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Bergwissen | Spaltenbergung Teil II – Material- & Knotenkunde

Bei all dem Gerödel bekommt man ja nen Knoten im Hirn

27.02.2014

In sechs Artikeln zum kompletten Wissen rund um die Notfallbergung aus der Gletscherspalte. Im Teil II geht es um die Knotenkunde...

Gesteckter Sackstich add_circle
Knut Pohl
Gesteckter Sackstich

In sechs Artikeln zum kompletten Wissen rund um die Notfallbergung aus der Gletscherspalte. Im Teil II geht es um die Knotenkunde...

Spaltenbergung ist eines der Themen, das die meisten Tourengänger, Skibergsteiger und Freerider als komplex empfinden. Dabei sind die Grundprinzipien eigentlich recht einfach und das Handwerkszeug dazu ebenfalls kein Hexenwerk. Hat man beides einmal verstanden, ist man eigentlich für alle Situationen auf dem Gletscher gewappnet. Heute möchten wir euch die nötigen Knoten und Material näher bringen.

Material

Das Material, das für die Spaltenbergung benötigt wird, ist grundsätzlich nicht allzu komplex, aber je nach Situation, Gruppengröße, abzudeckenden Spaltenbergungstechniken und -strategien und nicht zuletzt zu erwartenden Bedingungen verschieden. Und nicht nur das, auch wie das Material in der Gruppe verteilt ist, was jeder selbst bei sich trägt oder wie viel Redundanz man einplant, ist auch Geschmackssache.

In der Materialkunde stellen wir euch das Material umfassend vor – auch wenn man kaum alles davon zusammen benötigen wird, und einiges klar der Kategorie „Sterben-im-Luxus" zuzuordnen ist –, um dann im späteren Teil Beispielanwendungen und -Typen ein paar Möglichkeiten aufzuzeigen, wie das benötigte Material je nach Umständen aussehen könnte.

GURT Jeder in der Gruppe benötigt einen Klettergurt, der über der Kleidung getragen wird. Da nicht geplant ist, lange und oft darin zu hängen und er sowieso über der Winterkleidung getragen wird, reicht ein einfacher, ungepolsterter Gurt mit wenigen oder gar keinen Materialschlaufen – auch je nachdem, ob Materialschlaufen am Bauchgurt des Rucksackes vorhanden sind. Am besten eignen sich spezielle Alpingurte, die man anlegen kann, ohne hindurch steigen zu müssen.

SEIL Für das Anseilen auf Gletschern und die Spaltenbergung (sowie eventuell geplantes Abseilen) ist ein Halbseil ausreichend. Zwillingsseile werden kaum noch verwendet und laut Lehrmeinung nicht überall empfohlen, sind aber durchaus für die reine Sicherung auf dem Gletscher ausreichend. Natürlich kann auch ein Einfachseil verwendet werden. Außer dem zusätzlichen Gewicht gibt es keine Nachteile. Für viele Anwendungen reichen 30 m Seillänge, außer bei großen Gruppen (es empfiehlt sich allerdings eher, große Gruppen auf zwei Seile aufzuteilen). Auch ist die Seilreserve bei 30 m oft zu knapp, um die Bergungstechnik der losen Rolle (siehe Teil IV) einzusetzen. Sollten wir ein längeres Seil, z. B. zum Abseilen benötigen, sind zwei 30 m Halbseile (eines bleibt im Rucksack) besser, als ein 60 m Seil. Hat man jedoch bereits ein Seil, lohnt sich für gelegentliche Touren auf Gletschern der Kauf eines weiteren Seiles in aller Regel nicht.

KARABINER Karabiner und -formen gibt es in mannigfaltigen Ausführungen. Für die Spaltenbergung empfehlen sich vor allem zwei Typen: Große, birnenförmige, sog. HMS-Karabiner, welche sich hervorragend im Ankerbau für den Zentralpunkt einsetzten lassen; sowie ovale oder D-förmige, symmetrische Karabiner, welche sich gut handeln lassen. Asymmetrische Karabiner sind vor allem für Fixpunkte im Fels gut geeignet, die am Gletscher nicht vorkommen. Man unterscheidet zwischen Verschlusskarabinern, bei denen der Schnapper vor unbeabsichtigtem Öffnen gesichert werden kann und Normalkarabinern ohne diese Verschlussmöglichkeit.
Um den Selbstaufstieg als Möglichkeit zu haben, braucht man mindestens zwei Verschlusskarabiner am Gurt. Um für jede Form der Spaltenbergung gewappnet zu sein, braucht man mindestens drei Verschluss- und einen Normalkarabiner in der Gruppenausrüstung. Bei der Verwendung von Eisschrauben als Anker wird pro Schraube ein zusätzlicher Verschlusskarabiner benötigt.


