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WetterBlog

Wetter-Wissen Teil 3: Das Weihnachtstauwetter

Weinhnachstauwetter und andere Wettersingularitäten

14.12.2008

In der Meteorologie nennt man Wetterlagen, die mit überdurchschnittlicher Wahrscheinlichkeit zu einem bestimmten Datum auftreten, Singularitäten oder Witterungsregelfälle. Eine solche Singularität ist auch das viel gehasste Weihnachtstauwetter. Während kurz vor den Feiertagen oft noch alles frostig und weihnachtlich weiß ist, beginnt es bei der Bescherung zu tauen, es wird warm, es regnet und nicht mal ein Aufgebot bunter Lichterketten vermag die Tristesse matschiger Vorgärten zu lindern?

In sieben von zehn Jahren ist zwischen dem 24. und 29. Dezember ein solcher Wetterverlauf zu beobachten. Vor Heiligabend bestimmen kalte Luftmassen aus der Arktis oder dem kontinentalen Osten unser Wetter. Diese Kaltluft strömt quer über Mitteleuropa bis in den Atlantik hinaus, wo sie auf feuchtwarme Meeresluft trifft.
Ähnlich wie bei besinnlich-verpflichtenden Weihnachtstreffen mit ungeliebter Verwandtschaft, verläuft es hierbei nicht immer reibungslos, wenn Luftmassen aneinander geraten: Über Westeuropa bildet sich ein ausgeprägtes Tiefdruckzentrum. Tiefs drehen sich zyklonal, das heißt auf der Nordhalbkugel bewegt sich die Luft gegen den Uhrzeigersinn auf einer Kreisbahn um das Zentrum des Tiefs.
Dementsprechend kommen die Alpen in eine starke südwestliche Anströmung: Warme Luft aus dem Mittelmeer und Atlantikraum dringt bis nach Süddeutschland vor und sorgt dort für schmelzenden Schnee, häufig verbunden mit viel Regen und anschließendem Neujahrshochwasser.

Neben dem Weihnachtstauwetter gibt es noch etliche ähnliche, regelmäßig auftretende Wetterphänomene. Viele kennen wir im Zusammenhang mit so genannten Lostagen, wie dem Siebenschläfer oder den Eisheiligen. Wie so oft bestätigen Ausnahmen hier die Regel. Nicht immer sind alle Singularitäten erfüllt, mal ist der Altweibersommer schon im Juli und die Hundstage im August fallen buchstäblich ins Wasser. Auch wissenschaftlich belegte Bauernregeln sind für die genaue Wettervorhersage leider nicht sonderlich nützlich und bieten höchstens grobe Anhaltspunkte.

Die Ursprünge der Singularitätenforschung liegen in den 1920er Jahren und begründen auf im Jahresgang der Temperatur immer wiederkehrender Störungen, die auch im langjährigen Mittel nicht verschwinden. Durch Katalogisierung der Großwetterlagen und deren statistischer Untersuchung konnte belegt werden: Was die Oma in den Knochen spürt, der Bauer sowieso schon weiß.

Bekannt ist, dass das Auftreten von Singularitäten mit dem Sonnenzyklus beziehungsweise mit der Anzahl der Sonnenflecken zu tun hat. Um zu erfahren was die Welt und das Wetter im Innersten zusammenhält, müssten wir aber vielleicht erst ein paar Seelen an den Teufel verkaufen.