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WetterBlog 15 2019/20 | Es wettert!

Und wie!

05.02.2020

„Schönes Wetter sagt man nicht!“ - So haben wir das im Studium gelernt. „Schlechtes Wetter“ sagt man natürlich auch nicht. Tatsächlich bemüht sich der WetterBlog immer noch, solch subjektive Wendungen zu vermeiden, schließlich sind die Geschmäcker ja verschieden und wenn man sich bemüht, kann man auch langweiligen Gammellagen (Fachbegriff) meteorologisch noch irgendwas abgewinnen.

850hPa Theta E, Montag (3.2.): Schleifende Front sorgt für ergiebigen Niederschlag bei sehr milden Temperaturen und hoher Schneefallgrenze. add_circle
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850hPa Theta E, Montag (3.2.): Schleifende Front sorgt für ergiebigen Niederschlag bei sehr milden Temperaturen und hoher Schneefallgrenze.

„Schönes Wetter sagt man nicht!“ - So haben wir das im Studium gelernt. „Schlechtes Wetter“ sagt man natürlich auch nicht. Tatsächlich bemüht sich der WetterBlog immer noch, solch subjektive Wendungen zu vermeiden, schließlich sind die Geschmäcker ja verschieden und wenn man sich bemüht, kann man auch langweiligen Gammellagen (Fachbegriff) meteorologisch noch irgendwas abgewinnen.

Trotz Bemühungen um lupenreine Objektivität muss der WetterBlog aber zugeben, dass es einfach immer total cool ist, wenn es mal so richtig abgeht. Hitze! Starkregen! Orkan! Schnee! Und alles innerhalb der letzten paar Tage! Man muss das in der Kombination und im Sinne der Freizeitgestaltung am Berg nicht unbedingt gut finden. Aber das Meteorologenherz schlägt schon ein wenig höher, wenn das Wetter zeigt, was es kann.

Rückblick

Nach dem kurzen winterlichen Intermezzo letzte Woche stiegen die Temperaturen schon am Donnerstag wieder in Richtung Vorfrühling. Regen bis in hohe Lagen am Freitag sorgte dann für schwierige Skibedingungen am Wochenende, wobei es am Samstag verbreitet noch recht sonnig war und der verregnete Sonntag dann wirklich eher zum Rumhängen auf der Couch einlud, ebenso wie der noch verregnetere Montag. Die verantwortliche Front lag eingebettet in der von Westen nach Osten verlaufenden Luftmassengrenze länger quer über den nördlichen Mittelgebirgen und dem Alpenvorland, wodurch hier beachtliche Regenmengen zusammen kamen - im Schwarzwald laut DWD beispielsweise bis zu 100l/m2 in 24 Stunden. Durch die sehr warme Luftmasse im Süden lag die Schneefallgrenze teils deutlich jenseits von 2000m. „Ungemütlich“ wäre jetzt wieder eine sehr subjektive Einschätzung, also beschränken wir uns auf en Hinweis, dass in Tirol unter (!) 2200m Lawinenwarnstufe 4 herrschte.

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Dicke Flocken im Inntal am gestrigen Dienstag. add_circle
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Dicke Flocken im Inntal am gestrigen Dienstag.

Montagabend brachte Tiefdruckentwicklung an der Luftmassengrenze weiteren Schwung ins Geschehen und die dazugehörige Kaltfront sorgte für extrem stürmische Bedingungen auch in tiefen Lagen, mit Böen von über 100km/h im Alpenvorland und Orkan in den Bergen (145km/h auf der Zugspitze). Hinter der Kaltfront floss kältere Luft aus Norden in Richtung Alpen und der noch immer anhaltende Niederschlag ging im Laufe des Dienstag – endlich – in Schnee über.

Aktuelle Lage

Auch am heutigen Mittwoch bleibt uns der Nordstau erhalten. Von Westen her klingt der Schneefall in den Staulagen nach und nach ab, im Osten geht es bis zum Abend weiter. Näheres zu den Schneemengen kann man dem aktuellen PowderAlarm entnehmen. Im Süden ist es bei Nordföhn aufgelockert und trocken. Der Blick über den wettertechnischen Tellerrand zeigt: Wir sind mittlerweile auf der Rückseite des abziehenden Trogs. Es schneit zwar im Stau noch weiter, aber das große Spektakel ist vorbei und von Westen nähert sich ein kräftiges Hochdruckgebiet.

500hPa Geopotential und Bodendruck, Montag nächste Woche (10.2.): Sehr zonale Strömung, kräftige Westlage. add_circle
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500hPa Geopotential und Bodendruck, Montag nächste Woche (10.2.): Sehr zonale Strömung, kräftige Westlage.
Aussichten

Am morgigen Donnerstag ist der Trog dann endgültig nach Osten entschwunden und es wird im gesamten Alpenraum sonnig. Auch die Temperaturen steigen wieder, allerdings nicht schlagartig und nicht in ganz so exorbitante Höhen wie zuletzt. Bis inklusive Wochenende dürfte mehr oder weniger flächendeckend das herrschen, was Laien häufig als „schönes“ Wetter bezeichnen – wir nehmen dieses schlimme Wort hier aber natürlich nicht in den Mund.

Der nach wie vor sehr aktive Atlantik braut sich währenddessen sein mittlerweile schon gewohntes Süppchen und kocht sogar tendenziell noch schärfer gewürzt. Zum Beginn der nächsten Woche dürfte das Westwetter unser kurzfristig blockierendes Hoch ausreichend angefressen haben, um es aus dem Weg zu räumen. Die Zeichen stehen dann auf mild, stürmisch, wechselhaft. Wir drücken die Daumen, dass das dann zumindest zu Berglandwinter führt (im Flachland wird das wohl sowieso nichts) und die Action nicht wieder zu weit nördlich stattfindet.

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