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risk'n'fun | Next Level & Chillout: Report

Vom Rookie zum Fast-Profi: Sina Wittmanns Report vom risk'n'Fun-Ausbildungsprogramm für Freerider

26.03.2013

Ob sich wohl meine vielen Trainingstunden im Fitnessstudio, im Wald und auf der Wiese seit Anfang Januar ausbezahlen werden? Mit diesen Gedanken und einer gehörigen Portion Respekt aber auch viel Vorfreude auf die kommende Woche steige ich zu Thomas ins Auto, der wie ich ein Teilnehmer der risk’n’fun Trainingsession in Sölden war. Gut gelaunt machen wir uns auf den Weg ins Klostertal zum Sonnenkopf am Arlberg, wo es mit dem Level 2, dem Next Level, weitergeht.In einer äußert urigen Pension beziehen wir unsere Zimmer und alsbald startet schon der Kurs: Nach einer Vorstellungsrunde, in der wir unsere Erwartungen an die vor uns liegende Woche äußern, sowie einer kurzen Wiederholung der Basics aus der Trainingssession, z.B. der Suche mit dem Lawinenverschüttetensuchgerät und einem Überblick über die Tourenmöglichkeiten am Sonnenkopf, lassen wir den Abend ruhig ausklingen, um am nächsten Tag durchstarten zu können. Die Gruppe passt super gut zusammen, was sich gleich beim ersten Aufstieg zeigt. Alle helfen, wenn es um die richtige Montage diverser Hilfsmittel und Sportgeräte geht. Auch Müsliriegel und Wegzehrung werden immer großzügig geteilt.

Sind auf der ersten Tour noch unsere Bergführer tonangebend, wird sich dies im Laufe der Woche grundlegend ändern. Der Aufstieg auf den Omesspitz mit Schneeschuhen und Teleskopstöcken (letztere sollen noch zu meinen neuen besten Freunden werden) ist zunächst ungewohnt, aber schnell gelernt.

Leider müssen wir bereits beim ersten Aufstieg einen Verlust beklagen: Thomas, mit dem ich gemeinsam angereist bin, hadert mit den Spitzkehren und stürzt. Hierbei macht sich seine Kniescheibe selbstständig und er muss mit dem Helikopter ausgeflogen werden. Am Nachmittag fährt der Ärmste jedoch zum Glück schon wieder mit dem Bus in die Pension. Glück im Unglück: Seine Kniescheibe ist beim Ausziehen der Skischuhe im Krankenhaus wieder an den richtigen Platz geflutscht, aber mit dem Skifahren ist an dieser Stelle Schluss.

Trotz der Aufregung halten wir durchgängig die Augen offen, um Windzeichen zu erkennen und zu deuten. Die Sonne strahlt und wir genießen den Aufstieg in der Ruhe. Bei mäßiger Lawinengefahr, teils etwas diffusem Licht und relativ harschigem Schnee unternehmen wir unsere erste Abfahrt. Nach einem erneuten, sehr kräftezehrenden Aufstieg erreichen wir das Skigebiet. Hier geht’s auch gleich mit dem Training weiter.

Der Abend wird genutzt, um den Umgang mit topografischen Karten zu üben und erste eigene Touren zu planen.

Am dritten Tag übernehmen erstmals verschiedenen Gruppenmitgliedern die Führung unserer Gruppe, trotz schlechter Sichtverhältnisse. Einige Gleitschneelawinen und Gleitschneemäuler weisen auf die anhaltende Gefahr durch Gleitschneelawinen hin. Nach einem kleinen Aufstieg auf den Purtschakopf werden wir mit einer tollen Abfahrt belohnt und die Sonne blitzt netterweise genau im richtigen Augenblick durch. Ich fühle mich, als könne ich Bäume ausreißen. :-)

Die Gruppenmitglieder geben sich gegenseitig viel Feedback und wir lernen hierdurch viel hinzu. Wieder im Skigebiet angekommen, steht die Vertiefung der Lawinenkunde auf dem Lehrplan.

Die Gruppe ist super lernmotivert und wie bereits in Sölden bei der Trainingssession ist es beeindruckend, wie jede einzelne Übung hilfreich und Kenntnis-erweiternd ist. Lauter praktische Fragen werden in den Übungen durchgespielt, so z. B. wie ich einen Notruf absetze, wenn ich nicht genau beschreiben kann, wo ich bin. Mit vielen Fragen und Verbesserungsideen geht es zurück in die Pension. Beim Ausblick auf ein wunderschönes Abendstimmungspanorama habe ich nicht mehr den geringsten Zweifel, dass dies genau DAS ist, was ich suche und liebe.Der Abend wird auswärts, mit weiteren aufregenden Übungen durch die Trainer gestaltet. Frau Holle meint es gut mit uns und schüttelt kräftig ihre Kissen aus. Es kommt fast weihnachtliche Stimmung auf, als wir bei Glockenläuten in die Pension zurückkehren.

Am nächsten Tag begibt sich die Gruppe unter der Führung einzelner Mitglieder auf einen kleinen Aufstieg. Die Abfahrt ist super und unser Trainer geben mir Fahrtechniktipps wie ich steilere Abfahrten noch besser bewältigen kann. Der Schnee staubt und ich könnte nur noch jubeln.

Die Sicht bleibt jedoch durchwachsen, was die Führungsentscheidungen oft erschwert. Im Team diskutieren wir intensiv. Dank dem zeitweiligen Aufreißen des Himmels und einigen Hinweisen der Bergführer finden wir jedoch unsere Abfahrtsschneise durch den Wald und fahren ins Nenzigasttal ab. Hier freue ich mich jedes Mal wieder über meine neuen Teleskopstöcke, die ich bereits richtig liebgewonnen habe. Mit ihnen kann man als Snowboarder relativ komfortabel über jeden Zieh- und Wanderweg schippern.

