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PowderGuide im Gespräch mit Aline Bock

Die Weltmeisterin | Aline Bock im PG-Interview

08.12.2010

Aline Bock, Freeride-Weltmeisterin (Snowboard) 2010, sprach mit PowderGuide über die Freeride World Tour 2011, Snowboarden und ihre Ziele als professionelle Riderin. Nachdem sie in ihrem ersten Jahr auf der Tour überraschend Zweite wurde, konnte sie 2010, in ihrer erst zweiten Saison, das Titelrennen für sich entscheiden.

PowderGuide: Wie ist aus Deiner Sicht die Planung und vor allem die endgültige Ausschreibung der FWT 2011 gelaufen?
Aline Bock: Dadurch, dass es am Anfang hieß, dass wir Frauen komplett raus aus der Tour sind und nur in den Qualifiers starten, haben wir Fahrerinnen natürlich dagegen gehalten. Dann kam der Druck von Sponsoren und Ridern dazu. Dann hat die FWT-Organisation komplett alles noch mal umgestellt. Im Endeffekt sieht es jetzt so aus, dass wir Damen drei Tourstops der World Tour mitfahren und der Rest in Qualifiern stattfindet. Dabei ist mir momentan noch nicht ganz klar, wie das Punktesystem funktioniert. Vor allem haben wir qualifizierte Fahrerinnen, durch die Möglichkeit an den FWT Stopps dabei zu sein, wieder Privilegien. Ich glaube da ging einiges drunter und drüber.

PG: Wie siehst Du die FWT 2011 mit all den Neuerungen und Veränderungen?
Aline: Ich will zunächst mal sagen, dass ich die World Tour liebe. Ich liebe diese Tour und vor allem diese große Familie. Ich fahre die World Tour wirklich gerne. Ich freu mich voll darauf die drei World Tour Stopps mit den Männern zusammen fahren zu können, vor allem, weil es so einen kleinen familiären Charakter hat. Es war bisher eine schöne Sache, dass wir 35 Fahrer, Männer wie Frauen, uns treffen und gemeinsam durch die Welt reisen und an anspruchsvollen Bergen gegeneinander antreten. Anderseits muss ich sagen, dass mir das momentan alles zu viel wird. Ich hätte "nein" gesagt zur FWT, wenn sie uns wirklich komplett in die Qualifier gesteckt hätten, weil ich das als Diskriminierung empfinde. Das ist einfach nicht korrekt. Vor allem, wenn sie versuchen die Frauen rauszupushen und im Nachhinein doch wieder reinnehmen, weil wir oder die Sponsoren zu viel Druck gemacht haben. Es gibt genügend Punkte, dass ich sage: Wir Frauen haben es wirklich weit gebracht! Wir haben das Niveau Jahr für Jahr so verbessert, dass wir schon mithalten könnten. Gerade was wir letzte Saison gezeigt haben, war einfach ein deutlicher Step nach oben! Es gibt in jedem Sport Frauen, die das Gleiche machen und das auf ihre Weise spektakulär sein kann, wenn sie die Chance bekommen.

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PG: Welche Gründe hat die FWT deiner Meinung nach dann gehabt, den Plan zu fassen, die Frauen in den Qualifiern starten zu lassen?

Aline Bock: Ich komme nicht dahinter, was der eigentliche Grund ist. Ich glaube nicht, dass es nur am Eventbudget liegt. Vor allem, weil in diesem Jahr zusätzlich eine Junior Tour stattfindet. Mir stellen sich in diesem Zusammenhang Fragen, wie: Warum dürfen wir im Engadin nicht starten? Warum dürfen wir nicht nach Russland mit? Warum ist es in Chamonix aber wieder OK? Warum sollten die Frauen in den Qualifiern starten und die Juniors dürfen bei den Hauptevents dabei sein? Da müssen meiner Meinung nach klare Fakten bzw. Begründungen her, worum es da tatsächlich geht. Ich habe selber mit Nicolas Halewoods noch nicht geredet. Ich werde mich in Berlin mit den Offiziellen der FWT treffen und sehen, was sich im Gespräch ergibt. (Anm. der Redaktion: Dieses Treffen hat kurz nach dem Interviewtermin stattgefunden.) Wir Fahrerinnen werden auf jeden Fall versuchen zu kämpfen und vielleicht läuft es ja darauf hinaus, dass wir nächstes Jahr wieder komplett dabei sind.

