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Safety | Saisonrückblick 2015/16 der Lawinenwarndienste (Ö und CH)

Warmer Winter, später Saisonanfang, weniger tödliche Unfälle als im Vorjahr

10.11.2016

Sowohl die österreichischen Lawinenwarndienste als auch das SLF haben ihre vollständigen Saisonberichte mittlerweile online zum Download bereitgestellt. In beiden Ländern begann die überdurchschnittlich warme Wintersaison 2015/16 so richtig erst Anfang 2016. Die Anzahl der tödlichen Lawinenunfälle lag etwas unter dem langjährigen Durchschnitt. In Österreich kamen im vergangenen Winter 14 Personen in Lawinen ums Leben, in der Schweiz waren es 20.

Lawinenaktivität im Verlauf des Winters 2015/16 in den Schweizer Alpen und im Jura, dargestellt durch einen dimensionslosen Lawinenaktivitätsindex. In diesem werden die von den SLF-Beobachtern gemeldeten Lawinen nach Anzahl, Grösse und Auslöseart gewichtet und für jeden Tag addiert. Zudem wird nach Feuchteklassifikation unterschieden. Der Lawinenaktivitätsindex ist abhängig von den Sichtverhältnissen und der Meldegenauigkeit des jeweiligen Beobachters. Im Weiteren gibt es keine regionalen Differenzierungen. Trotz gewissen Vorbehalten ist der Lawinenaktivitätsindex eine geeignete Methode um Phasen geringer Lawinenaktivität von solchen mit grosser Lawinenaktivität zu unterscheiden. add_circle
SLF
Lawinenaktivität im Verlauf des Winters 2015/16 in den Schweizer Alpen und im Jura, dargestellt durch einen dimensionslosen Lawinenaktivitätsindex. In diesem werden die von den SLF-Beobachtern gemeldeten Lawinen nach Anzahl, Grösse und Auslöseart gewichtet und für jeden Tag addiert. Zudem wird nach Feuchteklassifikation unterschieden. Der Lawinenaktivitätsindex ist abhängig von den Sichtverhältnissen und der Meldegenauigkeit des jeweiligen Beobachters. Im Weiteren gibt es keine regionalen Differenzierungen. Trotz gewissen Vorbehalten ist der Lawinenaktivitätsindex eine geeignete Methode um Phasen geringer Lawinenaktivität von solchen mit grosser Lawinenaktivität zu unterscheiden.

Sowohl die österreichischen Lawinenwarndienste als auch das SLF haben ihre vollständigen Saisonberichte mittlerweile online zum Download bereitgestellt. In beiden Ländern begann die überdurchschnittlich warme Wintersaison 2015/16 so richtig erst Anfang 2016. Die Anzahl der tödlichen Lawinenunfälle lag etwas unter dem langjährigen Durchschnitt. In Österreich kamen im vergangenen Winter 14 Personen in Lawinen ums Leben, in der Schweiz waren es 20.

Der Saisonbericht des SLF enthält vor allem Informationen zu Witterungsverlauf und Schneedeckenentwicklung, sowie zur Lawinenaktivität (Häufigkeit, Muster, ..) und den ausgegebenen Gefahrenstufen. Der Bericht der österreichischen Warndienste enthält wie üblich auch eindrückliche Unfallbeschreibungen und setzt sich aus einem allgemeinen Teil und Beiträgen der einzelnen Bundesländer (und Südtirol und der Schweiz) zusammen. Die Schweizer werden Anfang 2017 noch einen gesonderten Bericht zu Lawinen mit Personen- und Sachschäden veröffentlichen.

Der Winter 2015/16 war in Österreich und der Schweiz der zweitwärmste der Messgeschichte (2006/07 war wärmer). Es gab besonders im Hochwinter viele West- und Südwestlagen. Die Niederschläge waren in Österreich insgesamt etwas über dem langjährigen Schnitt, allerdings war verhältnismäßig viel Regen dabei. In der Schweiz waren die Schneehöhen im Westen recht durchschnittlich, im Osten und Süden unterdurchschnittlich. Die Nullgradgrenze lag vor allem zwischen Ende Oktober und Anfang Januar sehr hoch. Unter 1400 m waren die Schneehöhen in der gesamten Schweiz deutlich unterdurchschnittlich. Einige der Österreichischen Warndienste begannen auf Grund der nicht existenten Schneesituation erst am 11. Januar mit der regelmäßigen Ausgabe der Lageberichte – so spät wie nie.

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Es gab zwei markante Regenereignisse im Hochwinter, die für die Schneedecke prägend waren: einmal um den Monatswechsel Januar/Februar und erneut um den 21. Februar regnete es verbreitet auf 2400m und teils deutlich höher. Die Regenereignisse führten einerseits zu Nassschneelawinen, andererseits begünstigten sie in gewissen Regionen die Bildung von Schwachschichten. Anfang März sorgten Neuschnee und viel Wind für eine Häufung von Lawinenunfällen. Anfang April folgte eine sehr warme Wetterphase inklusive flächendeckendem Saharastaub. Gegen Ende des Monats wurde es nochmal winterlich.

In Österreich gab es 135 Lawinenunfälle mit Personenbeteiligung (355 Personen), 39 Verletzte und 14 Tote. Der ereignisreichste Monat war der Januar, der ereignisreichste Tag der 6. Februar mit 23 gemeldeten Lawinen, 7 Verletzten und 5 Toten. Die Hauptprobleme bei den tödlichen Unfällen waren jeweils zur Hälfte Triebschnee und Altschnee. 70% der tödlichen Unfälle ereigneten sich bei Stufe 3. Alle tödlichen Unfälle ereigneten sich im Sektor West über Nord bis Ost, die meisten in nordöstlichen Expositionen. Das Gelände war in allen tödlichen Fällen 35° oder steiler.

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In der Schweiz wurden bis zum 31. Mai 158 Lawinen mit 204 erfassten Personen gemeldet. Es gab 57 Verletzte und 20 Tote. Eine Person starb bei Stufe 1, 7 bei Stufe 2, 11 bei Stufe 3. Einen tödlichen Unfall gab es bereits im Oktober als noch keine Stufe ausgegeben wurde. 7 Unfälle mit insgesamt 9 Toten ereigneten sich im Wallis, 6 Unfälle mit 7 Toten in Graubünden. Im Kanton Bern gab es zwei Tote, in den Kantonen Schwyz und Glarus jeweils einen.

Es gab in der Saison 2015/16 drei Lawinenunfälle mit außergewöhnlich vielen Verschütteten und Todesopfern: Am 18.1. wurde in Valfréjus (Frankreich) eine Gruppe Soldaten bei einer Übung von einer Lawine erfasst. 6 Personen starben. Am 6.2. ereignete sich in den Tuxer Alpen (Tirol) ein Unfall mit 20 Beteiligten und 5 Todesopfern. Am 12.3. wurden am Schneebigen Nock (Südtirol) 9 Personen von einer Lawine erfasst. 6 davon kamen ums Leben. Alle drei Unfälle wurden auf ein Altschneeproblem zurück geführt. Die Unfälle in Tirol und Südtirol und deren Ursachen sind im österreichischen Saisonbericht näher erläutert.

Die Berichte sind wie jedes Jahr eine absolute Leseempfehlung. Auch wenn man nur die Bilder anschaut, sind die Fotos der Unfalllawinen im österreichischen Bericht sehr eindrücklich. SLF Bericht (pdf). Bericht österreichische LWDs (pdf).

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