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Safety

Die Limitstrategie

Die von Werner Munter geforderte Risiko-Obergrenze für professionelle Schneesportler

05.10.2008

Neun Lawinentote im Jamtal", "12 tote Wintersportler am Kitzsteinhorn", "Craig Kelly stirbt in Lawine" so lauteten Schlagzeilen der vergangenen Winter.Was hatten diese schrecklichen Unfälle gemeinsam? Alle Beteiligten waren keine unwissenden Nordlicht-Greenhorns, sondern erfahrene Alpinisten, Freerider oder Bergführer.Den Lawinen ist das Wissen ihrer Opfer völlig egal: Selbst Experten sterben in Lawinen!

Wie werden diese Limits festgelegt?

1. Alle Lawinenunfälle werden statistisch erfasst. Dabei werden zum Beispiel Hangneigung, Hangexposition und die zur Unfallzeit herrschenden Lawinenwarnstufe ausgewertet.
2. Dabei zeigte sich, dass es Faktoren (z.B. Steilheit, Hangrichtung etc.) gibt, die sich wenn sie zusammen auftreten gegenseitig verstärken. Der Lawinenexperte Werner Munter spricht dabei vom "Klumpen-Risiko" (gesammeltes Risiko). Das heißt, wenn bestimmte Risiko-Faktoren zusammen auftreten, erhöht sich das Risiko eines Lawinenunfall extrem!

Zum Beispiel ist die Kombination "Schattenhang" (Nordexposition), "sehr steil" und "selten befahren" besonders tückisch. Um die schlimmsten Lawinenunfälle in Zukunft zu vermeiden, muss für solche Hänge in Zukunft bei "mäßiger" Lawinengefahr (Stufe 2) die Hangneigung von 39° die absolute Obergrenze sein. Und das ist der Risiko-Grenzwert: das Limit!

 Die Strategie eine Katastrophe zu verhindern besteht darin, sich an eine Risko-Obergrenze (Limit) zu halten und selbst im Weißen Rausch nie zu überschreiten! Klingt logisch und einfach. Und genau: Das ist es auch!

Die Risikospirale

Jeder Freerider kennt die (Risiko-)Spirale des "Weißen Rauschs"! Man ist endlich in den Bergen und völlig gestoked vom Anblick unzähliger, powderbedeckter Hänge. Jeder Hang könnte der beste sein, aber es besteht auch ein geringes Risiko, dass irgendeiner dieser Runs dein letzter sein wird! Hat man aber erstmal losgelegt und nur noch Powder im Hirn, ist jeder Run besser als der andere und der nächste soll der allerbeste sein. Viele Fahrer pushen sich gegenseitig, im "Wettkampf" um die besten Lines. "Das passt schon...!" hört man in solchen Momenten auch erfahrene Freerider sagen. Genau dann hat der Powder-Rausch die Vernunft besiegt! In solchen Situationen "vergessen" viele Rider das Risiko und natürlich auch den Risiko-Check mit der Reduktionsmethode oder ähnlichem.

Aber: Selbst wenn du alle Warnungen vergessen hast, überschreite nie das Limit. Es ist die Obergrenze, ohne Ausnahme!

Bei "mäßiger" Lawinengefahr (Stufe 2):
Fahre in selten befahrenen Schattenhängen (Expositionen NW-N-NO) nicht steiler als 39°!

Bei "erheblicher" Lawinengefahr (Stufe 3):
Fahre in allen Expositionen nicht steiler als 39°!

  • Diese Einschränkung gilt nicht für ständig befahrene Varianten-Abfahrten in Pistennähe. Die Abfahrten müssen jedoch direkt vom letzten Lift erreichbar sein, ohne weiteren Aufstieg oder langes Traversieren. Achtung: Auch hier herrscht häufig Lawinengefahr.

    PowderGuide-Tipp

    39° ist das (vernünftige) Limit für Variantenabfahrten in Schattenhänge (Expositionen NW-N-NO)! Für Hänge anderer Expositionen gilt: Check your risk ­ entscheide selbst! Bedenke aber: Auch hier passieren viele Unfälle! Deshalb: Weniger kann mehr sein!

  • Bei "großer" Lawinengefahr (Stufe 4):

    Bleibe in allen Expositionen in mäßig steilem Gelände unter 30°. Achtung: Lawinen können sehr weit in flaches Gelände vorstoßen. 

