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WetterBlog 21 2020/21 | Begleitblog zum Aprilalarm

Es Aprlit vor sich hin

07.04.2021

Das Aprilwetter macht seinem Namen alle Ehre und beschert uns nach ersten Sommertagen im März einen späten PowderAlarm. Eine Kombination aus Hochdruck über dem Atlantik und einem ausgeprägten Tiefdruckkomplex über dem nördlichen Skandinavien pumpt kalte Polarluft zu uns.

500hPa Geopotential und Bodendruck, Mittwoch, 7.4.21. Kaltluftausbruch über ME mit kalten Temperaturen und Schneeschauern bis ins Flachland. add_circle
meteociel.fr
500hPa Geopotential und Bodendruck, Mittwoch, 7.4.21. Kaltluftausbruch über ME mit kalten Temperaturen und Schneeschauern bis ins Flachland.

Das Aprilwetter macht seinem Namen alle Ehre und beschert uns nach ersten Sommertagen im März einen späten PowderAlarm. Eine Kombination aus Hochdruck über dem Atlantik und einem ausgeprägten Tiefdruckkomplex über dem nördlichen Skandinavien pumpt kalte Polarluft zu uns.

Aktuelle Lage und Aussichten

Die Details zum Schneefall sind im PowderAlarm nachzulesen. Heute (Mittwoch) ist es im Norden verbreitet noch trüb und es schneit weiter, allerdings nicht unbedingt überall anhaltend, sondern in oft eher als Schauer, die mal hier, mal dort auftreten. Dementsprechend unterscheiden sich auch die Neuschneesummen auf kleinem Raum recht deutlich.

Ab morgen (Donnerstag) wird es nach und nach sonniger. In den Westalpen geht das schneller als im Nordosten, wo sich noch länger Wolken stauen können. Es bleibt für die Jahreszeit relativ kühl, wird aber im Tagesverlauf milder. Die sehr kalten Luftmassen, die uns heute noch beschäftigen, werden zur Seite geschoben und etwas wärmere Luft strömt aus zunehmend westlichen Richtungen heran. Vorerst noch erhalten bleibt uns der Tiefdruck im Norden, das Zentrum verschiebt sich aber etwas nach Westen, sodass die Alpen mehr als derzeit auf die Trogvorderseite rutschen. Während der Freitag vermutlich vormittags überall sehr sonnig wird, ziehen aus Westen schon bald wieder Wolken auf. Die Strömung dreht im Laufe des Freitag von West auf SW und das Wochenende dürfte von Südföhn im Norden und Stauniederschlägen im Süden geprägt sein, wie ergiebig letztere werden, ist noch unklar.

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Das Firnvergnügen ist erstmal vorbei. add_circle
Lorenzo Rieg
Das Firnvergnügen ist erstmal vorbei.

April showers bring May flowers

„March winds and April showers bring forth May flowers“ - Nasskaltes März- und Aprilwetter sorgt dafür, dass im Mai die Blumen blühen: So sollte es laut Sprichwort funktionieren. Das wechselhafte, schaueranfällige, sprichwörtliche Aprilwetter kommt nicht von ungefähr. Derzeit findet eine Art Frühlingsumbruch in der Atmosphäre statt, der sich oft in turbulentem Wettergeschehen äußert. Die Sonne steht schon hoch und hat die Kraft, die Landmassen deutlich zu erwärmen, während die Ozeane noch eher kalt sind (Wasser erwärmt sich langsamer als Boden, nachzulesen unter spezifische Wärmekapazität im Physiklehrbuch). Der Polarwirbel schlingert zunehmend und nähert sich dem saisonalen Zerfall. Die Chancen auf Kaltluftausbrüche sind somit höher als bei einem kräftigen, zonalen Hochwinterwirbel.

500hPa Geopotential und Bodendruck, Sonntag 11.4.21. Die Kaltluft reicht weniger weit nach Süden und der Kern des Tiefdrucks liegt etwas weiter westlich. SW Anströmung im Alpenraum. add_circle
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500hPa Geopotential und Bodendruck, Sonntag 11.4.21. Die Kaltluft reicht weniger weit nach Süden und der Kern des Tiefdrucks liegt etwas weiter westlich. SW Anströmung im Alpenraum.

Wenn dann, wie momentan der Fall, kalte Luft vom noch winterlichen Polarmeer nach Süden strömt und auf die vergleichsweise warmen Landmassen trifft, stell sich starker vertikaler Temperaturgradient ein. Der Boden ist warm, in der Höhe ist es sehr kalt. Das ist quasi das Gegenteil der aus dem Hochwinter bekannten Inversion, bei der die kalte Luft wie ein großer See in den Tälern hängt und nicht aufsteigen kann. Während eine Inversion eine sehr stabile Schichtung ist (kaum vertikaler Luftaustausch), ist die aktuelle Situation sehr labil. Das heißt, bodennahe, wärmere Luft, neigt dazu, aufzusteigen. Je höher sie steigt, desto mehr kühlt sich ab. Irgendwann kondensiert der im Luftpaket enthaltende Wasserdampf und wird zu Wolken und dann zu Schneeschauern, wie wir sie aktuell erleben.

Für die Mai Blumen sind allerdings auch noch ein paar andere Faktoren von Bedeutung. Wenn sie aufgrund der sommerlichen Märztemperaturen zu früh blühen, tut ihnen Frost im April natürlich nicht gut. Das aktuelle Wetter gefährdet die Obstblüte überall dort, wo die Bäume schon blühen. Teilweise wurde auf die stets spektakulär aussehende Frostberegnung zurück gegriffen.

Je nach Region ist es zudem sehr trocken – das betrifft etwa Teile Deutschlands, die nicht vom Stau der Berge profitieren. Diese beträchtliche Defizit kann nicht durch ein paar Aprilschauer ausgeglichen werden und wird die Landwirtschaft vermutlich durch das Jahr begleiten. Auch in den Südalpen gab es lange wenig bis gar keinen Niederschlag mehr, SkifahrerInnen und Gewässer müssen von der bestehenden Schneedecke zehren. Wir drücken die Daumen für Nachschub am Wochenende!

 

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