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WetterBlog 12 2021/22 | Frühlingsintermezzo

Windiges Wechselbad der Wettergefühle

09.02.2022

Der Februar entwickelt "Febril" Charakter und bringt uns ein paar Tage mildes, sehr frühlingshaftes Wetter, bevor es Richtung Wochenende wieder unbeständiger und kühler wird. Tief winterliche Kälte ist nicht in Sicht, die Schneehoffnungen konzentrieren sich auf "Berglandwinter" durch Westwetter.

ECMWF Ensemble Prognose für Innsbruck. Erst warm, dann Front mit etwas Niederschlag, dann wieder ruhig, dann nächste, unsichere Niederschlagsphase add_circle
ECMWF
ECMWF Ensemble Prognose für Innsbruck. Erst warm, dann Front mit etwas Niederschlag, dann wieder ruhig, dann nächste, unsichere Niederschlagsphase

Der Februar entwickelt "Febril" Charakter und bringt uns ein paar Tage mildes, sehr frühlingshaftes Wetter, bevor es Richtung Wochenende wieder unbeständiger und kühler wird. Tief winterliche Kälte ist nicht in Sicht, die Schneehoffnungen konzentrieren sich auf "Berglandwinter" durch Westwetter.

Aktuelle Lage und Aussichten

Die Grundlage für unser Wetter bildet die zur Zeit kräftige, grob westliche Strömung. Darin eingebettet wechseln sich in relativ schneller Abfolge immer wieder Fronten und Zwischenhochs ab. Ein Ausläufer des Azorenhochs beschert uns heute (Mittwoch) und morgen vorzeitige Frühlingsgefühle mit deutlich zweistelligen Temperaturen in den Tallagen, einer entsprechend jenseitigen Nullgradgrenze und viel Sonne. Schon am Freitag dürfte es wieder kühler und auch etwas feuchter werden, wobei “kühler” für Februar immer noch relativ mild ist. Die entsprechende Front erreicht die Alpen aus Nordwesten und bringt den NW Staulagen ein wenig Neuschnee. Für einen PowderAlarm reicht das wohl nicht.

Das Wochenende sieht verbreitet sonnig aus - der Hochdruckeinfluss setzt sich wieder durch. Im Gegensatz zur aktuellen Situation liegen die Alpen aber eher am Rand und nicht mitten drin, so dass es noch einige Unsicherheiten gibt und wahrscheinlich nicht überall ungetrübt bleibt. Zum Beginn der nächsten Woche steigen die Chancen auf Schnee mit einer derzeit in den Modellen angedeuteten Nordwestlage - das wäre der eingangs erwähnte Berglandwinter. Besonders kalt wird es nicht, aber Nachschub für die höheren Lagen ist aus heutiger Sicht durchaus vorstellbar, natürlich bei der Glaskugel-üblichen Schwankungsbreite. Im noch weiter entfernten Glaskugelbereich ab Mitte nächster Woche deutet sich eine massive Sturmlage an, die, so sie annähernd in der Form eintrifft, sehr hohe Windgeschwindigkeiten mit Schadenspotential zur Folge hätte. 

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Windrekorde mit Kaltfront am Montag, warmer Winter 2021/22

Beim Blick zurück auf das Wetter der vergangenen Tage fallen unter anderem die extrem hohen Windgeschwindigkeiten auf, die mit der Kaltfront am Montag erreicht wurden. In Innsbruck gab es sogar für die nicht sonderlich exponierte Station an der Uni mit 115km/h einen neuen Rekord (der WetterBlog hat ein nach NW ausgerichtetes Schlafzimmerfenster im siebten Stock und wäre fast aus dem Bett gefallen, weil die Böen das nicht mehr ganz neue Fenster krachen ließen). In den Bergen verzeichneten einige Stationen über 150km/h verzeichnet. In der Schweiz war die Lage ähnlich - die MeteoSchweiz hat Sturmtief Roxana einen Blog mit einigen Hintergrundinfos gewidmet.

Ansonsten sind derzeit eher wieder mal die Temperaturen bemerkenswert. Der meteorologische Winter (Dezember, Januar, Februar) 2021/22 steuert auf eine Top 10 Platzierung im Ranking der wärmsten Winter der Messgeschichte zu. Passend dazu hat die ZAMG Ergebnisse einer hier schon mal erwähnten klimatologischen Studie mit einer interaktiven Grafik recht ansprechend und plakativ aufbereitet. Untersucht wurde, wie sich die Schneelage in Österreich bei Einhaltung des 2°C-Ziels der Pariser Klimakonferenz verändert, im Vergleich zur Entwicklung bei einem Szenario ohne weitgehende Emissionsreduktionen. Die Studie hat einen gewissen Winterportfokus und bezieht auch die “Beschneibarkeit” mit ein, also die zu erwartenden Temperaturen bzw. Feuchttemperaturen in verschiedenen Höhenlagen.

Almwiesenwedeln bei Zwischenhocheinfluss am Wochenende add_circle
LH
Almwiesenwedeln bei Zwischenhocheinfluss am Wochenende

Die ZAMG fasst für Höhenlagen um 1000m zusammen:

“Ohne globalen Klimaschutz („der fossile Weg“) nimmt die Dauer der natürlichen Schneedecke bis zum Jahr 2100 um 70 Prozent ab. Damit wären hier pro Winter nur noch rund 30 Tage mit Schneedecke zu erwarten.

Bei Einhaltung des Pariser Klimaabkommens („unvermeidlicher Klimawandel, 2-Grad-Weg“) geht die Schneedeckendauer bis 2100 um 25 Prozent zurück. Damit wären hier pro Winter rund 60 Tage mit Schneedecke zu erwarten, also doppelt so viele wie ohne Klimaschutz.

Die atmosphärischen Bedingungen für die technische Beschneiung gehen in dieser Höhenlage ohne Klimaschutz um 50 Prozent zurück, bei Einhaltung des Pariser-Ziels um 15 Prozent.”

Egal ob einem die “Beschneibarkeit” persönlich wichtig ist, zeigt sich hier mal wieder, dass es keinesfalls “eh schon zu spät” ist, um die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Winter zu begrenzen!

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