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Materialtest | Whitedot Redeemer

Ein Ski der breiter als breit ist – und trotzdem agil

16.04.2015

Was man ja eigentlich in einem Testbericht nicht machen sollte…; mache ich  trotzdem: indem ich zur Einleitung des Tests einfach mal die Herstellerfirma zitiere: „Whitedot's Flagschiff-Powder-Ski ist ein vielseitiger und zuverlässiger Freund in den Bergen." Abgesehen davon, dass ich mir von Freunden bezüglich zwischenmenschlichen Werten ein bisschen mehr erwarte, hat sich mit der Zeit eine dicke (128 mm Mittelbreite), zuverlässige (auch in zerfahrenen und anspruchsvollen Bedingungen), tiefgründige (vor allem da spielt er seine Stärken aus) und spaßige (in allen Belangen) Freundschaft entwickelt.

Erster Eindruck und Design

Über das Design von Whitedot braucht man nicht viel schreiben. Die white dots sind mittlerweile über viele Grenzen hinweg bekannt und das schlichte Design spricht für einen Fokus auf's Wesentliche. Sobald man den Ski zum ersten Mal in die Höhe hebt, wird klar, dass er kein Leichtgewicht ist –, allerdings war das bei diesen Dimensionen auch nicht zu erwarten. Selbst gewogen bringt jeder Ski ca. 2300 Gramm auf die Waage. Whitedot-typisch sind die Skienden sehr eckig und der breiteste Punkt ist recht weit in Richtung Skimitte versetzt. Für einen Powderski ist der Redeemer dem ersten Flexen nach recht steif, wobei ein Unterschied besteht zwischen Tip und Tail (etwas weicher) und unter der Bindung (recht steif).

Testbedingungen, Bindung, Bemerkungen zum Tester

Der Ski wurden in den letzten beiden Wintern bei allen herkömmlichen Bedingungen getestet – aber vornehmlich natürlich, wenn es richtig viel geschneit hatte. Aber auch in windverpresstem Altschnee und zerpflügten Standardvarianten wurden etliche Abfahrten abgespult. Der Testfahrer ist 180 cm groß und 80 kg schwer und fährt sportlich Ski. Von jeher bevorzuge ich schwere Ski, was dem Redeemer in meiner Bewertung vielleicht etwas zu Gute kommt. Auf dem Testski war eine Dynafit Radical an der empfohlenen Freeride-Position montiert. Der Ski wurde bisher an ca. 30 Tagen gefahren und dabei auch für reichlich Touren von 0 bis 1200 Höhenmetern verwendet. Immer mit dem 2014/2015er Black Diamond Factor als Skischuh.

Breit, breiter, am breitesten

In den Bedingungen, für die dieser Ski entwickelt wurde, funktioniert er richtig gut. Durch die recht mittige Montage hat man oft das Gefühl die Nose würde gleich wegtauchen, aber das ist kein einziges Mal passiert – trotz bewusst massiver Belastung nach vorne. Es gibt deutlich breitere Skier, die weniger Auftrieb haben als der Redeemer. Der positive Nebeneffekt der mittigen Montage in Kombination mit dem Tip-/Tailrocker ist eine sehr hohe Agilität trotz seiner Länge. Gerade in schnellen, engen Passagen oder im Wald bietet der Redeemer wesentlich mehr Wendigkeit als man ihm nach dem ersten Eindruck zutraut. Allerdings muss man bemerken, dass der Redeemer Geschwindigkeit mag und braucht. Langsame Schwünge in engem Gelände fühlen sich oft eher schwerfällig an, wohingegen mit etwas Geschwindigkeit sehr gut zwischen gedriftetem Schwung und Richtungsänderung durch Kantenhalt gespielt werden kann; das Fahrverhalten kommt schon recht nah an einen Ski mit Reverse Sidecut heran. Vermutlich braucht die kürzere Version (180 cm) nicht so hohe Geschwindigkeiten, damit man harmonisch die Turns einleiten kann.
In etwas härterem Schnee gibt der Redeemer auch bei stärkerer Kantenbelastung nicht nach und gibt aufgrund seines Flexes viel Rebound für den nächsten Schwung. Genauso zuverlässig arbeitet er in zerpflügtem Gelände, wobei ihm sicherlich sein Gewicht zugute kommt. Auch hier gilt: Geschwindigkeit bringt Sicherheit. Ab einer gewissen Geschwindigkeit pflügt der Redeemer durch jedwede Unebenheit und mit jedem km/h wird das noch intensiver. Wenn man einem Ski Laufruhe zuschreiben kann, dann dem Redeemer. Solange sich die Kante noch in den Schnee graben kann, lässt er sich auch im steileren Gelände sehr gut handhaben. Sogar auf der Piste lässt er sich auf die Kante stellen, aber dafür ist er nun wirklich nicht gemacht.

 

Fazit

Der Whitedot Redeemer ist definitiv kein One-Ski-Quiver, aber das sollte man auch nicht erwarten. In seiner Paradedisziplin – in tiefem, frischem Neuschnee – ist er fast unschlagbar und nur wenige andere Skier dieser Breite können ihm dabei das Wasser reichen. Der Auftrieb ist gigantisch und die Skispitze fast nicht unter den Schnee absenkbar. Der recht steife Bereich unter der Bindung bringt mit seinem Gewicht sehr viel Zuverlässigkeit in ruppigem, zerfahrenem Gelände. Trotz seines Gewichtes taugt er für kürze bis mittellange Touren und hat man den ersten Schwung im frischen weiß gemacht, weiß man auch, dass es sich gelohnt hat! Trotz seiner eindeutigen Ausrichtung ein recht breit einsetzbarer Tiefschneeski. Hoffentlich hält unsere Freundschaft noch lange an!

Vor- & Nachteile

+ Agilität
+ sehr gute Kontrolle
+ sehr guter Auftrieb
+ variabler Einsatzbereich
- Gewicht

Details

Testversion: Whitedot Redeemer in 190 cm
UVP: 696.- Euro
Längen: 180 / 190
Abmessungen: 138 - 142 / 128 / 132 - 128
Radius: 21.5 / 27.0 m
Effektive Kante: 900 / 1000 mm Gewicht: keine Herstellerangaben; gewogen ca. 2300 Gramm pro Ski Camber: 0 mm Edge Angle: 1 Base / 87 Sidewall Seitenwangen: ABS Belag: 1.2 mm ISO 7200 High Speed Precision Sintered, Die-cut Kern: Full Tip - Tail Poplar / Ash Laminate Kante: 1.9 mm hardened Steel, 360 pre-bent Wrap-Around Topsheet: ISO Foil, Screen Printed & Twice Lacquered Konstruktion: Tri-Axle Fibre Glass / Carbon Fibre Kevlar Stringers / Dry Weave Binding Retention Plate / Rubber Foil Dampening Tape

Weitere Informationen vom Hersteller gibt es hier.