NABELSCHNUR
Eine 120-cm-Bandschlinge (besser: eine Schlinge aus dynamischem Seil speziell für diesen Zweck) wird mittels Ankerstich in die Anseilöse gebunden und mittig mit einem Achterknoten oder Sackstich in zwei Segmente abgebunden. Diese führt jeder, in der Anseilöse des Gurtes befestigt, mit, selbst wenn man unangeseilt auf dem Gletscher geht, um jederzeit schnell eine Selbstsicherung einrichten zu können. Das Ende wird mit einem Verschlusskarabiner über oder im Bereich der Schulter am Rucksack fixiert (Schultergurt, Spanngurt oder Trageöse). So ist es im Falle eines nicht angeseilten Spaltensturzes mit Verlust des Bewusstseins für die Retter leichter von oben erreichbar als die Anseilöse.

HANDSCHLAUFE Mit einer Reepschnurschlinge aus ca. 1,5 m Schnur von 6 mm Stärke kann eine Schlinge mittels Prusik oder Kreuzklemmknoten als Handschlaufe an das Seil gebunden werden, wenn man angeseilt geht. Mit der Handschlaufe lässt sich nicht nur das Seil gut handhaben, sondern sie wird auch genutzt, um temporäre Anker zu erstellen, Gegenstände zu fixieren (sehr praktisch in exponiertem Gelände) oder am Seil aufzusteigen.

LANGE REEPSCHNUR Zur Spaltenbergung wird mindestens eine 6 mm dicke Reepschnur von ca. 5 m Länge in der Gruppenausrüstung benötigt. Wenn eine Selbstrettung aus der Spalte in Frage kommt und man eigenständig hinaufklettern will, braucht man eine am Klettergurt verfügbar. Da Reepschnur im aufgewickelten Zustand kompakt ist, wenig wiegt und in vielen Situationen hilfreich sein kann, spricht nichts dagegen, wenn grundsätzlich jeder eine solche Schnur mitnimmt.

BANDSCHLINGE Mindestens eine 120-cm-Bandschlinge wird benötigt, um einen Schneeanker bauen zu können. Besser führt man zwei verteilt in der Gruppe mit, wobei eventuelle Nabelschnüre dazu zählen können. Statt Bandschlinge kann natürlich auch Reepschnur zum Ankerbau benutzt werden.

PICKEL Ein Standard-Pickel zum klassischen Bergsteigen mit geradem oder leicht gebogenen Schaft eignet sich am besten für den Alpineinsatz. Eine Schaufel am Kopf hilft, Schnee und oberflächlichen Reif zu entfernen und beim Ankerbau. In der Regel reicht es, wenn ein solcher Pickel die B-Norm für Basisgeräte erfüllt. Ein Pickel hat die richtige Länge, wenn er am Kopf umgriffen mit lockerem Arm ungefähr bis zum Knöchel hinab reicht.

EISSCHRAUBEN Eine Eisschraube wird an den Gurt gehängt. Am besten eignen sich Eisschrauben mit integrierter Kurbel und frei rotierender Öse. So kann man sich während dem Einschrauben bereits mit der „Nabelschnur" in die Eisschraube einklippen und hat sofort einen Fixpunkt zur Selbstsicherung. Eine schnelle und daher gute Lösung!

Ist im Winter nicht mit oberflächlichem Blankeis zu rechnen, braucht man keine Eisschraube am Gurt und allerhöchstens ein bis zwei für alle Fälle in der Gruppenausrüstung.

ABALAKOW-FÄDLER Besteht die Möglichkeit, einen Anker in solidem Eis mittels Eissanduhren bauen zu können, wird ein Abalakov-Fädler und natürlich passende Reepschnur benötigt.

TIBLOC Diese kleine, leichte, im Zusammenspiel mit einem Karabiner funktionierende Seilklemme ist beim Aufbau eines Flaschenzuges sehr nützlich, und man sollte daher mindestens eine in der Gruppenausrüstung mitführen. Ein Tibloc kann auch beim Aufstieg am Seil sehr hilfreich sein, kann aber immer durch mit der Handschlaufe geknüpften Prusik- oder auch Prohaskaknoten ersetzt werden.

