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Materialtest | Völkl Shiro

Der Freerideski von Völkl im Praxistest

20.02.2012

Es ist Zuwachs in der Völkl Freeski-Kategorie zu verzeichnen. Der Shiro soll alle Speedfans, die sich zwischen dem breiten Kuro und Katana positionieren, begeistern. Ein durchgehender Rocker soll trotz aller Härte und Stabilität für Allroundtauglichkeit sorgen. Das PowderGuide-Team hat den Shiro im Praxiseinsatz am Berg getestet.

Der Völkl Shiro beim standesgemäßen Ausritt - Weite Hänge sind das ideale Einsatzgebiet. add_circle
Marius Schwager
Andrea Chiariello, Renato Contronei
Der Völkl Shiro beim standesgemäßen Ausritt - Weite Hänge sind das ideale Einsatzgebiet.

Es ist Zuwachs in der Völkl Freeski-Kategorie zu verzeichnen. Der Shiro soll alle Speedfans, die sich zwischen dem breiten Kuro und Katana positionieren, begeistern. Ein durchgehender Rocker soll trotz aller Härte und Stabilität für Allroundtauglichkeit sorgen. Das PowderGuide-Team hat den Shiro im Praxiseinsatz am Berg getestet.

Wie ein handgemachtes japanisches Kampfschwert gleitet der Shiro durch weichen Schnee. Einmal die Kante gesetzt, zieht er auf ihr seelenruhig dahin. Die Geschwindigkeitsgrenze liegt irgendwo bei Mach3 (grob geschätzt) – die wahre Grenze konnte der Testfahrer wegen weitgeschnittener und daher bremsender Freeridebekleidung leider nicht ausmachen – irgendwo bei der Hausnummer 100 km/h war die Grenze bei diesem Test.

Die durchgehende negative Vorspannung wirkt sich hier nicht negativ aus, wie einige sicher befürchten könnten. Stattdessen gibt der durchgehende Rocker dem Shiro noch vergleichsweise viel Wendigkeit im direkten Vergleich zu ähnlichen Schlachtschiffen in dieser Kategorie: egal ob Powder, Zerfahrenes oder gewalzte Piste.

Der Völkl Shiro fühlt sich – in ordentlicher Größe gefahren, d.h. mindestens Körpergröße plus x – am wohlsten in weiten, offenen Hängen. In engerem Geläuf sind die massive Bauart und das damit verbundene hohe Gewicht spürbar. In engeren Waldabschnitten muss der Fahrer seine Schwünge schon recht genau setzen, sofern er nicht nur rumrutschen, sondern flüssig Skifahren möchte. Insgesamt gehen aber auch diese dem Shiro eher artfremden Ausflüge erstaunlich locker von der Hand.

Man braucht zwar etwas mehr Kraft im Vergleich zu einem modernen Freeride-Standardski wie dem Völkl Gotama, um mit dem Shiro anständig durch dichten Wald zu schwingen, doch mit etwas Vorsicht gelingt selbst dies erstaunlich gut. Den Haken bei „Alltagstauglichkeit“ können wir daher auch setzen, wenn auch mit geringen Einschränkungen. Das beigefügte Carbon macht den Shiro leider nur unwesentlich leichter. Lange Tragepassagen sollte man daher eher mit anderen Ski begehen, will man für die Abfahrt noch Bumms in den Beinen haben. Eine gute Portion Härte und Stabilität wird dank dem Carbon allerdings erreicht.

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Der mittelstarke Seitenzug (Radius) ist Geschmacksache. Auf der Piste hilft er für riesenslalomartiges Fahrvergnügen, führt aber auch dazu, dass es in gemischten Schneeverhältnissen leichte Abzüge gibt durch gelegentliche Neigung zum Verschneiden bei bruchharschigen Bedingungen. Mir persönlich gefällt wenig Seitenzug hier für mehr Driftanteil einfach besser. Das ist allerdings jammern auf hohem Niveau und nur eine Geschmacksfrage, den eher wenige Freerider mit mir teilen.

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Marius Schwager
Rento Contronei

„Got Balls?“

Weite und große Sprünge sind durch die Masse und dem harten Flex des Shiros das reinste Vergnügen. Hier bringt ihn nichts aus der Ruhe. Für die passende Richtung und Flugbahn muss man allerdings noch selbst sorgen.

Auch bei Backseat-Landungen gibt das harte Tail Stabilität und so lässt sich mancher zu weit hinten gelandeten Sprung oder gesetzten Schwung noch retten. Eine jugendlich-männliche Risikoeinschätzung mit Hang zur Selbstzerstörung könnte – sofern man(n) das denn will – vom Völkl Shiro mitgetragen werden.

Wer unbedingt mag, kann den Shiro auch auf Pisten sehr gut laufen lassen – um keine Pistenfahrer zu erschrecken oder gar verletzen, würde ich dies allerdings nur auf sehr leeren Pisten empfehlen.

Wo und wann würde ich den Shiro bevorzugt einsetzen?
Große, weite Hänge mit viel Cliffpotential (Engelberg – Laub und Steinberg, Andermatt – Felsental), tiefe Neuschneetage bei schönem Wetter.

Wo und wann würde ich einen anderen Ski dem Shiro vorziehen?
Überall, wo viel Trage-, Lauf- oder Schiebeanteil gefragt ist und die Höhenmeter pro Abfahrt stärker limitiert sind (Arlberg, Hochfügen) oder bei Treeskiing-Tagen in engeren Waldabschnitten.

Maße: 151-119-135 (in mm) (Radius 30,1 m) bei 193 cm Länge

Fazit

Ein Ski zum Gasgeben! Der Shiro enttäuscht keinen, der das Gaspedal gerne bis zum Boden durchdrückt, gerne hoch und weit springt und ist dabei dennoch für sein Gewicht und Länge erstaunlich wendig. Ausflüge in Richtung Pistenwedeln, Buckelpiste oder Freestyle sollte man sich aber besser zweimal überlegen. Dafür gibt es bessere Ski. Der Shiro passt perfekt in die Kategorie „echter Männer-Freerideski“ und ist dabei wesentlich wendiger und leichter zu fahren durch den durchgehenden Rocker wie so manch Vorgänger und Konkurrenzski.

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