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Materialtest | Suunto Ambit

Outdooruhr, Trainingscomputer und GPS in einem

23.03.2013

Outdooruhren sind in bestimmten Kreisen wahre Erkennungszeichen, Statussymbole, ja sogar Statements. Doch nützlich am Berg sind sie ganz klar auch. Kein Alpinist wird bestreiten, dass auf ernsthaften Touren ein Höhenmesser unerlässlich ist. Und ein elektronischer Kompass ist für die meisten mehr als genug. Doch Suuntos neueste Kreation, die Ambit kann deutlich mehr: Zusätzlich ist sie nicht nur mit einer GPS-Navigationsfuntkion ausgestattet, sondern auch noch ein vollwertiger Trainingscomputer. Wir haben sie für Euch diese Saison lang getestet.

Klobige Uhren an dicken Lederarmbändern, die nach ausgestorben klingen, sind nun wirklich nicht mein Ding. Eigentlich Uhren allgemein nicht. Ich behaupte gerne, ich lebte semichronoautonom. Was leider nicht stimmt, zu sehr wird uns an allen Ecken und Enden die Zeit und deren schneller Verlauf entgegen gehalten Doch auf Ski- und Bergtouren hab ich eigentlich fast immer eine Uhr am Handgelenk. Oder am Schulterriemen. Eine Outdooruhr, genau. Verlässliche Höhenangaben sind mir viel wert.

Im Alltag

Doch seitdem ich die Ambit habe, hat sich das geändert. Immer häufiger hab ich das Zeiteisen bei allen möglichen Tätigkeiten am Handgelenk. Natürlich ist die schwarze Manschette keine kleine Uhr, dafür ist das Metallgehäuse aber sehr robust –wenn auch ein wenig kratzempfindlich - sowie Wasserdicht bis 100m. Und grössenmässig liegt sie im normalen Durchschnitt, was Outdooruhren angeht. Was wiederum erstaunt, wenn man bedenkt, was die Uhr alles kann und dass ein vollwertiger GPS-Empfänger auch noch seitlich am Gehäuse sitzt. Dieser ist jedoch erstaunlich geschickt in das Armband eingelassen und stört den Tragekomfort kaum. Klar ist es eine grosse Uhr, und auch noch mit Plastikarmband, doch der Tragekomfort ist dank Passform und grossflächig gelochtem Armband gut und sie stört weder im Alltag noch beim Sport.

Und bei Letzterem ist sie erstaunlich oft mit von der Partie. Dank mitgeliefertem Pulsgurt habe ich plötzlich wieder angefangen, beim Training auf die Herzfrequenz zu achten. Ob auf dem Bike (Bike-Pod für Tacho- oder Pedalfrequenzfunktionen sowie Lenkradhalterung gäbe es jeweils als Zubehör) oder beim Joggen ist die Ambit zum wirklich nützlichen Begleiter geworden. Und auch auf Skitouren ist der Pulsgurt erstaunlich sinnvoll. Eigentlich hab ich ihn nur mal mitgenommen, um die Sache auszutesten und es war mir von vorn herein klar, dass diesen Schmarrn kein Mensch am Berg braucht, doch hab ich festgestellt, dass ich mir meine Körner im Aufstieg sehr viel besser einteilen kann, wenn ich ab und zu mal auf den Puls achte und eine gewisse Schwelle nicht überschreite. In dieser Hinsicht ist die Uhr sehr didaktisch.

Als Gadget

Denn nicht nur, dass einem der Puls angezeigt wird, er wird auch aufgezeichnet. Zumindest, wenn man das Aktivitäten-Logbuch aktiviert. Zusammen mit Höhenverlauf, Temperatur und GPS-Track und sonstigen, aktivitätsabhängigen Spielerein. Wie aktuelle und durchschnittliche Steiggeschwindigkeit. Oder prozentualer Sauerstoffgehalt. Oder Kalorienverbrauch, oder was auch immer. So kann man sehr gut sehen, wann man wo wie viele Körner gelassen hat und wo man gut unterwegs war oder wo man's übertrieben hat. Und wen die voreingestellten Modi nicht zufrieden stellen, der programmiert sich schnell selbst welche. Oder gleich ganz neue Funktionen. Mit mathematischen Operationen lassen sich sämtliche Rohdaten der Uhr zu ganz beliebigen Parametern umwandeln und personalisierte Apps erstellen. Die Uhr soll die momentan bewältigte Hangneigung anzeigen? Kein Problem, App integrieren und schon tut sie's.

