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Vortragstipp | Macht es einen Unterschied, wer auf den Kompressionstest schlägt?

Neues aus der ÖGSL Onlinevortragsreihe

13.01.2022

Silke Griesser hat ihre Masterarbeit über Kräftemessungen in Kompressiontests (CT) geschrieben und die Ergebnisse im Rahmen der monatlichen ÖGSL Vorträge präsentiert. Das Video vom Vortrag und die anschließende Fragerunde gibt es wie üblich zum Nachsehen auf Youtube.

CT mit Salzsack als Normgewicht add_circle
Screenshot aus dem Vortrag
CT mit Salzsack als Normgewicht

Silke Griesser hat ihre Masterarbeit über Kräftemessungen in Kompressiontests (CT) geschrieben und die Ergebnisse im Rahmen der monatlichen ÖGSL Vorträge präsentiert. Das Video vom Vortrag und die anschließende Fragerunde gibt es wie üblich zum Nachsehen auf Youtube.

Das Ziel von Stabilitätstests ist es, Informationen über das Bruchverhalten in Schwachschichten zu erhalten: Wo in der Schneedecke bricht der Block und beim wievielten Schlag? Zieht sich der Bruch durch den gesamten Block, ist es nur ein unregelmäßiger Teilbruch? Aus den Testergebnissen ziehen wir dann Schlüsse über die Lawinengefahr, auch wenn die Interpretation nicht immer einfach oder eindeutig ist.

Die Vermutung liegt nahe, dass ein 190cm großer Mensch mit 100 Kilo Körpergewicht anders auf den Block schlägt, als eine kleinere, leichtere Person. Aber wie quantifiziert man das? Ein Messsystem zu entwickeln, war der erste Teil von Griessers Arbeit, Details dazu gibt es im Video.

Vortrag:

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Ergebnisse

Für eine umfassendere Erläuterung der Ergebnisse empfiehlt es sich, den Vortrag anzuschauen. Hier nur einige mitnotierte Stichpunkte:

  • Grundsätzlich nehmen die gemessenen Spannungen in der Schneedecke zu, wenn man den üblichen Schritten “Schlag aus dem Handgelenk”, “Schlag aus dem Ellbogen”, “Schlag aus der Schulter” folgt. Alles andere wäre ja auch sehr verwunderlich.
  • Die Spannungen nehmen nicht nur beim Wechseln auf eine andere Art des Schlagens zu, sondern auch innerhalb einer Stufe. Es werden also beim 10. Schlag aus dem Ellbogen höhere Werte gemessen als beim 1. Schlag. Das liegt vermutlich daran, dass der Schnee durch die Schläge kompakter wird und sich dadurch die Kraftübertragung verändert.
  • Zahlen aus der Literatur legen nahe, dass ein Schlag aus der Schulter bezüglich der wirkenden Kräfte in etwa vergleichbar ist mit einem Skifahrer, allerdings gibt es wenig Daten, die für Vergleiche geeignet sind.
  • Die gemessene Spannung is abhängig von der Tiefe, in der gemessen wird. Die Spannungen werden kleiner, je tiefer der Sensor im Schnee ist. (Der Sensor steckt in einer bestimmten Höhe vom Boden horizontal im CT-Schneeblock.)
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  • Personen mit längeren Armen und höherem Körpergewicht verursachen tendenziell höhere Spannungen beim Schlagen auf den Block als Leute mit kürzeren Armen und geringerem Körpergewicht. Es gibt allerdings Ausreißer und die Schwankungsbreite ist relativ hoch. Soll heißen: Auch kleinere Personen hauen mitunter sehr kräftig auf den Block.
  • Je tiefer der Sensor liegt, desto geringer wirken sich die Unterschiede aus. Die Spannung nimmt bei größerer Messtiefe weniger stark mit Gewicht und Armlänge zu als weiter oben in der Schneedecke.
  • Die Armlänge und das Gewicht des Arms wirkt sich entsprechend weniger aus, wenn man nur das Handgelenk bewegt. Bei Schlägen aus dem Handgelenk ist die Streuung daher kleiner als bei Schlägen aus dem Ellbogen oder der Schulter.
Fazit

Für die praktische Beurteilung der Lage im Hang sind diese Ergebnisse erstmal noch nicht sehr hilfreich, aber sie bilden eine spannende Grundlage für weitere Untersuchungen in diese Richtung.   Die Titelfrage ist mit Ja zu beantworten. Griesser betont auch, dass die räumliche Variabilität der Schneedecke unter Umständen der viel größere Unsicherheitsfaktor für das Testergebnis ist als die Statur der schlagenden Person.

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