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2. Special Feature der Mountain Mastery | Basics Kartenlesen & Tourenplanung

Alles Rund um die Tourenplanung mit der Topo-Karte

30.01.2012

Freerider benutzen – wie alle anderen Besucher des Gebirges – topografische Karten zur Orientierung im Gelände. Detaillierte Topo-Karten in grossem Massstab sind die Grundlage zur Planung aller Freeride-Touren und oft eine ideale Quelle, um interessante Lines zu finden. Hier gibt es eine Einführung in die Basics des Kartenlesens.

Freerider benutzen topografische Karten. Diese stellen ein verkleinertes Abbild der Erdoberfläche dar. Topografische Karten gibt es in verschiedenen Maßstäben – je größer der Maßstab (d. h. umso kleiner die Maßstabszahl), umso mehr detaillierte Geländeinformationen lassen sich aus der Karte gewinnen. Freerider und Tourengeher benutzen Karten im Maßstab 1:25 000. 1 cm in der Karte entsprechen 25 000 cm, also 250 m im Gelände. 4 cm in der Karte sind 1 km in der Natur. Karten mit kleinem Maßstab, z. B. 1:50 000, ermöglichen den Überblick über ein größeres Gebiet – für die Tourenplanung sind sie aber bereits weniger geeignet, da hier in der Regel auf viele Informationen verzichtet werden muss (ansonsten wären sie vor lauter Information nicht mehr lesbar). Allerdings gibt es im 1:50 000-Maßstab oft sehr gute Spezialkarten, z. B. die Schweizer Skitourenkarten. Karten sind immer generalisiert, das heißt, dass die Natur in bestimmten Zeichen wiedergegeben wird. Daher gibt es zu Karten passende Legenden, in der die wichtigsten davon erklärt werden.

Himmelsrichtungen

Karten sind immer „genordet“, d. h. Norden ist oben, Süden unten, Osten befindet sich auf der rechten Seite und Westen auf der linken. Viele Karten enthalten zudem ein Koordinatensystem bzw. Suchgitter. Dieses ermöglicht eine exakte Positionsbestimmung, was sehr wichtig sein kann, wenn man z. B. seine Position der Bergrettung durchgeben muss.

Steilheit und Geländeformen

 

Die Geländeformen (Relief) werden mit Hilfe so genannter Höhenlinien dargestellt. Diese verbinden Punkte gleicher Höhe miteinander. Die Höhenlinien fahren den Konturen des Geländes nach. Höhenlinien sind für alle 20 Höhenmeter eingezeichnet. Je enger sie sich zusammendrängen, umso steiler ist das Gelände. Sind die Abstände zwischen den Höhenlinien groß, ist das Gelände flacher. Fehlende Höhenlinien markieren eine Ebene. Jede fünfte Höhenlinie ist fett eingezeichnet und markiert eine 100-Meter-Höhenlinie.

 

Mit Hilfe der Karte kannst du, ohne den Hang gesehen zu haben, recht zuverlässig bestimmen, wie steil dieser ist. Man misst dabei den Abstand zwischen den Höhenlinien mit einer passenden Schablone. (Achtung: Die Schablone muss dem jeweiligen Maßstab 1:25 000 oder 1:50 000 entsprechen!)

 

Allerdings können aufgrund der generalisierten Darstellungsform nicht alle Details abgebildet sein. Felsbänder sind nicht immer eingezeichnet – zum Springen können sie aber zu hoch sein. Die Geländeformen, mit Ausnahme der Kleinformen, sind durch die Höhenlinien dargestellt. Mit dieser Darstellungsart umzugehen erfordert Übung und zu Beginn macht das Übertragen der zweidimensionalen Karte in dreidimensionales Gelände etwas Schwierigkeiten.

 Für Freerider sind die Informationen über das Gelände (Relief) von großer Bedeutung. Schlüsselstellen einer Tour, z. B. riskante Steilhänge, lassen sich frühzeitig erkennen und wenn notwendig umgehen. Genauso findet man den Verhältnissen – Lawinengefahr und Wettersituation – angepasste Aufstiegs- und Abfahrtsmöglichkeiten.

Arbeiten mit der Karte 

Karten sind die unerlässlichen Helfer bei der Tourenplanung. Sie enthalten zahllose Infos über Geländeform und -beschaffenheit, Bewuchs, Gewässer,Bebauung, Untergrund etc. Die meisten toporaphischen Ämter geben Informationsblätter mit der Erklärung sämtlicher Zeichen und Signaturen heraus.

Zusätzlich zur Karte benötigt man: Bleistift und eventuell eine einfache Lupe (macht das Lesen leichter), eine Schablone zum Messen der Hangneigungen sowie eventuell Touren- oder Freeride-Führer für das betreffende Gebiet.

