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WetterBlog 18 2021/22 | Langeweile

Sonne, Sonne, Sonne, brennendes Skigebiet, Hitzewelle in der Antarktis

23.03.2022

Wenn es in irgendeiner Form erfolgversprechend wäre, würde der WetterBlog streiken. Aber leider lässt sich mit dem Wetter bekanntlich nicht verhandeln und so bleiben wir gefangen in der trockenen Langeweile des Betonhochs, die langsam aber sicher zu bedrückender Eintönigkeit wird. Am Glaskugelhorizont deutet sich, wenn auch noch unsicher, ein später Frosteinbruch an.

Bräunliche Schneeoberfläche durch Saharasand, Nass&Altschneelawinen bis auf den Boden in Tirol. add_circle
LH
Bräunliche Schneeoberfläche durch Saharasand, Nass&Altschneelawinen bis auf den Boden in Tirol.

Wenn es in irgendeiner Form erfolgversprechend wäre, würde der WetterBlog streiken. Aber leider lässt sich mit dem Wetter bekanntlich nicht verhandeln und so bleiben wir gefangen in der trockenen Langeweile des Betonhochs, die langsam aber sicher zu bedrückender Eintönigkeit wird. Am Glaskugelhorizont deutet sich, wenn auch noch unsicher, ein später Frosteinbruch an.

Aktuelle Lage und Aussichten

Wir könnten hier mehr oder weniger den Absatz zur aktuellen Lage der letzten oder vorletzten Woche wiederholen. Nach wie vor dominiert das blockierende Hoch die Situation in West- und Mitteleuropa. Durch die NO-Komponente der Anströmung waren die Temperaturen in den letzten Tagen vergleichsweise gedämpft. Mit einer Drehung auf südöstliche bis südliche Richtung wird es nun aber täglich etwas wärmer und in den Südföhn anfälligen Regionen auch windiger. Insgesamt bleibt der Wettercharakter aber bis auf weiteres unverändert sonnig. Zum Wochenende dürfte es im Tagesverlauf vermehrt zu Quellwolkenbildung kommen, Niederschlag ist aber keiner zu erwarten.

In den jüngsten Modellläufen deutet sich für das Monatsende ein möglicher Kaltluftausbruch mit Schnee und Frost bis in tiefe Lagen an. Das wäre einerseits eine willkommene Abwechslung, andererseits schlecht für die Vegetation, die sich derzeit bei frühlingshaftem Wetter rapide entwickelt. Das mittlerweile vielerorts wirklich exorbitante Niederschlagsdefizit würde in diesem Szenario im Norden zwar etwas gemildert, aber wohl bei Weitem nicht kompensiert. Vor allem im Süden ist die Trockenheit und auch die Waldbrandgefahr zur Zeit extrem. Symbolträchtig brannte es zuletzt im Skigebiet Karersee in Südtirol. In den sozialen Medien finden sich Bilder aus der Sesselliftperspektive mit Blick auf Ski und qualmendes Gras.

Detail am Rande: Bei niedriger Luftfeuchtigkeit und eher kühlen Temperaturen bekommt man häufiger einen “Schlag”, wenn man Gegenstände oder andere Leute anfasst. Der DWD hat dieser Tatsache vor einer Weile ein Thema des Tages gewidmet. Da der WetterBlog gerade vom eigenen Schreibtischstuhl eine gewischt bekommen hat, sei hiermit darauf hingewiesen. Der DWD empfiehlt: Keine synthetische Kleidung, Luftfeuchtigkeit im Zimmer erhöhen (etwa: nasses Handtuch über die Heizung hängen), ab und zu geerdete Gegenstände anfassen.