All diese Infos und Funtkionen werden über Movescount gesteuert, eine Online-Plattform, zu der die Daten der Uhr mittels USB-Kabelklemme hochgeladen werden (Ich als Oldschool-Computernutzer hätte mir zwar eine lokal abgelegte Version gewünscht und kann mit den Community-Funktionen wenig anfangen, aber da muss man sich wohl dem Lauf der Zeit fügen). Dort lässt sich die Uhr programmieren und anpassen. Nicht nur die gewünschten Anzeigen, sondern genauso die eigenen Physis-Daten, damit der Trainingscomputer auch sinnvolle Angaben macht bis hin zu allen Menüpunkten der Uhr lassen sich hier einfach per Mausklick anpassen. Ausserdem kann man hier seine Touren auch bestens analysieren und archivieren. Die aufgezeichneten GPS-Tracks (die von Beschleunigungssensoren verbessert und verfeinert werden) werden hier direkt als Kartenoverlay angezeigt, und dazu die Kurven des Höhendiagramms, oder der Körperdaten.

Am Berg

Auch lassen sich hier GPS-Tracks zur Navigation entwerfen, Routen zusammenstellen und diese auf die Uhr übertragen. So gewappnet, kann die Uhr problemlos zur Navigation im Gelände eingesetzt werden. Dabei führt sie sehr übersichtlich von Wegpunkt zu Wegpunkt einer zuvor generierten Route. Die Displayanzeige lässt dabei eine intuitive Richtungsfindung zu und informiert über die momentane Entfernung zum nächsten Wegpunkt. Das funktioniert erstaunlich gut und einfach. Eine kartenartige Ansicht der Route ist dabei auch möglich.

Sehr sinnvoll im Ernstfall kann auch die „Find Back" -Funktion sein. Wenn man seine Aktivität per Logbuch aufzeichnet, kann man einfach diese Funktion auswählen und die Uhr führt einen zum Ausgangspunkt zurück. Der Schlechtwettereinbruch verliert so einen Teil des Schreckens. Auch lassen sich, zwar etwas umständlich, aber problemlos, unterwegs Wegpunkte eingeben. Ob Abends auf der Hütte oder im Notfall während der Tour. Sinnvollerweise lässt sich dabei auch das Koordinaten-Refernzsystem wählen. Mit Schweizer Karten unterwegs? Kein Problem: Einfach die Uhr darauf einstellen und die Koordinaten genau wie aus der Karte abgelesen eingeben. So findet man locker zur Hütte oder zum Parkplatz zurück.

Die Routenaufzeichnung funktioniert sehr gut. Will man allerdings in der Abfahrt brauchbare Auflösungen erreichen, muss die Uhr schon auf schnellen Erfassungsintervall von 1 Sekunde (sonst 10s bzw. Beim GPS auch 60s) eingestellt sein. Und das wiederum frisst Batterie. Denn die Uhr läuft mit Akku, welcher über das Daten-USB-Kabel aufgeladen wird. Im Alltag hält die Uhr dabei locker einen Monat durch, bei normaler Benutzung mit mehreren Aktivitäten pro Woche habe ich die Uhr nie bewusst aufladen müssen. Das geschah meist nebenbei beim Datentransfer, nachdem die Uhr dann oft noch am Rechner gelassen wurde. Wenn man aber z.B. Skitouren mit Pulsgurt und maximaler, zeitlicher Auflösung geht, dann sind 2-3 Tage Touren das Maximum, dass der Akku mitmacht. Für die Meisten sicherlich kein Problem, schränkt es doch den Einsatz bei ernsthaften Unternehmungen stark ein.

Das Display ist dabei in allen Situationen hervorragend ablesbar und lässt sich auf Knopfdruck invertieren. Entweder lässige Optik bei heller Schrift auf dunklem Untergrund, oder verbesserte Ablesbarkeit im Normalmodus. Zusätzlich lässt sich der Kontrast fein einstellen. Und wenn das Licht schummrig wird, gibt es eine einstellbare Hintergrundbeleuchtung in verschiedenen Modi.

Die Höhenmesserfunktion unterstützt den Skitourengeher zuverlässig bei der Orientierung im Gebirge und hat mich durch recht geringe Abweichungen von der Realität erstaunt. Da war ich mehr Interpretationsraum gewohnt. Sehr sinnvoll ist auch die grafische Darstellung als Höhen- oder barometrische Kurve über den Verlauf der letzten 12 bzw. 27 Stunden. Auch der elektronische Kompass ist sehr alltagstauglich, da er als 3D-Kompass sehr wenig anfällig gegenüber Neigungen der Uhr ist. Ein Faktor, der am Handgelenk wirklich einen Unterschied macht. Trotzdem ersetzt er natürlich keinen vollwertigen Peilkompass, wenn ernsthafte Navigation gefragt ist.

