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WetterBlog 22 2020/21 | April weiterhin winterlich

Auch nach dem Schneefall bleibt es kühl

14.04.2021

PA 15 hatte es in sich. Dass sich im April selbst in den Tälern noch mal eine durchgehende Schneedecke bildet - wenn auch nur kurz -, ist klimatologisch betrachtet nicht völlig ungewöhnlich, aber doch eher unerwartet. Vor allem wenn man kurz davor noch im T-Shirt unterwegs war! Außerdem hat es sowohl nördlich als auch südlich des Alpenhauptkamms geschneit! Was war da los?

Wetterstation am Schaufeljoch, Stubaier Gletscher. Mit Eintreffen der Kaltfront dreht der Wind und die Temperatur sinkt deutlich. add_circle
lawis.at
Wetterstation am Schaufeljoch, Stubaier Gletscher. Mit Eintreffen der Kaltfront dreht der Wind und die Temperatur sinkt deutlich.

PA 15 hatte es in sich. Dass sich im April selbst in den Tälern noch mal eine durchgehende Schneedecke bildet - wenn auch nur kurz -, ist klimatologisch betrachtet nicht völlig ungewöhnlich, aber doch eher unerwartet. Vor allem wenn man kurz davor noch im T-Shirt unterwegs war! Außerdem hat es sowohl nördlich als auch südlich des Alpenhauptkamms geschneit! Was war da los?

Rückblick auf die Alarmlage

Das vergangene Wochenende war im Norden von stürmischem Föhn und milden Temperaturen geprägt, im Süden war es im Stau trüb und es gab schon erste Niederschläge. Der richtig markante Wetterumschwung kam dann im Laufe des Montag mit einer Kaltfront aus Nordwesten, die sich nach und nach von West nach Ost vorarbeitete und zunächst im Norden Niederschlag brachte. An den Stationsgrafiken ist ersichtlich, wie abrupt die Umstellung von statten ging: Mit Eintreffen der Front sprang die Windrichtung  schlagartig von Süd (Föhn) auf nördliche Richtungen um und die Temperatur sackte in wenigen Stunden teils um über 10°C ab.

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Sonnenfenster an der frisch verschneiten Nordkette add_circle
LH
Sonnenfenster an der frisch verschneiten Nordkette

Die kalte Luft aus Norden, die hinter der Front einströmen konnte, schaffte es über den Hauptkamm bis in den nördlichen Mittelmeerraum, wodurch sich im Golf von Genua in den unteren Schichten der Atmosphäre ein kleines Randtief entwickeln konnte. In Bodennähe herrschte damit Nord- bzw Nordostwind. Die Höhenströmung kam zu diesem Zeitpunkt allerdings immer noch eher aus Süden, da der Höhentrog nur langsam nach Osten wanderte. Durch die unterschiedliche Strömungsrichtung („Gegenstromanlage“) kam es gestern (Dienstag) vor allem in den südlicheren Ostalpen zu recht ergiebigen Aufgleitniederschlägen: Warme Luft (oben) schob sich über kältere Luft (unten). In den Westalpen, wo das Randtief in den unteren Schichten weniger relevant wurde, war es währenddessen häufig schon sonnig, allerdings dank der polaren Luftmassen bei kalten Temperaturen. Das komplexe Hin und Her der Strömungen über den Alpen in den letzten Tagen ist hier anschaulich animiert und erklärt. Auch die Meteoschweiz hat das ganze mit verschiedenen Grafiken schön aufbereitet.

500hPa und Geopotential, Prognose für Samstag, 17.4., Nordhemisphärenansicht. Der Grönland Block ist zum Grönlandtief mutiert und östlich davon wölbt sich ein schiefes Azorenhoch bis weit nach Norden. Im Alpenraum hält sich vorerst noch relativ kühle Luft. add_circle
meteociel.fr
500hPa und Geopotential, Prognose für Samstag, 17.4., Nordhemisphärenansicht. Der Grönland Block ist zum Grönlandtief mutiert und östlich davon wölbt sich ein schiefes Azorenhoch bis weit nach Norden. Im Alpenraum hält sich vorerst noch relativ kühle Luft.
Aussichten

Heute (Mittwoch) kann sich im gesamten Alpen der Hochdruck durchsetzen, je weiter östlich desto länger halten sich Wolken und letzte Schauer. Die Hauptniederschläge sind aber vorbei und die diversen Tiefdruckzentren in den verschiedenen Stockwerken ziehen gen Osten ab. Was uns bleibt, ist relativ kühle Luft und eine eher labile Schichtung. Damit bleibt es voraussichtlich bis inklusive Wochenende für die Jahreszeit kühl, bei einer Mischung aus Sonne und Wolken und hier und da auch mal einem Schauer. 

Anhaltende Forstperioden im April, wie wir sie derzeit erleben, sind recht selten. Einzelne Tage mit Frost gibt es im April im Alpenraum aber fast jedes Jahr. In den letzten Jahren gab es durch späten Frost immer wieder Schäden an Wild- und Kulturpflanzen, das liegt aber weniger daran, dass der Aprilfrost ungewöhnlich war, sondern daran, dass die Blüte ungewöhnlich früh stattfand, da es schon im Februar und März sehr warme Perioden gab.

Also: Die Gartensaison dieses Wochenende lieber noch nicht einläuten und stattdessen nochmal Skifahren gehen!

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