UMLENKROLLE MIT RÜCKLAUFSPERRE Egal, ob nun Ropeman, Mini- oder Micro-Traxion oder anderes zum Einsatz kommt, diese kleinen Geräte sind äußerst hilfreich. Sie minimieren die Seilreibung im Umlenkpunkt deutlich und verfügen zudem über eine integrierte Rücklaufsperre. Man sollte daher mindestens eine in der Gruppenausrüstung mitführen. Da sie zusätzlich beim Aufstieg am Seil nützlich sein kann, kann sich der Seilschaftserste überlegen, eine zusätzliche am Gurt mitzuführen.

UMLENKROLLE Für manche Anwendungen kann auch eine einfache Umlenkrolle nützlich sein. Besonders einfache Rollen aus Plastik, die mit einem Karabiner als Rollenachse verwendet werden (z.B. Petzl Ultralegere) sind leicht und problemlos mitzuführen.

RESCYOU Ein Gerät, das nahezu alles oben erwähnte Material überflüssig werden lässt und mit dem man für alle Bergungssituationen auf dem Gletscher gewappnet ist, ist das RescYou von Mammut.

TUBER Nicht nur für eventuelles Abseilen benötigt, ist ein Tuber ebenfalls für den Selbstaufstieg oder als Rücklaufsperre einsetzbar, auch wenn die Reibung im Gerät das System verhältnismäßig ineffektiv werden lässt.

MESSER Ein gutes, klein verstaubares Klappmesser, bevorzugt mit einem Wellenschliff in zumindest einem Teil der Klinge, hilft, Reepschnüre gegebenenfalls auf das richtige Maß zurecht zu kürzen.

Knoten

Grundsätzliches: Man unterscheidet bei den Knoten immer zwischen einfachen Knoten mit einem Seilstrang und gesteckten bzw. gelegten Knoten mit zwei Seilsträngen. Ein gesteckter Knoten wird geknüpft, indem erst der Knoten in einen Seilstrang geknüpft wird und dann der zweite Seilstrang (entweder dasselbe Ende nach einem Hindernis, wie der Klettergurt-Anseilschlaufe, oder ein anderes Seil) parallel dazu in gleicher Weise durch den ersten Knoten hindurch gesteckt wird. Gelegte Knoten werden wie einfache Knoten in eine Seilschlaufe geknüpft, indem beide Seilstränge der Schlaufe gleichzeitig zu einem gemeinsamen Knoten geknüpft werden. Eine Seilschlaufe ist eine offene Schlaufe, bei der sich beide Enden nach dem Bogen nicht kreuzen, genau wie beim Buchstaben Omega. Ein Seilauge hingegen ist eine Schlaufe, deren Seilenden sich überkreuzen, ähnlich dem Buchstaben Q.

 


ANKERSTICH Eigentlich nur eine Schlaufe in der Seilmitte und kein „richtiger" Knoten, wird der Ankerstich verwendet, um z. B. die Nabelschnur in die Anseilöse des Gurtes zu binden oder sich in der Seilmitte einzubinden.

SACKSTICH Dieser einfache, oft als Überhand-, Hausfrauen- oder Brezelknoten (im Schweizer Alpinismus auch Führerknoten genannt) bekannte Knoten ist universal für vieles anwendbar. Der Sackstich kann auch mit zwei Seilen parallel oder mit einer Seilschlinge gesteckt geknotet werden. Die starke Reduktion der Seilbelastbarkeit und die Tatsache, dass er nach Belastung sehr schwer zu lösen ist, sorgen jedoch dafür, dass es häufig für die jeweilige Anwendung geeignetere Knoten gibt.

ACHTERKNOTEN Ein vielseitiger Knoten mit einigen Anwendungen. Er ist leicht zu erkennen, hat gute Festigkeit und ist recht voluminös. Am Seilende gesteckt oder in der Seilmitte gelegt wird er genutzt, um sich in das Seil einzubinden. Mit zwei Seilenden gesteckt oder gelegt, eignet er sich hervorragend, um zwei Seile miteinander zu verbinden Verbindet man zwei Seile sehr unterschiedlicher Durchmesser, sollte man zusätzlich die freien Enden noch mit einem weiteren gemeinsam gelegten Sackstich als Backup-Knoten sichern.

DOPPELTER SPIERENSTICH Dieser Knoten, der als einfacher Spierenstich mit einer Umdrehung weniger im Alpinbereich nicht zu empfehlen ist, eignet sich hervorragend, um zwei Seil- oder Reepschnurenden miteinander zu verbinden und wird z.B. zum Knüpfen von Hand- bzw. Prusikschlaufen verwendet. Der große Vorteil ist, dass man zwei Seile so miteinander verbinden kann, dass die Seilenden genau gegenläufig den Knoten verlassen. Außerdem verdaut er unterschiedliche Seildurchmesser gut. Leider ist er schwer wieder zu lösen und eignet sich so vor allem für dauerhaft geplante Verknüpfungen. Die aus dem Knoten schauenden Seilenden sollten mindestens den 10-fachen Seildurchmesser lang sein.

