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Vergleichstest | Kamerarucksack F-Stop Satori EXP

Der Alleskönner überzeugt als Rucksack und als Kamerapack

15.02.2013

Kamera-Rucksäcke gibt es seit der DSLR-Revolution fast wie Sand am Meer. Doch Rucksäcke, in denen die Film- oder Fotoausrüstung genauso gut aufgehoben ist, wie das Sicherheitsequipment und alles Gerödel, was man so am Berg braucht, sind rar. Doch es gibt sie. Der Satori EXP von F-Stop ist einer davon und kann im Test als vollwertiger Rucksack genauso überzeugen, wie als Kamerapack. Dabei ist er erstaunlich vielseitig und leistet gute Dienste, egal ob viel oder wenig Equipment mitgeschleppt werden muss.

Der erste Eindruck

Ok, das ist nen Rucksack. Doch wie geht das mit der Kamera?
Wie sich offenbart, einfach. Die ausgewählte ICU (Internal Camera Unit) in den Rucksack einsetzen, festkletten und schon hat man so viel Kamerarucksack, wie gewünscht. Ansonsten macht der F-Stop Satori EXP spontan einen guten Eindruck. Auch wenn der Rucksack groß ist, wirkt er nicht sperrig, scheint gut verzurrbar zu sein und viele, flexible Detaillösungen aufzuweisen.

Die Ausstattung

Und Detaillösungen gibt es am Satori EXP bis zum Abwinken. Überall am Rucksack gibt es Textil- oder Hypaloon®-Schlaufen verschiedener Größen, Ösen, Gummibänder und Reissverschlüsse. Die horizontalen Stoffschlaufen an Rucksackseite und Hüftgurt sind für das Molle-System. Dieses für Polizei und Militär entwickelte System zum Anbringen für Zubehör ist weit verbreitet und so findet man nicht nur im 2nd-Hand Militärshop nützliche Accessoires vom Portmonee, über Handy- oder Funkgerättaschen bis zum Pistolenholster, sollte man unwahrscheinlicherweise einmal eine Warnpistole oder eine Waffe zur Eisbärenabwehr auf Spitzbergen brauchen. Da sollte sich eigentlich für jedes Bedürfnis etwas zum Zweckentfremden nach eigenen Vorstellungen finden lassen.

Das zweite, flexible Attachment-System sind die F-Stop hauseigenen GateKeeper Strapse, von denen zwei mit dem Rucksack mitgeliefert werden. Satte 14 Schlaufen sorgen dafür, dass man nach Bedarf Zurrbänder an Rucksackdeckel, -boden, -front oder an den Seiten zusätzlich zu den beiden fest angenähten Kompressionsriemen anbringen kann. So lassen sich problemlos Schlafsack, Matte oder Zelt, genauso wie Schneeschuhe oder Board am Rucksack befestigen. Weitere GateKeeper gibt es als Zubehör. Auch lässt sich so ein hauseigener Navin Toploader derart befestigen, dass man die Kamera mit Objektiv griffbereit vor der Brust trägt.

Weitere Ösen sind an den Schultergurten angebracht. Hier lassen sich gut Laustprechermikro des Funkgerätes oder Handytasche anklippen. Auch gibt es eine Führung für den Schlauch einer Trinkblase. Dass es eine passende, Klett-verschlossene Durchführung zum Hauptfach gibt, versteht sich von selbst. Die Trinkblase selbst kann in ein Einschubfach auf der Vorderseite des Hauptfaches eingeschoben und mittels Klettschlaufe aufgehängt werden. Schmale Versionen passen auch gut seitlich neben die ICU. Wem die Kombination Wasser und Kameraequipment nicht behagt, für den gibt es im Zubehör noch einen wasserdichten Trinkblasenbeutel.

Im Hauptfach gibt es neben dem Trinkblasenfach ein gepolstertes Laptop-Fach, welche beide zusammen mittels Klettband gesichert werden können. Im Deckel nimmt eine Netztasche Kleinkram, Kabel oder Ladegeräte auf. Die große Rückenklappe, durch die man zwischen Schulter- und Hüftgurten hindurch Zugang auf das Hauptfach hat, ist noch mit zwei größeren Taschen – eine davon durchsichtig und Spritzwassergeschützt – versehen, die Kleinzeug wie Filter, Objektivdeckel oder Linsenputztücher hervorragend aufnehmen. Die Reißverschlüsse verbergen sich dabei im geschlossenen Zustand hinter Plastikflaps, so dass kein Verkratzungspotential besteht. Zusätzlich gibt es zwei kleine, mit Klettlaschen verschlossene Einstecktaschen, die ideal für CF-Speicherkarten oder ähnliches Zubehör sind. Der Rückendeckel schließt dabei mittels grobem 2-Wege-Reissverschluss, der sich auch mit Handschuhen und voller Rucksackladung gut bedienen lässt.

