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WetterBlog 18 2020/21 | Frühlingswinter

Raus in den Schnee!

17.03.2021

Nichts währt ewig und Schnee schon gleich gar nicht, also genießt es, solange es geht! Der Nordstau hat ganze Arbeit geleistet und den Alpennordhang in ein tiefwinterliches Frühlingskleid gehüllt. Bis Ende der Woche bleibt es kühl und schneit mit Unterbrechungen weiter, ab Sonntag übernimmt voraussichtlich wieder der Hochdruck.

500hPa Geopotential und Bodendruck, 17.3.21: Nordanströmung und Tiefdruck im Alpenraum. Blockierendes Hoch im Westen. add_circle
meteociel.fr
500hPa Geopotential und Bodendruck, 17.3.21: Nordanströmung und Tiefdruck im Alpenraum. Blockierendes Hoch im Westen.

Nichts währt ewig und Schnee schon gleich gar nicht, also genießt es, solange es geht! Der Nordstau hat ganze Arbeit geleistet und den Alpennordhang in ein tiefwinterliches Frühlingskleid gehüllt. Bis Ende der Woche bleibt es kühl und schneit mit Unterbrechungen weiter, ab Sonntag übernimmt voraussichtlich wieder der Hochdruck.

Aktuelle Lage und Aussichten

Die Alpen befinden sich in einer Nordanströmung, die den Träumen des PowderOrakels entsprungen sein könnte. Entscheidend für die Entwicklung war die Aufwölbung des Azorenhochs vor der europäischen Atlantikküste. Das Hoch „blockiert“ den Atlantik und Störungen müssen nach Norden ausweichen, bevor sie es in die Alpen bzw. nach Mitteleuropa schaffen. Stromabwärts (östlich) des Hochkeils befindet sich das Gegenstück der Welle: Ein hochreichendes Tief, das kalte Polarluft anzapft und feuchte, kühle Luft gegen die Alpen steuert. In den kommenden Tagen kippt die Achse des Hochs zunehmend nach Osten, so dass aus der Nord- eine Nordostanströmung wird. Die davon herangeführten Luftmassen sind dann tendenziell trockener als zuletzt, aber etwas kälter.

Der Hauptschneefall dürfte sich mit dem gestrigen Dienstag erledigt haben, aber in Staulagen schneit es auch heute und in der kommenden Nach noch weiter. Am Donnerstag ist die Chance auf Auflockerungen tagsüber höher, aber ungetrübt sonnig wird es im Norden noch nicht. Der Freitag sieht dann wieder ziemlich trüb aus, immer wieder auch mit Schneeschauern. Auch wenn es bis in tiefe Lagen schneit, ist natürlich trotzdem März und das bedeutet, dass die Sonne schon vergleichsweise viel Kraft aufbringt und der Powder schnell an Fluffigkeit einbüßt, wenn es doch mal kurz aufreißt.

Südlich des Alpenhauptkamms sieht es alles ganz anders aus: Hier ist es mit Nordföhn aufgelockert und abseits des Hauptkamms hat es wenig bis gar nicht geschneit. An dieser Situation wird sich in den nächsten Tagen nichts wesentliches ändern, tendenziell wird es auch im Süden durch die Drehung auf NO etwas kühler.

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Vor dem großen Nordstau gab es auch schon ein paar Flocken. add_circle
LH
Vor dem großen Nordstau gab es auch schon ein paar Flocken.

Ist das denn normal? (Ja!)

Im Februar wunderte man sich zunächst über die kalten Temperaturen, dann über die extrem warmen Temperaturen. Und jetzt so viel Schnee im März? Dabei war es doch schon so warm! Im Gegensatz zu der Wärmeperiode im Februar ist die aktuelle kühle, schneereiche Phase aber durchaus normal im Sinne der klimatologischen Statistik. Es ist im gesamten Alpenraum und auch in Deutschland üblich, dass es im März noch häufig oder zumindest ab und zu (je nach Höhenlage) frostige Temperaturen gibt und auch Schneefall bis in tiefe Lagen ist keineswegs ungewöhnlich. Wer den Eindruck hat, das aktuelle Wetter wäre für die Jahreszeit unpassend, hat sich wohl in den letzten Jahren an warme Frühlingstemperaturen gewöhnt...

In der Karte der Schneehöhenänderung ist das Nord-Süd Gefälle deutlich zu sehen. add_circle
PowderGuide Snowgrid Ansicht
In der Karte der Schneehöhenänderung ist das Nord-Süd Gefälle deutlich zu sehen.
Mittelfrist: Sonne

Blocking-Lagen bewegen sich langsam, aber sie bewegen sich irgendwann dann doch. Das Hoch, das derzeit westlich von uns liegt, wandert langsam nach Osten. Der Hochdruckeinfluss wird sich vermutlich ab dem Wochenende im Großteil des Alpenraums durchsetzen, von Westen nach Osten fortschreitend (Westalpen wahrscheinlich am Samstag schon ziemlich sonnig, Ostalpen eher erst ab Sonntag). An der blockierenden Konstellation ändert sich dabei erstmal noch nicht viel, daher wird uns der Hochdruck dann auch eine Weile erhalten bleiben. Milder wird es dabei nur nach und nach, da im Osten immer noch die Kaltluft liegt. Der Neuschnee dürfte sich also je nach Exposition und Wind bis in die nächste Woche ganz gut halten und Tourengenuss bei Sonnenschein steht nichts im Wege - außer natürlich der Lawinengefahr und den leidigen Reisebeschränkungen. 

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