Suche

News
Anzeige

Die deutsche Freeride-Queen im Interview

Interview mit der Freeriderin Aline Bock

02.08.2009

Bei ihrer ersten Freeride World Tour-Teilnahme ist die deutsche Snowboarderin Aline Bock überraschend auf die zweite Stufe des Siegertreppchens gestiegen. PowderGuide sprach kurz vor dem Start der FWT 2010 mit der Vize-Freeride-Weltmeisterin über ihre Einstellung zum Freeriden und ihr persönliches Risiko-Management..

PowderGuide: Letztes Jahr hast du bei deiner ersten FWT-Teilnahme gleich das zweitoberste Treppchen erklommen. Was bedeutet der letztjährige Erfolg bei der Freeride World Tour für dich?
Aline Bock: Vorne weg: es hat mir riesigen Spaß gemacht mich mit den "weltbesten" Fahrerinnen zu messen. Dass es für mich gleich für den zweiten Platz in der Gesamtwertung gereicht hat, ist natürlich phänomenal. Damit hätte ich nie gerechnet.

PG: Du bist bei der FWT als mehr oder weniger Unbekannte direkt in die vorderste Reihe der Spitzenathletinnen vorgestoßen. Seit wann gehst du Freeriden?
Aline: Begonnen habe ich mit dem Freeriden eigentlich erst vor rund 4 bis 5 Jahren, davor war ich hauptsächlich im Park unterwegs. Damals bin ich immer mal wieder bei viel Neuschnee an den Arlberg oder auf die Nordkette gefahren, um im Powder einfach nur Spaß zu haben. Ich war aber schon immer leidenschaftlich gern im Backcountry und der Natur unterwegs.

PG: Wie kamst du nach dieser Erfahrung zu deinen ersten Contests?
Aline: Ich war die folgenden Jahre dann viel mit meinen Freunden rund um Innsbruck Freeriden. Irgendwann hat mich dann eine Freundin einfach mitgenommen und ist mit mir zum World Tour Qualifier in Schruns gefahren. Die perfekten Bedingungen dort mit schönem Powder, Sonnenschein und steilen Hängen haben haben mir so viel Freude bereitet, dass ich seitdem nicht mehr vom Contestfahren losgekommen bin (Anm. d. Red.: Aline hat den Contest in Schruns gewonnen und sich dadurch eine Wildcard für die FWT gesichert).

PG: Powder, Sonnenschein und nette Hänge sind sicher die Hauptzutaten für geniale Freeridetage – was aber hat dich am Contestfahren so begeistert?
Aline: Mir persönlich hat besonders der Aspekt gefallen, dass man sich mit anderen Fahrerinnen sportlich messen kann. Wo steht man selbst, im Vergleich zu anderen "guten" Fahrerinnen. Aber auch zu wissen, dass der Hang "safe" ist, man im Zweifel schnelle Hilfe erhält und dadurch ein ganz anderer Fahrstil möglich ist, machen sicherlich den Reiz den Contestfahrens aus. Aber auch die Tatsache, dass man für einen kurzen Augenblick im Mittelpunkt des Interesses steht, ist sicher ein wichtiger Punkt.

Aline's Sieg-Run in Sochi '09

<object width="640" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/zrDaYFzGpVU?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/zrDaYFzGpVU?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="385"></embed></object>

PG: Mittlerweile ist ja auch viel Geld bei den großen Freeridecontests zu verdienen. Was bedeutet der monetäre Faktor für dich?
Aline: Dass man mit dem Freeriden, der besten Freizeitbeschäftigung der Welt, auch noch seine Brötchen verdienen kann, ist doch das Tollste, was einem passieren kann. Klar, man wird nicht reich, aber man bekommt Unterstützung dafür, dass man seiner größten Leidenschaft nachgeht und die Welt bereisen kann und die besten Freeridegebiete kennenlernt. Das ist doch genial!