Abgerundet wird der Rucksack durch ein Deckelfach mit Netztasche, Schlüsselclip und zwei gepolsterten Einschubtaschen für Filter oder Batterien, zwei seitlichen, elastischen Netzeinschüben, zwei Zipper-Bodentaschen, wobei eine als Müll-Kompartiment gedacht ist, und einer doppellagigen Fronttasche. Letzte ist dabei sehr durchdacht, in dem der hintere Teil 2/3 rund herum öffnet und der vordere nur seitlich. Während letzterer ideal für Karten und Ähnliches ist, ist das größere Fach optimal, um das Schaufelblatt zu verstauen. Ein kleines Loch am Boden sorgt sogar dafür, dass eventuelle Feuchtigkeit austreten könnte. Leider gibt es keine expliziten Verstaumöglichkeiten für Schaufelstiel und Sonde, normal-kurze Varianten bis ~40 cm Packmass passen ins Frontfach, sonst bleibt nur die Unterbringung im Hauptfach, am besten seitlich neben der ICU. Die bergsportspezifische Ausstattung runden zwei Steckschlaufen und zwei elastische Gummizüge ab, die als Bergstock- oder Pickelhalterung dienen.

Alle außen liegenden Reißverschlüsse sind entweder spritzwasserdicht mit Zipper-Garagen ausgestattet oder im Falle des Hauptfaches gut überlappt. Zusammen mit einer imprägnierenden DWR auf dem Aussenstoff ist der Rucksack so bereits erstaunlich elementefest. Für den Dauerregen in norwegischen Hochfjell oder brasilianischen Regenwald gibt es eine anklippbare Regenhülle als Zubehör zu kaufen.

Das Tragesystem des besteht aus zwei Schultergurten, Brust- und Hüftgurt. Die tragenden Teile sind alle gut gepolstert und mit Mesh zur besseren Belüftung versehen. Die Schultergurte sind mit oberen Zurrriemen gut an Gewicht und Schulterform anpassbar und werden durch den Brustgurt mit Signalpfeife in Position gehalten. Der breite Hüftgurt ist am Rücken anpassbar und die vordere Schliesse wird über beidseitige Zurr-Ösen zentriert.

All das ist bis jetzt viel Rucksack, und wenig Kamerapack. Doch das ändert sich mit Einsetzen einer ICU (Internal Camera Unit) schlagartig. Gleich 8 verschiedene Modelle stehen hier zur Auswahl, die auch noch miteinander kombiniert werden können. Zum Einsatz kamen die Größe Medium Slope und X-Large Pro.

Die Medium Slope ICU misst dabei 28 x 28 cm in Breite und Höhe und ist unten mit 18 cm tiefer als oben mit 15 cm. Das hat den Vorteil, dass in die Einschubtaschen des Hauptfaches und die vorderen Fächer mehr hinein passt, ohne dass der Rucksack spannt oder unförmig wird. Sie bietet locker Platz für einen Pro-DSLR Body und 2-3 Objektive sowie 1-2 Aufsteckblitze.

Die X-Large ICU ist mit 48 x 28 x 18 cm ein wahres Monster, in dem alles Gear für ein komplettes Shooting und mehr Platz hat. Ich muss alle Ladegeräte, Bedienungsanleitungen und Lichtformer mit hinein packen, damit ich sie zusammen mit meiner Fotoausrüstung überhaupt voll kriege. Alle F-Stop ICUs sind ausreichend gepolstert und kommen mit einer passenden Anzahl an Klett-befestigten Trennwänden und Haltegurten, die keine Wünsche offen lassen. Mindestens ein Gummi-Haltegurt hat dabei sogar einen Abriebschutz für den Blitzschuh der Kamera. Alle ICUs haben auch Metallösen, um sie – mit einem Schultergurt kombiniert – als eigenständige Taschen nutzen zu können. Auch sehr hilfreich zur Aufbewahrung der Kameraausrüstung unter dem Bett.

