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Schnee von morgen

Schnee von morgen | Es grünt so grün

Ist Nachhaltigkeit Trend? Oder ist das doch eher Greenwashing?

02.03.2020

Heute ist alles grün, nachhaltig und total umweltfreundlich. Ein grünes Label drauf kleben und schon darf jeder mitmachen. Aber warum reichen heutzutage Taten nicht mehr aus und wieso darf Nachhaltigkeit eigentlich Trend sein? Ein Aufruf zu mehr Understatement.

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Lisa Amenda

Heute ist alles grün, nachhaltig und total umweltfreundlich. Ein grünes Label drauf kleben und schon darf jeder mitmachen. Aber warum reichen heutzutage Taten nicht mehr aus und wieso darf Nachhaltigkeit eigentlich Trend sein? Ein Aufruf zu mehr Understatement.

Es war vor gut zwei Jahren, der 1. Februar 2018. Ich, gerade müde und fertig von der letzten ISPO, suchte auf meinem Handy nach einem geeigneten Instagram Bild. Natur sollte drauf sein. Berge am besten. Gefunden habe ich ein Foto vom Blindsee. Einer meiner Lieblingsseen, seit ich ein Kind bin. Unter das Bild schrieb ich diesen Text:

„Gestern ist die ISPO Munich zu Ende gegangen. 4 Tage, 2.801 Aussteller und wahrscheinlich schier unendliche neue Produkte. Ich mag die ISPO gerne – den positiven Wahnsinn, wie ein Klassentreffen der Outdoorindustrie. Trotzdem pflege ich auch eine Art Hassliebe zur Messe. Der positive Wahnsinn schlägt manchmal ins Negative um. Zu viele verschiedene Eindrücke auf einmal. Produkte, die eventuell nicht unbedingt notwendig gewesen wären und die Sehnsucht, einer alten Zeit hinterherzulaufen, in der der Skisport unangreifbar zu einer der Königsdisziplinen des Massensports gehörte und Begehrlichkeiten schürte. Ich finde es unglaublich gut, dass sich der Nachhaltigkeitsbereich der Messe immer mehr ausweitet, aber ich muss auch sagen, dass ich mir etwas mehr erhofft hätte. In den letzten Jahren sind lediglich ein paar Quadratmeter dazu gekommen. Und jeder, der sich nur ein bisschen um die Umwelt sorgt, bekommt einen Nachhaltigkeitssticker an den Stand. Ist ja schließlich in. Macht man jetzt.“

Man merkt es mir an - ich war ein bisschen enttäuscht. Und jetzt? Bin ich ehrlich gesagt von der diesjährigen ISPO immer noch ziemlich platt. Ob das am grippalen Infekt liegt, den ich mir dort eingefangen habe, oder den oben beschriebenen Eindrücken? Vielleicht eine Mischung aus beidem.

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Lisa Amenda

Grüne Messe - grüne Branche?

Die Präsenz von nachhaltigen Themen war dieses Jahr auf der ISPO größer als je zuvor: Sustainability Hub. CSR Walk. Grün hier. Nachhaltig da. Recycelte Materialien trafen auf Umweltinitiativen wie Protect our Winters, Messestände waren dekoriert mit PET-Flaschen und Müll. Mein gekränktes Ich von 2018 hätte also jubelnd durch die Messehallen laufen müssen. Und doch blieb das aus. Ich habe mich wirklich darüber gefreut, dass es mir in diesem Jahr so leicht gemacht wurde, nachhaltige Themen zu finden. Und es ist auch wirklich cool, dass die Outdoorbranche sich nun als Vorreiter in diesem Thema begreift. Denn das kann sie sein. Aber manchmal finde ich es auch einfach anstrengend, weil einfach soviel Marketing dabei ist, das scheinbar nur auf den Trend aufspringt. Denn sind wir einmal ehrlich: Nachhaltigkeit ist in. Punkt.

Als ich 2007 mit meinem Studium angefangen habe, war Nachhaltigkeit noch ein ziemlich neues Thema und bis vor zwei bis drei Jahren blieb es ein Nischenbereich der Outdoorbranche . Heute muss jeder und alles nachhaltig sein. Und natürlich ist das gut so! Es ist schön, dass sich so viele mit dem Thema identifizieren und Hersteller nach nachhaltigen Alternativen suchen. Aber doch bitte nicht um jeden Preis!

Das mulmige Gefühl fängt schon bei Pressemitteilungen von PR Agenturen an. „Greta loves you“ steht da in riesigen Lettern in meinem Postfach. Darunter? „Wie jeder nachhaltiger leben kann, ohne dabei auf etwas verzichten zu müssen.“ Vorgeschlagen werden mir Luxusuhren, Luxusurlaube und Skigebiete, die ihren Müll recyceln. Wow. Schön und gut. Leider kommt ein nachhaltiger Lebensstil aber ohne einen gewissen Verzicht nicht aus. Die Luxusuhr und das neue E-Bike helfen da wenig. Und ob Greta mich dafür lieben wird? Ich bezweifle es.

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Muss immer alles nachhaltig sein?

Alle schreiben sich mittlerweile Nachhaltigkeit so groß wie möglich auf die Fahnen: Jedes noch so beliebige T-Shirt trägt ein Tag, auf dem versichert wird: „Wir sind nachhaltig, weil wir Bio-Baumwolle benutzen!“ Und LED-Lampen haben wir jetzt in unserer Firmenzentrale auch!

Ich bin Fan von Understatement. Einfach machen. Nicht immer erst rausplärren, dass man der nachhaltigste am Markt ist, sondern mit Selbstverständlichkeit die eigenen Prozesse ändern. Und wenn Nachhaltigkeit nicht zur Firmenphilosophie gehört? Dann muss man auch nicht alles grün labeln und erklären, dass man ja schon seit 30 Jahren nachhaltig ist, weil sich beispielsweise die PFC-Membran niemals in der Umwelt zersetzt. Dann lieber einfach ruhig sein und dazu stehen, dass man mehr auf Funktion statt Nachhaltigkeit setzt. Ist dann zwar nicht im Trend, aber ehrlich. Sich über die eigene Philosophie Gedanken machen, könnte man sich vielleicht trotzdem.

Auf Siegel schwören

Und wenn ihr euch jetzt nicht sicher seid, wo wirklich ein ernsthafter Ansatz dahinter steht? Dann achtet auf unabhängige Siegel. Diese sind meist glaubhafter als jede Marketingbotschaft.

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