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Freeride Roadtrip [Teil II]

Freeride Roadtrip

31.10.2008

Und weiter geht der Freeride Roadtrip von Marius, immer auf der Suche nach dem besten und dem tiefsten Schnee: mal kreuz, mal quer durch die Alpen…

Stürmische Winde …
dank Süd- und Weststau beherrschten die Wetterlage am Montag den 10. März, die in den Nordalpen Skifahren nicht zu einem Vergnügen machten. Also entschied ich mich für einen Downday; ausschlafen und ein bisschen relaxen in Feldkirch. Abends stieß dann meine bessere Hälfte per Bahn zu mir. Der starke Südföhn versuchte uns noch im Norden zu halten, doch gegen 122 Pferdestärken war er machtlos und ließ uns schließlich gemütlich gen Süden (Chur/Lugano) tuckern. Am San Bernardino Pass angekommen erwartete uns stärker werdender Schneefall. Am südlichen Ende des Tunnels war dann zu unserer Verwunderung das Schneechaos allgegenwärtig. Ein halbwegs geräumter Parkplatz schien uns als einzige Lösung die Nacht zu überstehen. Gegen ca. 3 Uhr kam jedoch plötzlich Leben in die große Garage neben uns, und die gesammelte Fahrzeugflotte des Schneeräumdienstes machte sich an die Arbeit. Gegen 5 Uhr klopfte es dann unsanft am Bus. Auf die unsererseits höfliche Frage ob wir hier wegfahren sollen, kam ein: "JAJA, muss weg. Musse Putze!" Ok, also auf den nächsten Parkplatz bei der örtlichen Tankstelle. Auch hier fand unsere Nachtruhe gegen 6 Uhr ihr Ende da sich die Schneeräumfahrzeug bis dorthin durchgearbeitet hatten. Unser Frühstück begutachteten dann auch anschließend ca. 50 Schüler einer italienischen Reisegruppe. Jetzt wissen wir, wie sich Tiere im Zoo fühlen.
Immerhin hatte die frühe Aufwachaktion ein Gutes: Bluebird und einiges an Neuschnee hatte sich die letzten Tage hier angesammelt. Viel zum Gebiet gibt?s nicht zu erzählen, ein wenig mehr Neigung würde ihm sicher gut tun ;-)
Dennoch hatten wir mit ca. 60 cm Neuschnee und Kaiserwetter einen der besten Tage der Saison. Die Bilder dürften dies unterstreichen.
Nach diesem anstrengenden Tag beschlossen wir, auf dem Parkplatz stehen zu bleiben und zu warten, wo sich die Schneefall- und Wolkengrenze einpendeln wird.
Beides war am kommenden Mittwochmorgen nicht zu unserer Zufriedenheit und wir entschieden uns für einen gemütlichen Frühlingstag in der südlichsten Stadt der Schweiz: Lugano. Bei ca. 20° war der Stadtbummel mit anschließender Fahrt zum größten Schweizer Outlet-Center in Mendrisio sehr angenehm. Die Entscheidung den Sommer wieder zu verlassen fiel schwer; die Destination für Donnerstag (Andermatt) sollte aber schließlich Entschädigung genug bieten...

Donnerstag – 13. März

Sehr früh in Andermatt angekommen, fiel die Stimmung auf den Nullpunkt dank der dichten Bewölkung im Ort. Der LLB gab Regen bis ca. 2200 Meter vor und starke Bewölkung ohne weiteren Niederschlag. Auch kein WLan fand sich in dem Kaff... zur Verwunderung funktionierte aber der DVB-T Empfang – und glücklicherweise kamen im CH-Fernsehen auch gleich die aktuellen Webcam-Bilder im Überblick. Zunächst eine Enttäuschung, da in St. Moritz wohl bestes Wetter und Neuschnee herrschte, kaum schwenkte das Bild aber auf Andermatt gingen die Mundwinkel blitzartig nach oben, die Augen fingen an zu glitzern, die Frühstücksreste wurden hektisch zusammengeräumt und schnellstmöglich der Parkplatz der Gemsstockbahn angesteuert.
Oben erwarteten uns 20 cm Neuschnee und wieder perfekte Sicht. Ein paar Runs später sah man aber recht schnell, dass mal wieder halb Skandinavien am Berg war. Nicht dass ich persönlich was gegen diese Spezies Mensch habe, aber das allgemeine Verhalten dieser Personen am Berg ist echt unter aller Sau. Im Lift wird gedrängelt ohne Ende (man könnte ja was verpassen), und die Hänge werden immer schön in Gruppen gleichzeitig befahren. Anscheinend hilft ihnen dieses Verhalten die Angst vor alpinen Gefahren zu unterdrücken... wenn man selbst aber im gleichen Hang steht und lieber die richtige Art des Risikomanagements bevorzugt, findet man dieses Verhalten nicht sonderlich witzig.

Nach einigen Runs an der "Bernhard Russi"-Abfahrt versuchten wir noch eine Runde das Felsental. Oben Top-Bedingungen und sehr wenige Spuren, unten in den Sträuchern aber dank Regen irgendwo zwischen mies und supermies.

Da uns die vielen Leute ins Guspis vor einer Abfahrt dorthin abschreckten, und auch die weiteren Varianten schon zerfahren bzw. unten raus zu schlecht waren, nahmen wir gegen 14 Uhr den Wind aus den Segeln und machten Feierabend.

 Nach einer weiteren Nacht mit Ungewissheit wo der nächste Skitag stattfinden sollte, entschieden wir uns morgens am 14.3 für Engelberg, da hier die starke Bewölkung unserer Meinung nach wohl am ehesten aufreißen könnte. Doch auch hier ließ die Auflockerung auf sich warten. Gegen Mittag zeigte die Webcam dann zwar bestes Wetter, jedoch blieb die Gipfelbahn zum Kleintitlis vorerst geschlossen. Wir entschieden uns erneut für den Heimweg, da noch dringende Diskussionen mit den deutschen Behörden bevorstanden. Leider sind wir 30 Minuten zu früh abgereist, denn direkt nach unserer Abfahrt ging wohl die Gipfelbahn auf und feinster unzerfahrener Powder ohne Konkurrenz wartet auf die wenigen die sich dort nach oben verirrten. Unverhofft kommt eben oft.