Der Praxiseinsatz

In der Praxis überzeugt der F-Stop Satori EXP zuerst einmal überraschend stark als Rucksack. Nach der Detailauflistung mag das nicht mehr ganz so überraschend sein, aber soviel Rucksack hatte ich von einem Kamerapack schlicht nicht erwartet und der Satori EXP ist zu einem wirklich gern her genommenen Begleiter am Berg und im Alltag geworden. Die ICU schnell nach oben raus gezogen und zugezippt unter'm Bett verstaut nehme ich den Rucksack sogar zum Einkaufen her. Auch zum Klettern, Wandern, für Seminarreisen oder gar Couch-Surfing wird er oft und gerne gebraucht. Die Kombination aus durch Deckel und Rücken gut zugänglichem Hauptfach, Laptopfach und Platz in den Frontfächern für Schreibkram und Bücher machen ihn zum idealen Reisebegleiter. Dass er dabei knapp Kabinenmasse hat, macht die Sache noch besser.

Das Tragesystem hält dabei auch gut schwerere Lasten aus und lässt sich sehr gut anpassen. Der breite Hüftgurt ist überträgt dabei das Gewicht gut auf eben jene und die Polsterung an Gurten und Rücken sorgen für angenehmes Tragen. Hinzu kommt, dass sich der Rucksack sehr gut komprimieren lässt, wenn er nicht ganz voll ist. Dabei bleibt allerdings zu erwähnen, dass die recht einfache Nähweise und dicke Polsterung des Tragesystems zwar gut ist, aber doch nicht mit dem Tragekomfort der besten Alpinrucksäcke mithalten kann. Dafür passt es sich mit der Zeit aber ganz gut an seinen Benutzer an (Anmerkung: die Schulter- und Hüftgurte der ab März erhältlichen, neuen Generation ind stark überarbeitet, optimiert und flacher vernäht).

Das GateKeeper System ist hingegen der Knaller. Ob Stativ, Dollysystem, Jacke, Board, Schneeschuhe, Schlafsack, Matte oder Handtasche der Freundin; alles lässt sich irgendwie außen am Rucksack verstauen. Auch die Ski halten in den seitlichen, leider nicht gegen Kanten verstärkten, seitlichen Kompressionsriemen in H- oder A-Form sehr gut. Eine diagonale Tragweise ist nicht vorgesehen, ließe sich aber mittels GateKeepern auch realisieren. Die Eispickelhalterung hingegen funktioniert am besten, wenn man die unteren Schlaufen mit einem zusätzlichen Gummizug versieht, mit dem die Haue gegen Herausschwingen gesichert werden kann.

Die Umwandlung zum Kamerarucksack geht höchst einfach vonstatten: ICU auswählen, öffnen, Deckel umschlagen und von oben in das Hauptfach hinein schieben. Nur noch mit zwei bis vier leider eher fummeligen Klettösen sichern und fertig. Klappt man nun den Rückendeckel des Rucksacks auf, liegt das Kameraabteil schön ausgebreitet vor einem. Die Medium ICU bietet dabei für den ambitionierten Bergfotografen mehr als Platz genug und die X-large benutze ich vor allem als Vorratskammer meiner Fotoausrüstung und hab sie nur bei wenigen Shootings im Einsatz gehabt. Sie bietet aber ausreichend Platz für alles, was man zu einem aufwendigen Shooting so braucht und so befüllt funktioniert der F-Stop Satori EXP auch hervorragend mit nur minimalen Komforteinbußen gegenüber einem City-Foto-Pack was Zugriff und Übersicht angeht. Seine Stärken als Rucksack büßt er natürlich nicht ein.

Zusammen mit der Medium ICU macht er aber am Berg eine ausgesprochen gute Figur und im Hauptfach ist oberhalb noch genügend Platz für Goggle, Felle, Jacke, Mütze, Brotzeit etc. Trinkblase und Schaufelstiel und Sonde (wenn sie nicht ins Frontfach passen) lassen sich hervorragend links, rechts oder vor der ICU hinein stecken und letztere bleiben trotzdem schnell zugänglich. Einschubschlaufen oder separate Abteile wären hier natürlich optimaler.

Leider ist auch beim Satori das Hauptfach nicht vollständig vom Kameraabteil getrennt, so dass Kleinteile am Rücken in die ICU rutschen können und das Kameraequipment nicht hundertprozentig vor feuchten Sachen geschützt ist. Allerdings kann man das durch gescheites Packen wie bei kaum einem anderen Kamerarucksack vermeiden und im Zweifelsfall durch zuzippen der ICU komplett verhindern. Dann wird allerdings der Zugriff auf die Kamera fummeliger und daher würde man sich grundsätzlich eine Trennung wünschen.

