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Freeride Roadtrip [Teil I]

Freeride Roadtrip - Ein einmonatiger Roadtrip

31.10.2008

Ein einmonatiger Roadtrip quer durch die Alpen im März – immer auf der Suche nach dem besten Schnee! Wird dieser Traum nach dem furiosen Saisonstart im Frühwinter aber unergiebigen Monaten Januar und Februar wirklich zur Realität?

Je näher der Starttermin rückte…

Je näher der 1. März, mein geplanter Starttermin rückte, desto nervöser wurden die Wettervorhersagen begutachtet und jedes Fünkchen Hoffnung für einen niederschlagsreichen Beginn nach den zwei trockenen und warmen Monaten wurde gesucht.

Ende Februar war es dann soweit: die sommerlichen Temperaturen wichen einer starken Tendenz hin zu Niederschlag in den Alpen. Voller Vorfreude machte ich mich nach allerlei Vorbereitungen für mein Gefährt, Ausrüstung und Verpflegung auf den Weg zum Arlberg, da dort der meiste Niederschlag erwartet wurde.

Der Niederschlag kam auch in den Mengen wie ich sie mir erhoffte, doch leider regnete es bis in hohe Lagen. Die somit vollends durchfeuchtete Schneedecke (sofern denn überhaupt noch eine vorhanden war), in Verbindung mit den schlechten weiteren Wetteraussichten ließen mich vorerst völlig gefrustet den Heimweg antreten. Ein Fehlstart wie er nicht schlechter hätte sein können.

Das erste Frustsaufen halbwegs überlebt, schienen die Wetterkarten mit sinkendem Alkoholgehalt im Blut immer attraktiver zu werden. Eine starke anhaltende Nordwestströmung und gleichzeitig ein Adriatief machten sich an, die Alpen reich zu beschenken. Also schnell in den Bus und ins Zentrum des NW-Niederschlags: Engelberg. Nach dem üblichen kurzen Aufenthalt am Schweizer Zoll nahm ich pünktlich die erste Gondel um 9.30 Uhr. Hier wurde mir schon klar, was die befreundeten Locals mit " viele Skandinavier in der Stadt" meinten. Kaum ein Ski unter 90mm Mittelbreite war am Berg zu sehen, auch die Verständigung der Leute fand fast ausschließlich in mir unverständlichen nordischen Sprachen statt. Der Hype "Freeski" hat wohl wirklich die Massen erreicht. Da der kommende Tag auch in den Medien als "der Tag der Saison für alle Tiefschneefreaks" vorausgesagt wurde, war es eine harte, aber richtige Entscheidung die 70cm Neuschnee, Sonnenschein und zehntausende Verrückte hinter mir zu lassen. Neues Ziel für die nächsten beiden Tage sollte der Arlberg werden, da sich die Massen hier besser verteilen und auch mit kurzen Hikes unverspurtes Terrain erreicht werden kann.

Nach einigen Telefonaten…

…waren auch gleich mehrere Mitfahrer gefunden, mit denen die 30 cm Neuschnee bei Sonnenschein geteilt werden konnten. Neben 3 Münchnern, die die Guide-Rolle übernahmen, waren noch Georg aus Wien und Claus aus der Kurpfalz mit dabei.

Die Guides haben ihre Sache prima gemacht und uns immer neue schöne Fleckchen gezeigt. Gegen Mittag musste Claus nach einem unglücklichen Sturz leider aufhören, und auch Patrick aus München sollte sich mit einer ausgerissenen Bindung bald zu ihm gesellen. Die Übriggebliebenen fanden gerade um 1600 Meter, knapp oberhalb von Stuben, noch die besten Bedingungen. Die 30cm waren hier kaum verblasen und die Altschneedecke war noch nicht wieder zugefroren, so dass die Runs über die Lawinenverbauungen nach Stuben runter richtig Spaß machten.
Wegen 17 Uhr verabschiedeten Georg und ich dann die Münchner und auch Claus, der keinen weiteren Skitag bei suboptimalen Bedingungen riskieren wollte.
Den Abend verbrachten wir im beschaulichen St. Anton. Der tägliche Wetter- und Lawinenlagecheck ging dank Hotspot im Ort erstaunlich schnell, und so konnten wir den Abend in unserer Kuschelhöhle bei einem Absacker gemütlich ausklingen lassen.
Am Freitagmorgen (7.3.) hieß es dann zunächst mal Pati aus Innsbruck am Bahnhof abzuholen. Voller Motivation gelang es ihm dann uns doch noch auf den Berg zu schleppen und einige nette Lines in Stuben und vom Albonagrat nach St.Christoph vorzustellen. Gegen Mittag ließen sich die anderen beiden tapferen Krieger von mir noch zu einem Abstecher auf den Schindlergrat überreden. Dass genau dort, direkt unter Lift noch die besten Lines unverspurt waren konnten wir erst glauben als wir sie von unten mit unseren Zeichen versehen hatten. Ein sehr netter Spielplatz, der uns in Zukunft mit Sicherheit wieder unter die Latten geraten wird! Ein Liftwart wollte uns bei der vierten und letzten Runde noch zu einer moderaten, ausgefahrenen Variante "überzeugen", schließlich hatten wir mit je 8m Stahlkante vs. 2 Bergschuhe doch die besseren Argumente auf unserer Seite.

