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Schnee von morgen

Schnee von morgen | Lena Stoffel im Interview

Freeskierin Lena Stoffel über Nachhaltigkeit und die Zukunft des Winters

17.01.2022

Manchmal braucht es eine andere Perspektive, um mit neuen Ideen in die Zukunft zu gehen. Deswegen hat PowderGuide Autorin Lisa mit Freeskierin Lena Stoffel über ihren Schnee von morgen gesprochen. Und darüber, warum wir die Skigebiete nicht verteufeln sollten und warum es sich lohnt, die einfachen Dinge zu zelebrieren.

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Chris Riefenberg
Lena Stoffel

Manchmal braucht es eine andere Perspektive, um mit neuen Ideen in die Zukunft zu gehen. Deswegen hat PowderGuide Autorin Lisa mit Freeskierin Lena Stoffel über ihren Schnee von morgen gesprochen. Und darüber, warum wir die Skigebiete nicht verteufeln sollten und warum es sich lohnt, die einfachen Dinge zu zelebrieren.

LA: Du fährst seit kleinauf Ski, warst früher im DSV Kader und bist dann auf Freestyle und Freeriden umgestiegen. Was bedeutet Wintersport bzw. Skifahren für dich?

LS: Skifahren begleitet mich schon mein ganzes Leben. Es ist etwas sehr natürliches für mich und es bedeutet mir sehr viel, eine Sportart auszuüben, die mich so nah an und in die Berge bringt.

Mitte Dezember wurde der neue Patagonia Film Vanishing Lines gelauncht. Du und Mitch Tölderer seid dort die Hauptakteure und sprecht euch aktiv gegen die sogenannte Gletscherehe zwischen Ötztal und Pitztal aus. Wenn du solche Pläne hörst, glaubst du, dass dann der heutige Wintersport noch zeitgemäß ist?

Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, solche Pläne sind nicht zeitgemäß, nicht der Wintersport an sich. Wir sollten diese sensiblen, wilden Landschaften beschützen, da es nicht mehr viele davon gibt und sie durch den Klimawandel eh schon genug gefährdet sind. Die Gletscher sind ein Ökosystem, das sich extrem schnell verändert und abschmilzt. Diese Ökosysteme auch noch auszubeuten, sie für jeden Wintersportler zugänglich zu machen und sie zu verbauen, ist einfach nicht zeitgemäß und nicht richtig.

Können wir als Skifahrerinnen und Wintersportler noch guten Gewissens Seilbahnen nutzen oder sollten wir vollends auf Skitouren umsteigen?

Nein, das wäre der falsche Schritt. Dadurch würden ja mehr und mehr Menschen auch noch in die naturbelassenen Räume vordringen. Ich denke man kann guten Gewissens Seilbahnen benutzen. Skigebiete begrenzen ja auch irgendwo die Fläche, in denen Menschen Ski und Snowboard fahren. Ich finde, man sollte die Infrastruktur, die vorhanden ist so verbessern, dass sie nachhaltiger funktioniert und man sollte auch kleine Skigebiete unterstützen und diese nutzen. Damit auch diese erhalten bleiben und nicht nur die großen vom Tourismus profitieren.

Das Höher, Schneller, Weiter gibt es nicht nur bei Skigebietsbetreibern. Wir leben heute fast überall im Überfluss. Glaubst du, wir sollten uns manchmal wieder mehr auf die einfachen Dinge zurück besinnen? Und soll dafür auch dein Kurzfilm Simplicity stehen?

Ja auf jeden Fall finde ich, dass wir versuchen sollten die einfachen Dinge zu genießen, und wie oben schon erwähnt die Skigebiete, die tolle Infrastruktur, die schon vorhanden ist, nutzen und vielleicht beim kleinen, lokalen Lift mal ein paar Tage verbringen, anstatt ins tolle luxuriöse Skigebiet zu fahren.

Apropos Einfachheit: Deine Sponsoren, u.a. Patagonia, Hydro Flask oder Swox, sind bekannt für ihren Einsatz im Bereich Umweltschutz und Nachhaltigkeit. War das auch für dich schon immer ein Thema?

Ja, meine Sponsoren, auch Fritz Kola , setzen sich alle für Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit ein. Ich liebe die Natur schon immer und dies ist auch mein Hauptantrieb, die Sportarten auszuüben, die ich ausübe. Ich würde sagen, dass es noch nicht immer Thema war. Unterbewusst sicher, aber in den letzten Jahren ist das Bewusstsein schon gewachsen und ich versuche mich aktiv dafür einzusetzen. Auf meine Weise versuche ich durch meine Bildsprache und meiner Leidenschaft zur Fotographie und Filmerei dazu zu inspirieren, unsere schöne Natur zu schützen. Ich bin nicht sehr politisch, deswegen versuche ich, über meine Stärken, das Kreative, das Storytelling und die Fotographie, meinen Weg als Vorbild und Inspiration zu gehen.

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Chris Riefenberg
Lena Stoffel

Ist dir Nachhaltigkeit neben dem Sport auch im täglichen Leben wichtig? Was machst du für ein nachhaltigeres Leben?

Es ist mir schon wichtig, ja. Ich versuche mich auch in verschiedenen Bereichen meines täglichen Lebens zu verbessern und meinen Beitrag zu leisten. Ich versuche, eigenes Gemüse anzubauen, mehr oder weniger erfolgreich… Aber ich lerne dazu und es wird jedes Jahr ein bisschen besser. Der grüne Daumen wächst. Außerdem versuche ich sonst lokal einzukaufen. Ich habe ein Hybrid -Auto, was leider auch nur ein Kompromiss ist, aber immerhin fahre ich in der Stadt elektrisch. Dann versuche ich, wenn es geht, den Zug zu nehmen. Es gibt aber schon noch einige Punkte, die ich auch weiterhin verbessern kann oder wo mich eben einschränken kann, bzw. andere Wege finden möchte.

Vielen Sportlerinnen und Sportlern, die sich aktiv für die Umwelt einsetzen, wird immer wieder vorgeworfen, dass sie ja selbst keine Heiligen sind und zum Beispiel für Filmproduktionen um die Welt fliegen. Wurdest du auch schon mal mit solchen Vorwürfen konfrontiert und wenn ja, wie gehst du damit um?

Das ist immer so ein Punkt, ja. Das stimmt, wie gesagt, ich bin auch keine Heilige und ich liebe das Reisen. Ich liebe es, in Japan Ski zu fahren und ich habe ein paar Orte auf der Welt, die zu einem zweiten Zuhause geworden sind und habe auch Freunde gewonnen. Deswegen fällt es mir schwer wenig zu reisen. Ich versuche bei meinen Reisen nicht nur für eine kurze Zeit an den Orten zu sein, sondern über einen Zeitraum von ein paar Wochen. Ich versuche, dort wo ich bin, die Locals zu unterstützen, damit sie von mir als Tourist profitieren und nicht irgendwelche Reiseagenturen oder großen Unternehmen aus einem ganz anderen Land. Und ich glaube auch, dass ich so inspirieren kann, auf eine „richtige“ Art und Weise zu reisen. Natürlich versuche ich trotzdem, meine Reisen in Zukunft auch einzuschränken. Ich glaube, das kann und muss jeder tun.

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Domi Tauber
Lena Stoffel

Wie sieht in deinen Augen der Wintersport der Zukunft aus?

Um ehrlich zu sein, so richtig ernsthaft Gedanken habe ich mir darüber noch nicht gemacht. Da bin ich manchmal auch ein wenig naiv und genieße den Moment. Ich glaube aber, dass die Winter immer unberechenbarer werden, was die Schneesicherheit angeht und wenn die Ticketpreise weiter steigen, dann wird der Sport sehr exklusiv. Die Skigebiete, die weiter unten liegen, werden wahrscheinlich Schwierigkeiten haben zu überleben.

Aber was wäre, wenn das vielleicht auch anders kommen könnte? Wie würde eine Zukunft des Wintersports aussehen, die gut wäre? Vielleicht könnte sich jeder Gedanken machen, was man tun könnte, damit es eine schöne Zukunft für den Wintersport gibt!

Vielleicht können die Leser in den Kommentaren schreiben, was sie sich wünschen würden oder wenn sie sich eine Zukunft vorstellen dürften, wie diese wohl aussehen würde.

Wenn du dir etwas für den Schnee von morgen wünschen könntest, was wäre es?

Wenn ich mir was wünschen könnte, dann wäre es, dass der Schnee von morgen immer noch kommt und dass wir, die in den Bergen leben, ihn auf respektvolle Weise genießen, ohne ihn auszubeuten. Ich würde mir wünschen, dass die Gemeinden und Skiorte sich darum bemühen, lokal und nachhaltig ihren Tourismus zu betreiben und so ein authentisches und schönes Erlebnis für die Touristen zu bieten.

Da können wir nur zustimmen. Vielen Dank für das Gespräch, Lena!

Und Lenas Aufruf wollen wir nur teilen: Schreib gerne in die Kommentare, wie du den Schnee von morgen siehst und was du dir für die Zukunft des Wintersports wünschst.

 

Lenas Film "Simplicity":

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