Suche

Safety

Mountain Mastery Level 2 | Beispieltour

Tour-Beispiel als Auflösung des Level II der Mountain Mastery 2012

07.02.2012

Der Einsendeschluss für Level II der Mountain Mastery ist Geschichte, die Teilnehmer haben ihre durch die Bank hochqualitativen Beiträge abgeliefert. Nun ist es an uns, diese zu sichten, zu analysieren und brauchbares Feedback zu liefern. Damit Ihr auch etwas zu tun habt, während wir die – natürlich ungerechte, willkürliche und hoffentlich nicht unfaire – Bewertung vornehmen, zeigen wir Euch anhand einer Beispieltour, wie wir uns einen Beitrag vorgestellt hätten. Dass es dabei zahllose Varianten gibt, wie man es anders, aber trotzdem gut und richtig machen kann, muss vermutlich nicht mehr extra erwähnt werden.

Die Beiträge der Teams werden dann – wie gewohnt – in den Team-Threads im Mountain Mastery Forum veröffentlicht.

Beispiel-Tour Pischa-Klosters

 

Voraussetzungen:

 

Geplanter Termin: Donnerstag, 26. Jan 2012
Wetter: Weitgehend Sonnig, schwach bis mäßiger Wind aus NW, Mittagstemperatur auf 2000m bei -4°C
Wetterhistorie: Am Wochenende waren Starkschneefälle mit Sturm aus W bis N. Danach meist mässiger Wind aus diesen Richtungen und mäßie Schneefälle, speziell am Montag.
Schneelage: Sehr gut. Die Schneedecke ist mächtig und reicht bis in die Tallagen. Seit Montag 20-30 cm Neuschnee
Lawinenlage: Stufe 3 (erheblich). Gefahrenstellen liegen an Triebschneehängen aller Expositionen oberhalb von ~2200m. Einzelpersonen können Lawinen auslösen, besonders im frischen Triebschnee. Erfahrung in der Beurteilung und vorsichtige Routenwahl sind wichtig. Gleitschneelawinen sind unterhalb ~2400m jederzeit möglich. Besonders gefährdet: Grashänge von O über S bis W.
Gruppe: 3 Skifahrer. Knut ist erfahren, sicher unterwegs in Aufstieg und Abfahrt, hat mittlere Kondition und hat die Planung gemacht. Heidi ist sicher unterwegs in Aufstieg und Abfahrt, wenn auch im Aufstieg langsam und hat mittlere Kondition. Heiner fährt gut Ski, kann Spitzkehren, hat aber wenig Touren- und Geländeerfahrung, hat dafür aber exzellente Kondition. Ausrüstung ist vorhanden.

Geplante Tour: Pischa (Bergstation Gondelbahn) über Pischasee und Novaier Tälli nach Klosters

 

Kartenplanung (auf 1:25.000):

Routenbeschreibung: Von Davos mit dem Skibus zur Pischa und mit der Gondel hinauf. Von der Bergstation Pischagondel geht es dem Winterwanderweg zu Fuß folgend zum Pischagrat. Abfahrt über Verborgen Pischa zum Pischaboden. Aufstieg über Pischasee hinauf zu Punkt 2741. Abfahrt in's Nuvaier Tälli und Wiederaufstieg zum Übergang der Gitzihöreli bei Pt. 2466. Dann die lange Abfahrt über Gatschiefer und durch den Wald nach Schwaderloch. Hier auf der Langlaufloipe bis Äuja schieben und mit dem Bus nach Klosters (oder komplett die Loipe nehmen). Von hier mit dem Zug zurück nach Davos.

Höhenprofil der Tour:

Gesamtaufstieg: 700 HM | 2.6 km
Gesamtabfahrt: 1970 HM | 6 km
Zeitbedarf: Höhenmeter: 7 x 15 Min. = 1.45h
(Faustregel ist Strecke: 2.6 x 15 Min. = 40 min
15min pro 100hm Abfahrt: 1 h (grob geschätzt inkl. Wartepausen)
und pro km) Mittags-/Gipfelpause: 30 Min.
2 x An- und Abfellen: 20 Min.
letzter Kilometer das Tal rausschieben: 15 min
Gesamt: 4.30 h
Startzeit: ca. 9.30 Uhr

Gefahrenpotential (alle relevanten Hänge über 30° sind rot markiert):

Steilste Stelle: 35(-36)°
Wenig Steilgelände (>30°) im Aufstieg, d.h. es sind nur wenige Spitzkehren nötig.