PG: Was zeichnet dich als Freeriderin bei Contests aus, oder anders formuliert: Was denkst du, was sind die Gründe dafür, das du derzeit so erfolgreich bist?
Aline: Ich denke, ich bringe einen etwas anderen Style mit in die Freeride-Contests. Durch meine langjährige Parkerfahrung war ich es schon immer gewohnt viel zu springen und Tricks zu machen. Vom Surfen und vom Freeriden im Wald mit Freunden habe ich mir eine spielerische Art das Gelände zu befahren, angewöhnt. Mir ist es nicht so wichtig die steilsten und gefährlichsten Linien zu fahren, ich versuche am Berg einfach meinen Spaß zu haben und baue gerne ein paar Sprünge ein oder spiele mit dem Gelände. Ich denke das unterscheidet mich wohl am stärksten von vielen Fahrerinnen.

PG: Wie sieht deine konditionelle Vorbereitung aus. Sieht man dich täglich im Kraftraum?
Aline: Als Sportstudentin weiß ich, dass ich nicht die Vorzeige-Hochleistungssportlerin bin. Klar gehe ich im Herbst in den Kraftraum, gehe Radeln, Joggen etc.. Meine meiste Energie, mental wie sicher auch körperlich, hole ich mir im Sommer beim Surfen, diesen Sommer waren ich insgesamt drei Monate am Meer. Den ganzen Tag paddeln, schwimmen und versuchen Wellen zu surfen, ist auch ganz schön anstrengend. Das gezielte Muskelaufbautraining gerade in den Beinen und zum Schutz der Gelenke muss ich natürlich rein präventiv auch durchziehen. Dabei versuche ich aber die Freude am Sport mit meiner Vorbereitung zu vereinen. Wenn ich mich mal ernsthaft verletzen sollte, könnte ich mir gut vorstellen auch mehr im Kraftraum zu sein. Bislang bin ich von ernsthaften Verletzungen aber glücklicherweise verschont geblieben.

PG: Praktizierst du mentales Training?
Aline: Ich versuche einfach nur Spaß zu haben. Wenn ich mich zu stark auf eine Sache fokussiere, werde ich zu nervös und mache mir zu viel Druck. Bei zu viel Druck geht für mich der Spaß an der Sache verloren. Am Vorabend eines Contests schaue ich mir natürlich schon die Bilder des Wettkampfhangs genau an und versuche meine genaue Linie zu visualisieren.

PG: Wie fühlst du dich wenn du dann letztendlich oben am Wettkampfhang stehst und noch nur noch wenige Minuten bis zu deinem Start sind?
Aline: Ich bin eigentlich relativ lässig und entspannt bis kurz vor dem Start. Etwa 30-60 Sekunden vor meinem Start kommt dann aber die Aufregung. Das Herz fängt stark an zu schlagen und das Adrenalin schießt durch meinen Körper. Diese Aufregung ist aber nichts Freeride-spezifisches, sondern eher wie vor einer typische Prüfungssituation z.B. in der Uni. Sobald ich dann den ersten Schwung in den Hang setze, ist die Aufregung wie weggeblasen.

PG: Beim Contestfahren fährst du als Athlet immer einen bestimmten Hang, der vorher durch allerlei Sicherheitsexperten bewertet wurde. Fühlst du dich damit nicht der Freiheit des Freeridens beraubt?
Aline: Nein, absolut nicht. Ich finde es super, dass wir als Athleten, gerade bei der FWT viele Experten haben, die die Hänge Wochen im Voraus beobachten und entscheiden, ob es geht oder nicht. Auch viele der erfahreneren Fahrer geben hier ihren Input mit ein. Klar ist es nicht die grenzenlose Freiheit wie bei einem Backcountry-Trip mit meinen Freunden.
Aber für mich als relative "Anfängerin" was Sicherheitsmanagement betrifft, genieße ich es, auch unter bestmöglichen Sicherheitsvorkehrungen richtig anspruchsvolles Gelände, das mich an mein körperliches Limit bringt, zu befahren. Beim Freeriden mit Freunden muss man doch immer etwas mit angezogener Handbremse fahren. Der Unterschied bei einem Freeridecontest zu starten oder mit Freunden fahren zu gehen, ist doch ziemlich groß. Beides hat seinen eigenen Reiz. Beide Möglichkeiten zu haben, finde ich einfach super.

PG: Aber beides bleibt risikoreich?
Aline: Ja, klar. Beide Spielarten sind auf ihre Art gefährlich und erfordern eine komplett verschiedene Herangehensweise. Beim Freeriden mit Freunden muss ich mich voll auf sie verlassen, habe aber dafür die Freiheit selbst zu entscheiden bzw. mitzuentscheiden.