Die Verarbeitung wirkt rundum solide und innerhalb eines Jahres Einsatz am Berg und im Alltag haben sich keine Schwächen offenbart. Besonders überzeugt hat mich die Imprägnierung des Aussenstoffes, die zusammen mit den abgedichteten Zippern exzellent funktioniert und bei regulären Bedingungen eine Regenhülle definitiv überflüssig macht.

Trotz allem bleibt der Rucksack enorm vielseitig, ohne dass man Kompromisse auf der Kameraseite eingehen müsste. Nicht zuletzt dank der vielen Möglichkeiten zur Individualisierbarkeit. Wer weniger Platz braucht, der findet im F-Stop-Sortiment mit den kleineren Vertretern der Mountain Serie sicher etwas passendes, speziell mit den Modellen Tilopa BC und Loka.

Die Firma F-Stop ist eine noch kleine und im Aufbau befindliche Firma. Auch wenn man mittlerweile ein Warenhaus in Amsterdam hat, so sind die Verfügbarkeiten und Lieferzeiten mancher Produkte noch verbesserungswürdig. Dafür hat man aber einen extrem hilfreichen und freundlichen Service.

 

Fazit

Wer einen echten, voluminösen Bergrucksack sucht, in dem auch noch das Kameraequipment gut untergebracht ist, trifft mit dem F-Stop Satori EXP eine hervorragende Wahl. Verschiedenste Kameraeinsätze, Detaillösungen und ein umfangreiches Zubehörsystem bieten vermutlich für jeden das passende. Außerdem kann der Satori EXP auch ohne Kameraeinsatz als vollwertiger Rucksack überzeugen, sollte die Kamera mal zuhause bleiben.

Vorteile:
+ guter Allroundrucksack, ob mit oder ohne Kamera
+ individuell in der Größe wählbare, gut organisierte Kameraabteile
+ guter Zugang über die Rückenklappe
+ viel Platz für zusätzliche Ausrüstung
+ gutes Tragesystem
+ sehr viele Detaillösungen
+ hohe Individualisierbarkeit
+ enorm viel Zubehör

Nachteile:
- hoher Preis
- kein Skikanten-Schutz bei den Zurrgurten
- u.U. Verfügbarkeit
- Regenhülle nur als Zubehör (aber ohne bereits sehr wetterresistent)

Features:

Gut einstellbares Tragesystem mit Brustgurt und breitem Hüftgurt
Interner Alu-Tragerahmen
Imprägnierter Aussenstoff und wassergeschützte Zipper
Gepolstertes Rückenteil
Von Deckel und Rücken zugängliches, grosses Hauptfach
Netztasche im Deckel des Hauptfachs
Trinkblasenfach mit Schlauchführung
Gepolstertes Laptopfach
Deckelfach mit Netztasche & gepolsterten Einschubtaschen
Doppeltes Frontkompartiment, eines mit Wasserablauf
Zwei Bodenfächer für Müll und Regenhülle (oder anderes)
Seitliche, elastische Netztaschen
Individuell wählbare Kamerakompartiments (ICU) mit flexibler und umfangreicher Unterteilung
Staufächer im Deckel und Rücken für Filter, Speicherkarten, Batterien etc.
Molle-Attachmentsystem für Zubehör
14 GateKeeper Attachmentpoints für vielseitiges Verzurren von Ladung
2 Gatekeeper-Strapse
Skihalterung seitlich; frontal oder auch diagonal mit GateKeepern möglich
Board- oder Schneeschuhalterung mittels GateKeepern
2 Pickel- oder Trekkingstockhalterungen

Volumen: 62 L
Farben: black & foliage green (Testrucksack grau -nicht mehr erhältlich)
Gewicht: 1,85 kg (ohne ICU) / 0,54 kg (Medium Slope ICU)
Abmessungen: 31 x 66 x 25 cm
UVP: 359,- $ (ohne ICU) / 419,- $ (+1 ICU) / 479,- $ (+2 ICU's)

Zu den Produktinformationen des Herstellers


Anmerkung:

Wer nicht ganz so viel Wert auf viel Platz legt, dafür aber lieber stabilere Skihalterungen hat, der sollte sich den F-Stop Tilopa BC einmal gut anschauen. Sehr ähnlich wie der Satori aufgebaut, ist der kleinere Bruder noch mehr auf Backcountry-Einsatz ausgelegt. Fix installierte Snowboardhalterung mit Verstärkungen, robuste Halteschlaufen seitlich für die Ski und ein wasserdichter Boden sind die Hauptunterschiede neben der geringeren Grösse.