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WetterBlog 19 2020/21 | Ende des Märzwinters

Der Frühling meldet sich zur Stelle

24.03.2021

Der kräftige Nordstau der letzten Woche ist schon länger vorbei, aber bis über das vergangene Wochenende hinaus war es in den Nordalpen trotzdem noch durchaus winterlich. Im Westen hat sich die Sonne schon etwas früher durchgesetzt, im Osten war es bis einschließlich Montag eher trüb mit immer wieder einsetzenden Schneeschauern auch in tiefen Lagen. Seit gestern herrscht überall aber definitiv Frühlingsfeeling mit viel Sonne und deutlich höheren Temperaturen.

500hPa Geopotential und Bodendruck, Mittwoch, 24.3. Nordhemisphärenansicht. Blockierendes Hoch und östlich gelegenes Tief bilden eine große atmosphärische Welle bei ansonsten recht rundem Polarwirbel. add_circle
meteociel.fr
500hPa Geopotential und Bodendruck, Mittwoch, 24.3. Nordhemisphärenansicht. Blockierendes Hoch und östlich gelegenes Tief bilden eine große atmosphärische Welle bei ansonsten recht rundem Polarwirbel.

Der kräftige Nordstau der letzten Woche ist schon länger vorbei, aber bis über das vergangene Wochenende hinaus war es in den Nordalpen trotzdem noch durchaus winterlich. Im Westen hat sich die Sonne schon etwas früher durchgesetzt, im Osten war es bis einschließlich Montag eher trüb mit immer wieder einsetzenden Schneeschauern auch in tiefen Lagen. Seit gestern herrscht überall aber definitiv Frühlingsfeeling mit viel Sonne und deutlich höheren Temperaturen.

Aktuelle Lage und Aussichten

In der Grafik rechts nochmal zur Erinnerung der Blick auf die großräumigen Strukturen, die uns auch in den letzten knapp 2 Wochen schon beschäftigt haben. Das markante Tiefdruckgebiet östlich des Alpenraums lag letzte Woche noch direkt über den Alpen und sorgte für die sehr erfreulichen Schneemengen im Norden. Westlich des Tiefs befindet sich noch immer ein ebenso markanter Hochkeil, der die zonalere Strömung über dem Atlantik effektiv blockiert und nach Norden ablenkt. Diese Art von Wetterlage ist, wie schon öfter erwähnt, ziemlich persistent. Wenn die Wellen so groß sind, verschieben sie sich nur langsam und bleiben über einen längeren Zeitraum fast ortsfest.

Nach und nach verschieben sie sich dann aber doch und unser Tief ist nun so weit stromabwärts gewandert, dass es das Wetter in den Alpen nicht mehr in der Hand hat. Der Hochdruck übernimmt. Auch das blockierende Hoch verändert sich aber mit der Zeit und bleibt weder genau an der gleichen Stelle, noch auf ewig gleich stark. Entsprechend ziehen in den nächsten Tagen immer wieder kleinere Störungen durch und der Sonnenschein wird etwas getrübt. Den Anfang macht am Donnerstag ein Kurzwellentrog, der die Alpen von Westen überquert und vermutlich nur für etwas bedeckteren Himmel sorgt, im Norden tendenziell mehr als im Süden. So langsam die großen Wellen, so schnell die kleinen - der verglichen mit den dominierenden Wellen der letzten Tage winzige Trog verzieht sich also zügig wieder und der Freitag wird verbreitet schon wieder sonnig. Am Samstag quert aus NW eine Kaltfront und bringt ein paar Schneeflocken, aber wohl keine nennenswerten Neuschneemengen. Ab Sonntag zeichnen sich dann einige sonnige, deutlich wärmere Tage ab. Die Entwicklung in der Glaskugel ist offen und es sind noch mehr oder weniger alle Optionen möglich, auch kühle, in den Bergen durchaus schneefreundliche.

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Sonnenfenster am vergangenen Wochenende in Tirol. add_circle
LH
Lorenzo Rieg
Sonnenfenster am vergangenen Wochenende in Tirol.

Studie: Schnee wird weniger, aber nicht überall gleich schnell

Mal wieder gibt es eine neue Studie, die untersucht, wie sich die Schneehöhe im Alpenraum verändert. Das besondere diesmal ist der große Datensatz, der zusammen getragen wurde. Über 20 Forschungsinstitutionen aus den Alpenländern waren beteiligt und haben Daten von über 2000 Wetterstationen gesammelt und einheitlich ausgewertet. Dass sowas über Länder- und Institutionsgrenzen hinweg funktioniert, ist keineswegs selbstverständlich. Zwar gibt es von der Word Meteorological Organization Vorgaben und Standards, die dafür sorgen, dass gemessene Werte vergleichbar sind. Die Betreiber von Wetterstationen - staatliche Wetterdienste, Hydrologieämter, Lawinenwarndienste, etc – haben aber ihre eigenen Systeme für die Datenerhebung und -speicherung, so dass für dieses Großprojekt sicher viel mühevolle „Handarbeit“ im Sinne von Datenverarbeitung notwendig war.

Die 5 Regionen, in denen sich die Schneehöhen ähnlich entwickeln. Die Regionsgrenzen sind in erster Linie klimatischen und/oder topographischen Unterschieden geschuldet. add_circle
Matiu et al.
Die 5 Regionen, in denen sich die Schneehöhen ähnlich entwickeln. Die Regionsgrenzen sind in erster Linie klimatischen und/oder topographischen Unterschieden geschuldet.

Der Vergleich der vielen Stationen zeigt, dass die Schneehöhen wie erwartet an fast allen Stationen zurück gehen. Der Rückgang ist aber regional unterschiedlich und geht nicht überall gleich schnell. Die Unterschiede sind nicht nur durch die Höhenlage bedingt, sondern treten etwa zwischen der Alpennord- und Südseite auf. Die Autoren der Studie identifizieren 5 Regionen, in denen sich die Schneehöhen jeweils ähnlich entwickeln. Die stärksten Verluste sind in von vornherein schneeärmeren Regionen in den Südalpen zu verzeichnen und in den Regionen und Höhenlagen, wo die Schneedecke ganz verschwindet, weil der Niederschlag fast nur noch als Regen fällt. Die Ergebnisse der Studie sind grundsätzlich nicht überraschend und untermauern den bekannten, abnehmenden Trend, sowie die bei Schnee vergleichsweise stark ausgeprägten regionalen Unterschiede. Bemerkenswert und sehr erfreulich ist der umfassende Datensatz, der durch diese Studie entstanden ist und der auch großteils frei zugänglich gemacht wird. Mehr davon bitte!

 

 

 

 

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