3x3-Filter-, Reduktionsmethode und Limit-Strategie sind für risikobewusste Freerider gedacht, die Spaß am Risikomanagement haben und sicher durch den Winter kommen wollen. Sie ist keinesfalls ein Freiticket für Adrenalin- und Extrem-Freaks. Keine Methode kann dir 100%ige Sicherheit garantieren! Nur du selbst kannst entscheiden, wie viel Risiko du eingehen möchtest.

Kommentare
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freerider13 01.02.2012 | 10:59 Uhr

Servus! Zitat: Aber: Selbst wenn du alle Warnungen vergessen hast, überschreite NIEMALS das Limit. Es ist die Obergrenze, ohne Ausnahme! Bei ?mäßiger? Lawinengefahr (Stufe 2): Fahre in selten befahrenen Schattenhängen (Expositionen NW-N-NO) nicht steiler als 39°! ? Bei ?erheblicher? Lawinengefahr (Stufe 3): Fahre in allen Expositionen nicht steiler als 39°! Diese Einschränkung gilt nicht für ständig befahrene Varianten-Abfahrten in Pistennähe. Die Abfahrten müssen jedoch direkt vom letzten Lift erreichbar sein, ohne weiteren Aufstieg oder langes Traversieren. Achtung: Auch hier herrscht häufig Lawinengefahr. PowderGuide-Tipp: 39° ist das (vernünftige) Limit für Variantenabfahrten in Schattenhänge (Expositionen NW-N-NO)! Für Hänge anderer Expositionen gilt: Check your risk * entscheide selbst! Bedenke aber: Auch hier passieren viele Unfälle! Deshalb: Weniger kann mehr sein! ? Bei ?großer? Lawinengefahr (Stufe 4): Bleibe in allen Expositionen in mäßig steilem Gelände unter 30°. Achtung: Lawinen können sehr weit in flaches Gelände vorstoßen. Ganz ehrlich: Es ist hochgradig unseriös und verantwortungslos solche Faustregeln zu veröffentlichen. Für erfahrene Freerider sind das vielleicht nützliche Denkansätze, aber der "Gelegenheitsvarintenfahrer" wird mit solchen Artikeln suggeriert: "Prima, die drei Sachen kann ich mir merken, da kauf ich mir gar kein LVS. Da passiert ja dann nix." Und was soll überhaupt der Mist von wegen: "Direkt vom letzten Lift erreichbar sein"? Wozu? Damit die Retter schneller da sind um dich auszugraben??? Ich denk mit den Regeln passiert nix??? Und warum Soll die mittlere Einschränkung nicht für viel befahrene Variantenabfahrten gelten? Erklärst du das dann der Grundlawine auf steilem Wiesenhang im März am Nachmittag? Oder soll das der verschüttete dann selbst machen??? Ne, ersthaft bitte: Lösch diesen Artikel, so was ist gefährlich!!! PS.: Graig Kelly als Beispiel zu nehmen passt auch ned, der Kam in einer Lawine ums Leben die sich fast 1000m über Ihm gelöst hat und den ganzen Wald abgeräumt hat durch den er grad mit seiner Gruppe lief. Fast noch im Tal. Dem hätt die beste Strategie nix gebracht.

