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TourenTipp | Rund um den Sellastock: Canale Holzer und Canale Joel

Rassige Dolomiten-Klassiker

14.03.2011

Die Ski-Runde um den Sellastock, die sogenannte "Sella Ronda" zählt bei Pistenskifahrern zu den beliebtesten und eindrücklichsten Abenteuern, die man auf Ski unternehmen kann. Mitten aus dem Gewirr an Pisten, Ziehwegen, Liften und Zauberteppichen führt vom Pordoipass die Gondel auf den Sass Pordoi hinauf. Sie führt ins berühmt-berüchtigte Rinnenspektakel. Die beiden, bei ambitionierten Freeridern beliebtesten Routen, das Canale Holzer und Canale Joel werden in diesem Tourentipp vorgestellt.

 

Val Mezdi, Forcella Pordoi, Val Lasties oder Val Setus: ohne Frage, allesamt sehr eindrückliche und landschaftlich einzigartige Abfahrten, die vom Sass Pordoi in die verschiedenen Täler rund um den Sellastock führen. Doch dieses Mal gehen wir es eine Ecke steiler an: Wir fahren die berühmten Rinnen Canale Holzer, benannt nach dem Steilwandfahrer Heini Holzer und das Canale Joel. Die Einstiege zu beiden Abfahrten liegen direkt in der Nähe der Bergstation des Sass Pordoi. Und beide gelten als der Einstieg in die verlockende Welt des Steilwandfahrens. Der Einstieg in diese Rinnen, die von teilweise mehreren hundert Metern tiefen Felsabbrüchen flankiert werden, liegen keine 300 Meter Luftlinie voneinander entfernt. Dennoch sind die beiden Abfahrten höchst unterschiedlich. Auf der einen Seite das lange und stets schattige Canale Holzer mit einigen markanten Steilstufen und einem Wasserfall, über den man sich meist abseilen muss. Auf der anderen Seite das südseitig exponierte „Plaisircouloir“ mit dem berühmten „Poser-Turn“ vor der Marmoladagruppe und sanftem Auslauf direkt zurück zur Sellagondel.

 

 

Canale Holzer

Schwierigkeit: 5 von 5
Besondere Gefahren: Abseilstelle bis zu 8 m, Snowboarder: Stöcke nicht vergessen, Eispickel wird empfohlen.
Durchschnittliche Steilheit/Maximale Steilheit: 45°/50 °
Exposition: N/NW(Rinne), W (Val Lasties, Pian Schiavaneis)
Höhenmeter bergauf und bergab: 0 HM | 1100 HM bergab
Dauer: 2 Stunden
Beste Jahreszeit: Februar – AprilSpektakulär zieht sich das Canale Holzer über 500 Höhenmeter durch die Nordwand des Sass Pordoi. Der Zugang ist dank der Gondel äußerst bequem. Aufgrund der Steilheit ist gute Skitechnik nötig, und die Abseilstelle auf halber Strecke verlangt alpinistisches Können. Von der Bergstation geht es entlang der Sommerweg-Markierungen wenige Meter auf dem Gipfelplateau nach Nordosten, bis es steiler wird. Dann links halten und einem enger werdenden, großen Geländeeinschnitt folgen, der schließlich in das Couloir mündet. Der erste Teil der Rinne ist sehr steil, und der Einstieg wird oft durch einige nicht eingeschneite Steine zusätzlich verengt. Nach einer Weile wird das Couloir ein wenig breiter und man erreicht die Abseilstelle. Der Weg ist durch einen steil abfallenden Felsblock versperrt. Der Abseilanker befindet sich auf der rechten Seite des Felsens, der mittig im Couloir sitzt. Man seilt sich über einen kleinen Eisfall das Cliff hinab. Ein 30 Meter langes Seil reicht meist aus, nur bei sehr guter Schneelage kann der Eisfall durch einen kleinen Drop überwunden werden. Das Couloir mündet schließlich in das Val Lasties. Man gelangt in die Pian Schiavaneis und folgt der Straße bergab linkerhand (später die Straßenseite wechselnd) und schließlich zurück zum Lift Lupo Bianco. Wer sich Einzelfahrten kauft, muss die Piste bis zum Pordoipass mit Fellen aufsteigen, ein Taxi rufen oder auf einen Autostopp hoffen.

 

 

 

Canale Holzer - Februar 2011 from www.PowderGuide.com on Vimeo.

Aktuelle Information: Am 19.2.2011 konnte die Abseilstelle mit einem 1,5 m hohen Drop mit enger Landung übersprungen werden. Wer sich über die aktuelle Lage nicht sicher ist, unbedingt Abseilmaterialien mitführen.

 

 

Canale Joel

Schwierigkeit: 4 von 5
Besondere Gefahren: Tageszeitliche Erwärmung beachten
Durchschnittliche Steilheit / Maximale Steilheit: 40°/45 °
Exposition: S/SW
Höhenmeter bergauf und bergab: ca. 50 HM | 750 HM
Dauer: 1 Stunde
Beste Jahreszeit: Januar – MärzVon der Bergstation am Sass Pordoi quert man in nordöstlicher Richtung entlang der Pfähle, die den Sommerweg markieren. An einer Wechte vorbei geht es kurz nordöstlich traversierend, bevor man wenige Meter südlich zur Hütte an der Forcella Pordoi (2829 m) abfährt. Vom Sattel aus schiebt man einige Meter auf der meist getretenen Spur Richtung Mittagstal dem Hang entlang. Nach etwa 30 Metern die Sportgeräte schultern und mittelsteil etwa 30 Höhenmeter bis zur Scharte hochsteigen. Hier auf dem Plateau die Ski anschnallen und in die markante Rinne einfahren. Oben, sowie im engeren Teilstück unten bis an 45° steil. Im Auslauf der Rinne hält man sich leicht skiers right und peilt zielstrebig die Talstation am Pordoipass an. Eine Variante zieht vom Rinnenausgang den Südhang entlang Richtung Arabba, wobei man stets nördlich der Piste bleibt und diese nach Belieben wieder trifft.

 

 

 

 

 

 

 

Informationen

 

 

Unterkunft: Diverse in Canazei und Arabba
Bar/Restaurant: Am Pordoipass sowie in der Bergstation.
Adressen: Dolomiti Superski www.dolomitisuperski.com, Alta Badia www.altabadia.org
Anfahrtsbeschreibung: Brennerautobahn über Bruneck und Corvara und Arabba, oder Brennerautobahn über Val Gardena bis zum Pordoipass.
Topografische Karten: Tabacco: Sella Ronda e Valli Ladine, Doppelkarte 1:25.000 1:50.000 mit eingezeichneten Skipisten und Skirouten.
Buchtipp: „Freeride in Dolomiti“ von Franzesco Tremolada. Der Führer beschreibt die Varianten- und Steilabfahrten der Dolomiten mit vielen Ski- und Landschaftsbildern auf Italienisch und Englisch, Edizioni Versante Sud, Milano 2009.
Sonstige Empfehlungen: Bergführer Franzesco Tremolada, (Autor des Freeridebuchs) betreibt einen gut gepflegten Internetblog über die aktuellen Bedingungen unter www.proguide.it

 

 

 

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