PG: Wäre eine wirklich eigenständige Frauen World Tour eine Lösung, wie sie von verschiedenen Seiten schon vorgeschlagen wurde?

Aline: Für mich ist das bisher keine Option eine eigene Women World Tour zu organisieren. Ich glaube nicht, dass das für den Frauensport wirklich förderlich wäre, lasse mich aber sehr gerne eines Besseren belehren. Am besten wäre es, wenn Frauen und Männer zusammen an einem Spot sind. Dann werden die Frauen auch mittransportiert und können dann auch zeigen, dass sie da sind, stark sind und den Sport auch können. Daher denke ich, dass es keinen Sinn macht, die Frauen im Freeriden eben so abzuschotten und eine eigene Tour zu generieren. Wir Frauen haben nun mal eine andere Anatomie und wir können keine 20 Meter Cliffs springen, aber das heißt nicht, dass wir weggeschoben werden müssen und eine eigene Tour brauchen. Das ist meiner Meinung nach wirklich kontraproduktiv für das Freeriden der Frauen. Wenn es wirklich um Gleichberechtigung ginge, könnte die FWT auch dafür sorgen, dass wir Frauen genug Aufmerksamkeit und Medienpräsenz bekommen. Wenn sie das wollten, dann könnten sie ohne Probleme das beste Material der Frauen rausnehmen und beispielsweise in den Trailer und den 26minütigen Film einbauen, was momentan leider nicht der Fall ist.

PG: Wie sieht dann deiner Meinung nach die beste Lösung für die FWT aus?

Aline: Im Endeffekt wäre es für uns Frauen am allergünstigsten mit den Männern die Tour zusammen zu fahren. Am Besten so wie in Verbier, wo wir unser eigenes Face haben, zuerst starten dürfen und einen unverspurten Hang haben. Dabei ist es sogar gut für uns, wenn wir ein Face bekommen, dass nicht ganz so extrem ist, wie der Bec des Rosses, wo wir uns dann austoben können. Wenn man eine gemeinsame Tour richtig gut aufzieht, dann können wir Frauen genauso zeigen, was wir drauf haben. Dann müssen wir nicht im Schatten nach den Jungs durch ein bereits zerbombtes Feld fahren, nur damit wir noch dabei sind.

PG: Wie sieht also deine Saisonplanung für 2011 aus? Worauf wirst du deine Prioritäten legen?

Aline: Falls mir das alles über den Kopf wächst, muss ich mir andere Optionen für den Winter suchen, wenn es nicht klappt mit der World Tour. Wenn das also alles nicht so funktioniert und ich mich behandelt fühle, als gehöre ich nicht dazu, dann werde ich versuchen, meine anderen Projekte stärker zu verfolgen.

PG: Was für Projekte oder Optionen sind das?

Aline: Ich werde jetzt einfach erst mal abwarten bis sich der ganze Trouble gelegt hat. Außerdem muss ich gestehen, dass ich auch gerade erst von meinen ganzen Reisen zurück gekommen bin und mit der Saisonplanung erst am Anfang stehe. Dazu kommt, dass ich mich momentan mit anderen Projekten befasse, sozusagen mit einem Plan B. Und diese Projekte hören sich toll an. Dennoch möchte ich 100%ig gerne die Tour mitfahren und auch meinen Titel verteidigen. Aber wie ich ja bereits gesagt habe, gibt es neben der FWT auch andere Optionen, falls sich das eher negativ entwickelt. Ich bin ja auch nicht nur Wettkampffahrerin. Ich möchte gerne flexibel und vielseitig sein und auch meine anderen Snowboardkünste zeigen.