Weiterhin ist am Berg natürlich die Barometerfunktion sehr hilfreich, wenn man in der Höhe auf der Hütte oder im Biwak bleibt. Zusammen mit dem Thermometer kann man doch sinnvolle Wetterinfos bekommen. Die Temperaturmessung ist am Handgelenk naturgemäss so stark durch die Körperwärme beeinflusst, dass sie unbrauchbar ist, aber auch während der Mittagsrast abgelegt, reagiert die Anzeige so träge, dass während einer normalen Brotzeit keine echte Temperaturmessung hinzubekommen ist. Das ist etwas mühsam und so muss, soll die Temperatur im Auge behalten werden, die Uhr irgendwo draussen am Rucksack oder ähnlichem verzurrt werden.

Dafür ist sie als Zeiteisen umso genauer. Dank GPS-Zeit ist ein Falschgehen nahezu ausgeschlossen –ein nicht zu unterschätzender Rechthaber-Poserfaktor mit dem man gehörige Portionen Kopfschütteln und Antipathie sammeln kann!
Eine Stoppuhr-Funktion lässt sich auch zuschalten. Durchaus hier und dort sinnvoll auch im Alltag. Was ich persönlich jedoch vermisse, ist dass diese keine Timer-Funktion hat. Wenn ich schon mit Zeiteisenklotz am Handgelenk rumlaufe, möchte ich, dass dieses mir sagt, wann die Wäsche fertig, das Ei wachsweich oder der Schwangerschaftstest fertig entwickelt ist. Die Uhr kann alles, nur diese Kleinigkeit nicht. Eine fast schon menschliche Schwäche.

Insgesamt kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass ich diese Saison weder den gesamten Funktionsumfang der Uhr angewandt hab, noch sicher bin, ihn begriffen zu haben. Zu viele Zusatzfunktionen bietet schlicht gerade die Individualisierung über Movescount. Das ist natürlich alles andere als ein Nachteil, so hat jeder schliesslich sehr wahrscheinlich die Uhr, die er braucht. Um da hin zu kommen, empfiehlt sich allerdings das Studium der nicht mitgelieferten Bedienungsanleitung, und nicht nur des sehr simplen Schnellstartguides.

 

Fazit

Schlussendlich ist die Ambit ein echter Alleskönner mit so vielen Funktionen, dass kaum ein Mensch diese alle wirklich braucht. Und das ganze zum Preis eines durchschnittlichen, studentischen fahrbaren Untersatzes, landläufig auch Rostlaube genannt. Doch gerade mit ihrer Multifunktionalität ist sie erstaunlich sinnvoll am Berg. Es gibt wenig, das sie nicht kann. Als Outdoor-Uhr sowieso, aber gerade die Navigationsfunktion kann im Ernstfall Gold wert sein. Und wer dazu noch einen Trainingscomputer braucht, findet in der Ambit wirklich alles sinnvoll vereint. Und mehr. Und ehrlicherweise: Wer kauft schon solche Gadgets, weil er sie wirklich braucht?

Vor- und Nachteile

+Outdooruhr mit barometrischem Höhenmesser, 3D Kompass und Temperaturfühler
+ Vollwertiger Trainingscomputer
+ GPS-Navigation nach Routen oder einzelnen Wegpunkten
+ Pulsgurt
+ Logbuch mit Pulskurven, Höhenverlauf und GPS-Track
+ zahllose Anzeigemodi
+ flexibel programmier- und anpassbar
+ Display auf Knopfdruck invertierbar
- Akkulebensdauer je nach Nutzung eingeschränkt
- Preis

Details

Produktbezeichnung: Suunto Ambit Black (HR)
Preis (UVP): 479,99 € / 599,- CHF (ohne Herzfrequenzgurt 429,99 € / 499,- CHF)
Versionen: Black und Silver (je mit oder ohne Herzfrequenzgurt)
Gewicht: 77g
Umfassendes GPS mit Wegpunkt- und Routennavigation
Einzigartiger 3D-Kompass
Präzise barometrische Höhenmessung
Barometer
Temperaturmessung
Globale und lokale GPS-Raster
Präzise Geschwindigkeitsmessung dank Beschleunigungssensoren und GPS
Präzise vertikale Geschwindigkeit mit barometrischer Höhenmessung
Erweiterte Herzfrequenz mit Peak-Trainingseffekt und Erholungszeit
Online-Sporttagebuch
Besonders robustes Gehäuse
Wasserdicht bis 100m
aktualisierbar

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