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Schnee von morgen

Schnee von Morgen | Circular Economy - Mehr als nur Recycling

Kreislaufwirtschaft und was das mit Wintersport zu tun hat

14.12.2020

Die Kreislaufwirtschaft, oder Circular Economy, ist ein großer Trend der letzten Jahre und wird gelegentlich auch als Nachhaltigkeit 2.0 bezeichnet. Dabei erscheint sie vom Konzept her auf den ersten Blick vor allem technischer und stärker auf einen Bereich fokussiert. Und überhaupt, Mülltrennung und Recycling haben die meisten von uns, gerade in Deutschland dem Reich des Dosen- und Flaschenpfands, schon von klein auf gelernt.

Die Kreislaufwirtschaft, oder Circular Economy, ist ein großer Trend der letzten Jahre und wird gelegentlich auch als Nachhaltigkeit 2.0 bezeichnet. Dabei erscheint sie vom Konzept her auf den ersten Blick vor allem technischer und stärker auf einen Bereich fokussiert. Und überhaupt, Mülltrennung und Recycling haben die meisten von uns, gerade in Deutschland dem Reich des Dosen- und Flaschenpfands, schon von klein auf gelernt.

Worum es hier also wirklich geht und was das mit Wintersport zu tun haben könnte, versuchen wir in diesem Artikel anzugehen.

Kreislaufwirtschaft

Im klassischen Wirtschaftssystem, das spätestens seit der Industrialisierung vorherrschend ist und einen beträchtlichen Einfluss auf die Welt und auch unser Leben hat, werden Produkte in der Regel hergestellt, dann benutzt, solange sie funktionieren oder benötigt werden, und danach entsorgt. In dieser „Linearwirtschaft“ landen defekte oder unbrauchbare Produkte somit am Ende ihres Lebenszyklus entweder auf einer Deponie oder in einer Verbrennungsanlage, wobei in letzterem Fall immerhin noch etwas Energie damit gewonnen werden kann.

Die Kreislaufwirtschaft hingegen ist ein regeneratives System, indem der Ressourceneinsatz, aber auch die Abfallproduktion und damit verbunden Emissionen und Energieverschwendung minimiert werden. Das geschieht durch die auf minimalen Ressourceneinsatz und Langlebigkeit ausgelegten Produkte, Instandhaltung und Reparatur, Wiederverwendung und Recycling. Das Potenzial der Kreislaufwirtschaft ist riesig. Schätzungen zufolge könnten bei einer konsequenten Umsetzung alleine in den Sektoren Bau, Transport und Nahrungsmittelerzeugung bis 2050 60% der Treibhausgasemissionen eingespart werden. Bezogen auf die Materialsysteme mit den höchsten Emissionen, nämlich Stahl, Aluminium, Zement und Kunststoff, wären Einsparungen von etwa einem Drittel möglich und realistisch. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Kreislaufwirtschaft als systemtransformativer Prozess gesehen wird und es nicht nur darum geht, im bestehenden Wirtschaftsmodell bessere Möglichkeiten zur Weiter- und Wiederverwendung des Abfalls zu finden.

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Lea Hartl
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Reduce – Reuse – Recycle

Entgegen der landläufigen Meinung ist Recycling in der Kreislaufwirtschaft nicht das erste Mittel der Wahl. Vielmehr sollte nur dann auf Recycling zurückgegriffen werden, wenn eine weitere Verwendung von Produkten nicht mehr möglich ist. Dies liegt einerseits daran, dass beim Recycling verhältnismäßig viel Energie eingesetzt werden muss und der Energieverbrauch zudem umso stärker ansteigt, umso mehr vom recycelten Material tatsächlich wieder nutzbar sein soll. Andererseits gibt es kaum ein perfekt für Recycling geeignetes Material und Produkt. Man hat somit immer einen gewissen Verlust in Qualität und/oder Quantität. Hierbei gibt es natürlich große Unterschiede zwischen verschiedenen Produkten und Materialien. So sind beispielsweise elektronische Geräte, die aus unzähligen, fest miteinander verbundenen Teilen bestehen, schwerer zu recyclen als eine PET-Flasche und Aluminium - vereinfacht gesagt - besser für Recycling geeignet als Stahl.

