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WetterBlog 2 2019/20 | Kurze Abkühlung in Sicht

Die hartnäckige Südlage verabschiedet sich

27.11.2019

Während die Alpensüdseite schon mit einer mehr als ordentlichen Basis aufwarten kann, tut sich der Norden großteils noch schwer, vor allem in tieferen Lagen. Warm war es zuletzt beiderseits des Hauptkamms – im Süden mit Regen bis hoch hinauf, im Norden mit schneefressendem Föhn und in der Mitte mit orkanartigem Wind. Eine Umstellung der Großwetterlage bringt nun Abwechslung.

500hPa Geopotential und Bodendruck, Mittwoch 27.11. Ex-Sebastien nähert sich an. Noch sind wir eher trogvorderseitig in einer SW Anströmung, die immer mehr auf West dreht. add_circle
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500hPa Geopotential und Bodendruck, Mittwoch 27.11. Ex-Sebastien nähert sich an. Noch sind wir eher trogvorderseitig in einer SW Anströmung, die immer mehr auf West dreht.

Während die Alpensüdseite schon mit einer mehr als ordentlichen Basis aufwarten kann, tut sich der Norden großteils noch schwer, vor allem in tieferen Lagen. Warm war es zuletzt beiderseits des Hauptkamms – im Süden mit Regen bis hoch hinauf, im Norden mit schneefressendem Föhn und in der Mitte mit orkanartigem Wind. Eine Umstellung der Großwetterlage bringt nun Abwechslung.

Aktuelle Lage und Aussichten

Am heutigen Mittwoch liegen die Alpen noch in einer süd- bis südwestlichen Anströmung, die immer mehr auf West dreht. Das blockierende Hoch im Osten, das uns lange begleitet hat, ist mehr oder weniger Geschichte und derzeit ist der Hurrikan “formerly known as” Sebastien, a.k.a. Sturmtief Ex-Sebastien der wichtigste Player auf dem europäischen Wetterspielfeld. Sebastien hatte vor kurzem noch Hurrikan-Stärke, hat sich nun abgeschwächt und den Hurrikan-Status verloren, und das hat dann auch das komplexe System der Namensvergabe für Stürme irgendwie durcheinander wirbelt. Ex-Sebastien jedenfalls sorgt heute und morgen in Teilen Deutschlands und Frankreichs für kräftigen Wind und allgemein stürmische Verhältnisse.

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Auch in den Nordalpen in höheren Lagen relativ weiß, aber mit Föhn in letzter Zeit zu warm für Beschneiung. add_circle
LH
Auch in den Nordalpen in höheren Lagen relativ weiß, aber mit Föhn in letzter Zeit zu warm für Beschneiung.

In den Alpen ist es heute auch tendenziell ungemütlich, wenn auch nicht ganz so windig wie weiter nördlich. Eine an Sebastien hängende Kaltfront sorgt von Südwesten her für Niederschläge, die sich im Laufe des Tages mehr oder weniger auf den gesamten Alpenraum ausbreiten. Die Schneefallgrenze bleibt dabei noch ziemlich hoch. Im Westen klart es gegen Nachmittag/Abend schon wieder auf, im Osten passiert alles wie üblich etwas zeitverzögert.

Der Donnerstag bleibt ziemlich wechselhaft mit kräftigem Wind – mittlerweile wirklich aus Westen, langsam auf Nord drehend – und immer wieder Niederschlag in den Ostalpen. Im Westen schneit bzw. regnet es anhaltender, bei sinkender Schneefallgrenze. In den französischen und westschweizer Nordweststaulagen könnten durchaus nennenswerte Neuschneemengen zusammen kommen. Es liegt aber wenig bis nichts drunter...

Am Freitag schließlich ist Ex-Sebastien ausreichend weit nach Osten gerutscht und die Alpen kommen trogrückseitig in den Genuss einer nördlichen Anströmung. Deutlich kältere Luft aus dem hohen Norden bahnt sich den Weg zu uns und besonders in den Westalpen schneit es im Nordstau auch ganz ordentlich. Die Mengen sind nicht mit jenen der jüngsten Schneefälle im Süden vergleichbar, aber immerhin! Viele Skigebiete werden sich über kalte Temperaturen freuen und endlich die noch grünen Talabfahrten für den Saisonstart beschneien. Im Süden bleibt es bei Nordföhn trocken und relativ sonnig.

500hPa Geopotential und Bodendruck für Freitag, 29.11.: Kaltluftvorstoß bringt einen Hauch von Winter auch für tiefere Lagen. add_circle
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500hPa Geopotential und Bodendruck für Freitag, 29.11.: Kaltluftvorstoß bringt einen Hauch von Winter auch für tiefere Lagen.
Mittelfrist und Glaskugel

Momentan sieht es am Samstag nach kurzem Zwischenhocheinfluss aus und potentiell nach einer Warmfront in der Nacht auf Sonntag, die bei ansteigender Schneefallgrenze von West nach Ost Niederschlag bringt. Wie sich das genau gestaltet, ist noch mit einigen Unsicherheiten behaftet. Vermutlich bleibt es bis in die nächste Woche hinein vergleichsweise kalt, bei einer schneemäßig nicht sehr spannenden, gradientschwachen Lage. Nach und nach kippt das blockierende Hoch im Westen um und die Strömung dürfte sich dann wieder stärker zonalisieren. Damit stünden die Zeichen ab etwa Mitte nächster Woche auf Atlantikeinfluss und Westwetter. Allgemein ist die Entwicklung aber noch sehr unsicher und detaillierte Spekulation scheint dem WetterBlog aktuell nicht allzu sinnvoll. 

Der bisher eher gestörte Polarwirbel macht in den für uns direkt relevanten Höhen Anstalten, etwas runder zu werden, allerdings sieht die Vorhersage für die Stratosphäre noch immer sehr unrund aus. Ob und wie sich das für die erste Dezemberwoche prophezeite Stratosphärenwarming auf die unteren Schichten auswirkt, sehen wir dann in 2 bis 3 Wochen.

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