Suche

Events
Anzeige

PowderGuide-Abschlusstreffen 2017 | Stuibenhütte

Grandioses Abschluss-Wochenende einer nicht so grandiosen Wintersaison

07.04.2017

Jedes Jahr lädt PowderGuide am Ende der Saison als Dankeschön alle Autoren, ConditionsReporter, Tester, Schneestöberer, PowderAlarmer - also die große PG-Community - für ein Wochenende in die Berge ein. Dabei geht es nicht nur, wenn auch hauptsächlich, um das gesellige Miteinander, sondern auch um den Austausch und die Diskussion, sowie das Revue passieren lassen der Saison mit allen Themen um das Freeriden und Skitourengehen - und natürlich das Draußen sein im Schnee. Am Samstag ist es Tradition einen oder mehrere Workshop anzubieten - in diesem Winter konnte PowderGuide dafür den Schneestöberer Lukas Ruetz, Lorenzo Rieg und Fabiano Monti und Walter Steinkogler von ALPsolut gewinnen. Eingeladen wurde dieses Mal auf die urgemütliche Stuibenhütte, wunderschön unterhalb der Alpspitze gelegen.

Sonnenaufgang über Karwendel und Wetterstein. add_circle
JW
Stuibensonnenaufgang
terrainStuibenhütte
Sonnenaufgang über Karwendel und Wetterstein.

Jedes Jahr lädt PowderGuide am Ende der Saison als Dankeschön alle Autoren, ConditionsReporter, Tester, Schneestöberer, PowderAlarmer - also die große PG-Community - für ein Wochenende in die Berge ein. Dabei geht es nicht nur, wenn auch hauptsächlich, um das gesellige Miteinander, sondern auch um den Austausch und die Diskussion, sowie das Revue passieren lassen der Saison mit allen Themen um das Freeriden und Skitourengehen - und natürlich das Draußen sein im Schnee. Am Samstag ist es Tradition einen oder mehrere Workshop anzubieten - in diesem Winter konnte PowderGuide dafür den Schneestöberer Lukas Ruetz, Lorenzo Rieg und Fabiano Monti und Walter Steinkogler von ALPsolut gewinnen. Eingeladen wurde dieses Mal auf die urgemütliche Stuibenhütte, wunderschön unterhalb der Alpspitze gelegen.

Eine Selbstversorgerhütte mit Zustieg per Ski bzw. zu Fuß stellt immer eine Herausforderung für die Organisatoren dar - in diesem Winter gab es noch ein paar Sonderaufgaben. Das Essen auf Kraxen umladen und mit reichlich Rückenlage durch Tourengelände abfahren, weil die Piste nicht mehr befahrbar ist. Zusätzlich noch ein paar Liter Wasser hochschleppen, da die Wasserleitung der Hütte seit Dezember zum ersten Mal seit über 50 Jahren eingefroren ist. Außerdem noch die Ski buckeln, weil kein Schnee auf dem Großteil des Zustiegwegs liegt. Das waren nur drei der Schwierigkeiten, die sich den Teilnehmern und Organisatoren stellten. Nichtsdestotrotz wagten es einige, so spät am Parkplatz zu erscheinen, dass die letzte Bahn nicht mehr warten konnte. Respekt an diese Gruppe, die sich in der Dämmerung auf einen fünfstündigen Marsch machte, um die 1000 Höhenmeter zu bezwingen. Dafür gab es bei der Ankunft eine richtig große Portion Chili und ein kühles Bier!

Ankommen am Freitag und Workshops am Samstag

Der Freitag war geprägt vom freudigen Wiedersehen altbekannter Gesichter und vielen Geschichten über das Erlebte des zurückliegenden Winters. Und von viel Sonne und frühlingshaften Temperaturen - für einige zu viel - und dem gemütlichem Einstimmen auf das Wochenende. Ein paar Ballsportbegeisterte kümmerten sich sogleich darum, die Biertische, die vor der Hütte standen, in eine Tischtennisplatte umzufunktionieren. Das sollte der zentrale Anzugspunkt werden, welcher Samstagnacht im Stirnlampen-Flutlicht-Rundlauf gipfelte - aber dazu später mehr. Samstag früh brachen ein paar Motivierte auf, um den Gipfel der Alpspitze über die Ostflanke zu bewältigen. Ansonsten waren verschiedene Workshops geplant: Lorenzo zeigte Interessierten - auf der berühmten Vier-Gipfel-Tour (Stuibenspitz, Stuibenkopf, Mauerschartenkopf, Gaifkopf) - was es zu beachten gilt beim Fotografieren im Schnee; Fabiano und Walter kamen extra aus Livigno und Innsbruck, um auf spezielle Themen bei der LVS-Suche einzugehen; und PowderGuide konnte das Schneegestöber Lukas Ruetz für eine ausgiebige Betrachtung eines Schneeprofils - neumodisch als Schneestöbern bezeichnet - gewinnen. Letzterer machte sich schon am Morgen mit der kompletten Gruppe auf ins Grießkar, um den Workshop mit einer schönen Frühjahresskitour zu kombinieren.