Alleine damit kann man sich natürlich fast endlos auseinandersetzen. Wichtig hier ist aber vor allem, sich die Grenzen des Recyclings klarzumachen. Es ist nämlich verhältnismäßig einfach, aus sorgsam getrennt gesammelten PET Flaschen Material für Fleecejacken herzustellen, aber sehr aufwändig, aus verschiedenstem Verpackungsmaterial Rezyklat herzustellen, aus dem technische Teile mit hohen Anforderungen produziert werden können. Um den Wert, oder, anders ausgedrückt, die aufgewendete Energie und Rohstoffe zu erhalten, müssen beim Recycling also möglichst gleichwertige Rezyklate und Produkte herauskommen, die dann selbst ebenfalls wiederverwendet werden können. Anderenfalls spricht man von „Downcycling“: Die Qualität und damit der Wert nehmen stetig ab.

Anstatt Produkte dem Recycling zuzuführen, ist es viel besser, die gesamte Menge an Produkten, oder dem für die Herstellung benötigten Material, zu reduzieren. Das kann durch möglichst langlebige Materialien oder ein entsprechendes Design gewährleistet werden, aber auch durch bewussteren Konsum oder die „Sharing Economy“, die ja ebenfalls zusehends im Trend liegt. All das kann entscheidend dazu beitragen, den Ressourcenverbrauch stark zu verringern. Irgendwie logisch, schließlich müssen weniger Autos, Pullover oder Ski produziert werden, wenn sie länger halten oder sie von mehreren Personen genutzt werden können!

Immer wichtiger wird auch die Verwendung von natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen. Wenn beispielsweise Holz statt Stahl oder Bambus statt Kunststoff verwendet wird, werden keine nicht ersetzbaren Ressourcen verbraucht. Zudem werden, sofern die nachwachsenden Rohstoffe auch wirklich nachwachsen, keine eingebetteten Emissionen frei.

Und wie war das jetzt mit dem Wintersport?

Wenn aber unser Ski bricht oder die Jacke einfach beim besten Willen nicht mehr vor den Elementen schützt, stellt sich ja schon die Frage, was damit passieren sollte. Zumindest wenn man nicht über sehr viel Platz im Skikeller verfügt und ausrangiertes Material einfach dauerhaft lagert... Natürlich ist es dann schön, wenn man die Ausrüstung dem Recyclingkreislauf zuführen kann oder sie eben so lange wie möglich nutzt. Die Wintersportausrüstung spielt im Vergleich zu anderen Bereichen unseres Lebens in der Regel eine relativ kleine Rolle. Trotzdem ist es erfreulich, wenn man durch seine Konsumentscheidungen dazu beitragen kann, den Ressourcenverbrauch sowie den Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen zu reduzieren.

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Dabei sollte man sich aber eben auch ehrlich überlegen, was man an Ausrüstung nun wirklich braucht. Denn am umweltfreundlichsten ist eben das, was man nicht braucht. Daher ist haltbare und dauerhafte Ausrüstung recht umweltfreundlich, selbst wenn sie nicht aus dem neusten, grünsten Material besteht. Natürlich ist es aber auch vorteilhaft, dass sich mehr und mehr Materialhersteller zunehmend Mühe geben, möglichst nachhaltige Ausrüstung zu produzieren. Die Anstrengungen gehen hier von der Verwendung von Rezyklat oder natürlichen Rohstoffen als Rohmaterial über Reparatur- und Rücknahmeprogramme bis hin zum „Design for Recycling“.  Dabei wird bereits bei der Materialauswahl und dem Design darauf geachtet, dass Produkte am Ende ihres Lebens möglichst einfach wieder recycelt werden können.

Fazit

Kreislaufwirtschaft ist wichtig und wird aktuell auch auf verschiedensten Ebenen vorangetrieben. Die Auswirkungen,aber auch die Einschränkungen sind weitreichend, wobei man gestehen muss, dass die großen Potenziale wohl nicht im Wintersport und damit im Kernbereich von PowderGuide liegen. Natürlich versuchen auch wir so gut es geht zu überlegen, ob es jetzt wirklich ein neues Paar Ski sein muss und freuen uns über das stetig wachsende Angebot an Ausrüstung aus möglichst nachhaltigen und wiederverwertbaren Materialien ebenso wie über die Anstrengungen der Wintersportindustrie. Trotzdem haben Entscheidungen in anderen Bereichen des Lebens, etwa Wohnen, Ernährung und Mobilität, hier schlicht und einfach einen deutlich größeren Einfluss auf unseren persönlichen ökologischen Fußabdruck.

Wer sich etwas tiefgehender mit dem Thema beschäftigen möchte findet auf der Website der Ellen MacArthur Foundation zahlreiche frei verfügbare Ressourcen.

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