Suche

WetterBlog

WetterBlog 16 2019/20 | Aussichten und erster Winterrückblick

Weltweit sehr warmer Winter

04.03.2020

Irgendwie fängt der Winter gefühlt gerade so richtig an, zumindest wenn man in den derzeit mit Neuschnee gesegneten Gegenden unterwegs ist. Der Winter im Sinne der meteorologischen Statistik hingegen ist mit dem Monatswechsel zu Ende gegangen und die Wetterdienste präsentieren ihre Rückschauen.

Landesweit gemittelte Wintertemperatur (Dezember bis Februar) seit Messbeginn 1864. Der Winter 2019/2020 erreicht nach den aktuellen Berechnungen 0,7 °C (Stand 18.02.2020). Die roten Linien zeigen die 30-jährigen Standard-Normperioden 1871‒1900 (vorindustriell) und 1991‒2020. add_circle
Meteo Schweiz
Landesweit gemittelte Wintertemperatur (Dezember bis Februar) seit Messbeginn 1864. Der Winter 2019/2020 erreicht nach den aktuellen Berechnungen 0,7 °C (Stand 18.02.2020). Die roten Linien zeigen die 30-jährigen Standard-Normperioden 1871‒1900 (vorindustriell) und 1991‒2020.

Irgendwie fängt der Winter gefühlt gerade so richtig an, zumindest wenn man in den derzeit mit Neuschnee gesegneten Gegenden unterwegs ist. Der Winter im Sinne der meteorologischen Statistik hingegen ist mit dem Monatswechsel zu Ende gegangen und die Wetterdienste präsentieren ihre Rückschauen.

Der meteorologische Winter, also Dezember, Januar, Februar, war im Großteil Alaskas, in Nordwest Kanada und phasenweise in Svalbard und Grönland kälter als im klimatologischen Mittel. Überall sonst war es irgendwas zwischen ziemlich mild bis extrem und rekordebrechend warm, mit einer gewissen Tendenz zu letzterem. In Moskau wurde der wärmste Winter seit Beginn der Messungen registriert, mit mehr als 6°C über der durchschnittlichen Wintertemperatur. Der bisherige Rekordhalter lag „nur“ 3°C über dem Durchschnitt, der Rekord wurde also nicht nur knapp gebrochen, sondern mühelos weg gewischt. Je nach dem, wo die normale Durchschnittstemperatur liegt, machen +6°C zudem schnell mal den Unterschied zwischen Schnee und Regen aus. Nicht nur in Moskau fehlt Schnee, auch in Helsinki und weiten Teilen Südskandinaviens ist die Landschaft so braun bzw. grün wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen.

Anzeige
Anzeige
Temperaturabweichung im Winter 2019/20 vom klimatologischen Mittel 1981-2010. add_circle
karstenhaustein.com
Temperaturabweichung im Winter 2019/20 vom klimatologischen Mittel 1981-2010.

Auch im Alpenraum waren der meteorologische Winter, und dabei vor allem der Februar, rekordverdächtig warm. Die Meteo Schweiz spricht von einer „neuen Temperaturdimension“. Zum vierten Mal in der Messgeschichte war die Landesmitteltemperatur in den Wintermonaten über dem Gefrierpunkt. Was in den letzten dreißig Jahren hinsichtlich Temperatur als „normaler“ Winter bezeichnet werden kann, wäre in den Perioden davor ein ungewöhnlich milder Winter gewesen. In Deutschland war 2019/20 hinter 2006/07 der zweitwärmste Winter der Messgeschichte, ebenso in Österreich. Die ZAMG weist auf beeindruckende Rekordtemperaturen an manchen Bergstationen hin, etwa +3.9°C am Sonnblick (3109m) am 17. Februar. Die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur im Februar liegt an dieser Station bei -9°C. In Deutschland scheint die am häufigsten wiederholte Kenngröße der temperaturbedingte Ausfall der Eisweinernte zu sein.

Niederschlag gab es im Winter 2019/20 durchaus, nur eben oft nicht im gewünschten Aggregatzustand. In Deutschland war es großteils überdurchschnittlich nass, in Österreich und der Schweiz war am Alpennordhang ebenfalls, am Alpensüdhang dagegen etwas zu trocken. Schneebezogene Negativrekorde gab es vor allem in tiefen Lagen, beispielsweise gab es in einigen österreichischen Städten noch nie so wenige Tage mit Schneebedeckung

500hPa Geopotential und Bodendruck, Donnerstag 5.3.20: Tiefdruckeinfluss im Alpenraum. Stömung relativ verwellt. add_circle
meteociel.fr
500hPa Geopotential und Bodendruck, Donnerstag 5.3.20: Tiefdruckeinfluss im Alpenraum. Stömung relativ verwellt.
Aussichten

Der Frühlingsanfang gestaltet sich so winterlich, wie der Winter selten war. Durch das sich aufwölbende Kontinentalhoch im Osten wird die Atlantikströmung etwas blockiert und die Frontalzone verwellt sich im Bereich Mitteleuropa. Am heutigen Mittwoch liegt der Alpenraum im Einflussbereich eines Troges in einer kühlen Nordwestströmung. Nach einem noch eher trüben Vormittag wird es nach und nach trocken, am nachmittag sollte auch im Osten teils schon die Sonne durchkommen. Am Donnerstag nähert sich von Westen her die nächste Störung. Der Niederschlagsschwerpunkt liegt im Westen und Süden, die Schneefallgrenze sinkt von Westen nach Osten, insgesamt wird es wärmer. Die Details dazu überlassen wir dem Orakel, was für heute Abend eine Meldung angekündigt hat. Auch Freitag und Samstag bleiben verbreitet trüb bei wieder etwas tieferen Temperaturen, der Alpensüdhang ist "wetterbegünstigt" bzw. sonniger. Am Sonntag wird es aus heutiger Sicht aufgelockerter, aber nicht strahlend sonnig. Zum Beginn der kommenden Woche meldet sich dann in der Glaskugel zunehmend das Westwetter zurück, in bekannter Manier mit einer deutlich milderen SW Strömung.

  • keyboard_arrow_left vorherige
  • nächste keyboard_arrow_right