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WetterBlog 22 2018/19 | Unbeständig und kühl

Luftmassengrenze im Westen, kühle Luft aus Nordosten

10.04.2019

Der Frühling schreitet rapide voran, muss aber kurz innehalten und verschnaufen: Aus Nordosten erreicht kühle Luft polaren Ursprungs die Alpen und es wird nochmal frisch mit Schneefallgrenzen teilweise in den höheren Tälern. Mit den Sommerreifen vielleicht lieber doch noch ein paar Tage abwarten!

500hPa Geopotential und Bodendruck, Mittwoch 10.4. Das Tief im Nordosten bringt dem Alpenraum kühleres, unbeständiges Wetter. add_circle
meteociel.fr
500hPa Geopotential und Bodendruck, Mittwoch 10.4. Das Tief im Nordosten bringt dem Alpenraum kühleres, unbeständiges Wetter.

Der Frühling schreitet rapide voran, muss aber kurz innehalten und verschnaufen: Aus Nordosten erreicht kühle Luft polaren Ursprungs die Alpen und es wird nochmal frisch mit Schneefallgrenzen teilweise in den höheren Tälern. Mit den Sommerreifen vielleicht lieber doch noch ein paar Tage abwarten!

Aktuelle Lage und Aussichten

Vor allem im Ostalpenraum sinken die Temperaturen bis zum Wochenende auf ein erfrischend spätwinterliches Niveau. Verantwortlich ist die Großwetterlage, die zur Abwechslung nicht mittels tiefem Druck im Westen und hohem im Osten für eine großräumige Südanströmung sorgt, sondern per hohem Druck im Nordwesten (Hoch Katharina über den britischen Inseln) und tiefem Druck mit Kern östlich von Finnland (Tief Quirinus) kalte Luft aus dem hohen Norden in einer mäßig ausgeprägten NO Strömung zu uns bläst.

Über dem Westatlantik braut sich derweil ein recht ordentliches Tiefdruckgebiet zusammen, was in den nächsten Tagen über Westeuropa für Warmluftadvektion in die umgekehrte Richtung – von Süden nach Norden – sorgt. Zwischen dem Atlantiktief und dem Tief im Osten baut sich vorausschtlich eine Hochdruckbrücke von Spanien nach Skandinavien auf.

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Beim WetterBlog in Übersee auch frühlingshaft und mehr oder weniger kühl. add_circle
LH
LR
Beim WetterBlog in Übersee auch frühlingshaft und mehr oder weniger kühl.

Für das Wetter in den Alpen bedeutet das im Grunde nur: April-typisch unbeständig. Am heutigen Mittwoch kommt es vor allem nachmittags verbreitet zu Regen- bzw. Schneeschauern, in den Westalpen gibt es nur ein paar Tropfen, besonders im Südosten regnet/schneit es auch kräftiger. Am Donnerstag wird es nochmal etwas kälter, der Niederschlag im Osten geht weiter und die Schneefallgrenze sinkt gegen 1000m. Allzu viel kommt dabei nicht zusammen, aber so manche bereits ausgeaperte Talabfahrt dürfte wieder angezuckert werden. Am Freitag im Süden nach wie vor wolkig und nass, allgemein im Norden trockener, im Nordwesten eher als im Nordosten. Für das Wochenende sieht es momentan nach Tiefdruckeinfluss vor allem in den südlichen Westalpen aus, ansonsten relativ trocken, aber nicht strahlend blau und allgemein unsicher. Professioneller Meteorologenratschlag: Am besten in der Früh aus dem Fenster schauen!

 Langfristige Entwicklung der Blüte der Kirschbäume und der Blattentfaltung der Buchen gemittelt über 20 phänologische Stationen, die tiefer als 600 m ü. M liegen. add_circle
MeteoSchweiz
Langfristige Entwicklung der Blüte der Kirschbäume und der Blattentfaltung der Buchen gemittelt über 20 phänologische Stationen, die tiefer als 600 m ü. M liegen.

Obstbäume schon in Frühlingsstimmung

Die Phänologie, so wikipedia, „befasst sich mit den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur“ , was meist bedeutet, sie befasst sich mit der Frage „wann blüht welche Pflanze?“ und verwandten Themen („wann kriegt welche Pflanze Blätter?“). Die meisten Pflanzen kriegen im April Blätter und/oder Blüten, es ist also ein wichtiger Monat für phänologische Beobachtungen. Diese werden schon lange vorgenommen, weil es früher – wie auch heutzutage – für die Landwirtschaft wichtig war, zu wissen, wann welche Pflanze was tut. Was aus praktischer Notwendigkeit entstand, liefert mittlerweile wertvolle Zeitreihen, die Rückschlüsse auf die lokale klimatische Entwicklung am jeweiligen Haselstrauch- oder Kirschbaumstandort zulassen.

Die MeteoSchweiz widmet der Phänologie einen Blogeintrag (Vegetation explodiert!!!) und stellt fest, dass sich die Kirschblüte seit 1958 unterhalb von 600m um 12 Tage verfrüht hat, die Löwenzahnblüte um 10 Tage, die Blattentfaltung der Buche aber nur um 3.7 Tage. Während Kirsche und Löwenzahn ihr Blühen in erster Linie nach der Temperatur der vorangehenden Monate ausrichten, ist für die Buche unter anderem auch die Tageslänge wichtig. Der Zeitpunkt der Buchenblattentfaltung ist daher deutlich stabiler als jener der wankelmütigen Kirschblüte. Im Frühling 2019 sind die Pflanzen allgemein früh dran, wie man in dieser laufend aktualisierten Grafik der ZAMG nachvollziehen kann, zumindest wenn man länger die Legende studiert. Oder man geht einfach in den Garten und erfreut sich an der frühen Apfelblüte, die hoffentlich durch die kurze Abkühlung der nächsten Tage nicht allzu sehr in Mitleidenschaft gezogen wird.

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