MASTWURF Dieser Knoten ist äußerst nützlich, um das Seil in Fixpunkten in Karabinern zu befestigen, da er sich auch nach Belastung sehr leicht öffnen sowie durch Druck an einem und Zug am anderen Seilende sehr leicht am Seil verschieben lässt, sodass sich die Seillänge leicht den Bedürfnissen anpassen lässt. Außerdem kann er mit etwas Übung sehr gut mit einer Hand in einen Karabiner geknüpft werden.

SCHMETTERLINGSKNOTEN Dieser Knoten wird in das Seil geknüpft, um Bremsknoten am Seil zu erhalten. Die Knoten fressen sich bei einem Spaltensturz in den Schnee und klemmen in der Gletscherspaltenlippe. So können sie die Heftigkeit eines Spaltensturzes stark verringern oder einen Sturz ganz halten, was sowohl hilft die Gefahr für den Stürzenden zu verringern als auch den haltenden Seilschaftsmitgliedern die Arbeit zu erleichtern. Im Gegenzug erschweren Knoten im Seil die Bergung aber erheblich und sie kommen daher meist nur bei Seilschaften von 2-3 Personen zum Einsatz. Der Vorteil des Schmetterlingsknotens ist, dass er keine flache Seite hat und daher im Schnee viel Reibung verursacht, allerdings braucht er recht viel Seil. An solchen Knoten kann man sich auch in der Seilmitte einbinden.

KLEMMKNOTEN Manchmal auch als Bremsknoten bezeichnet, hat diese Knotenkategorie eine gemeinsame Eigenschaft: alle diese Knoten ziehen sich unter Last zusammen und lassen sich nach Entlastung leicht wieder öffnen und werden um ein Seil geknüpft, verwendet, um dieses zu Bremsen oder gar zu halten. Außerdem lässt sich die Klemmwirkung mit der Anzahl der Umwicklungen gut regulieren, für höhere Klemmwirkung wird einfach der Knoten mit 1-2 Umwicklungen mehr geknüpft. Für die Spaltenbergung sind vier dieser Knoten interessant, wobei alle Varianten redundant und eine Frage des Geschmacks sind – man kann nur mit einem dieser Knoten ein Alpinistenleben lang auskommen. Der PRUSIKKNOTEN ist der einfachste und vielseitigste Klemmknoten. Er klemmt sehr gut, so dass auch nasse und vereiste Seile gehalten werden können und seine Klemmwirkung ist unabhängig von der Laufrichtung. Leider gleitet er schlecht am Seil entlang und muss daher mit der Hand mitgeführt und offen gehalten werden, außerdem klemmt er nicht mit Bandschlingen und dicken Schnüren. Meist wird für den Prusik eine separate Schlaufe verwendet, er kann aber auch gesteckt an einem Seilende verwendet werden. Der KREUZKLEMMKNOTEN – auch Klemmheist genannt – klemmt im Gegensatz zum Prusik nur in eine Richtung und kann daher gut als Rücklaufsperre eingesetzt werden. Außerdem klemmt er auch mit Bandschlingen und dicken Reepschnüren, verschiebt sich aber ebenfalls nicht so leicht. Der FRANSÖSISCHE PRUSIK wird im Gegensatz zu den beiden vorherigen Klemmknoten mittels Karabiner erstellt. Er ist einfacher Wickelknoten und ist sehr schnell geknüpft. Er klemmt ebenfalls in beide Richtungen und kann einfach unter Last geöffnet werden. Allerdings kann er sich auch unter Last verwickeln und lösen, wenn man ihn nicht richtig anwendet. Er sollte also mit Vorsicht eingesetzt werden. Der PROHASKA ist ein weiterer Klemmknoten, der mittels Karabiner geknüpft wird und leicht zu verschieben ist. Er klemmt auch mit Bandschlingen und dicken Reepschnüren und an vereisten Seilen. Allerdings hat er eine bevorzugte Klemmrichtung und die Reepschnur darf nicht über den Karabinerschnapper laufen.

