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WetterBlog 9 2021/22 | Auf ein Neues

Neues Jahr, neues Wetter?

05.01.2022

2022 begann wie 2021 zu Ende ging, nämlich zu warm. Wer hätte es gedacht? Die extrem warme Phase, die uns diverse neue Silvester Temperaturrekorde gebracht hat, ist aber spätestens mit der heutigen Kaltfront Geschichte. Bis zum Wochenende passen auch die Aussichten ganz gut zur Jahreszeit. Nächste Woche ist alles noch ungewiss, Tendenz "durchwachsen" mit West-Ost Trennung.

Regenrillen auf über 2000m im Pinzgau: Erinnerung an das Wetter im letzten Jahr... add_circle
Chris Skala
Regenrillen auf über 2000m im Pinzgau: Erinnerung an das Wetter im letzten Jahr...

2022 begann wie 2021 zu Ende ging, nämlich zu warm. Wer hätte es gedacht? Die extrem warme Phase, die uns diverse neue Silvester Temperaturrekorde gebracht hat, ist aber spätestens mit der heutigen Kaltfront Geschichte. Bis zum Wochenende passen auch die Aussichten ganz gut zur Jahreszeit. Nächste Woche ist alles noch ungewiss, Tendenz "durchwachsen" mit West-Ost Trennung.

Aktuelle Lage und Aussichten

Tiefdruck im Bereich von Grönland pumpt aktuell im Nordostatlantik warme Luft gen Norden, wodurch sich das Azorenhoch etwas aufwölben kann. Strömungsabwärts (bei uns) kommt es zu einer ausgleichenden Bewegung - die an sich kräftige Westströmung verwellt und deutlich kältere Luft aus Norden kann einfließen. In Kombination mit einer in ein Tiefdruckgebiet mit Kern über Südskandinavien eingebetteten Kaltfront präsentiert sich das Wetter heute somit ziemlich winterlich. Während in den Westalpen vor allem der Alpennordhang profitiert, ist es im Osten umgekehrt. Hier dürfte der Bereich Dolomiten bis Karnische Alpen bezüglich Neuschnee am besten aussteigen - näheres dazu im aktuellen PowderAlarm. Diese etwas eigenwillige Niederschlagsverteilung entsteht, weil der Trogausläufer, der auch die Front im Gepäck hat, es bis ins Mittelmeer schafft. Dort kommt es zu extra Tiefdruckentwicklung und es ergibt sich eine Südwestanströmung, die im SLO/AT/IT Dreiländereck Staueffekte produziert.

Der morgige Donnerstag wird verbreitet ziemlich kalt, wie es sich für Januar gehört. Die kurzen Hosen können wieder im Schrank verstaut werden. Im Süden ist es bei Nordföhn verbreitet sonnig, bei kräftigem Wind (Nordföhn). Im Norden hängen noch länger Restwolken. Freitag und Samstag sehen ebenfalls relativ ruhig und kalt aus, allerdings mit einigen Wolken und vielleicht ein paar Schneeschauern, die von W nach O durchziehen. Am Sonntag naht die nächste Störung und es wird unbeständiger, vermutlich mit Neuschnee vorallem im Nordwesten

Ab Sonntag nehmen die Unsicherheiten in den Prognosen zu. Die Tendenz für nächste Woche ist für die Westalpen nicht sehr neuschneefreundlich, im Osten ist es etwas komplizierter. Es formiert sich voraussichtlich ein großes Hochdruckgebiet mit Kern westlich von Frankreich. Die Alpen liegen in diesem Szenario teils richtig im Hoch (Westen) und teils nur in den Randbereichen des Hochs, wo es bei nördlicher Anströmung eher kühl und unbeständig wird (Osten). Tropenhitze wie zuletzt ist erstmal nicht zu erwarten.

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500hPa Temperatur und Geopotential, Mittwoch, 5.1.22. Trogausläufer macht einen Schlenker nach Süden und bringt Schnee im Südosten. add_circle
meteociel.fr
500hPa Temperatur und Geopotential, Mittwoch, 5.1.22. Trogausläufer macht einen Schlenker nach Süden und bringt Schnee im Südosten.

2021: Das neue Normal

Wir haben an dieser Stelle schon öfter über die Klimareferenzperioden gesprochen, auf die sich Angaben zu klimatologischen Abweichungen beziehen, aber anlässlich des Jahreswechsels und der nun anstehenden Rückschauen auf das Wetter- und Klimajahr 2021 sei es nochmals erwähnt. Hinweise auf Abweichungen lesen sich beispielsweise so: “Der Jahreswechsel und die ersten Tage des neuen Jahres verliefen unter dem Einfluss subtropischer Luftmassen außergewöhnlich mild. Auf den Bergen und im Osten lag die Temperatur bis zu 13 Grad über dem klimatologischen Mittelwert.

Hier sticht in erster Linie die sehr große Abweichung hervor. Aufmerksame LeserInnen sollten außerdem bemerken, dass nicht angegeben wird, auf welche Referenzperiode sich das bezieht (der verlinkte Artikel erwähnt es etwas später). Bei riesigen Abweichungen wie zu Silvester sind die Unterschiede nicht so wahnsinnig gravierend, aber bei den Jahresrückblicken wird es spannend. Die ZAMG etwa schreibt:

Zeitreihe der jährlichen Temperaturabweichungen für Deutschland bezogen auf 1961-1990 (oben) und 1981-2010 (unten). add_circle
DWD
Zeitreihe der jährlichen Temperaturabweichungen für Deutschland bezogen auf 1961-1990 (oben) und 1981-2010 (unten).

“2021 liegt im Tiefland Österreichs um 0,1 Grad unter dem Mittel der letzten 30 Jahre (Klimaperiode 1991-2020). Im Vergleich zur Klimaperiode 1961-1990, die von der Klimaerwärmung noch nicht so stark betroffen war, liegt 2021 um 1,1 Grad über dem Mittel.”

Auch die Meteoschweiz meldet, dass 2021 bezogen auf 1991-2020 um 0,2 °C kälter war als im Mittel. Bezogen auf 1981-2010 allerdings um 0,2 °C wärmer. Die Wahl der Referenzperiode macht in diesem Fall also den Unterschied zwischen einem “zu kalten” und einem “zu warmen” Jahr aus. 

An den absoluten Werten und den Trends ändert die Referenzperiode natürlich nichts, aber der sprachliche Rahmen in den Medien verändert sich unter Umständen durchaus. Auch graphische Darstellungen sehen auf einmal ganz anders aus, siehe Bilder links. Wir merken uns also: “Normal” ist relativ.

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