Standortbestimmung

Vor jeder Tour muss zunächst der eigene Standort auf der Karte bestimmt werden. Auch das geschieht mit Hilfe markanter Punkte und stellt zu Beginn der Tour in der Regel kein Problem dar. Befindet man sich jedoch in Gebieten, wo dies nicht mehr möglich ist, z. B. auf einem Hochplateau im Winter, können verschiedene Techniken zur Orientierung und Standortbestimmung angewandt werden. Eine zuverlässige Möglichkeit zur Standortbestimmung ist die Verwendung eines Navigationssystems (GPS): Mit Hilfe der Standortangaben des GPS-Geräts kann man auf der Karte seinen Standort ermitteln.

 

Tourenplanung

Start und Ziel festlegen

Dann geht es darum, vor jeder Tour Start und Ziel festzulegen. Eine sinnvoll erscheinende Route wird in die Karte eingezeichnet (Tipp: Will man mehrere Touren planen oder die Karte nicht zumüllen, so empfiehlt es sich, eine Klarsichtfolie auf der Karte zu befestigen und auf dieser mit Folienmarkern zu arbeiten).

Achte bei der Routenwahl auf Schlüsselstellen – besonders lawinengefährdete Stellen sind zu umgehen. Die Aufstiege sollten nicht zu steil sein und möglichst gleichmäßig verlaufen.

Von entscheidender Bedeutung für die Routenwahl ist die Steilheit und Exposition der Hänge im Aufstieg und bei der Abfahrt. Lege schon bei der Tourenplanung mögliche Alternativ- und Ausweichrouten fest. Falls die Verhältnisse nicht deinen Erwartungen entsprechen oder ungünstige Verhältnisse das Befahren bestimmter Strecken/Hänge unmöglich machen, kannst du ein Alternativziel ansteuern – vielleicht ohne Spaßverlust.

Hangneigung bestimmen

Hierfür wird eine spezielle Schablone verwendet. Diese ist in der Regel aus transparentem Kunststoff. An der Längskante der Schablone befindet sich eine Skala, mit der die Hangneigung gemessen werden kann. Und so wird’s gemacht:1. Die Stelle, die gemessen werden soll – in der Regel die steilste Hangpartie –, markieren.
2. Die Schablone senkrecht (90°) zu den Höhenlinien anlegen.
3. Die Abstände der Skala müssen mit den Abständen der Höhenlinien übereinstimmen.
4. Der größere (= steilere) Wert wird abgelesen und 1 Grad, als Sicherheitsreserve, hinzugezählt.
5. Das Ergebnis ist die ungefähre Hangneigung. (Die tatsächliche Hangneigung kann jedoch steiler sein, z. B.: Versteilung durch Schneeverfrachtung,
ungenaue Karte …).Achtung: Viele Hänge sind durch ihr S-Profil tatsächlich steiler als auf der Karte, die nur die durchschnittliche Hangneigung wiedergibt.

Hangexposition bestimmen

Für die Touren- und Freeride-Planung von großer Bedeutung ist die Exposition der jeweiligen Hänge (siehe auch den aktuellen Lawinenlagebericht). Mit Hilfe der Höhenlinien kann die Exposition bestimmt werden: Durch die parallel verlaufenden Höhenlinien eines Hanges wird eine Linie eingezeichnet. Jetzt muss noch festgestellt werden, in welche Richtung der Hang abfällt. Durch das Vergleichen dieser Richtung mit der Nordrichtung der Karte kann die Exposition zuverlässig bestimmt werden. Beachte: Rinnen und Mulden weisen verschiedene Expositionen auf. In diesem Fall muss die ungünstigere Exposition berücksichtigt werden.

Zeitplanung

Neben der Steilheit ist vor allem die Länge des Aufstieges ein wichtiger Faktor der Zeitplanung. Die Strecke, die zurückgelegt werden muss, ist von zentraler Bedeutung für das Zeitmanagement. Hierfür misst man mit dem Lineal die ungefähre Wegstrecke nach und rechnet sie (je nach Maßstab) um.

Die Zeitplanung beruht auf folgenden Faustregeln:

 Ca. 4 km Wegstrecke (horizontale Distanz) / Stunde und
Ca. 400 Höhenmeter / Stunde beim Aufstieg.

Achtung! Diese grobe Faustregel zur Tourenplanung kann nicht jeder Situation gerecht werden. Snowboarder mit Schneeschuhen sind im Normalfall deutlich langsamer als Tourenski-Benutzer.
Der Gesamtzeitbedarf wird ermittelt, indem der Zeitbedarf für die Höhenmeter zu dem der Wegstrecke hinzugezählt wird.

Beispiel einer Tour: 

  • 6 km horizontale Entfernung: ca. 1 Stunde und 30 Minuten
  • 1000 Höhenmeter: ca. 2 Stunden und 30 Minuten
     

Gesamtzeitbedarf:
Wegstrecke = eineinhalb Stunden (= 90 min.)
Aufstieg = zweieinhalb Stunden (= 150 min.)
Gesamt: 240 min. 

Gesamtzeitbedarf: ca. 4 Stunden, zuzüglich der Zeit für die Abfahrt
In dieser Zeitplanung sind ca. 20–30 % Aufschlag für Unvorhergesehenes inbegriffen: z. B. Ausrüstungsprobleme, Umgehung kritischer Hänge und auch kurze Pausen.