GARDAKNOTEN Der Gardaknoten ist eigentlich gar kein Knoten, sondern nur zwei umwickelte Karabiner, stellt aber eine effektive Rücklaufsperre dar. Er wird mittels zwei Karabinern gleichen Typs (!) erstellt, die parallel in einen gemeinsamen Punkt gehängt werden. Das Seil wird aus der Belastungsrichtung kommend in beide Karabiner geklippt, oben über beide Karabiner zurück und dann erneut von der gleichen Seite nur in den ersten, in Belastungsrichtung zeigenden Karabiner eingeklippt, sodass es zwischen den Karabinern herausläuft und dort eingeklemmt wird, sobald Zug aus der Belastungsrichtung kommt. Der Gardaknoten produziert allerdings viel Seilreibung und macht z. B. Einen Flaschenzug dadurch oft ineffizient. Er ist aber besonders zum Improvisieren einer Rücklaufsperre sehr gut geeignet.

 

Einbinden in das Seil

Die Seilschaft bindet sich so in das Seil ein, dass der Seilerste etwas mehr Abstand hat, als die anderen Seilschaftsmitglieder. Am besten haben sowohl der Erste als auch der letzte ~5 m Seilreserve, so hat man den grössten Handlungsspielraum. Bei einer Zweierseilschaft müssen zwingend Bremsknoten in das Seil geknüpft werden, die Gefahr, dass der zweite mit in die Spalte gezogen wird, ist sonst zu hoch.

Wenn sich der Seilerste oder der letzte der Seilschaft einbinden, ist die Sache relativ einfach. Ein gesteckter Achter oder Sackstich wird einfach durch den Gurt gefädelt. Sollte das Seil zu lang sein, kann der Seilletzte den Seilrest ganz einfach in den Rucksack stopfen. Da man auf dem Gletscher die Seillänge eigentlich nie ändern muss, ist das bequemer, als das Seil in Schlingen um den Oberkörper zu tragen und für den Fall einer Rettung trotzdem schnell und einfach verfügbar.


Zum Einbinden in die Seilmitte gibt es mehrere Möglichkeiten. Meist am einfachsten ist es, sich mittels in die Anseilöse eigehängtem Verschlusskarabiner in einen in der Seilmitte gelegten Knoten einzuklippen. Als Knoten kommen der gelegte Achter oder Sackstich, aber auch der Schmetterlingsknoten in Frage. Man kann auch statt eines Verschlusskarabiners zwei gegenläufig eingehängte Normalkarabiner verwenden.

Will man keine Karabiner nutzen, kann man sich mittels doppelt gesteckten Sackstich in die Seilmitte einbinden. Dazu wird ein gelegter Sackstich in das Seil gebunden, die so entstandene Schlaufe durch den Klettergurt geführt und durch den Knoten zurück gesteckt. Nun laufen also vier Seilstränge parallel durch den Knoten, was die Sache natürlich recht voluminös macht. Wer absolut sicher gehen will, sichert die Schlaufe des Knotens mittels Karabiner.

Das Einbinden mittels Ankerstich in die Seilmitte ist für Gletschertouren nicht zu empfehlen, da man unter Last nicht aus dem Seil heraus kommt.

Man kann seinen Bewegungsspielraum vergrößern, indem man eine Seilweiche knüpft. Dazu wird ein Sackstich mit langer Schlaufe in das Seil gelegt und am Ende der Schlaufe ein weiterer Knoten gelegt, in dessen Schlaufe man sich mittels Verschlusskarabiner einhängt. Da die Seilweiche allerdings bei der Spaltenbergung Probleme verursacht und die Bewegung bei Touren über vergletschertes Gelände in der Regel sehr gleichmäßig ist, sollte man auf die Seilweiche allerdings verzichten, wenn reine Gletschertouren anstehen.

In der nächsten Folge dieser Serie geht es um den Ankerbau…

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Kommentare
chat
knut 13.03.2014 | 12:19 Uhr

Es gibt viele weitere und sehr sinnvolle Bergungsmethoden neben der losen Rolle ( und auch für diese können 30m durchaus ausreichen, wenn der Erste in 8-10m Abstand geht. Der Zweite kommt ja in der Regel nicht erst am Spaltenrand zum Stop.).
Aber der Einwand ist natürlich berechtigt und ich hab es etwas umformuliert. Auch wenn 60m Seil auf dem Gletscher wirklich viel sind...

chat
FloImSchnee 07.03.2014 | 14:30 Uhr

Großartige Artikelserie!

Bloß: "Meist reichen 30 m Seillänge"...entspricht nicht der Lehrmeinung, weil du für die klassische Rettungsmethode (in AT zumindest) der "Losen Rolle" dann meist zu wenig Restseil haben wirst.
Empfohlen werden daher 50-60m.