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Hitzewellen an den Polen

Die Trockenheit hierzulande ist ziemlich beachtlich und auch der Luftdruck bricht zumindest in Skandinavien teilweise Rekorde. Die hohen Temperaturen in der Arktis haben wir bereits letzte Woche kurz angesprochen. Dazu kommt nun noch, dass sich in der Antarktis ebenfalls außergewöhnliches abspielt. Durch Advektion warmer Luftmassen stiegen die Temperaturen in Teilen der Ostantarktis auf um die 40° über dem saisonalen Durchschnitt. Das ist ein wahrlich extremer Ausschlag, dessen Größenordnung mit der Hitzewelle im Nordwesten der USA im vergangenen Jahr vergleichbar ist - bei der Gelegenheit hatte es in Teilen Kanadas Temperaturen von ca. 50°C und es gab zahlreiche Hitzetote. Der Guardian zitiert dazu namhafte Klimawissenschaftler, die feststellen, dass die gängigen Klimamodelle die allgemeine Erwärmung zwar sehr gut vorhersagen, die Magnituden und Frequenzen von Extremereignissen aber unterschätzen. Wir beobachten derzeit Ereignisse, die für das aktuelle, globale Temperaturniveau zumindest in der Häufung nicht von den Modellen erwartet wurden.

In dem Zusammenhang geben wir zum Abschluss sinngemäß einen Vergleich wieder, der kürzlich irgendwo durch die Timeline flog. Es gibt einen breiten und sehr fundierten wissenschaftlichen Konsens zum Thema Klimawandel. Das bedeutet nicht, dass es nicht auch Unsicherheiten und offene Fragen gibt, wie in jedem Forschungsfeld (was sollte man sonst schließlich noch erforschen?). Vergleich für die bessere Vorstellung: Wir wissen auch nicht, nach wie vielen Zigaretten jemand Lungenkrebs bekommt oder warum manche Leute lebenslang 2 Schachteln pro Tag rauchen und keinen Krebs bekommen und andere nie einen Zug nehmen und trotzdem Lungenkrebs entwickeln. Wir wissen trotz dieser Unsicherheiten, dass Rauchen die Wahrscheinlichkeit erhöht, an Krebs zu erkranken. Viele entscheiden sich deswegen, nicht zu rauchen. Andere rauchen trotzdem.

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Wenn im Rahmen des öffentlichen Klimawandeldiskurses über Unsicherheiten diskutiert wird, geht es meistens nicht oder nur am Rande um ungeklärte Forschungsfragen. Es handelt sich viel öfter um eine Art Wertediskussion, oder um unterschiedliche Risikoeinschätzungen bei gleicher Informationslage. Was ist schützenswert, was haben wir zu verlieren, wie risikoavers sind wir, wieviel Präventionsparadox vertragen wir in welchen gesellschaftlichen Bereichen? Die letzte Schnee von morgen Kolumne mit der Sichtweise des ÖAV auf erneuerbare Energien im Alpenraum ist ein Beispiel für eine Diskussion, in der es fast ausschließlich um unterschiedliche Auffassungen bzw. Werte geht und nicht/kaum um offene wissenschaftliche Fragen. Sowohl die wissenschaftliche Fragestellungen als auch die anderen sollten natürlich diskutiert werden. Es ist aber wichtig, sich im Klaren zu sein, worüber man diskutiert und die verschiedenen Bereiche wenn überhaupt nur sehr überlegt zu vermischen. Je schwammiger die Debatten werden, desto eher verlieren Öffentlichkeit und Politik das Interesse, was wiederum der Sache nicht hilft (was wiederum auch manchmal von Klimawandelleugnern als Taktik eingesetzt wird).

Und was ist mit dem Schnee?

Naja, das SLF fasst es schön zusammen: Stabile Kruste auf schwachem Altschnee. Hier das dazu passende Video, in dem eher letzteres als ersteres hervor gehoben wird.

Auch daran wird sich in nächster Zeit wenig ändern. Wo derzeit Lawinen auf dem Altschnee abgehen, hat sich das mit der Lawinengefahr hinterher erledigt, da dann schlicht kein Schnee mehr liegt - so zumindest in Tirol zu beobachten. Wo die Kruste stabil genug ist, kann man sich über Firn freuen. Nur stellt sich bisweilen die Frage, wie stabil ist stabil genug?

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