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Brett und Skipflege: Ausbessern, Schleifen, Wachsen

Service-Manual – Board- und Ski-Pflege

26.11.2008

Jede Saison das Selbe? Wahrscheinlich tragt ihr eure Ski oder die Snowboards voller Vorfreude aus dem dunklen Keller ans Tageslicht. Oh je: Die Kanten sind leicht verrostet und der Belag zeigt helle Stellen. Hier und da reichen sogar tiefe Wunden bis in den Kern eures Schatzes. Um es für die Anforderungen verschiedenster Bedingungen zu wappnen, das heißt die Bretter optimal fahrbar zu machen, hilft nur eines: in die Hände spucken und an die Arbeit!

Glückwunsch!, ihr habt euch entschieden - jetzt gibt's kein zurück mehr. Mit ein wenig Liebe wird aus der angezogenen Handbremse ein Rennwagen. Ein kleiner Tipp: Nehmt euch die Zeit - es lohnt sich.

Wenn ihr jedoch Zweifel habt, dann sollten die Brett vielleicht zum Service. Dort wird eine sehr gute Basis gelegt, d.h. der Belag wird abgeschliffen und die Kanten werden überholt - also die perfekte Grundlage für die hoffentlich gut werdende Saison.

Warum überhaupt wachsen?

Selbst wer zum ersten Mal auf Snowboard oder Ski steht, – mit gut gewachstem Material wird man besser, sicherer, schneller und mit weniger Kraftaufwand zum Könner. Nicht zuletzt wird durch das Wachsen der Belag geschützt und dadurch die Lebensdauer beträchtlich erhöht. Durch die beim Gleiten entstehende Reibung werden Schneekristalle durch die entstehende Wärme an den Kontaktpunkten partiell leicht angeschmolzen. Es entsteht ein Schmiereffekt zwischen Brett(ern) und Schnee. Dieser lässt euch gleiten. Bedeutet demnach, dass der Reibung die zentrale Rolle zukommt. Beim Wachsen unterscheidet man prinzipiell zwischen Kalt- und Heißwachsen.

Kaltwachsen

Kaltwachsen ist die schnellere und einfachere Möglichkeit. Hier ist aber eine gute Vorpflege wie z.B. nach einem Service von Vorteil. Das Wachs wird in flüssiger Form oder als Paste auf den Belag aufgetragen und später wird die Base mit einem Tuch nur noch von Nose bis zum Tail poliert. Diese Variante bietet sich vor spontanen Trips an.

Heißwachsen

Heißwachsen ist zwar aufwendiger, jedoch hält die Wirkung viel länger an und ist einfach die beste Möglichkeit, euren Brettern die wahre Zuneigung zu zeigen und alles rauszuholen... Das Rundum-Sorglos-Paket!

Die richtige Wachswahl

Anhand folgender Parameter lässt sich zusammen mit der Wachstabelle das richtige Wachs und die Wachshärte bestimmen.

 

Schneetemperatur: Hardcore-Perfektionisten können mit einem Schneethermometer die Schneeoberflächentemperatur genau bestimmen. Dieser Parameter ist für die Wachswahl sehr wichtig. Die Schneetemperatur an der Oberfläche (Thermometer nicht zu tief in den Schnee stecken) und im Schatten messen.

Schneeart: Durch die Wettereinflüsse ist der Schnee von der Entstehung bis zum Schmelzen in ständiger Umwandlung. Nach der Ermittlung der Temperatur könnt ihr anhand dieser Grafik, die auf der Packung abgebildet ist, das richtige Wachs wählen. Beachtet, dass hierbei meist die Schneetemperaturen angegeben werden, da sie ein zuverlässigerer Parameter sind, als die Lufttemperatur.

Einkaufsliste

- Wachsentferner

- Bügeleisen

- Wachs (entweder Spezial- oder Allroundwachs)

- Eine Abziehklinge (Metall oder Kunststoff)

- Einen Kantenschleifer und einen Bimsstein (Tipp: Eine große hochwertige Karosseriefeile kaufen, die hält ewig!)

- P-Tex Ausbesserungsmaterial

- Strukturbürste

- Feuerzeug, ein paar Tücher und eine rutschfeste Unterlage

Kleine Schneekunde

Neuschnee: Bei tiefen Temperaturen erzeugen die Spitzen und Kanten von Neuschnee an der Belagsoberfläche sehr viel Reibung. Bei Temperaturen um 0°C verlieren die Kristalle schnell ihre Formen, diese halbabgebauten Schneekristalle führen zu einer großen Kontaktfläche zwischen Ski und Schnee und erhöhen ebenfalls die bremsende Reibung.

 

Altschnee: Ungefähr 48 Stunden nach dem Schneefall spricht man von Altschnee – man unterscheidet dabei zwischen großen und kleinen Kristallen. Die kleinen Kristalle weisen eine höhere Dichte auf und somit eine größere Kontaktfläche – mit höherer Reibung. Im Allgemeinen ist Altschnee runder als Neuschneekristalle und dadurch auch weniger abriebstark.

