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Steffi vom SchneeGestöber hat neulich beim PG-Abschlusstreffen in die Runde gefragt, wie lang die Skisaison bei allen dauert. Es gab so viele verschiedene Antworten wie Personen in unserem "Circle". Die Skisaison ist nicht an den meteorologischen oder kalendarischen Winter gebunden und nur weil der WetterBlog in die Sommerpause geht, werden die Ski natürlich noch nicht eingesommert.

Für viele fängt aber nach und nach die Bike-, Kletter-, sonstige Sommersportsaison an und den WetterBlog plagt die Frühjahrsmüdigkeit, darum verabschieden wir uns mit dieser Ausgabe und blicken nochmal auf den Winter 2020/21 zurück: Die nicht-repräsentative Umfrage beim Abschlusstreffen ergab, dass es für viele gefühlt ein Winter der Extreme war. Es gab Phasen mit heftigen Stauniederschlägen sowohl im Süden als auch im Norden, aber es gab auch auf beiden Seiten immer wieder lange, trockene und sehr warme Perioden. Man taumelte also hin und her zwischen Powder bis zum Abwinken und zähen Durststrecken. Momentan fällt der April als ungewohnt kühl und schneereich auf. Zwei der insgesamt 15 PowderAlarme der Saison 2020/21 waren Aprilalarme! Das Video rechts zeigt den Winter 20/21 samt PowderAlarmen im Schnelldurchlauf anhand von Reanalysedaten (ERA5, Gesamtniederschlag und 500hPa Geopotential). Die PAs erscheinen immer kurz vor dem Schneefall und gelten für einen Zeitraum von wenigen Tagen nach Erscheinen, d.h. die Schneefälle erscheinen in den Karten kurz nach den PA Hinweisen.

Messen wir die beiden vergangenen Winter an den Alarmen, ist festzustellen: 2019/20 gab es einen mehr und die Alarmsaison fing früher an (5x Südstau im November!) und hörte früher auf (Anfang März). Die Oktober Schneefälle 2020 wurden vom Orakel mangels Unterlage noch nicht gewürdigt, richtig los ging es 20/21 dann mit dem Rekordsüdstau im Dezember. Im Norden brachte erst der zweite und kräftigere Nordalarm im Januar eine richtige Basis. Nach einer langen Trockenphase im Februar gab es im März und nun im April für den Norden nochmal kräftig Nachschub, während der Süden eher mit mageren Resten Vorlieb nehmen musste.

 

Bild: PAs 19/20 und 20/21, anhand von PA Überschriften grob der Anströmungsrichtung zugeordnet. S= Südstau, N=Nordstau, usw. 

Ein wesentlicher Unterschied zwischen 19/20 und 20/21 war die Temperatur – in den Abbildungen exemplarisch für Österreich dargestellt. Der Winter (Dezember-März) 19/20 war extrem warm, mit sehr hohen positiven Temperaturabweichungen. Damit verglichen war 20/21 fast schon kühl, bzw. nur geringfügig wärmer als im klimatologischen Mittel. Die Saison 20/21 brachte auch in tiefen Lagen immer wieder ergiebige Schneefälle, während die Schneemengen 19/20 in tiefen Lagen extrem unterdurchschnittlich ausfielen, obwohl es in Summe gar nicht so wenig Niederschlag gab – nur öfter im falschen Aggregatzustand.

So ähnlich lässt sich das auch as den zwei Schneeschächten vom Jamtalferner (Bilder) ablesen, die jeweils zum Saisonende gegraben wurden. Der 2020er Schacht hat auffällig viele, dicke und dünnere Eislinsen, die andeuten, dass es: 1. viele verschiedene Niederschlagsereignisse gab, bei denen genug zusammenkam, dass sich am Ende der Saison noch unterschiedliche Schichten abzeichnen und 2. oft so warm war, dass der Schnee auch auf ca. 3000m oberflächlich getaut ist, bzw. sich durch Regeneintrag Kursten gebildet haben. Die Schneehöhe und der Schneewasserwert waren dennoch an diesem Standort mehr oder weniger durchschnittlich. Ganz anders der 2021er Schacht: Keine dicken Eislinsen, stattdessen zwei Saharastaubschichten und ansonsten ein ziemlich homogenes Schneepaket mit ca. einem halben Meter Schwimmschnee ganz unten, wo sich der Oktoberschnee über die Saison umgewandelt hat. Wir sehen also: Eher wenige, dafür teils sehr ergiebige Schneefallereignisse, nicht übermäßig warm.

Für den Schachstandort und die Jahreszeit liegt dieses Jahr wenig Schnee. Im oberen Teil der Schneedecke gibt es die im Lawinenlagebericht erwähnten Schwachschichten. Da die Schächte der Bestimmung der Winterbilanz des Gletschers dienen und nicht der skifahrerischen Schneedeckenbeurteilung (dafür muss man zum Glückauch nicht so tief graben), gehen wir darauf ausnahmsweise nicht näher ein.

Bilder: Mitteltemperaturen Österreich Winter 19/20 und 20/21 (jeweils Dez, Jan, Feb). Quelle: ZAMG.

Und das Wetter?

Wir dümpeln wie gehabt in schwachem Tiefdruckeinfluss umher, bei relativ kühlen Temperaturen. Halbe Tage mit Sonne und schlechte Sichten mit mäßig spektakulären Schauern wechseln sich ab. Am morgigen Donnerstag bringt eine Kaltfront dem Alpennordhang ein paar Zentimeter Neuschnee, aber viel kommt nicht zusammen. Ab Freitag wird es voraussichtlich sehr sonnig. Ein Hoch über Spanien, Frankreich und den Britischen Inseln verdrängt den aktuellen Tiefdrucksumpf und wird wetterbestimmend, wobei die Temperaturen leicht steigen aber nach wie vor recht moderat bleiben und keine Wüstenhitze droht. Ein Tiefdruckgebiet im Nordosten ist noch nicht abzuschreiben - der Osten der Ostalpen könnte es uU schon zum Wochenende mit einer Luftmassengrenze zu tun bekommen. Je nach dem wie sich diese großräumig persistente Hoch-Tief-Konstellation im Detail entwickelt, wird die nächste Woche mehr oder weniger wechselhaft, die mittelfristige Prognose ist daher relativ unsicher.

Der WetterBlog wünscht noch schöne Frühjahrstouren und freut sich auf ein Wiedersehen im Herbst!