Gegen 16 Uhr brachten wir dann Pati wieder zum Bahnhof zurück, damit er seine wichtigen Studienangelegenheiten weiter verfolgen kann. Der Powder zerpflügt sich auch ohne ihn...

Die Suche nach einer Destination

für das Wochenende gestaltete sich nun am zweiten Tag nach dem Schneefall schon nicht mehr ganz so leicht. Doch ein Telefonat mit einem netten Schweizer ob der Secret Spot am Samstag geöffnet haben sollte, brachte Klarheit: Ja, Samstag wird offen sein!

Leider können wir euch hier nicht berichten wo dieses Gebiet liegt, da der Liftchef uns Auswärtigen höchstpersönlich das Schweigegelübde ablegen ließ. Wir dürfen nur soviel verraten: Ja, es war die weite Reise wert, und: ja, es war der Hammer! Fluffiger Powder, nur ganz wenige Spuren, keine Konkurrenten, sondern nur Freunde und ein breites Grinsen am Berg.

Georg vermisste dort lediglich den Handyempfang und versuchte diesen durch einen Sprung in die Telefonleitung zu verbessern - nein Georg, so funktioniert das nicht.


Total erledigt vom vielen Powdern zogen wir uns schon gegen 14 Uhr wieder ins Tal zurück, und stießen mit einem Bier auf die gute Entscheidung an, diesen Ort zu wählen.

Abends gönnten wir uns dann im Hallenbad noch einige Tropfen Wasser, die nach vier Tagen Skifahren dringend nötig wurden.

Unser Nachtlager

schlugen wir in Beckenried auf, der Station für den kommenden Tag.

Da auch hier 4 Tage nach dem Schneefall alles in direkter Pistennähe zerfahren oder der Sonne bzw den Temperaturen zum Opfer gefallen war, fiel unsere Entscheidung auf einen ca. einstündigen Hike auf den Risetenstock. Wir befürchteten für die Abfahrt zwar suboptimale Bruchharschbedingungen, doch kaum waren wir vom Gipfel in unser zuvor besichtigtes Face abgerutscht, wurde es plötzlich fluffig weich unter unseren Planken. Die Vorfreude auch noch 2 Minuten schneller als eine 4er Snowboardgruppe gewesen zu sein war zusätzlicher Grund zum freudigen Eintauchen in das Face.
Geschätzte 60 Zuschauer an der Liftstation mit besten Blick auf das Face liessen sich das Spektakel nicht entgehen; Ich fuhr als erster und konnte meine zuvor besichtigte Line auch fast perfekt durchziehen - wäre da nicht die betonharte Landung nach dem Cliff gewesen. Glücklicherweise konnte ich aber nach einige Überschlägen gleich weiterfahren und Schorsch's Line digital festhalten. Auch die Zuschauer hatten ihren Spaß an Schorsch's Linie: "Da kommt noch einer....schön wie der da fährt....wieso fährt er da geradeaus auf den Felsen zu? da gehts doch nicht weiter....jetzt springt er...WAHNSINN, Das waren ja mindestens 20 Meter. Diese Verrückten!" (Anm.: es waren "nur" etwa 8-9 Meter).
Nach getaner Arbeit entschieden wir uns wegen der hohen Temperaturen gegen einen erneuten Hike und fuhren wieder gen Tal um unsere Klamotten mal ein wenig auszulüften und den Sonntag mal Sonntag sein zu lassen.

Schorsch stand schließlich auch noch eine weite Heimreise über Salzburg nach Wien bevor, inklusive dem üblichen kurzen Gastspiel beim Schweizer Zoll. Junge Männer mit langen, ungepflegten Haaren, müden Augen und großem Auto mit abgedunkelten Fenstern scheinen ins Fahndungsraster des Zolls zu fallen...