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WetterBlog 1 2021/22 | Vor dem Winter kommt der Spätsommer

Mildes Herbstwetter, am Wochenende kühler

10.11.2021

Der WetterBlog startet in die Saison und stimmt sich in der Herbstsonne auf den nahenden Winter ein. An der eingefahrenen Großwetterlage ändert sich zunächst noch wenig. Am Wochenende wird die Prognose unsicher. Eine Kaltfront dürfte Abkühlung bringen. Mäßige Niederschlagsoptionen für den Alpenraum sind vorhanden, stehen aber auf wackeligen Füßen.

500hPa Geopotential und Bodendruck, GFS, Mittwoch 10.11.: Hochdruckbrücke über ME. Tief im Süden lenkt warme Luft in den Alpenraum. Südföhn, evtl Saharastaub. add_circle
500hPa Geopotential und Bodendruck, GFS, Mittwoch 10.11.: Hochdruckbrücke über ME. Tief im Süden lenkt warme Luft in den Alpenraum. Südföhn, evtl Saharastaub.

Der WetterBlog startet in die Saison und stimmt sich in der Herbstsonne auf den nahenden Winter ein. An der eingefahrenen Großwetterlage ändert sich zunächst noch wenig. Am Wochenende wird die Prognose unsicher. Eine Kaltfront dürfte Abkühlung bringen. Mäßige Niederschlagsoptionen für den Alpenraum sind vorhanden, stehen aber auf wackeligen Füßen.

Aktuelle Lage und Aussichten

Die Alpen liegen unter einer großräumigen Hochdruckbrücke, die für mildes, ruhiges Herbstwetter sorgt. Der Hochdruck bildet dabei eine “Brücke” über einem Tief mit Kern zwischen Spanien und Marokko. Die Hochs wie auch das Tief sind ziemlich persistent in ihren Positionen und verschieben sich in den nächsten Tagen nur geringfügig. Heure spüren wir den Tiefdruckeinfluss aus dem Süden etwas stärker: Feuchte Luft staut an den Alpenbogen und im Norden ist es leicht föhnig mit einem hohen Wolkenschleier. Eventuell ist hier und da auch Saharastaub dabei. Auch in den nächsten Tagen geht es sehr mild und leicht föhnig weiter, in einigen Regionen trübt der Hochnebel das sonnige Herbstwetter.

Zum Wochenende hin kommt etwas Bewegung ins Wettergeschehen. Während zuletzt noch durchaus substantiell Niederschlag in den Modellen zu sehen war, sieht es in den aktuellen Läufen nicht mehr besonders toll aus. Der Samstag wird aus heutiger Sicht noch verbreitet freundlich, am Sonntag ist es dann durchwachsener. Am interessantesten sind die Aussichten für den Südwesten, wo das Genuatief noch mitspielt. In der Nacht zum Sonntag dürfte es hier in hohen Staulagen Neuschnee geben. Im Norden zieht eine schwache Kaltfront durch, die aber wohl unergiebig bleibt. In Summe eher ein Streifschuss als ein richtiger Wintereinbruch, da die kalten Luftmassen zu weit östlich landen.

Anfang kommender Woche kehrt voraussichtlich nach und nach der Hochdruck zurück. Die Aussichten in der Glaskugel sind trocken und sonnig. Das mehr oder weniger kurzfristige Winterintermezzo am Wochenende sollte also soweit möglich genossen werden. Fahrräder und Klettersachen lieber noch griffbereit lassen!

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Tägliche Schneehöhe Wetterstation Pitztaler Gletscher (ZAMG): In grün die Schneehöhe der aktuelle Saison. Minimum, Maximum, Mittel und Median beziehen sich auf den gesamten Datensatz, die Zeitreihe beginnt im April 1994. add_circle
Tägliche Schneehöhe Wetterstation Pitztaler Gletscher (ZAMG): In grün die Schneehöhe der aktuelle Saison. Minimum, Maximum, Mittel und Median beziehen sich auf den gesamten Datensatz, die Zeitreihe beginnt im April 1994.

Was bisher geschah

Die Saison läuft dieses Jahr wetterbedingt gemächlich an. Im Gegensatz zum Vorjahr gab es keine markanten Kaltlufteinbrüche mit Schnee bis in Tiefe Lagen im Oktober, somit verzögert sich auch der jährliche Vorwinterhype. Vorsichtiges Almwiesenwedeln wurde mit den beiden Schneefallereignissen Anfang November einigermaßen möglich, Spaltenslalom auf den Gletschern geht schon etwas länger. Die Almwiesen werden in den nächsten Tagen vermutlich vielfach wieder ausapern.

Aktuelle ConditionsReports berichten von guten Schneemengen auf den Gletschern rund um die Wildspitze. Da die ZAMG seit kurzem Stationswerte und einige andere Datensätze frei verfügbar macht, hat der WetterBlog mit Hilfe der Wetterstation am Pitztaler Gletscher folgendes ermittelt: Die Schneehöhe entspricht derzeit an der Station mehr oder weniger dem Durchschnitt der entsprechenden Zeitreihe. Der Oktober ist trocken gestartet, dann hat es zweimal etwas geschneit, so dass Mitte Oktober ca. 40 cm Schnee an der Station lagen. Bis Anfang November ist der Oktoberschnee auf einen kleinen Rest zusammengeschrumpft. In den ersten Novembertagen kam dann in zwei Staffeln ein guter halber Meter Neuschnee zusammen, der sich nun auch schon wieder deutlich gesetzt hat. Im Vergleich zum Vorjahr liegt derzeit etwas weniger Schnee an der Station, wobei 2021 mit dem Novemberschnee gegenüber 2020 gut aufgeholt hat.

Lawinen am Schalfkogel, Ötztaler Alpen, Foto vom 6.11.21. add_circle
LH
Lawinen am Schalfkogel, Ötztaler Alpen, Foto vom 6.11.21.

Der skifahrerische “Durchschnitt” spiegelt sich natürlich immer nur bedingt in den punktuellen Daten der Wetterstationen wieder - vor allem wissen die Stationen nicht, wie der Wind den Schnee im umliegenden Gelände verteilt hat. Dank der Abwechslung aus mehr oder weniger kleinen Schneefällen und Schönwetterperioden hat sich hochalpin bereits ein wenig erfreuliches Altschneeproblem eingestellt. Überall, wo der Schnee von Mitte Oktober nicht wieder geschmolzen ist, bildet er nun ein aufbauend umgewandeltes, ungünstiges Fundament für den Novemberschnee. Angesichtes der aktuellen Wettersituation kann man davon ausgehen, dass es mit dem Novemberschnee ähnlich weiter geht. Aber erstmal ist ja sowieso Abwarten angesagt…

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