Ich kümmere mich daher gerade vor allem darum, dass ich neben der World Tour filmen gehe. In diesem Zusammenhang werde ich im April nach Alaska fliegen und versuchen einen Filmpart auf die Beine zu stellen. Ich will einfach versuchen, so viel wie möglich Filmmaterial zu sammeln, um am Ende des Jahres einen guten Part zusammen zu haben. Mein Ziel ist es einen ganzen Filmpart Big Mountain Riding, Lines und Freestyle Backcountry zu filmen. Für welche Projekte genau steht noch nicht fest, aber es gibt bereits Gespräche mit europäischen und amerikanischen Filmproduktionen.

Im Rahmen des Alaskatrips werde ich auch am "King of the Hill" teilnehmen, dem Schwesterevent der World Heli Challenge in Neuseeland. Das ist ein unabhängiges Freeride Event und mit meinem Sieg der Heli Challenge habe ich einen Startplatz dafür gewonnen. Eine weitere Idee ist es im Februar nach Japan zu gehen um dort zu filmen und den Powder dort zu genießen. Vor allem, weil der FWT-Kalender uns Damen einen freien Februar verschafft.

Was die Tour angeht werde ich sehen, dass ich nur so wenig Stopps wie nötig fahren muss. Ich will schauen, dass ich vor allem die Events mitnehme, die in meiner Gegend stattfinden, oder welche mir als Contest bzw. Event gefallen. Ich wäre vor allem gerne im Engadin dabei, weil zum einen der Contest toll ist und ein interessantes Face bietet. Ich werde mich hinsichtlich des Contestgeschehens schon auf die 4 Sterne Events und die für mich möglichen World Tour Stopps konzentrieren. Lieber wäre es mir natürlich, wenn wir Frauen komplett bei der Tour dabei wären.

PG: Hast Du im Zusammenhang mit Deinem hohen Engagement im Bereich Film auch schon mal darüber nachgedacht ein ähnliches Projekt auf die Beine zu stellen, wie den kürzlich erschienenen reinen Frauenskifilm "As We Are"? Könntest Du dir vorstellen, ein ähnliches Projekt, also einen Frauensnowboardfilm zu realisieren? Möglicherweise sogar als Produzentin?

Aline: Ehrlich gesagt hatte ich das im letzten Jahr schon vor. Ich hatte mit Eva Walkner damals auch vor, eine kinoreife Produktion zu starten. Wir hatten das komplette Konzept aufgestellt. Wir hatten einen Regisseur und sind auf Sponsorensuche gegangen. Wir hatten das schon komplett durchgeplant. Es ist dann aber leider wirklich am Zeitlichen gescheitert. Mir wurde das alles unter einen Hut zu bekommen irgendwann zu viel. Wenn du so einen Film machen möchtest ist das schon ein Fulltimejob. Du musst komplett den Kopf frei haben und auch mit viel Budget umgehen können. Für uns wäre das eine tolle Geschichte gewesen. Ich habe es auch kürzlich erst wieder in der Hand gehabt. Wir haben da echt was professionelles hingestellt. Momentan ist das Projekt vor allem aus zeitlichen Gründen erst mal auf Eis gelegt. Dadurch, dass ich mit Contests, Reisen und Filmen gerade so einen vollen Zeitplan habe, wäre ich total froh, wenn sich jemand anderes dahinter klemmen würde und ein solches Projekt auf die Beine stellt und ich da mitwirken darf. Aber mir fehlt leider die Zeit da selber hinter zu stehen. Mir wäre es zum jetzigen Zeitpunkt lieber ich wäre ein Charakter, der in so einem Film mitwirkt. Wenn meine Karriere dem Ende entgegen geht, könnte ich mir schon vorstellen, mich dann auf die Seite der Produzenten und Organisatoren zu begeben. Dann würde ich das auch gerne mit vollem Engagement machen. Viel lieber als nebenher, weil ich einfach gemerkt habe, wie anspruchsvoll und zeitintensiv solch ein Projekt ist. Ob es allerdings wirklich dazu kommt, steht noch in den Sternen.

