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WetterBlog 11 2016/17 | Sea Effect und die Aussichten

Die nächste schneereiche Phase steht in den Startlöchern

11.01.2017

Der Zwischenhocheinfluss der letzten Tage geht zu Ende. Im Laufe des heutigen Mittwochs erreicht eine Warmfront von Westen die Alpennordseite. Damit einher gehen mildere Temperaturen, Neuschnee und viel Wind. Diese Woche im WetterBlog: Näheres zu den Aussichten für die kommenden Tage und zum Sea Effect Schnee in Südosteuropa.

500hPa Geopotential und Bodendruck, Mittwoch 11.1.17. Noch besteht eine angedeutete Hochdruckbrücke, die in den letzten Tage für ruhiges, sonniges Wetter sorgte. Von NW deutet sich die nächste Störung an. add_circle
meteociel.fr
500hPa Geopotential und Bodendruck, Mittwoch 11.1.17. Noch besteht eine angedeutete Hochdruckbrücke, die in den letzten Tage für ruhiges, sonniges Wetter sorgte. Von NW deutet sich die nächste Störung an.

Der Zwischenhocheinfluss der letzten Tage geht zu Ende. Im Laufe des heutigen Mittwochs erreicht eine Warmfront von Westen die Alpennordseite. Damit einher gehen mildere Temperaturen, Neuschnee und viel Wind. Diese Woche im WetterBlog: Näheres zu den Aussichten für die kommenden Tage und zum Sea Effect Schnee in Südosteuropa.

Aktuelle Lage und Aussichten

Das Azorenhoch und ein Tief über Skandinavien sind derzeit verantwortlich für das Alpenwetter. Im Südosten mischt noch ein abgetropftes Tief mit, das aber nach und nach verschwindet. Die Nordwestströmung zwischen Azorenhoch und Skanditief wird stärker und bringt im Laufe des heutigen Tages eine Ladung milde Atlantikluft, sowie die eingangs erwähnte Warmfront. In der Höhe steigen die Temperaturen bereits und auch in vielen Tälern dürfte die Kaltluft bald ausgeräumt werden. Das Tief über Skandinavien rutscht anschließend etwas nach Süden, bringt kalte Luft aus Norden mit und in der Nacht auf Freitag erreicht diese dann mit einer Kaltfront die Alpen. Die Temperaturen werden nach dem kurzen, milderen Zwischenspiel von Mittwoch und Donnerstag wieder tief winterlich, wenn auch nicht ganz so arktisch wie zuletzt.

Die kalte, bis in den Mittelmeerraum vordringende Höhenluft sorgt dort für Zyklogenese (Tiefdruckentwicklung), so dass es auch an der Südseite der Ostalpen Freitag und Samstag etwas schneien dürfte. In den Nordalpen kommen bis Samstag jedenfalls durchaus Alarm-verdächtige Schneemengen zusammen (im Südosten steht alles noch auf sehr wackeligen Beinen). Wir warten gespannt auf detaillierte Meldungen des Orakels.

Anfang kommender Woche bildet sich ein starkes Tief im Bereich von Grönland, was das Azorenhoch nach Osten kippen lässt. Ein Hochkeil schiebt sich über Skandinavien. An der Ostseite wird kalte Luft in den Ostalpenraum befördert. Mitte der Woche deutet sich dann eine High-over-Low Lage an: Das Hoch kommt nördlich des Mittelmeertiefs zu liegen.

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500hPa Geopotential und Bodendruck, exemplarische Karte für Dienstag, 17.1. High over Low Lage etabliert sich über Mitteleuropa. add_circle
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500hPa Geopotential und Bodendruck, exemplarische Karte für Dienstag, 17.1. High over Low Lage etabliert sich über Mitteleuropa.

Sea Effect Schnee in Südosteuropa

Da sich Kollege Orakel ja verlässlich mit dem Alpenschnee befasst, wenden wir den Blick nach Süden, wo es in den letzten Tagen sehr viel und sehr anschaulichen Sea-Effect Schnee gab. Sea bzw. Ocean Effect Schnee ist das gleiche wie Lake Effect Schnee, nur eben in groß. Die bekanntesten Lake bzw. Sea Effect Hotspots sind wohl die Great Lakes Region in den USA (hier fehlt leider das passende Skigelände) und Japan, das seine legendären Powder Massen in großen Teilen dem Sea Effect zu verdanken hat. In den Alpen kommt Lake Effect gelegentlich am Bodensee vor, allerdings muss hier die Anströmung ganz genau passen, sonst haben die überströmenden Luftmassen nicht genug Zeit, sich über dem relativ kleinen See mit Feuchtigkeit voll zu saugen.
Im Grunde kann man sich den Lake/Sea Effect genau so vorstellen: Kalte Luft strömt über warmes Wasser und nimmt dabei Feuchtigkeit auf. Irgendwann wird daraus Niederschlag, bevorzugt wenn die feuchte Luft hinter dem Wasser auf Land (oder sogar ein Gebirge) trifft.

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Im Detail gibt es dann noch ein paar Feinheiten zu beachten. Je größer die Wasserfläche, die überströmt wird, desto mehr Feuchtigkeit wird mitgenommen. Die Windscherung und die synoptische Lage müssen passen und, besonders wichtig: Für ergiebigen Lake Effect Niederschlag braucht es einen möglichst hohen Temperaturunterschied zwischen dem Wasser und der herbei strömenden Luft. Je größer dieser Unterschied (unten warm, oben kalt), desto instabiler ist die atmosphärische Schichtung (vergleiche: Inversionslage - unten kalt, oben warm - ist sehr stabil), desto besser funktioniert der Transport von Energie und Feuchtigkeit nach oben und desto stärker werden die konvektiven Prozesse. Die kalte arktische Luft der letzten Tage, gebündelt in dem abgetropften Tief über der Ägäis, gepaart mit dem warmen Mittelmeerwasser bildeten also beste Voraussetzungen für ausgeprägten Sea Effect.

Schöne Bildersammlungen von Schneemassen in der Türkei, auf griechischen Inseln und an Mittelmeerstränden finden sich hier und hier. 

 

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