Nassschnee: Werden Schneekristalle auf 0 Grad erwärmt, beginnen sie zu schmelzen. Das dadurch – aber auch durch Niederschlag – entstehende Wasser bildet eine größere Kontaktfläche zwischen Brett und Schnee und erhöht somit die Reibung (Sogeffekt).

Kunstschnee: Im Gegensatz zu Naturschnee gefrieren die Kristalle von Kunstschnee von außen nach innen. Oft ist bei frischen Schneekristallen noch nicht alles Wasser gefroren, gefriert es jedoch fertig, brechen Kristalle auseinander, wobei sich scharfe Kanten bilden. Da die Kristalle ca. 10 mal kleiner als Naturschneekristalle sind, wird auf den Pisten in kurzer Zeit eine hohe Dichte erreicht. Hohe Dichte bedeutet aber auch große Kontaktfläche – und in Kombination mit scharfen Kristallformen viel Reibung.

In wenigen Schritten zum Speed-Freak!

Zuerst muss der Belag gereinigt werden. Hierfür benötigt ihr den angesprochenen flüssigen Wachsentferner und ein Tuch. Diesen gibt es sowohl als Flüssigkeit oder zum Aufsprühen. Sollte eigentlich kein Problem darstellen. Ihr werdet sehen, selbst Unreinheiten von der letzten Grassausfahrt verschwinden?

Nun sind die tiefen Wunden im Belag dran. Wenn ihr den Service in Anspruch genommen habt, könnt ihr euch freuen - Arbeit erledigt. Wenn nicht, ist nun der P-Tex an der Reihe. Erst mal erhitzt, tropft das mittlerweile flüssige Material in die Fugen. Ihr solltet generell bei Zimmertemperatur arbeiten. Bei der Belagausbesserung ist es zudem wichtig, den Belag um den Kratzer etwas zu erwärmen. So können sich die Materialien besser verbinden. Um keinen rußigen Flickenteppich anstelle der stylishen Grafik vorzufinden, solltet ihr auf möglichst wenig Luftzug achten, so dass sich kein Ruß bilden kann. Wenn das Ganze wieder hart ist, nimmt man eine Abziehklinge (hier ist eine Metallklinge von Vorteil), ebnet die Fläche ab, perfektioniert das Ergebnis mit Schleifpapier und der zweite Schritt der Tuning-Operation ist im Kasten.

Teil 3 wird jetzt was für Spezialisten, denn die Kanten sind an der Reihe. Am Kanten-Schleifer müssen die Grade stimmen, Freestyler nehmen eher 90, die Carver nur 87 und Anfänger finden sich in der Mitte wieder. Nun den Schleifer an der Unterseite ansetzten und mit gleichmäßigem Druck von Nose in Richtung Tail ziehen. Selbiges an der Sidewall wiederholen. Die Kanten nun mit einem Bimsstein vorne und hinten auf eine Länge von jeweils 5 bis 10 cm brechen (dadurch wird ein Verschneiden verhindert).

Nun geht es auf die Zielgerade

Step Nummer 4 ist das Wachsen. Schnapp dir ein Bügeleisen, erhitze es nicht zu stark, damit das Wachs nicht (ver-)dampft. Dann den Wachsblock für die entsprechende Schneetemperatur – oder Allroundwachs – an das Eisen halten, die Tropfen gleichmäßig auf dem Belag verteilen und glatt bügeln.

Hier solltet ihr möglichst nicht auf einer Stelle verharren, es könnte dem Belag nachhaltig schaden... Wenn ihr nicht sicher seid, nehmt Allroundwachs. Das ist absolut okay und eignet sich für ein sehr breites Spektrum. Jetzt heisst es warten - je länger, desto besser!

Entfernt in Schritt 5 das überschüssige Wachs. Mit einer Abziehklinge arbeitet ihr auch hier von der Nose zum Tail. Geht in verschiedenen Stufen vor, d.h. nehmt zuerst eine breitere Klinge und später für die Feinheiten ein Kleinere für mehr Druck. Wiederholt dies einige Male. Schritt Nummer 6 ist die Struktur, welche die Wellnesskur abschließt. Hierfür nimmt man eine Strukturbürste und bürstet damit den Belag wieder aus, um die Struktur des Belages freizulegen. Zum Schluss poliert nochmal den Belag mit einem Poliertuch. Ihr wisst schon - fürs Auge oder den Ziehweg...

Belagstruktur

Beim Gleiten des Belags auf dem Schnee bilden sich an den Kontaktpunkten zwischen Belag und Schnee kleine Wassertröpfchen. Wird dabei die Kontaktfläche zu groß, erhöht sich die Reibung – ein Wasserfilm mit zu hoher Sogwirkung entsteht. Natürlich ist es auch bei zu kleiner Kontaktfläche und kleiner Reibung schwierig, den gewünschten Schmiereffekt zu erzielen. Abhilfe schaffen hier die Belagsstrukturen. Sie schaffen eine perfekte Kontaktfläche und optimieren die Reibungskräfte. Die Auswahlkriterien: Bei tiefen Temperaturen und feinkristallinem Schnee wird eine feine Struktur gewählt. Wärmere Temperaturen, grobkörniger Schnee und Nassschnee erfordern gröbere Strukturen. Also, viel Spaß und wachst über euch hinaus...

Text: Sebi Knauff