Suche

News
Anzeige

Crash-Kurs: Freeride- und Powder-Vorbereitung im Internet [Teil I]

Online Powder Fahndung – per Web-Recherche den besten Powder finden

28.12.2009

Die perfekten Pulverschneetage sind nicht nur selten, sondern auch schwer vorherzusagen. Das erklärt jedoch nicht, weshalb manche Freerider das "Glück", die besten Tage zu erwischen, gepachtet zu haben scheinen, während andere immer zerfahrenen Schnee erwischen. Für perfekte Tage braucht man meist nichts weniger als die perfekte Mischung: ausreichend Neuschnee, eine vertretbare Lawinensituation, gute Sicht, wenig Betrieb, gutes Gelände usw.

Wer nicht kommt zur rechten Zeit, muss den Schnee fahren, der übrig bleibt!

Die meisten perfekten Tage kündigen sich vorab an – und alle Informationen findet man schnell, kostenlos und bequem im Internet, vorausgesetzt man weiß, wo und wie man suchen muss. Ähnlich wie beim 3x3-Schema zur Beurteilung der Lawinengefahr beginnt die Powder-Recherche mit den allgemeinen Informationen: Wetterprognose, Schnee- und Lawinenlagebericht. Mit Hilfe immer detaillierterer und kleinräumiger Informationen werden die in Frage kommenden Gebiete bzw. Touren immer stärker eingegrenzt.

Hier stellen wir euch ein Prognose-Schema vor, das helfen kann, sich im Internet-Datendschungel zurechtzufinden. Die meisten guten Freeride-Tage können mit Hilfe dieses Schemas erkannt werden, manche bleiben auch weiterhin Glückssache. Dann ist pokern angesagt – und alle Prognosen beinhalten eine Irrtumswahrscheinlichkeit, denn alles kann anders kommen.

"Wer besser plant, irrt genauer!" Werner Munter

1. GROB-PROGNOSE WETTERMODELLE UND WETTERVORHERSAGEN

Wettervorhersagen prognostizieren die Wetterentwicklung der nächsten Tage. Bei stabilen Hochdrucklagen kann die Vorhersage für eine Frist von mehreren Tagen präzise zutreffen. Bei schwer zu beurteilenden Lagen sind die lokale Wettersituation und die Neuschneemenge oft sehr schwer vorhersagbar und die Ungenauigkeit des Wetterberichts ist dann häufig sehr groß. Dank der veröffentlichten Prognosen oder Wetterkarten weiß man bereits, welche Gebiete von Niederschlag oder Sonne heimgesucht werden. Die meisten Wettermodelle stehen Internetnutzern kostenfrei zur Verfügung, z. B. unter wetterzentrale.de oder meteoblue.com. Auf den Wetterkarten sind die Niederschlagsmengen, die Wind- und Druckverhältnisse sowie die Temperaturen und die Bewölkungsvorhersagen angegeben. Wer sich die zeitaufwändige Karteninterpretation sparen will, kann die interpretierten Daten dieser Modelle bei vielen Wetterdiensten als Wetterbericht nachlesen. Dass die Wettervorhersagen dabei manchmal stark voneinander abweichen, hat damit zu tun, dass die unterschiedlichen Wettermodelle unterschiedliche Ergebnisse liefern. Besonderes Augenmerk beim Vergleichen der Wetterberichte sollte dann den Widersprüchen gelten. Auch muss die Auflösung der unterschiedlichen Wettermodelle beachtet werden. Manche behandeln die Alpen als kleine Bergkette mit einer durchschnittlichen Höhe von 2000 m – ohne die Täler und Gipfel weiter zu berücksichtigen. Für grobe Prognosen für sehr große Gebiete mag das ausreichen, für einen zuverlässigen Alpinwetterbericht natürlich nicht. Je stärker das Relief eines Gebiets gegliedert ist, umso kleinräumiger und detaillierter muss auch der Wetterbericht sein, um den geländebedingten Besonderheiten gerecht zu werden. Einige Bergwetterberichte wie der PowderGuide-Wetterservice oder Meteoschweiz werden auf der Basis sehr detaillierter Modelle erstellt, weshalb ihre Vorhersagen sehr zuverlässig sind.

