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Ratgeber | Isolationsbekleidung

Kompakte Wärme für alle Outdoor-Lebenslagen

31.03.2016

Skifahren, Snowboarden und Tourengehen finden zwar nicht immer, aber doch häufig bei tiefen Temperaturen statt, schließlich findet sich der geliebte Pulverschnee selten bei Plusgraden. Auch Niederschlag in gefrorener Form ist meist willkommen und der Wind mit seinem bekannten Chillfaktor tritt im Hochgebirge im Vergeich zum Flachland häufiger und kräftiger auf. Bei den Sportarten, um die es sich hier bei PowderGuide dreht, wird einem folglich gerne mal kalt. Oder besser gesagt, es kann einem gerne mal kalt werden, wenn man nicht richtig gekleidet ist!

Erste Hilfe gegen Frieren, und zudem so schön klein im Rucksack zusammen knautschbar, sind häufig mit Daunen oder Kunstfaser gefüllte Isolationsjacken. Bei diesen hat sich in den letzten Jahren auch so einiges getan, immer mehr Typen und Modelle sind auf den Markt gekommen. Angeblich hat sogar die hohe Nachfrage aus dem Outdoor-Bereich dazu beigetragen, dass der Daunenpreis auf dem Weltmarkt kräftig zugelegt hat. Zu diesem Thema können wir keine Auskunft geben, mit Isolationsbekleidung kennen wir uns allerdings schon aus und geben euch im folgenden Artikel einen Überblick über Materialen, Einsatzzwecke, Modelle und Pflege.

Allgemeines

Um die Körpertemperatur von etwa 37°C bei kalten Temperaturen zu halten, braucht der menschliche Körper Isolierung. Wieviel davon hängt von Faktoren wie Temperatur, Aktivität, Wind, Feuchtigkeit, Körperbau und persönlichem Kälteempfinden ab. Bekleidung isoliert den Körper im Prinzip dadurch, dass sie Luft und damit Wärme am Körper hält. Daune, Kunstfaser und Konsorten sind dafür deswegen so interessant, weil sie trotz geringem Gewicht und Packmaß ein hohes Volumen besitzen und somit viel Luft binden können. Je dicker die Jacke und damit die isolierende Luftschicht, desto weniger Wärme verliert der Körper und je weniger muss man frieren. Klingt banal, hilft aber nochmal sich vor Augen zu führen, dass auch eine sehr dicke Daunenjacke nur warm gibt, wenn sie richtig aufgebauscht ist, also die Daunen „loften". Wird die Jacke zusammengedrückt, etwa unter einem Rucksack oder einer anderen Jacke, isoliert sie gleich mal weniger. Logischerweise darf auch der Wind nicht durchpfeifen. Auch an Ärmelbündchen oder dem Jackensaum und –kragen kann schnell viel Wärme verloren gehen, wenn eine Jacke dort nicht abschließt. Neben den im Folgenden vorgestellten Füllmaterialen ist daher auch der Schnitt entscheidend für die Isolationsleistung und sollte natürlich dem Einsatzzweck angepasst sein.

Daune - Natürliches High-Tech

Hört man das Wort Daune, denkt man meist an Federn. Schließlich sind es normalerweise diese Dinger mit dem langen Kiel, die sich frech durch das angeblich daunendichte Material des Schlafsacks oder der Daunenjacke bohren! Weit gefehlt, das Material ist nämlich in der Regel wirklich daunendicht, daher bekommt man die eigentliche Daune höchst selten zu Gesicht. Im Gegensatz zu den Federn, welche Produkten mit Daune als Isolationsmaterial in der Regel aus Stabilitätsgründen in geringen Teilen beigemischt werden, haben Daunen nämlich keinen Kiel, der sich durch Ultraleichtstoffe bohren könnte. Sie breiten sich stattdessen von einem sehr kleinen Kern mit bis zu zwei Millionen (!) feinster Ästchen strahlenförmig aus, weshalb sie auch bei geringstem Gewicht viel Raum einnehmen können (ein Kilo Daune enthält etwa eine Million einzelne Daunen). Durch das große Volumen kann viel Luft an Ort und Stelle gehalten werden, was zum ausgezeichneten Isolationsvermögen der Daunen führt. Gerade im Verhältnis von Gewicht und Komprimierbarkeit zu Isolationsleistung sind Daunen bei Outdoorbekleidung auch nach wie vor ungeschlagen, allerdings nur solange sie trocken bleiben! Feuchtigkeit und Nässe mögen Daunen nämlich gar nicht. Nasse Daune fällt in sich zusammen und verliert ihre Isolationsfähigkeit fast komplett.

