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SLF Workshop zum Thema Lawinenrettung – Wann war dein letztes Mal?

Hinter den Kulissen beim Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF

24.01.2019

Jeder, der sich in irgendeiner Form in der verschneiten Bergwelt und somit auch in potentiellem Gefahrengelände bewegt, sollte sich regelmäßig mit dem Thema Bergung und Rettung auseinandersetzen. Ich selbst packe vor dem Winterstart meinen Rucksack, checke das Equipment auf Verschleiß/Funktion und bestücke das LVS mit neuen Batterien (Lithium Ionen). Danach treffe ich mich mit Freunden, um zu üben, Gedanken auszutauschen und Neues zu erfahren.

„gebt Gas, wechselt euch in der Führung ab und schafft Raum!“ add_circle
„gebt Gas, wechselt euch in der Führung ab und schafft Raum!“

Jeder, der sich in irgendeiner Form in der verschneiten Bergwelt und somit auch in potentiellem Gefahrengelände bewegt, sollte sich regelmäßig mit dem Thema Bergung und Rettung auseinandersetzen. Ich selbst packe vor dem Winterstart meinen Rucksack, checke das Equipment auf Verschleiß/Funktion und bestücke das LVS mit neuen Batterien (Lithium Ionen). Danach treffe ich mich mit Freunden, um zu üben, Gedanken auszutauschen und Neues zu erfahren.

Diese Prozedur wiederholen wir des Öfteren im Laufe der Saison.  So läuft das bei uns, aber wie machen es die Profis, die Mitarbeiter des SLF?

Seit vielen Jahren führt das SLF am Anfang der Saison einen etwas außergewöhnlichen „Betriebsausflug“ für seine Mitarbeiter durch und bietet ihnen einen Fortbildungstag im Schnee an. Die Veranstaltung ist freiwillig und geeignet für verschiedene Könnensstufen, vom Anfänger bis zum Bergführer oder auch Lawinenexperten. Dieser Tag ist ganz dem Thema Rettung gewidmet und der Frage: Was tun im Ernstfall? Am besten kommt man natürlich gar nicht erst in eine entsprechende Situation, daher werden auch gesonderte Präventionsworkshops angeboten. 

Wir durften uns dieses Jahr unter die SLF Mitarbeiter mischen und am Rettungsworkshop teilnehmen. In Kleingruppen haben wir an verschiedenen Stationen unterschiedliche Aspekte der Lawinenrettung vertieft. An der ersten Station ging es darum, eine improvisierte Sondierungsformation zu bilden (offenes Sondieren), wobei wir hierzu von Lukas Dürr genaustens instruiert und geleitet wurden.

Anschließend ging es zur richtigen Schaufeltechnik. Hier kann ich zusammenfassend nur sagen: „gebt Gas, wechselt euch in der Führung ab und schafft Raum!“ Der Verschüttete sollte so schnell wie möglich freigelegt werden. Dies geschieht am Besten in einem V-förmigen Förderband. Den Schnee jeweils nicht dem Hintermann über den Kopf werfen, sondern nach hinten „wegwischen“. Vali Meier (Rettungschef der Davos Klosters Bergbahnen) gab wichtige Tipps und Hintergrundinformationen. Das oberste Ziel ist das Überleben, erst dann kommt die Rettung. Nicht neu, aber immer wieder gut, sich das zu verinnerlichen. Das oberste Ziel ist, den Kameraden freizulegen und das so schnell wie möglich.

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Vali Meier (Rettungschef der Davos Klosters Bergbahnen) gibt wichtige Tipps und Hintergrundinformationen. add_circle
Vali Meier (Rettungschef der Davos Klosters Bergbahnen) gibt wichtige Tipps und Hintergrundinformationen.

An der nächsten Station ging es darum, sich als Gruppe zu organisieren, um eine Übung zur Mehrfachverschüttung schnell und effektiv durchzuführen. Hierbei waren wir auch schnell, wenigstens erst einmal, bis wir feststellten, dass wir eine Person „verloren“ hatten. Zwei Personen lagen relativ nah zusammen und durch die Markierfunktion haben wir das Signal der zweiten Person verloren. Wir hatten vergessen, das LVS der gefundenen Person auszuschalten und dann erneut zu suchen. Ein weiterer Input in der Nachbesprechung war, dass eine Person die Koordination übernimmt (wenn möglich), die Aufgaben direkt zuweist und den Überblick behält.

Eine weitere Station beschäftigte sich intensiv mit Themen rund um das LVS. Hier wurde der doppelte Gruppencheck aufgefrischt. Der Einfluss des Handys auf die Sende- und Empfangsleistung) des LVS war ebenfalls Thema. Zusammenfassend lässt sich hier sagen: Ein Handy ist wichtig, um die Rettung zu alarmieren, deswegen sollte es an und geladen sein. Perfekter Weise sollte der Abstand zum LVS jedoch mehr als 25 cm betragen. Auch andere elektrische und metallische Geräte können das LVS beeinflussen, seien es Helmkameras, beheizbare Handschuhe oder das Schaufelblatt.

