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WetterBlog 11 2018/2019 | Genuatief und Grüße vom Polarwirbel

Weiterhin kühl im Alpenraum, der WetterBlog friert in Übersee.

23.01.2019

Der Alpenaum liegt nach wie vor im Einflussbereich eines mit kalten, polaren Luftmassen gefüllten Höhentrogs, während sich vor der europäischen Atlantikküste das Azorenhoch aufzuwölben versucht. Am heutigen Mittwoch rutscht ein Tief von den britischen Inseln in Richtung Mittelmeer und „tropft ab“, d.h. verabschiedet sich aus der Hauptströmung, um eine Runde als Genuatief im Mittelmeer zu verweilen.

500hPa Geopotential und Bodendruck, Donnerstag, 24.1.19. Das Genuatief wandert langsam nach Osten ab. add_circle
meteociel.fr
500hPa Geopotential und Bodendruck, Donnerstag, 24.1.19. Das Genuatief wandert langsam nach Osten ab.

Der Alpenaum liegt nach wie vor im Einflussbereich eines mit kalten, polaren Luftmassen gefüllten Höhentrogs, während sich vor der europäischen Atlantikküste das Azorenhoch aufzuwölben versucht. Am heutigen Mittwoch rutscht ein Tief von den britischen Inseln in Richtung Mittelmeer und „tropft ab“, d.h. verabschiedet sich aus der Hauptströmung, um eine Runde als Genuatief im Mittelmeer zu verweilen.

Schneetechnisch interessant ist das in erster Linie für den äussersten Südwesten, also Seealpen und Co. Auch in den restlichen Südalpen schneit es ein bisschen, aber eben nur ein bisschen. Der Schneefall dürfte im Laufe des Donnerstags überall abklingen. Am Freitag im Osten tendenziell bewölkt und ein paar Schneeflocken, im Westen sonniger. Der Samstag sieht aus heutiger Sicht ebenfalls recht sonnig aus, Sonntag dann durchwachsener.

Blick auf den Polarwirbel

Zu Jahresbeginn hat ein Major Warming die Stratosphäre durcheinander gebracht. Die Auswirkungen von sowas auf die Troposphäre, wo unser Wetter stattfindet, sind mitunter recht mysteriös, aber tendenziell folgt auf eine derartige Störung in der Stratosphäre früher oder später auch ein gestörter Polarwirbel in der Troposphäre. In der Glaskugel zeichnet sich das seit einer Weile für das Monatsende ab. Momentan sehen die Modelle keinen glatten Split in zwei Teile, sondern eine Art Dreigestirn von Tiefdruckzentren, jeweils über Ostkanada, Skandinavien und Sibirien. Das würde Mitteleuropa zwar nicht unbedingt die hier und da prophezeite, temporäre Eiszeit bescheren, aber doch anhaltend kühles Wetter winterlichen Charakters. Ungewöhnlich warm – man könnte fast von „heiß“ sprechen - würde es in diesem Szenario hingegen in Alaska und über dem Polarmeer nördlich der Küste Alaskas.

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LH
terrainSkiland

Wenn der Powder zu trocken ist

Momentan schlägt sich der WetterBlog in seiner derzeitigen mehr-oder-weniger Wahlheimat Interior Alaska aber noch mit anderen Problemen herum: Es ist zu kalt zum Skifahren. Mit einiger Überraschung stellt der WetterBlog fest, dass das nicht heisst, dass man nicht skifahren kann, weil man Gefahr läuft, zu erfrieren. Das gehört hierzulande zum Alltag und ist nicht als besonderes Problem zu betrachten. Es geht vielmehr darum, dass der Schnee so stumpf ist, dass es einfach nicht richtig Spaß macht, darauf herum zu rutschen.

Mit Skibelag und Schnee verhält es sich folgendermaßen: die durch den Kontakt zwischen Ski und Schnee entstehende Reibung (es ist tatsächlich in erster Linie die Gleitreibung und nicht, wie oft vermutet, der durch das Gewicht des Skifahrers ausgeübte Druck) produziert Wärme, und die wiederum produziert auch bei Temperaturen unter Null einen dünnen Wasserfilm, auf dem wir dahin gleiten. Zuviel Wasser, etwa im Frühling bei 0°C Schneetemperatur, ist schlecht. Dann fangen die Ski (beziehungsweise die belagseitigen Kapillarkräfte) an zu saugen und es entsteht der bekannt-unangenehme Klebereffekt. Am besten zum Rutschen geeignet ist der Wasserfilm bei etwa -3°C – in diesem Temperaturbereich vermag die Reibung die Schneetemperatur gerade so viel zu erhöhen, dass die optimale Wassermenge vorhanden ist. Wenn der Schnee kälter ist, nimmt die Wassermenge ab und irgendwann gibt es, wie aktuell beim WetterBlog am Hausberg, so gut wie gar kein Wasser mehr und die Ski wollen einfach nicht rutschen, auch wenn man noch so gut wachst. Und ja, Wissenschaftler erforschen sowas. Sowohl im Labor mit sogenannten Tribometern, als auch mit Skifahrern auf Pisten.

Unterschiedliche Gleitzeiten für den selben Streckenabschnitt bei unterschiedlichen Temperaturen. add_circle
Buhl et al 2001
Unterschiedliche Gleitzeiten für den selben Streckenabschnitt bei unterschiedlichen Temperaturen.

Beim erwähnten Hausberg handelt es sich um ein kleines Skigebiet ganz im Sinne dieses Artikels. Der einzige Lift ist ein antiker Zweiersessel, der etwa 20 Minuten braucht, um 400 Höhenmeter zu überwinden. Dank häufig anzutreffender, beeindruckender Inversionen ist es hier oben oft 20° wärmer als im Ort. Wenn es im Ort -40°C hat und auf dem Hügel ein bisschen Wind geht, ist das immer noch eher frisch. Je nach Windchill bleibt das Skigebiet dann auch mal zu, damit niemand im Lift erfriert.

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