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WetterBlog 10 2020/21 | Föhn und Schneenachschub im Süden

Steigende Temperaturen, weiterhin turbulent

20.01.2021

Eine Südföhnlage beendet vorerst die winterlich kalte, schneereiche Wetterphase in den Nordalpen. Das steuernde Tief liegt über den Britischen Inseln und wie so oft wird trogvorderseitig aus Südwesten warme Luft an den Alpenbogen geführt. Im Norden sind die nächsten Tage von Föhn geprägt, im Süden wird es trüb bei - je nach Höhenlage - flüßigen oder festen Stauniederschlägen.

500hPa Geopotential und Bodendruck, Nordhemisphärenansicht, Mittwoch, 20.1. SW Strömung im Alpenraum, markantes Grönlandblocking. add_circle
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500hPa Geopotential und Bodendruck, Nordhemisphärenansicht, Mittwoch, 20.1. SW Strömung im Alpenraum, markantes Grönlandblocking.

Eine Südföhnlage beendet vorerst die winterlich kalte, schneereiche Wetterphase in den Nordalpen. Das steuernde Tief liegt über den Britischen Inseln und wie so oft wird trogvorderseitig aus Südwesten warme Luft an den Alpenbogen geführt. Im Norden sind die nächsten Tage von Föhn geprägt, im Süden wird es trüb bei - je nach Höhenlage - flüßigen oder festen Stauniederschlägen.

Aktuelle Lage und Aussichten

Schon der gestrige Dienstag war deutlich wärmer als die letzten Tage. Die Nordwestströmung drehte auf West und rutscht spätestens heute vollends auf Südwest. Damit macht sich im Norden der Föhn immer stärker bemerkbar, während im Süden im Tagesverlauf zunehmend Wolken gegen den Hauptkamm stauen. Stellenweise setzt am Abend im Süden Niederschlag ein. Die Schneefallgrenze im Süden liegt höher als zuletzt, in tiefen Lagen wird es eher regnen. Im Norden klettert die Nullgradgrenze vermutlich in größere Höhen, aber hier bleibt es meist trocken. Am Donnerstag sieht es grundsätzlich ähnlich aus, nur alles gegenüber Mittwoch etwas verstärkt: Südstau mit mäßigem Niederschlag in typischen Stauregionen, stürmischer Föhn im Norden. Neuschneemäßig spannend wird es im Südstau nochmal mit einer Kaltfront am Freitag bzw. in der Nacht von Do. auf Fr., die regional – vor allem im Südosten - auch größere Mengen im Gepäck haben könnte. Wir erwarten demnächst eine Meldung des Orakels zu den nächsten Tagen.

 

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Deutlicher Temperaturanstieg bei schon leicht föhnigem Himmel am gestrigen Dienstag in Tirol. add_circle
LH
Karin
Deutlicher Temperaturanstieg bei schon leicht föhnigem Himmel am gestrigen Dienstag in Tirol.

Im Norden bleibt es währenddessen wechselnd bewölkt, eher windig und generell unbeständig. Im Laufe des Freitags dürfte die Strömung wieder auf NW umschwenken und gegen Abend trifft vermutlich die nächste Kaltfront ein. Die genaue Entwicklung am Wochenende ist noch sehr unsicher. Man kann tendenziell von unbeständigem Wetter aus westlicher Richtung ausgehen, „freundlichere“ Bedingungen gibt aus heutiger Sicht am ehesten Samstag Vormittag. Danach zeichnen sich weitere Fronten ab, vor allem in den Westalpen durchaus auch mit ganz ordentlichem Schneepotential. Wie gesagt: Alles noch recht wacklig. Ruhiges, anhaltendes Hochdruckwetter steht allerdings erstmal nicht an.

Blick auf die Großwetterlage

Das turbulente Wetter der nächsten Tage entsteht großteils durch den eingangs erwähnten Tiefdruckkomplex im Bereich der Britischen Inseln, der mehrere Zentren hat und sich zwar langsam etwas hin und her verschiebt, aber seine Position derweil nicht groß verändert. Derzeit ist der Atlantik durch eine Art Grönlandblocking quasi „abgeriegelt“. Die Westdrift kommt nicht an einem Hochkeil vorbei, der sich bis nach Grönland erstreckt. Sie kann unser Tief also auch nicht wegschieben. Der Hochdruck über Grönland bleibt vorerst bestehen, aber es scheint als würde er zum Wochenende hin nach und nach abgedrängt, so dass sich atlantische Tiefs wieder auf direkterem Weg in Richtung Europa bewegen können: Ein mögliches Rezept für Westwetter in den Alpen trotz des nicht sehr runden Polarwirbels.

500hPa Geopotential und Bodendruck, Nordhemisphärenansicht, Samstag, 23.1. Tendenz zu starker Westströmung, Details unsicher. add_circle
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500hPa Geopotential und Bodendruck, Nordhemisphärenansicht, Samstag, 23.1. Tendenz zu starker Westströmung, Details unsicher.
Die Schweiz wird wärmer

Wir springen kurz noch vom Wetter zum Klima: Die MeteoSchweiz präsentiert in einem lesenswerten Blogpost mal wieder eindrücklich, wie sich das Klima der Schweiz in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Die Dekade 2011-2020 war mit einigem Abstand die wärmste seit Messbeginn. Im Vergleich zur Referenzperiode 1871-1900 (vorindustriell), war die vergangene Dekade in der Schweiz um 2.5°C wärmer. Seit den 1970ern ist der Aufwärtstrend in den Dekadenmitteln dauerhaft positiv, das heißt seither war eine Dekade immer wärmer als die vorangegangene. Es müssen ja nicht gleich neue Kälterekorde sein, aber diese Tendenz zumindest etwas abzumildern wäre für 2021-2030 schon sehr wünschenswert!

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