Anzeige
Anzeige
Die Schneestöberer haben im Nordhang des Grießkar noch genug Schnee für das Schneeprofil gefunden - und perfekten Firn für die Abfahrt. add_circle
Schneegestöber
Schneestöber-Workshop
terrainGrießkar
Die Schneestöberer haben im Nordhang des Grießkar noch genug Schnee für das Schneeprofil gefunden - und perfekten Firn für die Abfahrt.

Schneestöbern mit dem Schneegestöber itself

Anbei eine kurze Beschreibung des Workshop vom Schneestöbern vom Schneegestöber selbst: Unter dem Motto “Was bringt’s mir selbst, sporadisch ein Schneeprofil zu graben?” schnupperten wir an der Alpspitze – eingebettet in eine traumhafte Firnabfahrt – in die Grundzüge des Profilierens hinein. Dabei konnten wir wichtige Fragen wie Standort der Profilaufnahme, grundlegende Parameter der Schichten und die wichtigsten Basics zu den Profil-relevanten Schneearten klären. In einem steilen Nordhang unterhalb der Grießkarscharte haben wir noch die bodennahen Schwachschichten vom Frühwinter mit eindeutiger Abgrenzung zwischen der Dezember-Schönwetter-Periode und der Jänner-Kältephase erspäht. Hier konnte man die Auswirkungen der aufbauenden Umwandlung anhand des Übergangs von glasigen zu reinweißen Schichten erkennen und vor allem aufgrund deren Körnung und Struktur ertasten. Darüber lagerte Schnee, der von abbauender oder Schmelzumwandlung geprägt war. Somit konnten wir bei einem einzigen Profil alle grundlegenden Prozesse der Schneeumwandlung kennenlernen. 

Der Workshop war aber nicht nur geprägt vom Teil “work”, dem Schneeschaufeln durch die Teilnehmer, sondern auch vom “shop”, also wo man ein Schneebesteck besorgen kann. Bis in die 90er als repräsentativ verwendet und gelehrt, hat sich das Schneeprofilgraben zu einer unnötig angesehenen Tätigkeit gewandelt. Nun erfährt es wieder Aufwind für Verständnis und Einfühlvermögen in den Schnee - vom ehemaligen repräsentativen zum demonstrativen Zweck also. Als Quintessenz bleibt: Eine exakte Schneeprofilaufnahme erfordert richtig verknüpftes Wissen und viel Erfahrung und ist nur wenigen möglich  – dennoch hilft dann und wann ein Blick in die Schneedecke mit einem Stabiliätstest immens viel für das Verständnis des Lageberichts und damit bei der eigenen Tourenaktivität.

LVS-Workshop mit Fabiano und Walter von ALPsolut

Seit letztem Winter arbeitet PowderGuide u.a. beim ConditionsReport mit ALPsolut zusammen und konnte für das Abschlusstreffen Fabiano Monti und Walter Steinkogler als Vortragende gewinnen. ALPsolut ist ein Zusammenschluss aus skifahrenden Wissenschaftlern, die ihr Wissen in Lawinenkunde in Kursen, Konferenzen und Diskussionen beim PG-Abschlusstreffen weitergeben. Außerdem kümmern sie sich als Start-up-Unternehmen um die Lawinenvorhersage in Livigno und bieten anderen Produkte zum Thema Schnee an. Da Fabiano und Walter leider erst am Morgen aus Livigno anreisen konnten, wurde ihr Workshop ab frühem Nachmittag direkt vor der Hütte durchgeführt. Die beiden verzichteten trotz der extremen Schneelage darauf, die LVS im Matsch zu vergraben, konnten aber nichtsdestotrotz eindrücklich zeigen, wie sich die Reichweite der verschiedenen Geräte durch die verwendete Prozesserleistung bei Markierung von mehreren Verschütteten verändert. Nach dem ersten Markieren halbierte sich bei einigen Geräten die Reichweite bis zum nächsten Signal - andere verloren nur ca. ein Drittel der Reichweite. Nach dem zweiten Markieren fiel dann nochmals ein Drittel weg. Bei der anschließenden Diskussion wurde schnell klar, dass die empfohlenen Suchstreifenbreiten (40-50 m) je nach Gerät nur für ein Signal in guter Koppellage ausreichen. Bei schlechter Koppellage und aktivierter Markierfunktion (erster Verschütteter gefunden und markiert, dann suche nach zweitem), sollte mit deutlich geringeren Suchstreifenbreiten gearbeitet werden. Eingehend und eindrücklich untersucht wurde auch der Einfluss von elektronischen Geräten in der Nähe des LVS - sowohl beim Suchen, als auch beim Senden. Aktuelle Empfehlung: Beim Suchen sollten keine elektronischen Geräten näher als 50 cm am Gerät sein, beim Senden möglichst sogar nicht näher als 20 cm.

