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Testbericht | Black Diamond Factor 130

Der Freeride-Skischuh im Test

10.01.2012

Für den Winter 2011/12 erschien eine überarbeitete Version des bewährten Factor Skiboots, die besonders Verbesserungen beim Innenschuh aufweist und für die der Produktname den Zusatz 130 erhält. Der neue Innenschuh sollte mehr Wärme, mehr Komfort und eine noch bessere Passform als sein Vorgängermodell bieten.

Testbericht | Black Diamond Factor 130

Der praktische Einsatz wird es zeigen, ob diese Vorgaben erfüllt wurden. Besonders gespannt bin ich auf die Passform, da das Vorgängermodell schon sehr eng geschnitten war. Kälte war bis dato nie ein Problem bei mir. Für mich war der Vorgänger bisher ein sehr zuverlässiger Skischuh sowohl im Slackcountry mit kurzen Hikes, als auch bei längeren Aufstiegen, um Abfahrten im Backcountry zu genießen.

Der erste Eindruck des neuen Factor 130

Nach dem Auspacken aus der Schachtel überwiegt zuerst der Eindruck vom geänderten Design – zu noch mehr schwarz. Die Einstellmöglichkeiten wie Neigungswinkel nach vorne, Seitenwinkel und die Justierung der Verschlussschnallen sowie Versetzung der Rasten für die Schnallen ist wie gehabt und einfach zu bedienen.

 

Nach dem der Innenschuh mit dem integrierten BOA System herausgenommen ist, sind viele Neuerung deutlich erkennbar. Durch die größere Lasche am Innenschuh kann dieser wesentlicher leichter herausgezogen werden. Auffallend ist, dass an einigen exponierten Stellen Plastik-Verstärkungen eingearbeitet sind. Eine weitere Veränderung ist das verschraubbare Fußbett, was vermutlich dem Brechen der Sohle vorbeugen soll. Mir persönlich ist dies beim Vorgängermodell zweimal passiert. Der Austausch wurde immer problemlos beim Händler durchgeführt.

 

Die erwähnenswerten Neuerungen des Innenschuhs sind:

- Zonen für besseren Gehkomfort und weichere Beugung im Gelenk

- Metallfolie in der Innenschuhkonstruktion für eine reflektierende thermische Schutzbarriere

- Zehenbox-Konstruktion mit bandversiegelten Nähten für maximale Wärme der Zehen

- Plastikzunge am Innenschuh verteilt den Druck gleichmäßig für eine ausgeglichene Vorlage

 

Der neue Faktor 130 in der Praxis

Wer schon einen Factor besitzt, kennt wahrscheinlich die anfänglichen Druckschmerzen. Diese begleiteten mich die ersten 5 Tage bis ich die Feinabstimmung der Schnallen für die Schuhe gefunden habe. Die Passform des Schuhs ist nicht merklich verändert worden. Für mich war der erste Einsatz ein Déjà-vu. Die Fixierung harmoniert durch die vier Schnallen, den Powerstrap und das BOA-System immer besser. Der Einstieg und Ausstieg in den Schuh funktioniert reibungslos und die größeren Laschen sind hilfreich. Der Innenschuh kann problemlos herausgenommen oder eingesetzt werden, ohne diesen am Fuß zu haben. Das BOA-System wird wie bisher über einen Drehverschluss angezogen. Die Kanäle für die Zugseile wurden verstärkt. Negativ aufgefallen ist mir, dass schon nach diesem kurzem Einsatz, und bei beiden Innenschuhen, die Verstärkung auf jeweils einer Seite beim Rist eingerissen ist (siehe Gallery-Bild).

Durch das Umlegen des Hebels kann wie gehabt der Gehmechanismus aktiviert oder deaktiviert werden, sowie durch Versetzen dieser die Vorlage in drei Stufen eingestellt werden. Nach einem anstrengenden Skitag muss ich den Innenschuh zum Trocknen herausnehmen, wie auch schon beim Vorgängermodell. Die neue Plastikzunge am Innenschuh vermittelt mehr Stabilität und eine bessere Druckübertagung über das Schienbeinen auf die Skier. Der neue Schuh ist spürbar härter als mein alter Factor nach ca. 120 Tagen. Ob der neue Factor 130 im gleichen Maße die Härte verliert kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilen. An einem Tag hatte es ca. -10°C. Bei diesen Temperaturen war es doch spürbar kalt in den Schuhen. Beim Powdern war dies aber wieder schnell vergessen.

 

Im Bezug auf das Fahrverhalten kann ich keinen Unterschied zum Vorgängermodell feststellen. Er verhält sich bestens auf der Piste und im Gelände. Für den abfahrtsorientierten Freerider, der auch mal längere Aufstiege von über 1.000 Höhenmeter in Kauf nimmt, ist es ein top Skiboot. Die zweiteilige, harte Schale bietet zwar die Festigkeit eines Alpinschuhs, aber dafür muss man aber auch mehr Gewicht bei Touren mit sich schleppen. Eine solche Konstruktion bietet zudem nicht die Bequemlichkeit und den Laufkomfort eines klassischen (weicheren) Tourenschuhs.

Fazit

Black Diamond hat die Erfahrungen der ersten Generation in das neue Modell einfließen lassen. Am augenscheinlichsten sind die Neuerungen des Innenschuhs. Einen „Wow“-Effekt haben diese Neuerungen in der Praxis aber keineswegs erzeugt, hier wurde ausschliesslich Produktpflege im Detail betrieben, ohne das bewährte Konzept des alten Factors anzutasten.

 

Wer einen aufstiegsorientierten (bequemen) Tourenschuh sucht, ist sicher beim Factor 130 an der falschen Adresse, aber wenn man einen Allrounder sucht, der Abfahrtskontrolle bietet und längere Aufstiege ermöglicht, dann ist der BD Factor 130 für mich nach wie vor ein sehr guter Kompromiss und absolut empfehlenswert.

 

Übersicht:

Preis: 519 EUR (inkl. Alpinsohle)

Gewicht mit Tourensohle (Größe): ca. 4,6** kg pro Paar (28,0)

Tourensohlen mit Tech Inserts: ja (ca. 30-40 EUR)

Gehmodus: ja

Flex: 130*

Breite: mittel/breit

Schnallen: 4

* Herstellerangabe

** selbst gewogen