Die in Outdoorprodukten verwendete Daune stammt von Gänsen und Enten, wobei die Daunen von Enten kleiner sind und weniger bauschen. Oft fällt Daune als Nebenprodukt in der Fleischindustrie an und stammt daher von jungen Tieren, deren Daune noch nicht optimal entwickelt ist, da spielt dann der Unterschied zwischen Enten- und Gänsedaune keine allzu große Rolle. Neben dem Alter des Tiers hängt die Qualität der Daune auch vom Klima der Region ab, in der es aufgewachsen ist. Die beste Daune kommt von älteren Gänsen aus kalten, trockenen Gegenden wie der Ukraine, Polen oder dem Norden Chinas.

Doch wie wird die Qualität der Daune eigentlich gemessen? Im Outdoorbereich gibt es hier zwei relevante Angaben, auf die man auch immer wieder stößt: Erstens das Mischungsverhältnis von Daunen und Federn. Wie erwähnt, wird der Daune ein geringer Anteil Federn beigemischt um sie zu stabilisieren. Das Mischungsverhältnis wird in Prozent angegeben. So enthält eine Jacke mit dem Mischungsverhältnis 80/20 80% Daune und 20% Federn. Im Outdoorbereich sind heutzutage Mischungsverhältnisse von 85/15, 90/10 und 95/5 üblich, es kommen aber auch 80/20 und vereinzelt 97/3 zum Einsatz. Je höher der Anteil an Federn, desto stabiler und widerstandsfähiger ist die Mischung. Ein höherer Daunenanteil führt dafür meist zu einem höheren Loft und damit bei gleichem Gewicht zu einer höheren Isolationsfähigkeit. Der Loft, also die Bauschfähigkeit (teils auch als „fillpower" bezeichnet), wird normalerweise in „Cuin" angegeben, was kurz für Cubic Inch, also Kubikinch, ist. Für die Messung des Cuin-Wertes wird eine Unze Daune 24 Stunden lang komprimiert und das Bauschvermögen bzw. der Loft danach in einem Messzylinder gemessen. Übliche Werte im Outdoorbereich reichen dabei von 600 bis 900 Cuin, vereinzelt wird auch höherwertige Daune verarbeitet. Wichtig ist, die beiden Zahlen zusammen zu betrachten. So kann eine 90/10 Mischung mit minderwertiger Daune eine deutlich geringere Cuin-Zahl erreichen, als dieselbe Mischung mit höherwertiger Daune.

Eine Gans liefert etwa 50g Daune (eine typische leichte Daunenjacke ist mit etwa 150g Daune gefüllt). Die Methoden der Daunengewinnung waren und sind teilweise stark in der Kritik. Viele Hersteller verarbeiten daher nur noch (oder zumindest großteils) zertifizierte Daune, die nicht aus Lebendrupf stammt. Informiert euch diesbezüglich vor dem Kauf!

Beispiel: Mammut Broad Peak IS Hooded Jacket
Die Broad Peak ist bei Mammut schon länger im Programm und ist eine recht typische Daunenjacke. Sie ist warm, leicht und klein verpackbar, wodurch sie immer in den Rucksack passt, selbst wenn man sich garnicht sicher ist ob man sie überhaupt braucht. Am Gipfel oder bei einer Pause ist sie schnell übergezogen und schließt sowohl am Bund, den Ärmeln als auch am Kragen (bzw. mit der Kapuze am Kopf) gut ab. Da die Broad Peak nicht allzu dick aufträgt, passt sie bei wirklich widrigen Witterungsbedingungen auch unter einer Hardshell-Jacke. Die bei Mammut verarbeitete Daune ist nach dem Responsible Down Standard von der NGO Textile Exchange zertifiziert.

Kunstfaser - High Tech aus dem Labor

Synthetisch hergestellte Kunstfaserisolierung gibt es in verschiedensten Varianten, etwa als kompakte Fasern, Hohlfasern oder lose Flocken, um nur einige zu nennen. Im Vergleich mit Daune sind sie weniger anfällig gegen Feuchtigkeit, da sie auch in feuchtem Zustand einen guten Teil ihrer Isolationsfähigkeit behalten. Zudem trocknen sie merklich schneller. Ein weiterer Vorteil ist der Preis. Da in den letzten Jahren aufgrund großer Nachfrage (auch aus der Outdoor-Branche) der Preis für hochwertige Daune auf dem Weltmarkt kräftig zugelegt hat (Anstieg um 200% zwischen 2010 und 2013), wird Kunstfaserisolierung für Hersteller von Outdoorbekleidung immer interessanter. Zusätzlich werden Kunstfasern dank kontinuierlicher Weiterentwicklung auch immer besser und holen so gegenüber dem Naturmaterial Daune stetig auf.

