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Fragen an Jutta Römmelt, Leiterin von Mammut-Printmedia, zur derzeitigen Mammut-Werbekampagne

Mammut erhält GFM-Marketingpreis | Interview und Making-Of

07.01.2010

Der Schweizer Bergsportausrüster Mammut ist seit langem für seine innovativen Werbekampagnen bekannt. Die aktuellen Kampagnen inszenieren teils mehrere hundert Laienmodelle im außergewöhnlichen Setting in den Alpen. Jetzt hat Mammut für seine aktuelle Kampagne den renomierten Schweizer Marketingpreis erhalten.
PowderGuide hat bei Mammut nachgefragt, wie solche Ideen entstehen, wie derartige Massenkampagnen inszeniert werden und wie man die Sicherheit von 220 Freeridern, die auf einmal denselben Hang befahren, gewährleistet.

Jutta Römmelt, Leiterin der Abteilung Print-Media von Mammut, im PG-Interview

Mammut hat kürzlich für die aktuelle Werbekampagne (Abb. Bild + Gallery) den renommierten GFM-Preis der Schweizerischen Gesellschaft für Marketing erhalten. Wir haben deshalb bei Mammut nachgefragt, wie solche Kampagnen entstehen – von der Idee, bis zur fertigen Werbung.

 

PG: Hallo Jutta, du leitest bei Mammut den Bereich Print-Werbung, beschreibe bitte kurz, wie deine Tätigkeit aussieht.

 

Jutta: Mein Team und ich sind für die gesamten Printmedien, die Mammut herausgibt verantwortlich. Das heißt, sämtliche Flyer, das Dealerworkbook und sonstige Printmedien werden bei uns konzipiert. In Zusammenarbeit mit den verschiedenen Abteilungen bestimmen wir den Inhalt, organisieren die Produktion dieser Printmedien bis sie fix und fertig sind.

Bei der aktuellen Kampagne „Mammut Testevents“ haben wir eine Reihe von Aufgaben. Das geht vom Bildaufbau über die Auswahl der Shootinglocation, der Koordination von Fotograf und Agentur bis hin zum Sicherstellen der Making of Fotos und Filme. Nach dem Testevent machen wir eine Fotoauswahl, bringen die Geschichten rund um das Testwochenende zu Papier und feilen dann an Bildern und Flyern, bis wir alle mit dem Ergebnis zufrieden sind.

 

 

PG: Die Mammut-Kampagnen stechen immer wieder aus der typischen oft eher altmodischen Bergsportwerbung heraus, so zum Beispiel die 80jährige Everest-Anwärterin oder der Freerider, der sich mit den Rockern (aufgrund zu hohen Sicherheitsgefühls) anlegt. Wie kommt ihr auf diese Ideen und wie entstehen solche Kampagnen?

 

Jutta: Die Ideen der unterschiedlichen Kampagnen entstehen aus der Zusammenarbeit unserer Werbeagentur mit unserer internen Marketingabteilung.

PG: Die aktuelle Werbe-Kampagne sticht dadurch hervor, dass extrem viele Wintersportler auf einmal in ungewohnter Art und Weise inszeniert und abgebildet werden. Diese Darstellung ist total untypisch, da Bergsport ein Individualsport ist, der in kleinen Gruppen ausgeübt wird. Wie kamt ihr auf die Idee, z.B. 30 Bergführer auf den Felsberg „Kleines Kamel“ am Furkapass zu platzieren?

 

Jutta: Bei diesem Motiv standen letztendlich 30 Bergführer, Athleten und Mitarbeiter als Model vor der Linse von Röbi Bösch. Auf diesem Fels hätten keine weiteren Personen Platz gehabt. Robi Bösch hatte auch die Idee das Bild am Furkapass auf diesem sehr markanten Fels zu machen.

 

 

PG: Dann gibt es da noch die anderen Massen-Kampagnen-Fotos: Das Hochgebirgs-Sleep-in bewirbt eure Schlafsäcke, die vielen Wanderer in Unterwäsche eure neue Underwear-Kollektion und dann gibt es neben der Stirnlampenkampagne noch die Freerider, die alle zeitgleich denselben Hang befahren. Hierbei lasst ihr mehr als 200 Freerider zeitgleich denselben Hang befahren. Sind hierzu nicht immense Sicherheitsvorkehrungen notwendig?

 

Jutta: Sicherheit steht bei den Testevents an erster Stelle. Deshalb ist es auch korrekt, dass man nicht mit einer großen Masse an Leuten in den Bergen unterwegs sein sollte. Der Sicherheitsaspekt spielt bei der Planung und Konzeption der Shootings eine wichtige Rolle. In der aktuellen Kampagne haben wir zusammen mit der Bergschule Uri den Hang sehr sorgfältig ausgewählt. Er war weniger steil als 30° und wurde von den Experten als ungefährlich eingeschätzt. Bei jedem Shooting sind die Teilnehmer von zahlreichen Bergführern betreut und sind perfekt mit Sicherheitsequipment ausgestattet.

Wir wollen mit den Fotos auch keine reale Situation darstellen und raten dringend von der Nachahmung statt. Hier geht es ja um Werbeaufnahmen. Das ganze Shooting ist eine Inszenierung, mit der wir unser Highlight der Saison anhand von spektakulären und überraschenden Bildern in alpiner Umgebung darstellen.

PG: Als fotografierender Freerider weiß man, wie aufwändig es ist, ein gutes Bild zu machen. Wie oft musstet ihr die Wintersportler den Hang abfahren lassen, bis die Aufnahme zufrieden stellend fertig im Kasten war?

 

Jutta: Röbi hat nur zwei Anläufe gebraucht, bis das Foto im Kasten war. Das hört sich allerdings einfacher an, als es war. Allein bis alle Teilnehmer am Hang angekommen und in Dreiecksformation aufgestellt waren hat es zwei bis drei Stunden gedauert. Da an diesem Tag die Sonne nicht so recht scheinen wollte mussten wir insgesamt sicher über eine Stunde auf gutes Licht warten. Alles in allem dauert so ein Shooting einen ganzen Tag.

 

 

PG: So eine Produktion ist ja ein enormer Aufwand. Wie lange dauert denn eine komplette Produktion einer solchen Kampagne?" Wie viele Leute sind daran beteiligt?

 

Jutta: Wir planen bereits seit vielen Wochen an den Kampagnen für den Winter 2010/11 und Sommer 2011. Im Frühjahr ist dann der Höhepunkt mit dem Testevent und dann muss ja noch alles fertig umgesetzt werden, damit die Anzeigen und Flyer bis im Herbst bereit sind.

An der gesamten Kampagne mit Event und allem drum und dran arbeiten zahlreiche Mitarbeiter aus der Marketingabteilung. Wir aus dem Printteam sind zu dritt, zwei Leute sorgen komplett für die Organisation inklusive Schlafmöglichkeiten, Essen, Unterhaltungsprogramm. Zwei Personen bereiten die ganze Geschichte für unser

Basecamp auf, über das sich die Teilnehmer übrigens aktuell für das Testevent im März anmelden können.

 

PG: Jutta, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten.