiger Westdrift aus. Das heißt: klirrende Kälte und Flachlandwinter sind nicht in Sicht, außer es passiert noch eine Überraschung und der ein oder andere Ausreißermodelllauf behält unerwartet doch recht. Wahrscheinlicher erscheint weiterhin eher unbeständiges, mildes Westwetter in der ein oder anderen Variation.

500hPa Geopotential und Bodendruck, exemplarische Karte für den 24.12. add_circle
meteociel.fr
500hPa Geopotential und Bodendruck, exemplarische Karte für den 24.12.

Derzeit deutet sich für das Wochenende eine Änderung der Anströmungsrichtung von SW auf W bzw. NW an, wodurch aus schneefressendem Föhn und zweistelligen Temperaturen im Norden schnell kühleres Matschwetter wird, mit Schneeoption zumindest für die höheren Alpentäler. Der Süden wäre damit dann tendenziell mal wieder etwas sonniger, was nach der aktuellen Regen/Schneephase ja vielleicht auch ganz nett ist.

In der exemplarischen Karte für nächsten Dienstag, den 24. 12, sieht man die zahlreichen, relativ kleinen Wellen, die der Jetstream über dem Atlantik und Europa bildet. Je nach dem, auf welcher Seite der Welle die Alpen grade liegen, gibt es Südföhntendenz bei SW Anströmung, oder kühleres NW Wetter. Diese Wellen sind in der Form nicht ausgeprägt genug, um eine Blockinglage zu produzieren, wobei sich das theoretisch relativ schnell ändern kann, wenn sich irgendwo ein Keil stärker aufwölbt.

Die derzeitige Lage und die weitere Entwicklung machen mal wieder deutlich, wie stark die Alpen das Wetter beeinflussen: Die Auswirkungen relativ kleiner Änderungen in der Anströmungsrichtung würden sich ohne die Berge als „Matschwetter warm“ und „Matschwetter etwas weniger warm“ manifestieren. Durch topographiebedingte Effekte (Föhn!!) wird das Ganze regional stark amplifiziert und wir pendeln zumindest im Norden eher zwischen "krass ist das warm" und "immerhin braucht man wieder eine Jacke". 

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