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WetterBlog 1 2019/20 | Auf die Plätze, fertig, Südstau

Fulminanter Wetterauftakt der neuen Saison

20.11.2019

Nachdem Kollege Orakel bereits vier mal Meldung gemacht hat, wird es höchste Zeit, dass sich auf der WetterBlog aus dem Sommerschlaf zurück meldet. Wir starten in die Saison mit einem klassischen Überblick zur durchaus interessanten Großwetterlage:

500hPa Geopotential und Bodendruck von gestern, 19.11. Noch immer deutliche Südanströmung zwischen Hoch im O und Ts im W. add_circle
meteociel.fr
500hPa Geopotential und Bodendruck von gestern, 19.11. Noch immer deutliche Südanströmung zwischen Hoch im O und Ts im W.

Nachdem Kollege Orakel bereits vier mal Meldung gemacht hat, wird es höchste Zeit, dass sich auf der WetterBlog aus dem Sommerschlaf zurück meldet. Wir starten in die Saison mit einem klassischen Überblick zur durchaus interessanten Großwetterlage:

Aktuelle Lage

Die letzte Woche war geprägt von Starkschneefällen im Süden, die auch hier und da deutlich über den Hauptkamm geschwappt sind. In Großen und Ganzen war es an der Alpennordseite aber wesentlich trockener – hier war eher der Föhn am Werk. Die Vogelperspektive auf die Nordhemisphäre zeigt, dass der Jetstream über Europa derzeit stark mäandriert, das heißt er schlingert und macht eine Art Schlaufe, die von Süden nach Norden über die Alpen läuft. Das ist schon so, seit es im Süden angefangen hat zu schneien.

Die dazu passende Druckverteilung sieht, grob gesagt, folgendermaßen aus: Trog im Westen, massives, blockierendes Hoch im Osten, an dem es für atlantische Störungen kein Vorbeikommen gibt. Diese rutschen an den Britischen Inseln vorbei über Frankreich Richtung Mittelmeer, von wo aus durch die dort vorherrschende Südanströmung immer neue Fronten an die Alpen gelenkt werden. Vergleichsweise kühle Luft aus dem Norden, die auf das feucht-warme Mittelmeer trifft, begünstigt die Tiefdruckentwicklung nochmal zusätzlich und es bilden sich eigenständige Mittelmeertiefs.

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500hPa Geopotential und Bodendruck für Samstag, 23.11. Tiefausläufer rutscht ins Mittelmeer. add_circle
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500hPa Geopotential und Bodendruck für Samstag, 23.11. Tiefausläufer rutscht ins Mittelmeer.

Aussichten

Großräumig bleibt es erstmal bei der föhnigen Südanströmung und der entsprechenden Nord/Süd Zweiteilung des Wetters. Am heutigen Mittwoch ist es vergleichsweise ruhig. In den Westalpen schneit oder regnet es auf der Südseite ein bisschen, aber nicht besonders intensiv. Im Norden ist es aufgelockert, sofern man es über den in vielen Tälern liegenden Nebel hinaus schafft. Im Osten auch südlich des Hauptkamms wohl trocken und allgemein anfällig für Hochnebel. In Richtung Alpenostrand bleiben die Wolken dichter und je nach Höhenlage fallen ein paar Tropfen oder Schneeflocken. Am Donnerstag wird die Südströmung wieder kräftiger. Besonders im Westen nehmen die Niederschläge im Süden voraussichtlich wieder zu, während der Norden sich weiterhin föhnig-aufgelockert zeigt. Am Freitag bleibt die Lage mehr oder weniger unverändert, mit wieder stärker werdendem Niederschlag im Westen.

Zum Samstag hin zeichnet sich ein Abrutschen eines Tiefausläufers ins Mittelmeer ab, was im Südwesten wieder intensive Stauniederschläge zur Folge haben kann, mit komplementärer Föhnsturmsituation im Norden. Am Sonntag voraussichtlich dann wieder ruhiger und aus heutiger Sicht recht freundlich, wie auch am Montag.

2m Temperaturanomalien Europa, Dienstag 19.11.2019 add_circle
KarstenHaustein.com
2m Temperaturanomalien Europa, Dienstag 19.11.2019
Viel Schnee, wenig Kälte, Glaskugelspekulationen

Wer angesichts der Bilder von im Schnee versinkenden Alpendörfern nun denkt, es wäre dazu passend auch ganz schön kalt, liegt zwar subjektiv vielleicht richtig, wenn er/sie grade waagrechten Schnee ins Gesicht geweht bekommt. Objektiv betrachtet ist es aber in weiten Teilen Europas deutlich wärmer als zur aktuellen Jahreszeit im klimatologischen Mittel üblich (Bild links).

Im Glaskugelbereich der Prognosen deutet sich ein mögliches Stratosphärenwarming Anfang Dezember an. Sollte das so kommen wie derzeit von einigen Modellen vermutet, wäre es sogar ein ziemlich ausgeprägtes Warmingevent und zwar ungewöhnlich früh in der Saison. Hier gibt es eine hübsche Animation dazu, falls jemand mal eine 3D Darstellung atmosphärischer Temperaturen sehen will. Das Stratosphärenwarming, so es denn in Erscheinung tritt, könnte einen auf längere Sicht gestörten Polarwirbel zur Folge haben, was für uns tendenziell eingefahrene Blockinglagen bedeutet und wenig rasch wechselndes Westwetter.

Updates hierzu nächste Woche!

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