Nach Munters Reduktionsmethode beträgt das Gefahrenpotential:
8 (erheblich) kleiner 3 (steilste Hangpartie um 35°) x 3 (kleine Gruppe mit Abständen) = 9
Damit sind wir ziemlich grenzwertig unterwegs, denn wenn das Gelände in der Realität steiler ausfällt, wird es haarig. Dann sind Abbruch oder Umweg die einzigen Optionen. Gerade die Abfahrtsstücke nach den Graten könnten hier problematisch sein.

Das Gelände ist weitestgehend beherrschbar, nur nach Pt. 2721Sowie den Gitzihöreli sind Teile der Abfahrt im Einflussbereich von gefährlichen Steilhängen.
Daraus ergeben sich folgende Gefahrenstellen, Checkpunkte und kritische Bereiche:

 

  1. Pischagrat: Erster Check: Stimmen Wetter, Temperaturen, Schnee- und Lawinenlage mit dem überein, was wir erwartet haben?
    Die ersten Höhenmeter Abfahrt vom Grat könnten steil sein, eine vorsichtige Sondierung der Lage ist angebracht. Auch liegt die Abfahrt im oberen Teil evtl. Im Einflussbereich der Steilwände des Grates. Alternativ etwas weiter den Grat hoch steigen oder zurück in's Skigebiet und via Wäng zum Pischaboden abfahren.
  2. Pischaboden: Wie haben sich die Mitstreiter sich in der Abfahrt geschlagen? Passt alles, oder plant man jetzt schon besser um?
  3. Pischasee vor dem Steilgelände: Wie sieht das Gelände aus? Sind vorsichtige Aufstiegsvarianten möglich? Gibt es Anzeichen für Triebschneeablagerungen? Der Hang ist von der Exposition und Geländeform prädestiniert dafür, dass er bei den vorherrschenden Wetterlagen der letzten Tage eingeweht wird. Alternativ: direkte Abfahrt über Mönchalp nach Laret. Oder im Extremfall Wiederaufstieg über Wäng und zurück in's Skigebiet.
  4. Punkt 2721: Wie sieht das Abfahrtsgelände Richtung Novaier Tälli aus? Eingeweht? Steiler als erwartet? Gibt es Ausweichmöglichkeiten den Grat nach SO folgend, die weniger steile Abfahrten ermöglichen? Wie ist die Gruppe nach dem knackigsten Aufstieg der Tour beieinander?
  5. Vor den Gitzihöreli: Sind die letzte Aufstiegsmeter zu steil? Ist der Hang eingeweht? Der Hang unterhalb des Übergangs ist ein klassischer Geländeeinschnitt, der Schneeablagerungen unterhalb begünstigt. Ist der alternative Aufstieg über das Lauizughorn (allein der Name sollte Alarmglocken klingeln lassen) vielversprechender? Alternativ: Abfahrt über Ober Novai und das Seitental nach Novai. Dann das Tal nach Mobiel hinaus schieben.
  6. Punkt 2466: Wie steil ist die Abfahrt nach dem Übergang? Alternativ den Grat entlang zum Lauizughorn oder zur Schulter des Gatschieferspitz folgen. Zur Not die Abfahrt über Novai (siehe 5.).
  7. Gatschiefer: Wie ist der Kessel in die Waldschneise beschaffen? Hier ist man zwar schon deutlich unter der im LLB genannten kritischen Höhenlage, aber eine Beurteilung ist trotzdem nötig. Was macht die Gleitschneegefahr, auch wenn es ein Nordhang ist? Ist die Wegfindung durch das Buschwerk möglich? Alternativ weiter westlich queren und über den Rütiwald abfahren.

 

Benötigte Ausrüstung: Normale Tourenausrüstung (Tourenski mit -bindung, Steigfelle, Teleskopstöcke, LVS, Schaufel, Sonde, Erste Hilfe Set, Karte, Kompass, Höhenmesser, Handy, Verpflegung etc.)

Bewertung zur Durchführbarkeit:

 

Das Wetter sollte keine Probleme bereiten und die Schneelage ist ausreichend. Die Lawinenlage ist heikel und bedarf fortlaufender Abschätzung, ob die Tour machbar ist, aber alternative Auswege sind überall vorhanden. Anforderungen an Kondition und Skitechnik überfordern die Teilnehmer nicht. Insofern steht der Tour nichts im Weg.

Zum Mountain Mastery Forum