PG: Du hattest in einem Gespräch Anfang des Sommers erwähnt, dass Du Pläne hast Freeride Camps mit dem Schwerpunkt auf Sicherheit, zu organisieren. Hat sich da mittlerweile etwas getan?

Aline: Das ist ein Projekt das mir unglaublich am Herzen liegt. Momentan fehlt mir leider absolut die Zeit dafür. Ich würde das gerne mit Ortovox und dem "Soulcountry Tirol" in Einklang bringen, die bereits mit den SAAC-Camps eine Kooperation haben. Die Idee ist es bei einigen Camps als Freerideprofi dabei sein zu können. Ich würde meine Vorbildrolle gerne nutzen, um zu zeigen und zu vermitteln, dass ich meine Karriere nur so durchziehen konnte, weil ich auch eine gewisse Ahnung habe, wie gefährlich das Backcountry ist und wie man mit diesen Gefahren verantwortungsbewusst auf hohem Niveau umgeht.

Ich würde darüber hinaus super gerne Freeride Camps organisieren für Leute, die mehr Backcountry fahren wollen und noch nicht das Know How dazu haben. Aber momentan passt ein solches Engagement leider nicht in meinen Zeitplan. Ich arbeite aber mit meiner Managerin und Freundin zusammen, die das unbedingt mit mir machen will. Das heißt, dieses Projekt läuft die ganze Zeit auf einer niedrigeren Priorität weiter. Sobald sich eine günstige Gelegenheit bietet, wollen wir das entsprechend organisieren. Möglicherweise kommen wir erst im Frühjahr oder sogar erst in der nächsten Saison dazu, aber das interessiert mich ganz doll und es ist mir ganz wichtig vor allem jungen Snowboardern das Safety First beizubringen. Es ist für mich besonders wichtig weiterzugeben, dass man abends nur vom Berg mit einem Lächeln nach hause kommt, wenn man wirklich weiß, was man da oben eigentlich gemacht hat. Wie gefährlich es wirklich ist und wie man im Notfall seine Freunde retten kann.

PG: Da Du gerade den Nachwuchs angesprochen hast. Wir hatten bei uns im Forum eine Diskussion über den Tod bzw. das Aussterben des Snowboardens. Wie stehst du als Freeride Weltmeisterin im Snowboarden dazu?

Aline Bock: Es gab damals, als das Snowboarden angefangen hat einen riesigen Boom. Von da an ging es immer prozentual bergauf. Und irgendwann mal war der Boom halt nicht mehr da. Das heißt doch aber noch lange nicht, dass die Leute jetzt nicht mehr snowboarden oder das es ausstirbt. Es ist halt einfach nicht mehr eine so große Wachstumsrate vorhanden. Es hat sich einfach zu einer Massensportart etabliert. Es werden auch immer wieder Jugendliche Snowboarden versuchen. Es ist aber halt nicht mehr dieser Boom, der damals stattgefunden hat. Es geht einfach nicht mehr Jahr für Jahr mehr und mehr Snowboarder zu gewinnen. Es war halt damals einfach eine neue Sportart, wie das Surfen auf Schnee, was einfach niemand kannte und daher total abgefahren und super toll. Durch die Etablierung der Sportart hat sich die Wachstumsrate relativiert. Aber eine Wachstumsrate von nur noch 1% im Gegensatz zu 15% oder so heißt noch lange nicht, dass Snowboarden ausstirbt. Es ist ja auch nicht mehr so, wie es eine Zeitlang war, dass man uncool war, wenn man Ski gefahren ist. Es hat sich einfach total normalisiert.

PG: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg in der Contestsaison und für deinen Filmpart.

Aline Bock – Rider Profil

Alter: 28 Jahre

Erfolge: 2010 Freeride World Tour Champion; 2009 Freeride World Tour 2te

Webpage: www.alinebock.de

Sponsoren: ROXY, Völkl Snowboards, Dakine, Ortovox, Deeluxe; Jeewin, Souldcountry Tirol