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tobi 01.02.2012 | 11:28 Uhr

Hallo Freerider13, danke für die Kritik, die ist immer herzlich willkommen. Ich bin nicht sicher, ob du den Artikel vollständig gelesen hast. Bei der Limitstrategie handelt es sich um den Versuch, ein für alle Wintersportler, auch Bergführer etc. verplfichtendes Risiko-Limit durchzusetzen und teilweise gilt dieses auch, auch wenn sich viele dagegen wehren. Das heißt, hier ist der Sicherheitspuffer, ? anders als bei der Reduktionsmethode, Stop or Go, oder der SnowCard nur noch minimal. Und sei mal ehrlich: Im Variantengelände wird bei "erheblich" auch >40 Grad Gelände gefahren. Die Limitstrategie soll die schlimmsten, (Groß-)Unfälle á la Jamtal oder Kitzsteinhorn mit zusammen 21 Lawinentoten verhindern helfen und wenn man die Statistik betrachtet, hätte durch ihre konsequente Anwendung genau das erreicht werden können. Deswegen auf ein LVS zu verzichten ist natürlich quatsch. Und das Lesen und beachten des Lageberichts erübrigt sich ja dennoch nicht. Und wie man mit Grundlawiinengefahr umgeht, hierzu bietet die Reduktionsmethode, die vom Limit gedeckelt ist, einen guten Ansatz, nämlich dass dann die Reduktionsfaktoren 4-7 ungültig sind. Übrigens: auch bei Einhaltung des Tempolimits im Straßenverkehr passieren Unfälle. Und nur weil man sich an die Geschwindigkeitsvorschrift hält, heißt das doch nicht, man braucht sich nicht mehr anzuschnallen. Beste Grüße, Tobi PS: "3x3-Filter-, Reduktionsmethode und Limit-Strategie sind für risikobewusste Freerider gedacht, die Spaß am Risikomanagement haben und sicher durch den Winter kommen wollen. Sie ist keinesfalls ein Freiticket für Adrenalin- und Extrem-Freaks. Keine Methode kann dir 100%ige Sicherheit garantieren! Nur du selbst kannst entscheiden, wie viel Risiko du eingehen möchtest." PS: Für alle die es interessiert, hier der Link zum Artikel http://www.powderguide.com/de/mounta...imitstrategie/

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freerider13 01.02.2012 | 13:50 Uhr

Servus Tobi! Hab den Artikel natürlich vollständig gelesen. Und ich hab auch verstanden worums geht. Aber lehn dich mal zurück und les den Artikel noch mal mit den Augen eines Laien durch. DER liest nämlich noch garnicht mal so genau, will sich nur schnell informieren und denkt nur: "Prima, die 3 Sachen lern ich auswendig und komm nicht in ne Lawine!" Das diese Methode nur ein "Sahnehäubchen" bei voll ausgebildeten Bergleuten ist wird in diesem Artikel viel zu wenig betont! Genauso, wie die absolute Notwendigkeit von LLB, LVS, etc. pp. Dem AUTOR ist das als "Profi" natürlich bewusst, weshalb er es nicht so betont - dem Laien aber nicht. So, wie der Artikel jetzt geschrieben ist suggeriert er sogar uU., die genannten Opfer wären NICHT in die Lawinen geraten hätten Sie bloß die Limitstrategie verfolgt. Sie sind in die Lawine geraten weil Sie die "falsche" Strategie verfolgt haben. Und die von mir zitierten Einschränkungen wirken vor diesem Hintergrung fast wie Regeln, mit denen man bei Befolgung nicht verschüttet wird. ber hier lesen ja schießlich nicht nur Profis, deshalb halte ich es für verantwortungslos. Bitte ändert den Artikel dahingehend in irgendeiner Form ab, ich halte das wirklich für besser. Und abgesehen davon: Erklär mir trotzdem noch mal einer die Sache mit dem Lift! Das heißt doch ganz klar: fals doch was abgeht kann dich schnell einer Ausbuddeln. Und das mit den stark befahrenen Variantenhängen ist schlicht falsch. Das hat Munter persönlich vielleicht noch geglaubt. Schöne Grüße, Jan PS.: Warum wird das "ALLGEMEIN" Topic auf einmal mit lauter Linkeinträgen und Meldungen von der HP vollgebombt? Programmierfehler oder so? Dieses Topic war grad glaub ich auf S.73...

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tobi 01.02.2012 | 14:33 Uhr

Hallo Freerider, ich nehme mir deine Kritik zu Herzen und werde das in der nächsten Zeit noch ergänzen bzw. darauf hinweisen. Das mit den Hängen im Variantengelände würde ich schon generell so stehen lassen. Wer viel auf Touren ist, gerade bei "erheblich" und den dann oft geringen Spielraum erlebt hat, der kennt glaube ich den Unterschied recht gut. Allerdings ist es sicherlich nie eine 100%-Regel und insofern auch deine Kritik hier berechtigt. Doch wenn man sich alleine die Lawinenopferstatistik anschaut Tourengeher im Verhältniss zu den Freeridern, da wir die Variantengelände ist stabiler deutlich belegt, auch wenn noch immer das Probleme bestehen bleibt, dass niemand die Befahrungszahlen kennt. Ciao, Tobi

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tobi 01.02.2012 | 14:34 Uhr

Hi Jan, die Einträge dienen dem Erstellen der Kommentierfunktionen, die müssen wieder verschwinden. Ciao, Tobi

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