Für mich persönlich war außerdem ernüchternd, wie schlecht diese „tollen“ polarisierenden Brillen sind, denn bei der Suche habe ich auf meinem LVS-Display so ziemlich nichts gesehen. Unbedingt selber mit dem eigenen Gerät checken, wenn ihr euch eine neue Sonnenbrille kauft!

Das Schema der elementaren Lawinenerettung add_circle
Das Schema der elementaren Lawinenerettung

Das theoretische Wiederholen der elementaren Lawinenerettung anhand eines Schemas war ebenfalls sehr wertvoll, um sich den Ablauf wieder frisch ins Bewusstsein zu rufen. Anschließend durfte jeder einzeln sein Talent bei einer Suchübung zeigen, wurde genaustens durch Jürg Schweizer (SLF Institutsleiter) beobachtet und bekam anschließend von ihm ein individuelles Feedback.

PowderGuide bedankt sich bei seinem Partner SLF für diesen lehrreichen Tag!

Wann hast du mit deiner Crew zum letzten Mal eine ordentliche LVS Übung veranstaltet oder einen Workshop besucht?

 

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Kommentare
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hannnes 30.01.2019 | 22:33 Uhr

Danke euch

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lea_pg 30.01.2019 | 19:35 Uhr

https://www.powderguide.com/magazin/safety-themen/artikel/lvs-handy-gopro-und-co.html

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powderhousen 30.01.2019 | 13:37 Uhr

Unser Partner SLF hat uns zu deiner Frage folgende Informationssammlung zur Verfügung gestellt...

Michael Rust, Produktmanager Pieps:
Generell gilt:
Elektronische Geräte, Metalle und Magnete sind potenzielle Störquellen für die Sende- bzw. Suchleistung eines LVS Gerätes. Daher gilt eine allgemeine Mindestabstandsempfehlung zwischen LVS-Gerät und potentieller Störquelle von 20 cm im Sendemodus und 50 cm im Suchmodus. Die 20 cm Mindestabstand im Sendemodus sollen auch im Fall einer Verschüttung gewährleistet sein!

14 / bergundsteigen #98 / frühling 17
Zweiter Abschnitt von Michael Rust, Produktmanager Pieps
https://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2017%2F1/14-18/28dialog/29.pdf



Michael Larcher, Bergundstiegen:
WO SOLL MAN DAS LVS-GERÄT TRAGEN UND WO DAS SMARTPHONE?
Das LVS soll man so tragen, wie es die Hersteller empfehlen: Im Tragesystem, das mit jedem LVS-Gerät mitgeliefert wird. Auch ok ist das Tragen in der Hosentasche, wenn diese mittels Reißverschluss verschließbar ist.
Zum Smartphone: Ja, ein Mobiltelefon ist eine potenzielle Störquelle für ein LVS-Gerät! 2015 waren alle fünf LVS-Hersteller miteinander in Kontakt und haben sich - basierend auf Labor- und Feldtests der Hersteller, die alle zum selben Ergebnis kamen - auf eine einheitliche Kommunikation der Abstandsempfehlung wie folgt geeinigt:
- im Sendemodus mind. 20 cm
- im Suchmodus mind. 50 cm Abstand zwischen LVS-Gerät und dem Smartphone

https://www.alpinmesse.info/de/Smartphone-und-LVS-Geraet/
https://www.bergundsteigen.at/?module=archiv/autoren/Larcher-Michael

Matthias Gerber (SLF):
Flugmodus oder Abschalten des Smartphones helfen nur bedingt, da das Metall im Gerät die Feldlinien des LVS bereits stört (Siehe Aussage Rust oben). Hinzu kommt, dass es wichtig ist, in einer Rettungssituation erreichbar zu sein um mit der Rettung oder den Kollegen kommunizieren zu können.


Weitere ältere Infos zum Thema mit zum Teil abweichenden Aussagen aber wissenschaftlichen Grundlagen:
http://knsreps.files.wordpress.com/2012/08/beacon-interference.pdf
http://arc.lib.montana.edu/snow-science/objects/ISSW14_paper_P4.13.pdf

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hannnes 28.01.2019 | 06:46 Uhr

Wurde bzgl Smartphones genaueres gesagt? Mein Stand ist, dass es sich am besten im Flugmodus und mindestens die 25cm weg vom LVS befinden soll.

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Cruiser 24.01.2019 | 22:50 Uhr

Vielleicht musst du deinen Kopf einfach um 90° zur Seite kippen um das LVS-Display erkennen zu können ;)

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