Hochwertige Kunstfaserisolierung besteht aus Fasern mit sehr hohem Volumen. Um sich dies etwas besser Vorstellen zu können, sei wieder ein Vergleich bemüht: So wäre ein Gramm der bekannten Primaloft-Kunstfasern, wenn es in einem Strang vorliegen würde, bis zu 40km lang! Solch feine Fasern haben natürlich eine sehr große Oberfläche, was zu einer sehr guten Isolationsleistung führt. Allerdings können sich gerade weniger hochwertige Kunstfasern etwa beim Waschen oder bei wiederholtem Komprimieren auch ineinander verhaken und daher einen Teil ihres Bauschverhaltens verlieren. Auch reicht selbst sehr hochwertige Kunstfaser noch nicht an das Top-Verhältnis von Gewicht und Komprimierbarkeit zu Isolationsvermögen von Daune heran. Dafür ist die Verarbeitung von Kunstfaserisolierung in der Regel einfacher, da sie meist nicht in aufwändig zu nähenden Kammern verstaut werden muss um Kältebrücken zu vermeiden.

Beispiel: Mammut Runbold Tour IS Jacket
Die Runbold Tour IS Jacke ist eine typische Unterziehjacke. Sie ist relativ dünn und enganliegend, wodurch sie besonders gut bei kalten Temperaturen unter der Äussersten Wetterschutzschicht getragen werden kann. Daher wird auch auf eine Kapuzu verzichtet, da eine solche ja auch an der Hardshell vorhanden sein sollte und sich so nicht mehrere Kapuzen im Weg sind Die Kunstfaserfüllung wird weniger unter der Hardshell-Jacke bzw. dem Rucksack komprimiert als Daune und auch Feuchtigkeit (die ja bei körperlicher Aktivität unter einer Hardshell Gerüchten zu Folge gelegentlich anzutreffen ist) macht ihr wenig aus. Von der Wärmeleistung liegt sie aber deutlich über einen normalen Fleece, ist also ein Midlayer für kältere Tage oder für geringe Aktivität.

 

Wolle - Geruchsarm und warm

Wäre man vor nicht allzu langer Zeit noch schräg angeschaut worden, wenn man behauptet hätte, dass Bekleidung aus Wolle ein Trend unter Skifahrern wird, hat sich das in den letzten Jahren doch stark geändert. Merino hat die Outdoor-Welt im Sturm erobert und das nicht zu unrecht. Die positiven Eigenschaften, die unzählige Sportler bei Unterwäsche schätzen - allen voran Geruchsfreiheit und tolles Körperklima - versuchen immer mehr Hersteller auch auf Oberbekleidung und Isolationsjacken zu übertragen. Meist wird dabei keine reine Wolle verwendet, sondern auch ein gewisser Anteil an Kunstfaser beigemischt. Im Bereich der Isolation muss sich Wolle vor der Konkurrenz aber nicht verstecken. Zudem bietet sie durch ihre Fähigkeit Wasser aufzunehmen das bekannt gute Körperklima - Wolle fühlt sich viel später „nass" an als andere Materialien. Auch die geruchshemmenden Eigenschaften von Wolle sind bei den modernen Woll-Isolationsjacken bemerkbar, lediglich vom Gewicht und der Komprimierbarkeit können sie oft nicht mit Daunen- oder Kunstfaserprodukten mithalten. Dafür sind Isolationsprodukte aus Wolle sowohl von der ökologischen, als auch der Tierschutz-Seite aus betrachtet definitiv unbedenklicher als Daune und Kunstfaser. Längst wird auch nicht mehr nur Wolle von neuseeländischen Merino-Schafen verwendet. Wolle aus Skandinavien, den Alpenländern, oder gar Yak-Wolle aus dem Himalaya kommt im Outdoorbereich zum Einsatz.

Beispiel: Mammut Runbold IS Hooded Jacket
Die Runbold IS Hooded Jacket ist nicht mit Schaf- sondern mit Yakwolle gefüllt, welche allerdings vergleichbare Eigenschaften aufweist. Sie wird den Yaks im Frühjahr aus der Unterwolle gekämmt und ist somit nicht nur ein nachwachsender Rohstoff, sondern überzeugt auch durch schnelle Trocknung und gute Isolationswerte. Da die Jacke eher dünn ausgelegt ist, fällt das im Vergleich zu Daune etwas höhere Gewicht und schlechtere Kompressionsvermögen praktisch nicht auf. Die Jacke lässt sich die sowohl als äusserste Schicht als auch als Midlayer tragen und ist vom Körperklima auch bei feuchten Bedingungen sehr angenehm. Die elastischen Gamaschen an den Ärmelbündchen und die gut sitzende Kapuze tragen weiter dazu bei den Wärmeverlust zu minimieren und machen die Jacke zu einem echten Lieblingsteil! Zudem passt auch die Runbold IS noch in jeden Rucksack.