Nach weiteren Übungen, die immer unter dem Kurs-Motto: „wahrnehmen, beurteilen und entscheiden“ stehen, lassen wir den Abend in der Kelabar mit einigen Dankesbekundungen ans schöne Österreich und einigem „Zicke-zacke“-Geschrei eines deutschen Teenager-Nachbartisches ausklingen. Meine hilfsbereite, lässige österreichische Gruppe ist super, oh ja.

Der letzte Tag bricht an und wir sind zum ersten Mal auf uns alleine gestellt. Unsere eigene Tour, unsere eigene Strategie und das Ziel unsere Entscheidungen unter Berücksichtigung der „Stop-or-go“-Risiko-Check-Methode zu fällen. Nach Prüfung des Lawinenlageberichts sind wir über die Verhältnisse informiert: frischer Triebschnee in Kammlagen, jedoch weiterhin mäßige Lawinengefahr. Die Sicht bleibt wechselhaft, aber gut gelaunt beginnen wir unseren letzten Aufstieg.

Unsere Trainer halten sich heute vollständig zurück, sind jedoch für Notfälle immer einsatzbereit. Und unser Plan und unsere Eigeninitiative werden belohnt, wie es sich gehört: mit feinstem POWDER!

Neben dem Flow-Erlebnis im Abfahrtsrauch gibt es weitere interessante Beobachtungen zu machen. Denn eine größere Gruppe birgt auch mehr unterschiedliche Meinungen – und das Potential für umfangreiche Diskussionen. Wenn zudem noch eine weitere geführte Truppe in Sichtweite kommt, kann es mit den guten Vorsätzen schnell dahin sein. Keine Sorge: Alles ist noch im grünen Bereich – letztendlich findet jeder seine Linie und trotz eines kleinen Umweges sowie einem Wink mit dem Zaunpfahl der Bergführer, finden wir abermals eine gut befahrbare Waldschneise.

 

Bei einem ausgiebigen Feedbackgespräch ziehen wir unser Fazit. Jeder nimmt Verbesserungsmöglichkeiten aber auch enorme Lernfortschritte mit nach Hause und alle sind überzeugt mit dem Camp einen weiteren Schritt in die richtige Richtung getan zu haben. Alle wollen den weißen Rausch so oft wie möglich genießen und das Camp hat dazu beigetragen bestehendes Wissen aufzufrischen, viel neues zu lernen und dieses auch in die Tat umzusetzen.

Doch anstatt jetzt nach Hause zu fahren, wartet auf mich gleich der nächste aufregende Programmpunkt: Trotz der vorzeitigen Abreise meiner Mitfahrgelegenheit erreiche ich, dank eines risk’n’fun-Trainers, nach einem aufregenden Tag das „Chill-out“-Event in Fieberbrunn im Pillerseetal. Dies ist der traditionelle Saisonabschluss des risk’n’fun-Programms, an dem alle Teilnehmer der verschiedenen Levels, welche risk’n’fun anbietet, teilnehmen können. Die Wiedersehensfreude mit den Gruppenmitgliedern aus der früheren Session ist groß und auch neue Bekanntschaften werden in der gemütlichen Umgebung schnell geschlossen. Eine Fahrgemeinschaft direkt bis vor die Haustür findet sich auch schon beim Abendessen. Was soll jetzt noch schief gehen? Nach zwei sehr interessanten Filmbeiträgen über Kaschmir und Kirgisistan inklusive Live-Bericht, stimmen wir uns bei Reggae-Klängen auf den kommenden Tag ein. 

Tags darauf starten gleich mehrere Touren und ich freue mich, diesmal einer Bergführerin mitsamt einer „Mädelsstarken“ Gruppe zu folgen. Nach einer Traumabfahrt mit der richtigen Mischung von tollem Schnee, perfekter Hangneigung und Wetter, strahlen wir beim 400-Höhenmeter-Aufstieg zurück ins Skigebiet mit der Sonne um die Wette.

Nach dem Abendessen finden sich die Teilnehmer zu einem Feedback erneut im „Riverhouse“ ein, um den Tag, musikalisch begleitet durch „Mischgeschick“, zu feiern.

Der nächste Tag wird unterschiedlich genutzt: um weitere Touren zu machen, die Sonne im Liegestuhl zu genießen, weiter dank professioneller Hilfe an der Fahrtechnik zu feilen oder den Materialflohmarkt zu durchstöbern.

Nach einem BBQ in der Sonne mache ich mich, immer noch lächelnd und glücklich über die vielen neuen Eindrücke und Bekanntschaften, auf den Heimweg. Danke Hans für’s Mitnehmen im Auto mit dem abwechselnd glühendheißen und kalten Beifahrersitz. Warum – das weiß keiner so genau, denn einen Knopf für eine Sitzheizung haben wir beide nicht gefunden. :-)

Vielen Dank allen, die mir das Erlebnis ermöglicht haben! Vielen Dank an die PowderGuide-Redaktion, insbesondere aber den hilfsbereiten Bergführern, Trainern und allen Beteiligten von risk’n’fun und allen Gruppenteilnehmern für ihre Engelsgeduld und ein Spezial-Danke für die Motivation und Unterstützung geht an meine Laufgemeinschaft zu Hause!

 


Text: Sina Wittmann | Fotos: Heli Düringer und Sina Wittmann