 

DIE NEUSCHNEEPROGNOSE

Die Neuschneeprognose ist eines der wichtigsten Planungsinstrumente für Freerider. Die Vorhersagen liefern Informationen über die zu erwartende Neuschneemenge für einen bestimmten Zeitraum. Diese Prognosen werden meist täglich oder sogar mehrmals am Tag aktualisiert. Die Zuverlässigkeit steht und fällt mit der Auflösung der Wettermodelle. Manche Besonderheiten lassen sich kaum prognostizieren: In extremen Staulagen kann manchmal die doppelte Neuschneemenge der prognostizierten Werte erreicht werden, besonders geschützte Lee-Lagen gehen dagegen manchmal fast leer aus. Dennoch sind Neuschneeprognosen ein hervorragendes Tool, um einen groben Überblick über die erwarteten Neuschneemengen für ein großes Gebiet zu erhalten. Eine hochauflösende und zuverlässige Neuschneeprognose findet ihr unter PowderGuide - Neuschneeprognose. Eine Neuschneeprognose für alle Gebirge weltweit (mit stark schwankender Zuverlässigkeit) bietet snow-forecast.com

 

NIEDERSCHLAGSRADAR

Auf Bergen installierte Niederschlagsradare zeigen die Intensität des Niederschlags zu einem bestimmten Zeitpunkt in verschiedenen Farben an. Jedoch lassen sich in den veröffentlichten Radarbildern und -filmen Regen, Hagel oder Schnee nicht unterscheiden. Auch können die Radare vom Gelände beeinträchtigt werden, sodass in den Alpen (noch) keine zuverlässige Gesamtabdeckung gewährleistet ist. Die Radarbilder und vor allem die Radarfilme zeigen neben der Intensität auch die Zugrichtung von Niederschlagszellen an. Für eine Powder-Prognose sind sie daher ein wichtiges Hilfsmittel.

NIEDERSCHLAGSRADARE:


- Vorarlberg: Landeswarnzentrale – Wetterradar Valluga (Arlberg)
- Schweiz: Meteoschweiz
- Südtirol/Trentino: Hydrografisches Amt Bozen
- Frankreich: Meteogroup
- Europa: MeteoX

 

GOOGLE EARTH, GOOGLE MAPS UND DIGITALE KARTEN

Ein relativ neues Angebot mit ständig zunehmenden Möglichkeiten sind die Google-Dienste Earth und Maps. Google Maps bieten grobe topografische Karten mit schneller Navigationsmöglichkeit für fast jedes Gebiet der Welt und eignen sich besonders zur Suche von Ortschaften und Reiserouten. Google Earth bietet meist sehr gute Luftbilder, in denen das Gelände, aber auch Skilifte, Hütten und Pisten erkennbar sind. Über neue Touren und Abfahrten in bisher unbekanntem Gelände kann sich der Benutzer mit Hilfe dieser Bilder einen Überblick verschaffen. Ergänzt wird der Eindruck durch jede Menge Bilder, Videos, GPS-Daten und sonstigen Angaben, die von anderen Nutzern oder Dienstleistern verlinkt werden. Beispielsweise können per Mouseklick alle Liftanlagen der Schweiz anzeigt werden.

 

Trotz dieser vielfältigen Möglichkeiten ist Vorsicht geboten. Immer wieder kommt es vor, dass Höhen- oder Ortsangaben verrutscht oder auch schlichtweg falsch sind. Ist man sich unsicher, ist ein Gegenchecken mit Hilfe der bewährten analogen Karte auf Papier sinnvoll.

 

Topografische Karten in großem Maßstab sind unverzichtbar bei der Orientierung am Berg, doch schlechtes Wetter und Wind können den Benutzer von Papierkarten im Gelände zur Verzweiflung bringen. Daher gibt es die Karten oft auch als digitale Ausgaben. Bei manchen digitalen Karten ist die Steilheit der Hänge dank unterschiedlicher Einfärbung ablesbar. Sie eignen sich zum Ausdrucken und für die Vorbereitung zu Hause. Voll digitalisierte Karten bieten zusätzliche Möglichkeiten: z. B. das Erstellen von Routen, die auf GPS-Geräten gespeichert werden können. Die Navigation wird hierdurch erheblich vereinfacht. Die digitalen Karten sind teilweise kostenlos auch in großem Maßstab bei Vermessungsämtern oder etwa beim Schweizer Alpenclub erhältlich: Diese ermöglichen freie Navigation in der gesamten Schweiz. Der Maßstab kann gewechselt werden, Skirouten sind eingezeichnet und Tourenempfehlungen sowie Gehzeiten zu den Alpenclub-Hütten sind integriert.

 

- Schweiz (und Liechtenstein): Bundesamt für Landestopographie oder Schweizer Alpen-Club

- Deutschland: Bayern-Viewer unter vermessung.bayern.de oder geodaten.bayern.de

- Österreich: Geodatenportal der österreichischen Länder geoland.at bietet großformatige Karten und zusätzlich Luftbilder. Das Tiroler Rauminformationssystem (Tiris) bietet sehr gute Karten, Luftbilder und Spezialinformationen für Wintersportler wie Hangneiungs- und -expositionskarten.

- Italien: Portale Cartografico Nazionale (benötigt kostenfreies Plug-in; nur auf Italienisch und Spanisch)

- Frankreich: IGN (Institut Geographique National) (teilweise auf Deutsch)

- Slowenien: Geodetski institut Slovenije (teilweise auf Englisch)