 

Materialmix

Ein Trend der letzten Jahre, dem immer mehr Hersteller von Isolationsbekleidung folgen, ist die strategische Kombination von verschiedenen Isolationsmaterialien. Generell geht es dabei darum, das beste aus verschiedenen Welten zu vereinen. Wie bereits erwähnt, wird von verschiedenen Herstellern Wolle mit Kunstfaser kombiniert um Packmaß und Gewicht zu verringern, ohne die positiven Eigenschaften der Wolle zu verlieren.

Auch Daune wird gerne mit Kunstfaser kombiniert, etwa in dem bei Daunenjacken an strategischen Bereichen Kunstfaser verwendet wird, etwa an den Schultern, wo die Isolierung stark von den Rucksackgurten komprimiert wird, oder unter den Achseln, wo man viel schwitzt.

Beispiel: Mammut Trovat IS Hooded Jacket
Bei der Trovat IS Hooded Jacket verwendet Mammut eine neue Daunen-Kunstfaser-Kombination aus dem Hause Primaloft (Primaloft Down-Blend), bei der beide Materialien durchmischt zum Einsatz kommen. Die Mischung aus 40% hochwertiger Kunstfaser mit 60% robister Entendaune soll bei fast gleichem Loft wie wesentlich weniger Feuchtigkeit aufnehmen als reine Daune, was eine feuchtigkeitsunempfindliche Jacke bei verhältnismäßig geringem Gewicht ergibt. Vom Schnitt ähnelt die Jacke der bereits vorgestellten Broad Peak, von außen erkennt man im normalen Gebrauch auch keinen Unterschied zu selbiger, lediglich das Gewicht ist ein kleines bisschen höher...

Und was nehme ich jetzt wofür?

Daune
Ist man gerne möglichst leicht unterwegs und nutzt seine Jacke meist nur während (kurzer und langer) Pausen, ist Daune aufgrund des hohen Isolationswertes bei geringem Gewicht und hoher Komprimierbarkeit nach wie vor ungeschlagen. Leichtere daunengefüllte Jacken (oft durchgesteppt) sind tatsächlich äusserst leicht und komprimierbar und somit wirklich in jedem Rucksack unterzubringen. Bei Modellen für tiefe und tiefste Temperaturen macht sich das geringe Gewicht von Daune natürlich relativ am stärksten bemerkbar. Daher kommt in der Regel bei dicken Expeditionsjacken (und Hosen) und den wärmsten Winterschlafsäcken (diese hätten mit Kunstfaserfüllung das Packmaß eines Kühlschrankes) meist Daunenisolierung zum Einsatz.


Kunstfaser
In feuchteren Gegenden spielt Kunstfaserisolierung ihre Stärken aus und kommt gegenüber Daune bevorzugt zum Einsatz. Auch bei der Benutzung als Midlayer kommen ihre positiven Eigenschaften zur Geltung, da sie weniger durch die darüber getragenen Schichten komprimiert wird und sie erhöhte Feuchtigkeit im Inneren wenig stört. Für Kunstfaserisolationsbekleidung spricht zudem der häufig verhältnismäßig günstige Preis. Gerade bei sehr dünnen Jacken und Westen ist der Unterschied im Gewicht und der Komprimierbarkeit gegenüber Daune auch vernachlässigbar.

Wolle
Mit Wolle ist man nicht nur am Umwelt- bzw. Tierfreundlichsten unterwegs, sondern hat auch einen gewissen Geruchsvorteil. Letzteres prädestiniert Isolationsjacken auf Wollbasis natürlich für den Einsatz als Midlayer. Das schlechtere Verhältnis von Gewicht und Komprimierbarkeit zur Isolationsleistung wirkt sich allerdings ab einer gewissen Dicke des Materials doch negativ aus, weshalb hier meist dünnere Jacken angeboten werden.

Materialmischungen
Mischungen verschiedener Materialien werden häufiger, vermutlich werden sie in Zukunft einen größeren Teil des Marktes einnehmen, ebenso wie behandelte Daune oder neuartige Kunstfasern mit weiter verbesserten Isolationswerten.


Dieser Artikel wurde vom PowderGuide Partner Mammut unterstützt.