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TourenTipp | Traverse Brèche Puiseux 3432m

Fantastische Runde hoch über Chamonix

19.05.2022

Rund um Chamonix gibt es viele berühmte Skitouren, wobei die Brèche Puiseux hierzulande nicht unbedingt zu den bekanntesten gehört. Dabei ist sie landschaftlich äußerst eindrucksvoll und auch skifahrerisch lohnend.

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Fanità
terrainCouloir Puiseux

Rund um Chamonix gibt es viele berühmte Skitouren, wobei die Brèche Puiseux hierzulande nicht unbedingt zu den bekanntesten gehört. Dabei ist sie landschaftlich äußerst eindrucksvoll und auch skifahrerisch lohnend.

Tourenbeschreibung

Wir brechen früh in Chamonix auf um die erst Gondel auf die Aiguille du Midi zu nehmen. Der Wetterbericht hat Grand Beau angekündigt und so reihen wir uns ein in die Schlange der Alpinistinnen, Guides und Klienten, die an diesem Tag ebenfalls ganz nach oben wollen.

Von der Mittelstation Plan de l’Aiguille zieht uns das Seil gefühlt vertikal hinauf in die ausgesetzte Bergstation 2700m über Chamonix. Es ist jedes Mal wieder ein fantastisches Erlebnis und ein atemberaubender Blick aus schwindelerregender Höhe.

Wir beeilen uns, um die Massen hinter uns zu lassen und den Stau auf dem Grat der Aiguille du Midi zu vermeiden. Links von uns fällt dieser jäh ab ins Tal. Hier befindet sich der Einstieg ins Couloir Mallory. Doch das ist heute nicht unser Ziel. Wir halten uns rechts und fahren den Hang nach Süden ab. Wir nehmen den Schwung mit und gleiten über die weite Fläche des Glacier Géant. Rechts von uns erhebt sich der Mont-Blanc du Tacul mit seinem spektakulären Couloir Gervasutti.

Die Abfahrt durchs Vallée Blanche ist ein Klassiker und jedes Mal wieder von neuem beeindruckend. Doch wir wollen zur Brèche Puiseux. Wir wollen Höhenmeter machen. Fast 4000m Abfahrt bei nur knapp 1000m physischem Aufstieg. Ultimativ!

Am Eisbruch Séracs du Géant bleiben wir auf der linken Talseite und traversieren dann an dessen Ende angekommen nach rechts zum Glacier de Périades auf ca. 2450m. Hier sind wir im Schatten, was für den bevorstehenden Anstieg angenehm ist. Wir steigen in Spitzkehren entlang des linken Gletscherrandes in atemberaubendem Panorama bis auf ca. 3100m auf. Hier wird das Gelände zunehmend steiler. Unterhalb des Einstiegs in das Couloir Puiseux laden wir die Ski auf unsere Rucksäcke und legen Steigeisen an. Mit Pickel in der einen und Skistock in der anderen Hand steigen wir die letzten 300m durch das ca. 45 Grad steile Couloir hinauf zur Brèche.

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Jan Imberi
terrainValllée Blance

Oben scheint die Sonne und wir machen eine kurze Rast. Ein paar Meter weiter den Grat entlang befindet sich das Bivouac de Périades.

Um zu unserer zweiten Abfahrt über den Glacier du Mont Mallet zu gelangen, müssen wir uns ca 50 Meter durch mixed Gelände abseilen. Ideal ist, wenn man 2 x 50m Seil dabeihat. Minimum ist 1 x 60m oder 2 x 30m, denn es befindet sich ein zweiter Punkt auf ca. der Hälfte der Abseilstrecke.

Der Glacier du Mont Mallet ist extrem beeindruckend. Er liegt den größten Teils des Winters im Schatten, seine Eisenmassen sind immens, seine Spalten riesig und extrem tief. Die gegenüberliegende Grandes Jorasses Nordwand legt ihren langen Schatten über diese Landschaft. Einfach nur monumental!

Wir traversieren den Gletscher nach links, um die großen Spalten zu umfahren und in flacheres Gelände zu kommen. Immer wieder halten wir an, fahren dann einzeln über Schneebrücken an deren Seiten endlos tiefe Spalten klaffen.

Auf ca. 3000m wird der Gletscher steiler und so traversieren wieder wir nach rechts um das spaltenreiche Gelände zu umfahren. Dann wird das Gefälle sanfter und wir können es laufen lassen und so gleiten wir in großen Radien auf den Glacier de Leschaux hinaus.

Ab hier beginnt der ruhige Teil der Abfahrt. Das Gefälle ist nicht sonderlich groß aber es ist ausreichend um genüsslich durch dieses riesige Gletschertal zu fahren. Auch wenn man sich jetzt sicher fühlt, sollte man daran denken, dass man sich auf einem Gletscher befindet. Und wer das Mer de Glace schon einmal im Sommer traversiert hat, dem werden sicher all die unzähligen Spalten und Gletschermühlen aufgefallen sein, die sich unter der Schneedecke verbergen. Besonders dort in der Induktionszone, wo der Glacier de Leschaux mit dem Glacier de Tacul zusammen trifft und das Mer de Glace formt.

Die Tour kann auf zwei Arten beendet werden. Entweder mit der Zahnradbahn Montenvers, die einen von der Station Mer de Glace auf 1913m, zurück nach Chamonix bringt. Hierfür bedarf es eines Aufstiegs von ca. 200m, Tendenz steigend, um vom Gletscher zur Station zu gelangen. Entscheidet man sich für dieses Variante, sollte man unbedingt die Abfahrtszeiten checken, um zu vermeiden, den letzten Zug ins Tal zu verpassen. Die zweite Möglichkeit zurück nach Chamonix zu gelangen ist per Ski und ist natürlich abhängig von den jeweiligen Schneeverhältnissen.

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Jan Imberi
terrainBrèche Puiseux, Mont Blanc

Wir entscheiden uns dafür abzufahren und folgen dem inzwischen stark zerfurchten Gletscher talwärts. Die Route verläuft von Jahr zu Jahr anders und ändern sich je nach Schneelage. Auf ca. 1550m laden wir die Ski wieder auf unsere Rucksäcke und steigen über einen kleinen Pfad talseitig links bis auf die Muräne und zur Cabane de Mottets auf.

Das kleine Plateau auf dem die Cabane steht ist der perfekte Spot und in meinen Augen ein Must zum Abschluss jeder Vallée Blanche Tour. So bestellen wir bei Cathy, der sympathischen Wirtin, ein Bier und beschließen den Tag im Licht der tief stehenden Sonne, bevor wir dann über den Cat-Track zurück nach Chamonix ins Tal abzufahren.

Informationen

Start: Chamonix Mont-Blanc 1060m beziehungsweise Bergstation Aiguille du Midi

Aufstieg: 2730m (Gondel) + 970m

Abfahrt: 1328m +  2372m, (3700m)

Schwierigkeit Alpin: PD+

Schwierigkeit Ski: 4.1

Gefälle: 300m mit 45 Grad

Exponiertheit: E2

Exposition: Brèche Nord-Ost, Couloir Puiseux Süd-West

Jahreszeit: Februar - Juni

Dauer: ca. 7 Stunden

Bivouac: Bivouac du Périades, (3 Plätze)

Kartenmaterial: ING 3630, Massif du Mont-Blanc, 1:25.000

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