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WetterBlog 5 2016/17 | Schneekanonen freuen sich über trockenen Hochdruck und Kälte

Derzeit kalt und trocken. Aussichten: weniger kalt und trocken.

30.11.2016

Ein in Summe milder Herbst geht sonnig aber kalt zu Ende. Während die Südwestalpen in der letzten Woche eine brauchbare Basis erhalten haben, hat der Föhn im Norden den Großteil des Schnees wieder dahingerafft. Immerhin ist es nun wieder kalt genug, um alle verfügbaren Schneekanonen hochzufahren und die Pisten für den Weihnachtsansturm auf Vordermann zu bringen. Aus aktuellem Anlass: Was ist eigentlich Kunstschnee?

Temperaturanomalien in Europa am vergangenen Sonntag. add_circle
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Temperaturanomalien in Europa am vergangenen Sonntag.

Ein in Summe milder Herbst geht sonnig aber kalt zu Ende. Während die Südwestalpen in der letzten Woche eine brauchbare Basis erhalten haben, hat der Föhn im Norden den Großteil des Schnees wieder dahingerafft. Immerhin ist es nun wieder kalt genug, um alle verfügbaren Schneekanonen hochzufahren und die Pisten für den Weihnachtsansturm auf Vordermann zu bringen. Aus aktuellem Anlass: Was ist eigentlich Kunstschnee?

Rückblick und aktuelle Lage

Der meteorologische Herbst (September, Oktober, November) geht zu Ende. Während die Temperaturen auf den Bergen nahe am langjährigen Mittel lagen, waren die Niederungen in Österreich deutlich zu warm, was einen insgesamt überdurchschnittlich warmen Herbst ergibt. Zwar war der Oktober ziemlich kühl, der milde September und ein mehr oder weniger durchschnittlicher November haben das Minus dann aber wieder wett gemacht. Herbstrückblick der ZAMG.

In den letzten „Herbsttagen" liegt der Alpenraum im Einflussbereich eines Hochs mit Zentrum über den britischen Inseln. Während letzte Woche eine föhnige Südströmung (mit beeindrucken Niederschlagsmengen in den Südwestalpen, sowohl in fester als auch in flüssiger Form) dominant war, erreicht uns derzeit deutlich kältere Luft aus nördlichen Richtungen. Der Temperatursprung zwischen Sonntag und Montag war beträchtlich und einem Schwall kalter Polarluft zu verdanken, der es aus Nordosten zu uns geschafft hat. Die kalte Luft ist sehr trocken und mehr als ein leichtes Anzuckern in Teilen der Ostalpen war aus dem erwähntem Schwall niederschlagstechnisch nicht heraus zu holen.

Aussichten

Die Großwetterlage wird sich zum meteorologischen Winteranfang nicht wesentlich ändern. Die Achse des Hochkeils kippt ein wenig und die Anströmung dreht im Laufe des Mittwochs von Nord(ost) auf Nordwest. Dabei nimmt auch die Windgeschwindigkeit zu und Donnerstag und Freitag dürften in den nördlichen Ostalpen recht stürmisch verlaufen. In der gleichen Region (Nordöstliche Ostalpen) ist es außer windig auch wolkig, eventuell ist sogar die ein oder andere Schneeflocke dabei. Mehr als ein paar ziemlich kosmetische Zentimeter sind nicht zu erwarten. Im Rest der Alpen bleibt es trocken und sonnig. Zum Wochenende gewinnt wärmere Mittelmeerluft an Einfluss gegenüber der kalten Kontinentalluft und es wird von Westen her milder. Auch der Wind lässt nach. Nennenswert Schnee ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht.

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500hPa Geopotential und Bodendruck, Vorhersage für Freitag (2.12.). Die Strömung dreht auf NW, in den Ostalpen starker wind und unbeständiger. add_circle
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500hPa Geopotential und Bodendruck, Vorhersage für Freitag (2.12.). Die Strömung dreht auf NW, in den Ostalpen starker wind und unbeständiger.