Bei der weiteren Diskussion ging es dann um die Definition von Risiko (Wahrscheinlichkeit x Gefahrenexposition x Vulnerabilität) und darum welche Faktoren von uns Menschen dabei wirklich beeinflusst werden, wenn wir z.B. Belastungsabstände einhalten (Wahrscheinlichkeit), Aufstiegsrouten in gemäßigterem Gelände planen (Gefahrenexposition) oder unsere Sicherheitsausrüstung dabei haben (Vulnerabilität). Desweiteren wurden sehr unterschiedliche Meinungen darüber kundgetan, welche Methode des Risikomanagements wirklich hilft, um die Unfallzahlen zu senken, ohne komplett auf das Freeriden verzichten zu müssen. Und ebenso darüber philosophiert welchen Einfluss bzw. welche Gefahr die Gefahrenstufenskala für uns Skifahrer in der Risikobewertung birgt.

Anzeige

Biertischtennisplatten und motivierte Stuibenläufer

Am späten Nachmittag waren dann alle wieder versammelt an der Stuibenhütte und es wurde in der Sonne das wohlverdiente Bier genossen. Im Lauf des Tages nahm der Föhnsturm deutlich zu und erschwerte somit die Partien an den Tischtennis-Bierplatten. Davon ließen sich die Profis aber nicht beeindrucken und übten schon mal mit Stuiben-Schindel, Schachbrett, Backgammon- und Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel für das große Nacht-Spektakel bei Stirnlampen-Flutlicht. Derweil lief innen der Ofen heiß und das Abendessen wurde zubereitet. Das PowderGuide-Team bedankte sich bei allen für ihr Engagement und gab einen kurzen Ausblick in die Zukunft (Neue Webseite!). Für sein CR-Lebenswerk wurde Sebastian Siep alias Kartoffelstampfer mit einem schicken, neuen EVOC-Rucksack ausgezeichnet, bevor es anschließend bis spät in die Nacht heiß her ging an den Biertischen und auf der Tanzfläche (kurzweilig umfunktioniert zur Biertisch-Boulder-Arena). 

Dementsprechend ging es am Sonntag erstmal gemütlicher los. Viel Zeit blieb aber nicht, um sich für den legendären Stuibenlauf vorzubereiten, der schon seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts am Stuiben ausgetragen wird. Dabei handelt es sich um ein Spaß-Skitourenrennen - jedes Jahr mit anderen Disziplinen -, bei dem der Stuibenhang im Aufstieg und Abfahrt möglichst schnell bewältigt werden muss. Diesen Winter verlegte der Schiedsrichter (=Stuibenwirt) aufgrund der Schneelage den Umkehrpunkt vom Gipfel des Stuibenspitz auf halbe Höhe des Hanges - worüber ein nicht unbeträchtlicher Teil der Teilnehmer ganz froh war. Die Fortbewegungsmittel reichten von Renntourenskiern, über dicke Freerider und Bigfoots (ohne Felle!!) bis zu einem MTB - mit Sicherheit das erste MTB, das an dem Stuibenlauf teilnahm!

Nach der Siegerehrung und der Vergabe der Preise - der Stuibenwirt hatte reichlich hochwertige Produkte organisiert, u.a. zwei Paar Skier, Helme, Teleskopstöcke, Lawinenschaufeln - ließen wir dieses grandiose Abschlussevent einer nicht ganz so grandiosen Saison ausklingen und machten uns auf den Heimweg!

PowderGuide bedankt sich auf diesem Weg jetzt schon bei allen, die sich diesen Winter und die Winter davor an dem Projekt beteiligt haben! Wir freuen uns auf die nächste Saison, in der wir mit neuem Look daher kommen werden und wünschen einen sicheren Restwinter!!

Euer PowderGuide-Team

PS: Danke an Robert, Lukas, JW, SK, WS und JL für die Impressionen! Und ein Riesendankeschön an den Stuibenwirt für die Gastfreundschaft!!

  • keyboard_arrow_left vorherige
  • nächste keyboard_arrow_right