Bestes Schneekanonenwetter!

Da sich Naturschnee bekanntermaßen häufiger unkooperativ und kapriziös verhält, verlassen sich die meisten Skigebiete inzwischen ebenso bekanntermaßen auf den weit weniger launischen Kunstschnee. Für die Kunstschneeproduktion ist das aktuelle Wetter optimal: Kalt und trocken. Tourismuspolitisch korrekt heißt Kunstschnee übrigens „technischer Schnee", weil er ja aus Eis ist und gar nicht künstlich - im Gegensatz zum deutlich künstlicheren Styroporschnee, dar manchmal bei Filmdrehs zum Einsatz kommt.

Abgesehen von vereinzelten Speziallösungen wird Kunstschnee mit Schneekanonen oder -lanzen produziert. Die Lanzen sind weniger energieintensiv und günstiger, haben aber eine geringere Schneileistung. Bei beiden Varianten wird Wasser aus kleinen Düsen in die Luft gesprüht. Normalerweise gibt es Düsen, die nur Wasser versprühen und solche, die Druckluft oder Druckluft und Wasser versprühen. Das Druckluft-Wasser Gemisch dehnt sich aus, wenn der Umgebungsdruck sinkt (d.h. wenn es die Schneekanone verlässt), kühlt dabei ab und gefriert. So bilden sich Kondensationskeime, die das Anfrieren anderer Tropfen fördern. Tröpfchen können aber auch ohne solche Keime frieren, wenn es kalt genug ist.

Bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt ist Beschneiung sowieso kein Problem. Kritisch wird es im Grenztemperaturbereich, wo es grade noch geht oder eben knapp nicht mehr. In solchen Fällen ist neben der Lufttemperatur vor allem die Luftfeuchte wichtig, aber auch Strahlung, Wind, Tröpfchengröße und -flugbahn. Je schneller und kleiner die Tröpfchen aus den Düsen kommen, desto besser. Hohe Geschwindigkeit fördert turbulenten Energieverlust an die Luft. Kleine Tröpfchen haben insgesamt mehr Oberfläche und dadurch einen höheren Energieverlust. Je länger das Tröpfchen fliegt, desto mehr Zeit hat es für den Energieverlust.

500hPa Geopotential und Bodendruck, exemplarische Karte für Dienstag kommende Woche (6.12.). Omegalage mit Hochdruck im Alpenraum. add_circle
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500hPa Geopotential und Bodendruck, exemplarische Karte für Dienstag kommende Woche (6.12.). Omegalage mit Hochdruck im Alpenraum.

Je trockener die Luft, desto mehr Wasser verdunstet während der Flugphase der Tröpfchen. Durch den Phasenübergang kühlt das Tröpfchen ab und friert schneller. Bei gleicher Wassertemperatur kann bei -2°C Lufttemperatur und 20% Luftfeuchte ebenso gut beschneit werden wie bei -6°C und 90% Luftfeuchte. Entsprechend schlecht klappt es bei Temperaturen um Null und hoher Luftfeuchtigkeit. Logischerweise funktioniert das Ganze besser, wenn das Wasser möglichst kalt ist, daher wird Schneekanonenwasser in manchen Gebieten gekühlt, bevor es versprüht wird.

Die Tröpfchen frieren natürlich nicht zu Schneekristallen, sondern zu kleinen Eiskugeln. Die Kugeln frieren von außen nach innen, so dass manchmal ein flüssiger Kern übrig bleibt. Technischer Schnee ist in der Regel feinkörniger als Naturschnee und wesentlich dichter. Es gibt mehr Kontaktstellen zwischen den Körnern, dadurch verbinden sie sich rascher und der Schnee wird insgesamt härter. Deswegen lässt sich Kunstschnee wesentlich besser präparieren und man braucht weniger davon, um eine Piste fahrbar zu machen.

Dem WetterBlog wäre es dennoch lieber, wenn es bald un-technisch schneien würde und hofft, dass die Glaskugel bald wieder etwas interessanteres zu bieten hat.

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